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Worauf achten beim Kauf?

Autor: Erdmann Braschos

Sagt ein bestimmter Bootstyp, ein Fabrikat oder Modell zu, wird man sich gezielt Informationen beschaffen. Zu den meisten Booten gibt es Bootstests. Diese sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, weil Tester das werftneue Boot oft nur für Stunden selbst anschauen und Probe fahren.

Worauf achten beim Kauf?
Sprechen Sie mit Eignern, von diesen erhalten Sie die zuverlässigsten Infos zu einem Bootstyp.© boat24.com

Über die handwerkliche Güte und Haltbarkeit eines Bootes, geschweige denn die Eignung fürs mehrwöchige Bordleben, sagen solche Tests wenig aus. Außerdem sind sie nicht unabhängig. Fachzeitschriften waren schon immer auf die Inserate der Bootshändler und Werften angewiesen. Deshalb sind Tests zustimmend und verkaufsfördernd abgefasst. Kritische Hinweise stehen eher zwischen den Zeilen. Wenn überhaupt, werden Kleinigkeiten bemängelt, die von der Werft leicht zu beheben sind. Das soll Kompetenz signalisieren, ist aber leicht zu durchschauen. Orientierung zum generellen Konzept des Bootes bieten solche Artikel dennoch. Manchmal werden ähnliche Boote erwähnt, die der Interessent kennen sollte.

Sprechen Sie mit Eignern

Informationen zur Substanz, Vorzügen, Schwächen und Mängeln eines bestimmten Bootstyps bekommt man von langjährigen Eignern. Sie sind die wahren, die kenntnisreichsten Tester. Einiges ist über spezielle Seiten im Internet und auch in Foren nachzulesen. Wer Englisch versteht, profitiert vom Wissen der englischsprachigen Community, die viel größer ist als die deutschsprachige Bootsszene. Das hilft besonders bei ausländischen oder international gefragten Fabrikaten.

Wie es richtig teuer wird

Teuer und ärgerlich kann der Kauf eines Bootes werden, wenn Sie unüberlegt vorgehen; wenn Sie sich spontan, aus einer (Urlaubs-)Laune heraus ein vermeintliches Schnäppchen zulegen, ohne sich mit wesentlichen Einzelheiten, wie Funktion und Zustand des Bootes, zu befassen; wenn Sie den Angaben des Verkäufers oder Händlers vertraut haben und diese nicht zutreffen; wenn das Boot entgegen der Beschreibung und vertraglichen Zusicherung weder fahrbereit, benutzbar noch seeklar ist; wenn das Boot nicht zu Ihren persönlichen Verhältnissen passt; wenn Sie eine Baustelle gekauft haben, Ihnen die handwerklichen wie finanziellen Möglichkeiten und das organisatorische Geschick zur Lösung der anstehenden Aufgaben fehlen. An einem Boot ist immer mehr zu tun als zunächst angenommen. Auch vorsichtige Zeitschätzungen reichen selten aus.

Teuer und ärgerlich kann der Kauf eines Bootes auch dann werden, wenn Sie entgegen den Angaben des Voreigners oder der Zusicherung des Händlers die Mehrwertsteuer für das Boot selbst bezahlen müssen; wenn eine andere, im Land des Liegeplatzes zu zahlende Abgabe oder Luxussteuer für das Boot von Ihnen zu entrichten ist; wenn die mündlichen Zusagen und das Kleingedruckte des Kaufvertrages nicht übereinstimmen, denn nur der Jurist liest das Kleingedruckte; wenn Sie das Boot bezahlt haben, es aber nicht bewegen dürfen, weil der Voreigner die Liegegebühr nicht bezahlt hat. Dadurch kann über Jahre eine stolze Summe aufgelaufen sein, für die womöglich sogar Zins und Zinseszins von Ihnen als neuem Bootseigner zu entrichten sind. Der Verkäufer hatte seine Gründe, das Thema nicht anzuschneiden. Sie als Käufer kommen vielleicht gar nicht auf die Idee, diese Themen anzusprechen.

Vorsicht Altlasten

Schwierig wird es möglicherweise auch, wenn es sonstige rechtliche Unklarheiten oder Überraschungen gibt: Altlasten, wie im Schiffsregister auf das Boot eingetragene Hypotheken, andere Eigentumsvorbehalte, oder vor Ort unbezahlte Rechnungen für Arbeiten am Boot. Die Beispiele zeigen: Wenn Sie beim Kauf nicht aufpassen und vertrauensselig sind, haben Sie zwar ein Boot, aber unerwartet weitere Kosten und Ärger. Und damit ein Problem.

Bedenken Sie: Wenn Sie ein Boot im Ausland kaufen, nutzen Ihnen eigene Rechtsstandpunkte nichts. Wenn es schiefgeht, müssen Sie Ihre Ansprüche im Ausland durchsetzen. Das ist undurchsichtig, teuer und kann Jahre dauern. Deshalb: Vorher aufpassen und hingucken! Im Zweifel beschäftigen Sie einen mit der Materie vertrauten Anwalt, und zwar «bevor das Kind in den Brunnen fällt». Damit sparen Sie für den Einsatz einiger hundert Euro womöglich Tausende oder Zigtausende und allerhand Ärger. Aufpassen und die fraglichen Punkte anhand einer Checkliste nicht nur ansprechen, sondern vertraglich ausschließen!

Damit Sie als Käufer erst gar nicht in ein rechtliches Bermudadreieck geraten, lassen Sie sich die bezahlten Liegeplatzrechnungen zeigen (oder besser nach Einsicht in die Originale Fotokopien aushändigen). Bei einem Anflug von Zweifeln klären Sie vor Ort mit der Marina, dem Vermieter des Bootsstellplatzes, ob Sie nach der Übernahme ungehindert über das Boot verfügen, sprich damit ablegen können. Das ist gerade bei einem Boot, das seit einer Weile irgendwo im Ausland an Land steht, wichtig.

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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