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Dos and Dont’s beim Mitfahren

Autor: Erdmann Braschos

Sie segeln irgendwo mal mit? Sie sind zur Probefahrt eines Motor- oder Segelbootes eingeladen? Sie verbringen ein Wochenende an Bord der Yacht eines Bekannten? Sie planen einen gemeinsamen Törn? Das erfordert Takt, Geschick und manchmal auch eine klare Entscheidung.

Dos and Dont’s beim Mitfahren

Anfang der Achtzigerjahre war ich mal auf einem Regattaboot in den Staaten unterwegs. Bei der nächtlichen Rückkehr von einer Wettfahrt wollte der Eigner des Bootes partout eine in der Dunkelheit vor uns liegende Insel queren. Über der Insel war der beschienene Himmel seiner Heimatstadt zu sehen. Es war sein Boot, sein Revier. Eine vertrackte Situation. Wie sollte ich als Gast an Bord, so jung, dass ich sein Sohn hätte sein können, zudem noch aus dem fernen Germany, ihm klar machen, dass es keine gute Idee war? Es verlangte Takt, den richtigen Ton und geeigneten Moment zu zweit unten am Kartentisch stehend, ihn von diesem Vorhaben abzubringen. So, dass er vor seiner Crew nicht das Gesicht verlor.

Ende der Achtziger segelte ich mal als Gast auf einem Admirals Cupper auf der Elbe mit. In der Abendflaute mussten wir gegen die Strömung motoren um es zum Hamburger Yachthafen zurück zu schaffen. Plötzlich wurde der Motor warm und sicherheitshalber abgestellt. Guter Rat schien teuer. Nach einigem Palaver schlug ich vor, den anscheinend defekten Impeller auszubauen und die Motortemperatur über die Stellung des Seeventils zu justieren. Der Vorschlag wurde eine gefühlte Ewigkeit überhört, weil er halt von «dem Neuen» an Bord kam. Irgendwann wurde es so gemacht. Ich verstand, dass es so laufen mußte – und beließ es bei diesem Gastspiel an Bord. Das war mir zu viel Bugwelle, Hierarchie und Gedöns.

Ich nahm folgende Erkenntnis in mein weiteres Seglerleben mit. Wenn der Skipper selbst keine Lösung hat, sollte er bereit sein, sich die Ideen anderer anzuhören. Ganz gleich, von wem sie kommen. Es könnte eine gescheitere Idee als die eigene Ratlosigkeit dabei sein. Natürlich ist ungefragtes Klugscheißen an Bord ein echtes Don’t. Aber wenn man sich als Gast an Bord den Eindruck ist, das etwas schief läuft oder keiner einen Plan hat, sollte man seine Meinung sagen und auch sagen dürfen. Dazu braucht es Takt, sprich den richtigen Ton und Moment, damit man die Entscheidung des Skippers beeinflussen kann.

Denn eines ist klar: es gibt verschiedene Meinungen an Bord, aber das Cockpit eines Bootes ist nicht der Bundestag, wo alles ausdiskutiert wird und jeder seinen Senf dazu geben muß. Sie kennen das Sprichwort: «Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt’s einen, der die Sache regelt». Das ist der verantwortliche Skipper, meist auch Eigner des Bootes. Der Skipper sagt was gemacht wird und wie.

Vor einer Weile segelte ich mal einen Tag auf einem heißen Regattaboot in der Karibik mit. Es war eine eingespielt Crew an Bord und sonnenklar, dass ich da als lebendiger Ballast dabei bin. Es war ein toller Tag auf dem Wasser. Ich hockte mit wildfremden Burschen aus Hongkong und New York auf der hohen Kante, sah den Kiel unter uns durch das türkisfarbene Wasser flitzen. Ich hatte keine weitere Funktion, keine besondere Aufgabe – bis ich eine vom Steuermann und Skipper des Bootes bekam. Womit ein wichtiges Do beim Mitfahren auf Booten gleich welcher Art formuliert ist: Erst mal gucken wie es an Bord gehalten wird, wie die Bräuche so sind und machen was ansteht.

Auf einer namhaften klassischen Charteryacht müssen die Kaffeebecher nach dem Abwasch in einer bestimmten Ordnung in der Pantry hängen, sonst wird der Skipper grantig. In diesem Punkt geht es an Bord zu wie bei der Marine. Es mag eine seltsame Marotte des Schiffers sein. Aber machen Sie es so, wie er es haben will. Viele Segler sind hinsichtlich der Ordnung an Bord geradezu pedantisch. Bei mir an Bord müssen die Zeisinge zum Auftuchen des Großsegels steuerbord an der Griffleiste neben dem Niedergang hängen. Sie könnten natürlich auch backbord hängen, in einem Schwalbennest der Plicht oder in der Backskiste liegen.

Aber dann müßte man sie jedesmal suchen. Es gibt für den fast schon bedenklich erscheinenden Ordnungssinn erfahrener Segler meist einen Grund. Deshalb frage ich immer, wenn ich an Bord eines anderen Bootes bin: Wo sollen die Fender, die Bändsel, die Festmacher, die Winschkurbel nach Gebrauch hin? Es gibt sogar Boote, da muß das Tauwerk in einer bestimmten Art und Weise zusammen gelegt (aufgeschossen) werden. Machen Sie es einfach so, wie der Schiffer es haben will. Es hat meist einen Grund und den erfährt man dann nach einer Weile an Bord. Wenn Sie an Bord verschiedener Boote Erfahrungen gesammelt haben, wissen Sie, welche Ordnung sinnvoll ist oder was davon Ihnen übertrieben erscheint.

Es gibt vermutlich keine zweite Freizeitbeschäftigung, wo so viel Ego im Spiel ist wie beim Wassersport. Gerade für Männer sind Boote Egovergrößerungen. Und genau da wird es schwierig. Denn es geht zwar vermeintlich um die Sache, eigentlich wird aber mit Fachfragen und damit einhergehendem Kompetenzgerangel an Bord etwas anderes verhandelt. Es geht um Macht, Geltung, das eigene Revier.

Ganz gleich wie viel Ahnung oder Erfahrung jemand mitbringt, eine Meinung, wie es geht, hat er bestimmt. Motorbootfahren und Segeln ist nach meiner langjährigen Beobachtung an Bord des eigenen Bootes oder unterwegs auf fremden Planken ein Besserwissersport. Das kann anstrengend und lästig sein.

Als Schiffsführer erlebe ich manchmal Situationen, wo Genörgel und Hinweise, es müsse gemäß Segelschulbildung, neulich erworbenem Segelschein oder Seeschiffahrtsstraßenordnung so und so gehandhabt werden, lästig bis anstrengend sind. Mancher Anfänger möchte jedes Manöver nach einem bestimmten starren Schema ausgeführt sehen, weil er es so gelernt hat.

Besserwisserei zu Nebensächlichkeiten kann allen an Bord die schöne Zeit auf dem Wasser versalzen. Aber was dem erfahrenen Segler als nebensächlich, als überflüssige Schulmeisterei erscheint, ist dem Einsteiger in den Wassersport vielleicht gerade wichtig. Wie im sonstigen Landleben auch gibt es verschiedene Wahrnehmungen. Wenn Sie gerade erst ins Metier einsteigen, sollten Sie den alten Salzbuckel oder Segelfuchs, den versierten Nautiker lieber nicht mit Ihrem frisch erlernten Segelschulwissen nerven. Wenn Sie mit seiner Art der Schiffsführung nicht klar kommen, mustern Sie lieber bei nächster Gelegenheit ab. Suchen Sie sich jemand, mit es besser geht.

Wenn der Skipper des Bootes ein Manöver in einer bestimmten Art ausgeführt sehen möchte, dann widersprechen oder diskutieren sie keinesfalls, Machen es genau so, wie er es haben möchte. Es gibt später, abends im Hafen dann Gelegenheit, darüber zu sprechen. Gibt es über kurz oder lang zu viel «Gesprächsbedarf» – abmustern. Es macht keinen Spaß, die wertvolle Zeit an Bord mit unterschwelligem Mißklang, Rechthaberei bis hin zu offen ausgetragenen Streit zu verbringen.

Wenn Sie eine Probefahrt an Bord eines Bootes machen oder eingeladen sind, ist klar, das vom Ab- bis zum Anlegen alles so läuft, wie der Eigner, Verkäufer und Skipper es möchte. Niemand käme auf die Idee, dem Gastgeber während einer Einladung zu erklären, wie er seine Gäste bewirten sollte, oder?

Wenn Sie nun einen längeren Törn planen, schauen Sie sich den Skipper genau an. Wichtiger als seine Scheine ist die Erfahrung, seine Zuverlässigkeit, Übersicht und wie er sich um die Technik des Bootes kümmert. Aber besten unterhalten Sie sich mit jemand, der schon mit ihm unterwegs war. Und sollten sie unterwegs den Eindruck haben, das gerade etwas gravierend schief läuft dann versuchen Sie die Dinge möglichst freundlich und mit Takt zu ändern. So, dass der, der an Bord das Sagen hat sein Gesicht nicht verliert.

Ich habe mir bei meinen Törns angewöhnt, Dinge, die ich nicht allein entscheiden muß, mit der Crew zu besprechen. Bei der Planung gibt es meist mehrere Möglichkeiten, für den Liegeplatz am Abend eine Alternative. Wird das vor dem Ablegen oder unterwegs gemeinsam besprochen, wird bei verschiedenen Meiungen über solche Fragen abgestimmt, fühlen sich alle an Bord, auch die Einsteiger in den Wassersport, ernst- und angenommen.

VG Wort Zählmarke

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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