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So kriegt man das Schiff in den Griff

Autor: Erdmann Braschos

Der Vorteil des gebrauchten gegenüber einem neuen Boot ist, das die sogenannten Kinderkrankheiten wahrscheinlich erledigt sind. Im Idealfall funktioniert Alles. Das Boot und seine Ausstattung haben sich im Lauf der Jahre bewährt.

So kriegt man das Schiff in den Griff
© Federazione Italiana Motonautica

Allerdings übernimmt man mit dem Kauf eines gebrauchten Bootes zunächst eine Menge unbekannter, möglicherweise vernachlässigter Technik. Damit sollte sich der neue Eigner möglichst rasch vertraut machen. Gerade moderne und umfangreich ausgerüstete Boote sind kompliziert. Je mehr eingebaut ist, desto mehr muss man gucken, sich kümmern.

Welcher Motor, welches Getriebe, welche Instrumente, Pumpen, Bordwanddurchführungen und dazu gehörige Seeventile, Schläuche und Schellen sind eingebaut? Wie alt und in welchem Zustand befinden sich die Sachen? Wie alt ist die Dichtmanschette des Saildrive beim Segelboot? Gibt es Unterlagen und Wartungspläne dazu?

Man braucht zum Einstieg fünf Sachen: einen Stift und Din A5 Heft, eine Schublehre, einen Magneten, eine Digitalkamera.

Erster Schritt:

Den Motor und das Getriebe identifizieren, Typ, Baujahr und Seriennummer aufschreiben/fotografieren. Gleiches gilt für Ausrüstungen wie Pumpen, etwa die sicherheitsrelevante manuelle und elektrische Bilgenpumpe, ebenso die Druckwasserversorgung von Pantry und Sanitärraum.

Beispiel: Eine manuelle Bilgenpumpe ist sinnlos, wenn die Rückschlagklappen nicht mehr einwandfrei schließen oder die Membrane hin ist. Da pumpt man sich einen Wolf und kriegt kein Wasser aus dem Schiff. Man muss deshalb nicht gleich eine neue teure Pumpe kaufen. Meist ist die Instandsetzung mit geeigneten Ersatzteilen einfach. Dazu muss man das Fabrikat kennen und eine Explosionszeichnung haben.

Auch die Tankgrößen, Kapazität und Alter der Batterien (Bordnetz- und Anlasserbatterie) sollten in Erfahrung gebracht werden. Welche Öl- und Spritfilter (Vor- und Feinfilter), Keilriemen, Sicherungen der Motorelektrik sind vorhanden? Welches Ladegerät gibt es? Wie alt sind die Schläuche und in welchem Zustand befinden sich die Schlauchschellen. Bei der Gelegenheit werden Hersteller und Fabrikat der Bordtoilette notiert und die Unterlagen (Explosionszeichnung und Stückliste mit Bestellnummern) dazu beschafft. Es gibt viele verschiedene Bord-WCs. Bei einem Problem unterwegs ist es Welten angenehmer, gleich das passend beschaffte Ersatzteil einzubauen statt bei „Null“ anzufangen.

Schlauchschellen aus Niro sind neu kaum von verzinkter (magnetischer) Ware zu unterscheiden, gammeln aber früher oder später durch. Wird der Wassereinbruch zu spät oder nicht bemerkt ist es gefährlich oder ärgerlich.

Deshalb wird verzinkte Ware bei nächster Gelegenheit nach dem Magnetentest durch Edelstahlschellen ersetzt. Die Schlauchweite ist mit der Schublehre rasch und genau ermittelt. Borddurchlässe im Unterwasserschiff werden sicherheitshalber mit doppelten Schlauchschellen abgesichert.

Zweiter Schritt:

Gucken welche Unterlagen zum Boot überhaupt vorhanden sind. Gibt es die Betriebsanleitung zum Motor noch? Auch die Beschaffung eines sogenannten Werkstatthandbuchs mit Explosionszeichnungen zur Maschine und Getriebe lohnt sich. Diese Unterlagen sind zwar für den Profi gedacht, erleichtern aber die Ersatzteilbeschaffung und Reparatur allein schon dank übersichtlicher Darstellung aller Teile deutlich.

Alle diese Unterlagen werden jederzeit greifbar in einem Aktenordner abgeheftet. Mit solch einer eigenen, zum Boot passenden Betriebsanleitung behält man die Technik im Griff. Liegt das Boot in einem fernen Revier, hat man einen Ordner an Bord, einen zweiten zuhause.

Liegt das Boot im Ausland werden diese Unterlagen idealerweise für den Mechaniker vor Ort in der Landessprache des Reviers, sonst auch in Englisch beschafft. Manche Dokumentation ist schnell und günstig auf den Webseiten der Hersteller oder deren Vertretungen als kostenloser Download im Internet zu bekommen.

Dritter Schritt:

Die meisten Fragen zum sicheren Betrieb und zur Wartung beantworten sich durch bloßes Lesen. Diese Zeit sollte man sich nehmen.

Vierter Schritt:

Die Notizen aus der Kladde und die Fotos in den eigenen Computer übernehmen. Das vereinfacht die Ersatzteilbeschaffung nochmals. Ein dringend benötigtes Teil zur Maschine beispielsweise lässt sich anhand des Motortyps, der Seriennummer und des Baujahrs zeitsparend und ohne lästige spätere Umtauschaktionen rasch beschaffen. Das rettet gegebenenfalls den Bootsurlaub. Das gilt übrigens auch für weiteres Zubehör wie beispielsweise das Rigg oder die Winschen einer Segelyacht, oder die Seewasser Entsalzungsanlage.

Fünfter Schritt:

Gängige Verschleißteile wie den passenden Impeller der Kühlwasserpumpe und geeignete Keilriemen, Opferanoden, Motor- und Getriebeöl sowie die Filter identifizieren, kaufen und für den nächsten Wechsel an Bord parat legen. Essenzielle Sachen wie Keilriemen, den Impeller der Kühlwasserpumpe und die dazu gehörige Dichtung hat man vorsichtshalber doppelt an Bord. Es ist lästig wertvolle Urlaubszeit mit der Beschaffung von Verschleißteilen zu vergeuden.

Übrigens müssen nicht alle Schmiermittel- und Verschleißteile teuer im Bootszubehör gekauft werden. Vieles gibt es auch deutlich günstiger im Autozubehör oder Supermarkt. Wichtiger als das Original-Markenöl ist das die jeweilige Norm/Ölspezifikation und die Intervalle zum Wechseln annähernd eingehalten werden.

Sechster Schritt:

Einen eigenen Wartungsplan machen. Dazu wird mit dem Computer eine Tabelle mit Spalten für die Motorbetriebsstunden, Datum und den nächsten Termin angelegt. Diese Übersicht lässt sich um weitere Themen wie den nächsten Tausch des Getriebeöls, der Saildrive-Dichtmanschette beim Segelboot oder die Schmierung des Propellers ergänzen. Diesen Zettel ausgedruckt in die Naviecke neben den Betriebsstundenzähler legen. So hat man alles im Blick. So läuft das Schiff.

Beispiel eines Wartungsplanes Beispiel eines Wartungsplanes © E. Braschos

Sollte das Boot frevelhafterweise keinen Betriebsstundenzähler haben, wird dieser für kleines Geld nachgerüstet. Ohne dieses Instrument bleibt die Wartung von Motor und Getriebe ein Blindflug. Denn wer führt schon pingelig Logbuch und möchte nachher die Motorbetriebsstunden zusammen zählen?

Natürlich macht das alles bei der Übernahme des Bootes etwas Mühe. Es spart auf Dauer aber eine Menge Arbeit, Ärger und auch Geld. Die Frau, Familie und Freunde an Bord werden es zu schätzen wissen.

Wer sich mit der fremden Technik seines Bootes also zunächst einmal in Ruhe vertraut macht, Informationen beschafft, fehlende Unterlagen ergänzt und die Wartungsintervalle im großen und ganzen einhält, kann entspannt ablegen. Und sollte unterwegs dennoch mal etwas ausfallen, weiß der Eigner sich zu helfen.

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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