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Mit wem segeln?

Autor: Erdmann Braschos
  

Es bedeutet Seglern viel, mit dem richtigen Boot abzulegen. Für das Gelingen eines Törns ist es aber wichtiger, mit wem wir unterwegs sind.

Mit wem segeln?

Neulich erzählte mir ein Bekannter, er wäre mit einer Ketsch unterwegs gewesen. So sehr, wie er den Bootstyp betonte, schien ihm die Takelage außerordentlich wichtig. Das ist auf den ersten Blick verständlich. Wir wollen mit einem gescheiten Gefährt unterwegs sein und nicht mit einer Gurke. Aber ich glaube, die Hardware wird überschätzt. Natürlich sollte es halbwegs gepflegt und sicher sein. Dennoch läßt sich auch an Bord eines beliebigen Bootes eine schöne Zeit an Bord verbringen wenn die seglerischen Ansprüche nicht zu hoch sind, die Crew und das Wetter halbwegs passen.

Oder hat Ihnen mal jemand von seinem letzten Italienurlaub erzählt, er sei mit einen Touran oder einem 3er BMW dort hin gefahren? Ohne dabei die Reise selbst, die Begleitung, was er gesehen und erlebt hat, zu erwähnen. Wenn es ein spezielles Auto, ein Sportwagen oder ein Oldtimer war, wäre das vielleicht erwähnenswert. Sonst nicht.

Seit Jahrzehnten bin ich mit wechselnden Crews unterwegs. Dabei begegne ich ganz unterschiedlichen Naturen. Seglern, die beim Kennenlernen einen guten Eindruck hinterlassen, sämtliche Scheine wie Asse beim Kartenspiel vorzeigen, sich an Bord aber mit unübersehbarem Geltungsbedürfnis als anstrengend erweisen. Mancher muss an Bord etwas nachholen, was ihm sein Landleben nicht bietet.

Ich lerne umgängliche Leute kennen, mit denen ich immer wieder gern ablege. Es gibt lustige Kerle, allzu mitteilsame oder verschwiegene Naturen, mit denen kaum ein Gespräch möglich ist. In den Neunzigerjahren segelte ich einmal mit einer Männercrew nach St. Kilda. Das ist eine einsame Insel draußen vor den äußeren Hebriden im unwirtlichen Atlantik. Beim Ankern vor dem einsamen Strand meinte ein Mitsegler in Kölner Mundart: «Scheiße, keine Weiber hier.» Er hatte ausgerechnet da draußen erwartet, eine Bekanntschaft zu machen.

Eine Weile segelte ich mit Einem, der stets sein eigenes Navigationsbesteck im Pilotenkoffer mitbrachte. Leider waren seine Positionsbestimmungen nicht so beeindruckend wie das ganze Gedöns, das er darum machte.

Die Beispiele zeigen, dass man an Bord wie im normalen Landleben allen möglichen Leuten begegnet. An Land können Sie sich aus dem Weg gehen, an Bord nicht. Auch hängen Wohl und Wehe von Schiff und Besatzung von einem guten Miteinander ab. Vom Wohlbefinden ganz zu schweigen. Denn man verbringt seine kostbare Freizeit ungern mit Leuten, die anstrengend, seltsam oder unangenehm sind. Da ist es vergleichsweise Banane, ob es eine Ketsch oder eine Slup ist. Auf die Software, die Crew kommt es an. Joseph Conrad hat es in einem seiner Romane einmal so zusammengefaßt: «Ships are alright, it's the men in them.»

Also schauen Sie genau hin, mit wem sie ablegen. In der unausweichlichen Enge eines Bootes lernt man die Eigenheiten, die Stärken und Schwächen seiner Mitsegler wie unter einem Vergrößerungsglas kennen. Bei Nachtfahrten, in Streßsituationen, bei viel Wind oder Hafenmanövern gründlicher, als einem lieb ist. Es gibt Leute, die werden laut und grob, wenn sie gefordert sind. Andere erzählen an Bord gern schmutzige Witze oder greifen zur Flasche.

Wußten Sie, daß Manager ihre Führungskräfte gern zum Segeln einladen um sie richtig kennen zu lernen? Sie wollen sehen, wie sie ticken. Wer kann sich einfügen? Wer macht den ihn übertragenen Job? Wer denkt mit? Wer überblickt Situationen und handelt vorausschauend? Wer hat einen Blick für das Wohlbefinden der Crewmitglieder? Wer fährt einen Egotrip, denkt nur an sich? Wer pickt sich die Rosinen raus? Wer packt unter Deck an, übernimmt auch mal den Abwasch? Wer läßt sich Bedienen?

Eine weitere Erfahrung, die ich immer wieder mache: es gibt Leute, die verhalten sich an Bord ganz anders als an Land. Ich habe auch schon an sich nette Kerle erlebt, die in dem Augenblick, wo sie am Steuer stehen, ihre Begleiter in einem völlig unpassenden Ton herum kommandierten. Diese Naturen schlüpfen an Bord oder am Steuer in eine andere Rolle. Andere sind im Umgang mit Frauen an Bord unsicher. Die Seefahrerweisheit, wonach Frauen und Schnittblumen an Bord Unglück bringen - was für ein Bullshit - pariere ich stets mit dem Spruch: Männer und Topfpflanzen auch.

Ein Boot mehr ist als ein Boot. Es steht für Freiheit, Abenteuer, Loslassen, Bewährung, Action, Stille, Ruhe, Einsamkeit, Naturnähe. Nicht alles davon paßt zusammen. Der Eine möchte Abenteuer und Action, der Andere sucht die Stille. Anstrengend wird es, wenn es jemand an Bord gibt, der Ruhe nicht aushält und andauernd redet, Dinge erzählt, die andere vielleicht gar nicht hören wollen.

Jeder bringt einen ganzen Seesack voll Erwartungen und Sehnsüchte mit an Bord. Gerade bei einem langen oder anstrengenen Törn, wo es keine Möglichkeit zum Ausruhen oder gar Aussteigen gibt, sollten Sie schauen, was in ihrem eigenen Seesack und dem ihrer Begleiter steckt. Nun ist aber gerade das nicht einfach. Wer ist sich schon über seine eigenen Bedürfnisse im Klaren? Ganz zu schweigen von denen anderer.

An Bord sind schon langjährige Freundschaften zerbrochen, weil unterwegs Eigenschaften zutage kamen, die an Land unbemerkt blieben. Das hat natürlich auch etwas Gutes, weil man so innerhalb weniger Tage etwas Entscheidendes gelernt hat. Falls Sie sich gerade frisch verliebt haben, sollten Sie unbedingt miteinander ablegen. Und zwar auf einem möglichst spartanisch-sportlichen Boot. Da findet der Segler oder die Seglerin rasch heraus, ob sie oder er paßt.

Fazit: Segeln können die meisten von uns irgendwie. Überschätzen Sie die Hardware nicht. Aber unterschätzen Sie die Frage nicht, ob und wie wir an Bord miteinander harmonieren.

Thema

Segeln

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Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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