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Betriebskosten im Rahmen halten

Tipps zum preiswerten Betrieb einer Segelyacht üblicher Größe

Betriebskosten im Rahmen halten
Maisegeln auf der Ostsee - ein Genuss, der den Aufwand für das eigene Boot vergessen lässt © Swedesail

Welche Entscheidungen und Extras beim Betrieb einer Segelyacht kostentreibend sind. Mit welchen Maßnahmen Sie die jährlichen Ausgaben im Rahmen halten und auf Dauer an Ihre persönlichen Verhältnisse anpassen.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 04.10.2021

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • wie Sie maßgebliche Kosten beim Betrieb Ihres Bootes reduzieren
  • welche Konsequenzen Baumaterial und Ausstattung haben
  • persönliche Voraussetzungen zum preiswerten Betrieb
  • weitere Tipps zur günstigen Instandhaltung

Der Beitrag Unterhaltskosten Segelyacht zeigt, dass die jährlichen Ausgaben bereits bei der mittelgroßen Segelyacht erschreckend hoch sein können. Derart, dass sogar die Zehn-Prozent Formel, wonach ein Boot jedes Jahr etwa 10 Prozent seines Neupreises kostet, übertroffen wird. Demnach bezahlt man nach 10 Jahren, ohne weiteres auch früher, das Boot nochmal. Es gibt solvente Eigner, die das mit links schaffen und nicht kümmert. Die gute Nachricht: hohe jährliche Kosten für's Boot sind nicht in Stein gemeißelt. Sie lassen sich anpassen. Wer kostenseitig die Kirche im Dorf lassen möchte, achtet auf folgende Punkte:

  • Revier und Liegeplatz
  • Baumaterial, Ausstattung
  • laufende Wartung und Pflege

Revier und Liegeplatz

Es ist wunderbar, das Boot im sonnigen Süden zu haben. In Südfrankreich, Spanien oder Italien ist man anders drauf, geht vieles langsamer und deutlich entspannter. Diese Ruhe und Gelassenheit überträgt sich bald auf den Eigner, der gestresst vom Arbeitsleben und der Anreise mit hoher Drehzahl an Bord ankommt. In einer full service Marina fängt der Urlaub gleich nach der Ankunft an. Von einer ansprechenden Gastronomie direkt am Hafen, über gepflegte Waschräume bis hin zur Tankstelle, Strom, Wasser und WLAN ist alles da.

Revier und Liegeplatz entscheiden über die laufenden Kosten

Im Artikel Unterhaltskosten Segelyacht wurde an verschiedenen Marina-Beispielen vorgerechnet, wie teuer das ist. Revier und Liegeplatz sind entscheidende Kostentreiber. Es lohnt sich daher, die Vor- und Nachteile abzuwägen. Muß es wirklich die erste Adresse sein? Liegt Boot zehn von zwölf Monaten im Süden still, tut es auch die dritt- oder viertbeste Location. Das macht Mühe und erfordert etwas Geschick, entlastet den Bootsetat aber enorm. Hinzu kommt, dass weniger gefragte Häfen oder Bootslager individueller sind. Oft haben sie mehr Charme. Sehr hilfreich ist es, wenn Sie die Landessprache über die üblichen Höflichkeitsfloskeln hinaus sprechen.

Vielleicht haben Sie auch einen einheimischen Freund. Das erleichtert die Liegeplatzsuche und trägt dazu bei, Mentalitätsgrenzen zu überwinden. Zwar werden Deutsche, Schweizer oder Österreicher in südlichen Ländern als zahlungskräftig geschätzt, sind aber zugleich als Besserwisser und Korinthenkacker unbeliebt. In der first class-Marina werden solche Schwierigkeiten vom geschulten Marinapersonal weggelächelt. Am no name Liege- oder Stellplatz für's Boot braucht es dagegen Einfühlungsvermögen und manchmal auch reichlich Geduld. Oft wird die Bezahlung von Liege- oder Stellplatzgebühren wie auch der Arbeiten am Boot in bar erwartet.

Bedenken Sie auch die Reisekosten zum Boot

Natürlich ist es in der Bucht von Andratx im Südwesten Mallorcas schöner als an Ost- und Nordsee. Der Mittelmeerliegeplatz bleibt aber auch in der günstigsten Variante deutlich teurer als das Heimatrevier. Hinzu kommen die jährlichen Reisekosten (Parkhaus, Flüge und Transfers), die in den Beispielrechnungen des Beitrages Unterhaltskosten Segelyacht nicht berücksichtigt wurden, da es keine unmittelbaren Bootsbetriebskosten sind. Sie fliegen üblicherweise in der Hochsaison mit der Familie zum Boot, ansonsten in der Vor- und vielleicht auch Nachsaison (Oster- und Herbstferien) - jeweils zum entsprechenden Tarif.

Das tolle am Boot ist, dass Sie mobil sind. Es ist wunderbar, im Lauf der Jahre das Revier mal zu wechseln. Vielleicht betreiben Sie Ihr Schiff eine Weile im sonnigen und kostspieligen Mittelmeer - und segeln irgendwann woanders hin. Vielleicht ans spanische Festland, nach Italien, Griechenland, Zypern oder zur Türkei. So bleibt Ihr Seglerleben abwechslungsreich und Sie lernen unterschiedliche Küsten, Länder und Leute kennen. Wenn Ihnen ein Gewässer wie die gefragte Cote d'Azur oder die beliebten Balearen auf Dauer zu teuer wird, legen Sie einfach ab und steuern eine Küste an, wo es günstigere Liegeplätze gibt. Überlegen Sie auch, ob und wie lange das Boot wirklich im Süden liegen muß. Denn irgendwann ist es Zeit für Skandinavien, die Ostsee. Dort ist es nicht so heiß, das Klima zum Arbeiten an Bord deutlich angenehmer und die Infrastruktur mit Baumärkten, Bootszubehör, Servicetechnikern und Segelmacher besser.

Nach meiner Erfahrung lässt sich eine Yacht in einem entfernten Revier wie dem Mittelmeer nur dann genießen, wenn sie neuwertig, grundsätzlich in Ordnung ist und gepflegt wird. Sonst entsteht über die Jahre ein schleichender Wartungsstau und Sie haben auf lange Sicht viel Arbeit, Ärger und ernsthafte technische Probleme. Mit der Beschäftigung eines Bootsmanns oder eines zuverlässigen Technikers vor Ort lässt sich das ausgleichen. Das kostet jedoch zusätzlich Geld. Fraglich ist dabei leider immer, wie gut wie abgerechneten Arbeiten gemacht werden. Leider habe ich da schon grausame Beispiele gesehen.

Wer sein Traumrevier gefunden hat und vielleicht auch eine Wohnung oder ein Ferienhaus vor Ort hat, für den lohnt auf Dauer der Kauf eines Liegeplatzes. Das Interesse an Liegeplätzen wird in gefragten Revieren steigen. Entsprechend teurer wird es auf lange Sicht.

Baumaterial, Ausstattung

Entscheidend für die Betriebskosten ist auch das Baumaterial. An einem Boot aus Stahl, Holz oder gespachtelten und gestrichenem Aluminium hängt automatisch ein Instandhaltungsetat. Ein klassisch geplanktes Holzboot oder ein Stahlschiff darf am fernen Liegeplatz nicht vergessen und vernachlässigt werden. Die Folgekosten zur Instandsetzung des angerosteten Stahlschiffes oder vergammelten Holzbootes sind zu hoch, um das in Kauf zu nehmen. Ein klassisch geplanktes und unter freiem Himmel an Land abgestelltes Holzboot ist im Süden nach 5-10 Jahren ein Totalschaden. Ich habe solche Boote in verschiedenen Bootslagern gesehen.

Ein Boot aus pflegeleichtem Kunststoff kann mal einige Jahre in sonnigen Süden stillgelegt werden, wenn es beruflich oder privat andere Prioritäten gibt: Maschine konservieren, Boot regelmäßig lüften und gelegentlich jemand an Bord nach dem Rechten sehen lassen. So kommen Sie mit einer gründlichen Politur und nachgeholter Wartung der Bordtechnik vergleichsweise glimplich davon.

Vorsicht bei den Segeln

Kostentreibend ist die Ausrüstung des Bootes mit UV-empfindlichen Foliensegeln. Solch eine Garderobe sieht cool aus, hat aber leider eine kurze Lebensdauer - besonders, wenn sie wie üblich gerollt wird und der Sonne unnötig lange ausgesetzt ist. Erfahrene Segler sparen mit dem Verzicht auf Rollanlagen, UV-stabilen Polyestertuchen und pfleglicher Behandlung auf lange Sicht viele tausend Euro. Natürlich macht das Zusammenlegen und Abdecken der Segel abends mehr Arbeit. Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, liegt eine 30 qm Fock mit etwas Übung in wenigen Minuten zusammengelegt an Deck. Ein 44 qm Groß verschwindet ebenfalls mit wenigen Handgriffen unter der Baumpersenning. Die Besegelung wegrollen wie eine Markise ist natürlich bequemer. Diese Variante verkauft sich besser. Den Preis für diese Coolness und Komfort auf lange Sicht zahlen Sie.

Essenzielle Instrumente wie Logge und Echolot sind durch vergossene Komponenten im Lauf der Jahrzehnte beeindruckend haltbar geworden. Da hat sich viel getan. Kostentreibend wird moderne Yachtelektronik besonders dann, wenn Sie jeden Schnickschnack einbauen und miteinander vernetzen, wie es heute Mode ist. Sollten Sie nicht in England, Irland oder Schottland segeln lassen Sie das Radar weg.

Bleiben Sie fokussiert - auf's Segeln

Machen Sie auch einen weiten Bogen um Hydraulik an Bord und einen noch größeren um Bus-Systeme. Sie zahlen sich für die Wartung, Reparaturen, den Austausch von Komponenten oder Updates dumm und dusselig. Vieles davon steht sich an Bord auch schlicht kaputt (UV-Belastung, Schwitzwasserbildung, Korrosion, eingebaute Obsoleszens). Beherzigen sie das KISS-Prinzip KISS - Keep it simple. Je überschaubarer Sie Ihr Boot ausstatten, desto mehr Zeit bleibt Ihnen zum Segeln. Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, gibt es auch beim überlegt ausgerüsteten Boot stets Dinge, um die Sie sich kümmern müssen: Motoren- und Getriebewartung, jährliche Schmierung des Propellers, turnusmäßige Reparatur von Pumpen, Wartung der Winschen, des Travellers und so weiter. Es hört halt nie auf.

Geschliffenes Saildrive-Getriebe, fertig zum primern und Antifouling malen
Geschliffenes Saildrive-Getriebe, fertig zum primern und Antifouling malen © Swedesail

Kostentreibend auf lange Sicht ist auch der schiffig schöne Decksbelag aus Teak. Auch treffen Sie mit der Entscheidung für einen speziellen Bootstyp oder ein bestimmtes Modell eine weitreichende Entscheidung. Mit einem Fahrtenboot aus Holz, Stahl oder lackiertem Aluminium mit Rollvorsegeln und einem Groß, dass in den Mast gerollt wird, hydraulischen Helfern, zahlreichen Instrumenten und Teakdeck haben Sie automatisch einen gepfefferten Instandhaltungsetat. Das Geld dazu müssen Sie auf Dauer übrig haben. Denken Sie an den Systempreis und den markenabhängigen Tarif. Was kostet die Wartung der Klimaanlage in einem Skoda und wieviel beim Porsche? Überall, wo Boot draufsteht, ist es automatisch teuer. Das gilt auch für die Arbeitsstunde des Monteurs.

Wartung und Bootspflege

Liegt das Boot in der Nähe, erledigen Sie übliche Arbeiten wie Auswassern und Einwintern im Herbst selbst. Frostempfindliche Einbauten wie die Maschine und die Pumpen der Bordtoilette, des Frisch- und Abwassersystems sind mit wenigen Handgriffen selbst eingewintert. Die Bootspflege (Antifouling malen, Politur), Durchsicht des Riggs, der Rettungsmittel, Gasanlage (Gasfernschalter und Schläuche sind alle paar Jahre zu wechseln) erledigt der handwerklich geschickte Eigner selbst, statt es kostenpfichtig machen zu lassen.

Auch die Winschwartung braucht Zeit
Auch die Winschwartung braucht Zeit © Swedesail

Früh anfangen

Günstig bleibt der Bootsbetrieb, wenn Sie als DIY-Eigner bestimmte Maßnahmen rechtzeitig beginnen. Erstens, weil Sie den Job vielleicht zum ersten Mal machen und es entsprechend dauert. Zweitens gibt es garantiert Überraschungen wie festgebackene Schrauben.

Ich nehme mir an Bord meines mehr als vierzig Jahre alten Bootes zum Saisonende immer zwei, drei Themen vor und die Teile dazu aus dem Winterlager mit nach Hause. Zubehör, Reparaturen oder Sonderanfertigungen wie Segel, Persennige oder das Sprayhood plane und bestelle ich im Spätsommer oder Herbst, weil so reichlich Zeit bleibt. Dann gibt es auch Gelegenheit zu gucken, wo Qualität und Preis stimmen. Wer stattdessen auf den letzten Drücker im Frühjahr ordert, kauft unnötig teuer und eher schlecht. Mehr zum Thema im Beitrag wie viel selbst machen.

So rechnet sich der Bootsbetrieb im nahegelegenen Heimatrevier über die eingesparte Liegegebühr hinaus.

Rechtzeitiger Ausbau des Batterieladegeräts zur Reparatur während der Wintermonate
Rechtzeitiger Ausbau des Batterieladegeräts zur Reparatur während der Wintermonate © Swedesail

Handwerklich begabte Segelfreunde

Wenn Sie handwerklich geschickt sind, heben Sie die Maschine zum gelegentlichen Wechsel der Saildrive-Manschette selbst an. Übliche Holzarbeiten beispielsweise kriegen Sie mit ein wenig Übung nach einer Weile selbst hin. Das spart Geld, macht Spaß und vertieft die Beziehung zum Schiff. Bei speziellen Gewerken wie Metallarbeiten, Edelstahl schweißen, Laminieren, Lackieren, Wartung der Gasanlage oder der Bordelektrik kommt jeder Eigner an seine handwerkliche Grenzen. Es ist wunderbar, wenn es im Segelfreundeskreis jemand gibt, der das kann und es vielleicht übernimmt. Der Freundschafts- und Liebesdienst für's Schiff läßt sich an einem verlängerten Wochenende oder kernigen "Männertörn" wunderbar gemeinsam wegsegeln. Auch haben Sie so die Gewißheit, dass die Arbeit gut gemacht wurde.

Der clevere Bootsbetrieb braucht Zeit

Eigenes "Bootsbiotop" aufbauen

Überall wo Boot draufsteht, ist es unnötig teuer. Übliche Verschleißteile können Sie natürlich an den naheliegenden Adressen am Hafen, bei Volvo oder Yamaha kaufen. Günstiger und bequemer bekommen Sie vieles im Baumarkt, Autozubehör oder Internet. Dazu müssen Sie bespielsweise die Öl- und Spritfilter nur einmal passend raussuchen (Umschlüsseln, auf Fremdfabrikate wechseln).

Für bestimmte wiederkehrende Arbeiten am Schiff suchen Sie sich Zuhause oder entlang des üblichen Weges zur Arbeit erreichbare Werkstätten, die ordentliche Arbeit machen. Das braucht Erfahrung und Zeit. Nach einer Weile wissen Sie, wohin Sie mit welchem Job gehen - und wahrscheinlich auch, wohin nie wieder.

Entbehrliches Zubehör verkaufen

Ein Beitrag zum preiswerten Bootsbetrieb ist es alles von Bord zu nehmen und zu verkaufen, was Sie nicht mehr brauchen oder erneuern wollen. Sogar alte Segel oder Winschen lassen sich versilbern. Werden die Sachen ehrlich beschrieben und der Preis stimmt, findet sich früher oder später ein Käufer. So habe ich im Lauf der Jahre sämtliche Winschen meines Bootes ersetzt und auch manch anderes Upgrade ermöglicht.

Mit diesen Maßnahmen bleibt das Boot über Jahrzehnte hinweg bezahlbar. Wie ich anhand eigener Zahlen weiß, kann ein Schiff in diesem Stil in technisch gutem Zustand zu einem Bruchteil der vielzitierten 10 Prozent Regel laufen. Dazu braucht es die Bereitschaft, sich in technische Einzelheiten seines Bootes hineinzudenken, Geduld und Zeit.

Voraussetzungen zum preiswerten Segelyachtbetrieb

  • Liegeplatz: in der Nähe
  • Baumaterial: Gfk
  • Ausstattung: KIS Prinzip
  • laufende Wartung und Pflege: selbst
  • Reparaturen: weitgehend selbst
  • handwerkliches Geschick und Zeit
  • technisch versierte Segelfreunde
  • zu erneuerndes oder selten gebrauchtes Zubehör verkaufen

Weiterführende Links

VG