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Golden Opus

Autor: Erdmann Braschos

Es ist interessant, was Yachtkonstrukteure für sich selbst entwerfen und segeln. Ihre Boote zeigen, was sie als schön und praktisch empfinden, wie die Architekten ticken: Zum Beispiel die 22m Fahrtenyacht «Golden Opus» von Ron Holland.

Golden Opus
© Ron Holland Design Canada Inc.

Der gebürtige Neuseeländer und langjährige Wahlire Ron Holland war in den Siebzigern und Achtzigern Shootingstar der internationalen Yachtkonstruktion. Bemerkenswert dabei ist, dass er seine beeindruckende Karriere quasi aus dem Nichts, von einem neuseeländischen Strand aus mit nicht zu bremsender Segelbegeisterung und Neugier begann.

Zug um Zug machte er mit dem Vierteltonner «Egythene», dem revolutionären Admiral‘s Cupper «Imp», den Eintonnern «Golden Apple» oder «Big Apple», Edward Heaths letzter «Morning Cloud», mit «Midnight Sun» oder dem Maxi «Kialoa IV» auf den Regattabahnen von sich reden. Es folgte der Trimaran «Colt Cars GB», der Whitbread Renner «Lion New Zealand» und die Entwickung der letzten Americas Cup Zwölfer für Neuseeland. Damals teilte er sich den Entwurf von Grand Prix-Booten mit seinen Rivalen German Frers und Doug Peterson. Holland hatte so viel zu tun, dass er mit einer eigenen zweimotorigen Maschine zum Kunden flog. Für die Fahrt von seinem Büro in Cork nahm er seinen Renault R4.

Nach seinem Triumphzug auf den Regattabahnen zeichnete der umgängliche Selfmademan Holland mit seinem zeitweise 14-köpfigen Team die ersten Segel-Megayachten wie «Garuda» oder «Whirlwind XII». Diese 31 Meter Segler waren damals enorm große Boote.

© Ron Holland Design Canada Inc.

Der Schulabbrecher und Autodidakt Ron Holland hatte die Verwandlung der behäbigen, V-spantigen Hochseelokomotive zur modernen Rennyacht mit filigranen Anhängseln für Kiel und Ruderblatt vorangetrieben. Man kann das in ganzer Konsequenz bei den Swan Yachten vom Typ 441, 371, 42, 391 und 43 der Holland-Ära bei Nautor Swan sehen. Sie dauerte von 1978 – 90. Zu seinen seglerisch interessantesten Serienbooten gehört das 11 Metre One Design, ein leichtes, langes und beeindruckend schnelles offenes Kielboot. Wenn Sie einfach nur schnell segeln wollen: Gebraucht kaufen und auftakeln.

Nach turbulenten und erfolgreichen Jahren, in denen er für andere Leute Boote gezeichnet hatte, träumte Holland von einem eigenen Boot. So schlug er seiner damaligen Frau Joanna bei passender Gelegenheit seine Idee vor. Er bekam die Antwort, die jeder Mann von seiner Frau zum Thema Wasserspielzeug kennt. Es war ein entschiedenes, detailliert begründetes und gnadenloses «Nein.»

Nun würde die Geschichte hier enden, wenn Joanna sich durchgesetzt hätte. Doch hatte Holland einen Freund, einen Geschäftsmann aus Dublin und der wiederum gab ihm ein stattliches Darlehen für das Boot. Außerdem hatte Holland gleich zwei Geschäftsideen zum Segelspielzeug. Es würde sich erstens verchartern lassen, was mindestens die Betriebskosten und noch etwas mehr einspielen würde. Zweitens war es als Prototyp für eine Flotte gediegener Tourenboote gedacht. Nicht zuletzt hatte er ein unschlagbares Angebot der neuseeländischen Werft Sensation Yachts.

Diesmal sollte es kein Trendsetter für die Regattabahn werden, sondern etwas Gediegenes, Bleibendes. Gerade so groß, dass es sich zu zweit handhaben lässt und mit 22 Metern Platz genug für Segelfreunde beim ausgiebigen Sommertörn bietet. Ein Deckssalon mit sicherer Mittelplicht für die Weltmeere – über einem traditionell geneigten Vorsteven, klassisch positivem Yachtheck und einem ansehnlichen Freibord. «Der Deckssprung» – gemeint ist der Schwung zwischen Bug und Heckpartie – «und die Freibordhöhe ist gestalterisch eine der heikelsten Finessen beim Yachtentwurf» berichtet Holland. «Hochbordige Boote sind hässlich. Flachbordige Boote segeln nass.» Raum unter Deck sollte sein Schiff natürlich auch haben, damit es sich verchartern lässt. Der mittschiffs angehobene Deckssalon bietet Platz für einen gescheiten Maschinen- und Technikraum, der bei einer Blauwasseryacht dieser Größe praktisch ist. Das Boot wurde so ausgerüstet, dass sich das Großsegel vom Rudergänger per Knopfdruck setzen und dichtholen lässt. Die 40 Tonnen Slup erhielt leistungsfähige, hochgeschnittene Segel.

© Ron Holland Design Canada Inc.

«Golden Opus» ist ein konventionelles, no nonsense (Das KIS-Prinzip: Keep it simple) Fahrtenyachtdesign, das gestalterisch an seine Superyachtentwürfe «Cyclos», «Juliet» oder «Ethereal» erinnert. «Ich wollte ein ringsum schönes Boot, wobei ich zugebe, dass Schönheit immer im Auge des Betrachters liegt» sagt Holland. «Mancher Neubau heute hat Gadgets, die nur dazu da sind, um aufzufallen aber sonst keinen Zweck erfüllen» ergänzt Holland, der 2003 mit dem gigantischen 75m Einmaster «Mirabella V» (Der größte Mast der Welt) von sich reden machte.

Interessanter noch als das Boot sind die Reisen, die «Golden Opus» unter anderem mit Dave Allen unternahm. Der amerikanische Auftraggeber des legendären Ron Holland Cuppers «Imp» wollte das Wrack eines Flugzeugs finden, in dem sein Freund als junger Mann im Zweiten Weltkrieg ums Leben kam. Einen Tag, nachdem er es nach beharrlicher Suche im Pazifik gefunden hatte, konnte der bereits von einer Krankheit gezeichnete Segler sterben. Der Konstrukteur und langjährige Eigner der «Golden Opus» segelte kreuz und quer durch den Pazifik mit dem blauwassertauglichen Allrounder. Der passionierte Hochseesegler Holland, der als junger Mann an Bord einer Segelyacht seine Heimat verließ, zeigte seiner Familie die Schönheit des blauen Planeten, bot ihnen und sich wunderbare Erlebnisse auf See und an fernen Ankerplätzen. Nach einigen Jahren verkaufte Holland seine «Golden Opus», von der damals nur ein Schwesterschiff entstand.

Länge über Alles (LOL): 22,2m
Länge Wasserlinie: 16,8m
Breite: 5,6m
Tiefgang: 2,9m
Verdrängung: 40t
Segelfläche: 228m2
Brückendurchfahrtshöhe: 31,4m

Thema

Segeln

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Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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Wo suchen?

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Früher war der Interessent auf Inserate in Zeitschriften, den Aushang im Hafen, im Verein oder Bootslager, auf Hinweise aus dem Bekanntenkreis, Yachtmakler oder «Freund Zufall» angewiesen. Dieser Weg war mühsam und ergab Zufallstreffer.

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