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Shit happens

Tipps zur Beseitigung fast alltäglicher Missgeschicke

Shit happens
Ein Ringschlüssel passend zur Propellernabe muß an Bord sein © E. Braschos

Ganz gleich ob Sie ein Boot chartern, ein gebrauchtes oder neues haben. Früher oder später fällt etwas aus oder ein Manöver geht schief. Manchmal muss auch der eigene Murks behoben werden.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 26.07.2018

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • wie ein klemmender Klapp- oder Drehflügelpropeller gängig gemacht wird
  • wie der Loggenimpeller wieder dreht
  • wie die Steuerseile der Ruderanlage geprüft und nachgezogen werden
  • die Tücken offener Seitenfenster, Skylights und Heckklappen
  • Dauerthemen Bord-WC und Ankerwinde

Das Schöne am Wassersport ist, dass Sie mit der Familie oder Freunden draußen in der Natur auf sich gestellt sind. Das setzt voraus, das alles einwandfrei funktioniert. Tut es aber nicht. Auch macht jeder Segler mal Mist. Anders als beim Auto können Sie nicht rechts ranfahren und den Pannendienst rufen. Viele Kleinigkeiten lassen sich aber flott mit Bordmitteln reparieren.

Propeller klemmt

Viele Segelyachten sind heute mit einem Falt- oder Drehflügelpropeller unterwegs. Leider behindern nach langer Liegezeit Seepocken das Auf- und Umklappen in Vorwärts- und Rückwärtsfahrt oder die Segelstellung. Dann verschwinde ich für einige Minuten mit Taucherbrille und Pfannenwender unter dem Boot und schiebe mit die Pocken weg.

Damit wird der klemmende Propeller von Seepocken befreit
Damit wird der klemmende Propeller von Seepocken befreit © E. Braschos

Logge geht nicht

Eine einfach zu beseitigende Störung ist ein blockierter Impeller des Geschwindigkeitsmessers. Meist hängt Seegras im Paddelrad oder eine Seepocke verklemmt es. Sicherungsmutter losdrehen, Geber ziehen, Blindstopfen einsetzen. Mit einem Schlitzschraubenzieher sind die Pocken flott abgeschoben. Prüfen Sie mit dem Finger oder durch Anpusten des Impellers, ob er leichtgängig dreht. Blindstopfen ziehen, Geber einsetzen, Sicherungsmutter handwarm anziehen – fertig.

Bei langen Liegezeiten die Woche über spare ich mir das Freikratzen mit Einsetzen des Blindstopfens.

Der Loggenimpeller liegt neben dem eingesteckten Blindstopfen vorne im Schiff
Der Loggenimpeller liegt neben dem eingesteckten Blindstopfen vorne im Schiff © E. Braschos

Labberiges Ruder

Auch für eine Ruderanlage mit Spiel in der Übertragung vom Steuerrad zum Quadranten müssen Sie keinen Mechaniker kommen lassen. Es ist üblich, dass die Steuerseile nach einem langen Kurs bei Wind und Seegang ausleiern. Mit handwerklichem Geschick und passenden Maulschlüsseln lassen sie sich in einer halben Stunde nachziehen. Die Ruderanlage meines Bootes hat in der Steuerradnabe einen Scherstift, der nach einigen Jahren ausleiert. Seit dem Bruch des Scherstifts unterwegs beim Segeln habe ich mir die gelegentliche Prüfung angewöhnt. Dazu liegt eine Tüte mit den montagefertigen Ersatzteilen in der Werkzeugschublade bereit.

Bei der Gelegenheit machen Sie sich am besten mit der Notpinne vertraut. Wo ist sie? Wie wird sie montiert? Segeln oder motoren Sie mal mit aufgesteckter Notpinne. Die Frage, weit sich das Ruder mit Notpinne legen läßt, ist für Hafenmanöver interessant. Erst wenn Sie sich das mal angeschaut haben, wissen Sie, ob es überhaupt geht und wie sich das Boot per Notpinne steuern lässt.

Übliches Werkzeug ist an Bord unverzichtbar
Übliches Werkzeug ist an Bord unverzichtbar © E. Braschos

Toilette geht nicht

Das Bord WC ist ähnlich wie die Rollanlage das meist misshandelte Teil. Übermüdet nach einem langen Flug habe ich in der Karibik mal auf einem Charterboot eine Toilette stillgelegt, weil ich gegen ein geschlossenes Seeventil gepumpt habe. Ich weiß nicht mehr ob es der Zu- oder Ablauf war, erinnere aber, das es kein guter Einstieg an Bord war und ich die Sache selbst reparieren durfte.

Da ich auf meinem Boot keine Lust zu überflüssigen Kloreparaturen habe (das Öffnen und Schließen der Seeventile ist Fremden nicht zumutbar) bleiben die Ventile an Bord meines Bootes grundsätzlich offen – solange es bewohnt ist. Wenn der Wahlhebel von der Spül- in die sichere Abpumpstellung gekippt ist, läuft die Toilette nicht voll. Bei mir an Bord wird auch Toilettenpapier wie zuhause entsorgt. Ich hatte damit noch nie Probleme.

Zieht die Pumpe Luft, gebe ich etwas Speiseöl in die Toilettenschüssel. Nach wenigen Hüben fördert die Pumpe dann wieder Wasser. Vaseline oder Babyöl hält das Innenleben leichtgängig. Der defekte Pumpmechanismus lässt sich in einer halben Stunde (meist hängt Seegras in einer Membran oder blockiert das Rückschlagventil) flott machen. Die Anleitung und eine Explosionszeichnung des Innenlebens gehört zur Betriebsanleitung des Bootes, die an Bord parat liegen sollte. Ein Set gängiger Ersatzteile zum Bord-WC rettet den Törn. Nachdem Segelfreunde einmal vergaßen den Wählhebel von der Spül- in die sichere Abpumpstellung zu legen, die Schüssel überlief und der Inhalt ins Boot schwappte, hob ich die Toilette so weit an, das die Schüssel nicht mehr überlaufen kann.

Nach meiner Ansicht wird zu viel Gedöns um das Bord-WC gemacht. Mancher Frau ist bereits das Pumpen in Spül- und Abpumpstellung des Wahlhebels zu kompliziert. Ich war schon mit Begleitung an Bord unterwegs, die sich den ganzen schönen Segeltag nicht traute, die Bordtoilette zu benutzen.

Also: kein Gedöns, die Seeventile an Bord des bewohnten Bootes geöffnet (benutzbar) lassen, sofern die Installation einwandfei und nicht außerordentlich tief im Schiff angeordnet ist. Die Pumpe pfleglich behandeln, das Innenleben öffnen, reinigen und schmieren.

Die Toilette wurde mit einer selbst gebauten Konsole soweit angehoben, dass sie im Hafen nicht überläuft
Die Toilette wurde mit einer selbst gebauten Konsole soweit angehoben, dass sie im Hafen nicht überläuft © E. Braschos

Fenster und Skylights

Machen Sie es zur Routine Fenster in der Bordwand und Kajütaufbau sowie Skylights vor jedem Ablegen zu schließen, ebenso wie die See- und Frischwasserzuläufe, die ihre Pantry bei Krängung fluten. Das ist bei jedem Bootstyp anders. Es hängt von der Position der Frischwassertanks und Spülbecken im Schiff ab. Um ein geschlossenes Skylight kann sich keine Schot schlingen. Auch die Drehverschlüsse moderner Skylights selbst werden gern vergessen oder zu fest angezogen. Beides ist schädlich und lässt die Verschlüsse früher oder später tropfen. Mit einem Griff zum Bordwerkzeug (bei modernen Luken sind es Torx-Schrauben) und gefühlvoll nachgezogen hat man Ruhe. Eine Sache von Minuten.

Badeplattform/Heckklappe

Heckklappen und Badeplattformen moderner Serienboote sind leider mit sparsam dimensionierten Scharnieren montiert. Dem normalen Gebrauch halten sie stand. Rempler von der Kaimauer im ausgeklappten Zustand nicht. Deshalb erst anlegen, das Boot so vertäuen, das der Abstand zur Kaimauer bleibt wie er ist und dann erst die Heckklappe öffnen.

Ankerwinsch

Eine motorisierte Ankerwinsch ist eine feine Sache. Man hat keine Mühe mit dem Bergen des Ankers, macht sich die Finger nicht schmutzig und steht entspannt mit dem Panel auf dem Vorschiff. Bei Charterschiffen, gebrauchten, speziell älteren Yachten ist sie leider auch Anlaß ständigen Ärgers.

Macht die Ankerwinde keinen Mucks, prüfen Sie zunächst an der zentralen Schalttafel, ob sie überhaupt Strom bekommt. Manche Installationen sind auf die Bordspannung der laufenden Maschine angewiesen. Vertiefen Sie die Störungssuche mit einem Blick auf die separate Batterie, die kurzer Kabel halber meist in der Nähe des Spills unter den Vorschiffskojen untergebracht und mit einer eigenen Sicherung versehen ist. Die Fernbedienung kann einen Knacks in Gestalt eines Wasserschadens, lädierten Kabels oder korrodierter Kontakte haben. Ebenso die Elektrik an der Winsch selbst. Mechanische Probleme mit einer rutschenden Bremse beheben Sie mit nachgezogenen Schrauben und Reinigung der Laufteile. Elektrik und die Montage unterschiedlicher Metalle auf dem exponierten, dauerfeuchten Vorschiff (Elektrolyse) führen zu Problemen. Besonders dann, wenn die Winsch nicht richtig montiert wurde.

Ich habe über Jahre so viel Theater mit zwei verschiedenen Ankerwinschen und Reklamationen gehabt, dass ich sie ausgebaut habe. Ein Handspill der Marke Lofrans nahm der Händler (Bukh Bremen) sogar anstandshalber zurück. Es klemmte ab Werk. Man kann fast alles an Bort pflegen, warten und reparieren. Geht aber zu viel Zeit in die Pflege und Reparatur, bleibt keine Zeit mehr für schöne Stunden auf dem Wasser.

Mit sechs Metern Kettenvorlauf und einer handlichen Trosse berge ich meinen 16 Kilo Anker von Hand. Das spart Reparaturen, Geld, Ärger, weit vorne Gewicht und ganz nebenbei den Rost der irgendwann korrodierten Kette. Ich war früher sicherheitshalber mit einem 30 Kilo Pflugscharanker unterwegs. Das Trumm mit Kettenvorlauf von Hand zu bergen war die schiere Fron. Bei großen Tiefen lässt sich die Trosse nach achtern zur Schotwinsch legen. Bei viel Wind oder schlechtem Grund liegt man mit zwei handlichen Ankern sicherer als einem schweren.

Beim großen und schweren Boot und der Charteryacht kommen Sie am Spill nicht vorbei. Wenn Sie ein gebrauchtes Boot mit Spill übernehmen, sehen Sie sich zunächst die Elektrik an. Die Installation ist auf vielen Booten erschütternd schlecht gemacht und dazu auch vernachlässigt.

Beim Ankern schont die gefühlvolle Handhabung der Bremse das Material. Manche lassen die Kette flott rauschen und hauen irgendwann brutal die Bremse rein. Das sieht zwar lässig aus, geht aber ich lange gut. Sehr praktisch ist es, das Ende der Ankertrosse oder -kette mit dem Boot zu verbinden. Klingt banal, aber eine ausrauschende und im Wasser verschwundene Kette kommt oft vor - und ist richtig blöd. Beim Bergen des Ankers dahin motoren, wo er liegt. Das schont das Ankerspill und die Batterie.

Unterlagen an Bord

Handbücher, Anleitungen (auch in Englisch), idealerweise mit Explosionszeichnungen und Stücklisten erleichtern die Reparatur. Wenn es ohne ein passendes Ersatzteil nicht weiter geht, identifizieren Sie es anhand der Explosionszeichnung und Teileliste mit der entsprechenden Bestellnummer rasch.

Eine Anleitung zum Bord WC hilft Gästen
Eine Anleitung zum Bord WC hilft Gästen © E. Braschos

Fehler sind zum Lernen da

Vor Jahren segelte ich mal in ein großes Hafenbecken. Nach einem Aufschießer bargen wir die Segel. Als ich den Gang einlegte um zum Liegeplatz zu dieseln, tat sich leider nichts, weder vor- noch rückwarts. Ich verschwand mit der Taucherbrille im Wasser und meine entsetzten Augen entdeckten hinter dem Saildrive eine leer ins trübe Türkis des Hafenbeckens ragende Welle. Anscheinend hatte ich bei der Motorenüberholung vergessen, die Mutter hinter der Propellernabe richtig zu sichern. Diese Nachlässigkeit war ein teurer Spaß. Als ich am nächsten Tag einen mit Glück beschafften Ersatzpropeller unter Wasser montierte, zog ich die Mutter hinten auf der Welle gut an. Ich verschwand dann die nächsten Abende mit Taucherbrille und einem großen Schraubenschlüssel unter dem Boot. Ich wollte sichergehen, dass er dran bleibt.

Was an Bord sein sollte

  • Taucherbrille
  • Pfannenwender
  • große Wasserpumpenzange
  • gängige Schraubenschlüssel
  • Stahl- und Gummihammer
  • Holzklotz zum schonenden Losklopfen angebackener Beschläge
  • Winschenfett/WD 40
  • Bootsmannsstuhl
  • Reserveimpeller, Keilriemen

Weiterführende Links

VG