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Wie viel selbst machen?

Wie bei der Bootsinstandsetzung die Kirche im Dorf bleibt

Wie viel selbst machen?
Verstärkung eines Yacht-Ruderblatts in einer Werkstatt am Bodensee © Peter Andrin Steiner/Swedesail

Die Übernahme eines Bootes ist der Schritt in ein anderes Leben. Man entert eine Welt jenseits des Alltags. Die Auszeit auf dem Wasser, der Betrieb des Bootes verlangt Zuwendung und handwerkliche Fertigkeiten, auf die man sich gerne einlässt. Die anfängliche Begeisterung verführt aber dazu, den Aufwand für die Pflege und Reparaturen zu unterschätzen. Bei aller Freude am Schiff: bleiben Sie realistisch. Beginnen Sie nur Jobs, die Sie auch schaffen.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 27.05.2019

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • was wird sinnvoll am Boot selbst gemacht wird und was vom Profi?
  • Blick auf die verschiedenen Gewerke an Bord
  • wie man den richtigen Handwerker für sein Boot findet
  • warum nicht an jedem Stellplatz selbst oder von Fremdfirmen am Boot gearbeitet werden darf
  • welche Jobs ich am Boot grundsätzlich selbst mache
  • wann anfangen?

Wie im sonstigen Leben auch, bewegt man sich mit seinem Boot in der Zeit- und Kostenschere. Wer Zeit hat und wenig Geld für‘s Boot ausgeben kann, erledigt übliche Arbeiten an Bord selbst: Die Politur vor der Saison, Anschleifen des Unterwasserschiffs und Antifouling malen bis hin zum Einwassern. All diese Arbeiten sind an wenigen Tagen im Frühjahr selbst gemacht. Hinzu kommen Reparaturen oder Änderungen am Boot. Auch diese wird der kostenbewusste Eigner weitgehend selbst machen. Wer das nötige Werkzeug und die erforderliche Routine hat, erledigt das ruckzuck selbst.

Wer beruflich eingespannt ist, möchte sich am Wochenende ausruhen und Zeit mit seiner Familie verbringen statt mit Politur, Werkzeug und Farbeimer Samstagmorgen zum Boot zu verschwinden. Ich kenne Eigner, die sich das nicht geben und Routinearbeiten am Boot daher grundsätzlich machen lassen. Denn zur Arbeit an Bord kommt die Zeit für die Besorgung der Teile und die Fahrerei zum und vom Boot dazu. Ich habe in meinem Segler- und Bootsbasterleben schon viele Stunden in Baumärkten, in Fachgeschäften für Spezialwerkzeug oder beim Händler für Bootszubehör verbracht. Manchmal hatte ich es einfach nur satt. Hinzu kommt die Vorbereitung von Arbeiten, die man noch nie gemacht hat. Außerdem bin ich als Hobbyhandwerker nicht besonders effektiv.

Einer der Gründe, warum Frauen dem Thema Boot reserviert gegenüberstehen und Boote oft zum Beziehungskiller werden, ist, dass der Hobbyschrauber zuhause selten gesehen wird, wenn er sich mit zu vielen Projekten am Schiff verzettelt. Auch ist man mit verschiedenen Materialien und Gewerken an Bord beschäftigt: Gfk, Holz, Metallbau, Elektrik, Sanitär, Lackierarbeiten, Motorentechnik bis hin zur Gasanlage. Das sind alles Lehrberufe. Wer handwerklich geschickt ist, eignet sich etwas davon an. Nach meiner Erfahrung ist aber der Weg zu einem guten Ergebnis, mit dem man auf Dauer zufrieden ist, lang. Ich habe an Bord meines Bootes alle diese Sachen selbst gemacht – mit großem zeitlichem Aufwand. Manches haben mir Segelfreunde gezeigt. Manchen Job machte ich zwei oder drei Mal. Vor einer Weile schnitt ich mit einem Winkelschleifer alte Borddurchführungen aus dem Schiff. Eigentlich keine große Sache, aber eine dreckige und auch gefährliche Arbeit. Bis zum Einbau der neuen Armaturen dauerte es ein Vielfaches der Zeit, die ich angenommen hatte.

Reparatur eines Teakholz Steuerstands
Reparatur eines Teakholz Steuerstands © Lütje Yachts/Swedesail

Im Herbst baute ich den Reitbalken und Steuerstand meines Bootes aus. Er hatte von der Montage eines größeren Rades im Jahr zuvor einen Knacks bekommen. Ich brachte ihn einem Bootsbauer, dem ich vertraue. Jan Böhm von der Hamburger Lütje Werft sah sich die Sache mit seinem Kollegen Sven ein paar Minuten an. Dann erklärte er mir in wenigen Sätzen, was zu tun ist, damit die Sache künftig hält. Da wurde mir nochmal deutlich, dass ich von manchen Jobs besser gleich die Finger lasse und zu einem versierten Handwerker gehe. Denn ich möchte ja segeln statt die nächsten Jahre endlos am Reitbalken meines Bootes nachbessern.

Natürlich sind mit dem Gang zum Bootsbauer oder Spezialisten nicht alle Probleme gelöst. Leider fangen sie damit manchmal erst an. Sie brauchen Zeit, bis sie den richtigen Mechaniker für die Maschine, einen Schlosser zum Richten des Bugkorbs, einen Fachmann für die Elektrik oder die Gasanlage an Bord finden, der sein Geld wert ist. Ich habe im Lauf der Jahre manche überteuerte, lieblose, schlechte Arbeit gesehen.

Deshalb mache ich entscheidende Sachen an meinem Boot selbst. Ich brauche die Gewissheit, dass beispielsweise die Püttinge und Rüsteisen für die Wanten richtig montiert sind. Den Ausbau von Teilen wie den Reitbalken zur Überholung übernehme ich auch aus Kostengründen selbst. Den etwa eintägigen Einbau des überholten Steuerstands auch. Diese Stunden kann ich gar nicht bezahlen.

Hören Sie sich um, wer zuverlässig ist, termintreu arbeitet und tragen Ihren Teil zu einem guten Ergebnis bei, indem Sie früh anfangen. Wichtig zu wissen: in vielen Bootslagern darf man keine eigenen, externen Handwerker beschäftigen. Da muss der Fachmann vor Ort genommen werden, weil die ansässigen Betriebe das Geschäft haben wollen. Je schwieriger die Liegeplatzsituation für Sie als Eigner an gefragten Revieren ist, je später Sie mit einem Job kommen, desto teurer und schlechter wird die Arbeit. Ganz gleich, ob Sie wenig oder viel an Bord machen lassen.

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VG