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Bootsbeschläge retten

Autor: Erdmann Braschos

Es gibt viele Aluminium-Niro Verbindungen an Bord: Am Rigg, der Rollanlage, den Fensterrahmen, der Elektro-Installation, den Decksbeschlägen oder am Getriebe. Leider blüht das Aluminium irgendwann durch Elektrolyse und Wasser-Kontakt. Hier einige Tipps, wie Sie Bootsbeschläge nach mehrjährigem Gebrauch zerlegen, ohne das Sie gleich das ganze Teil neu kaufen müssen.

Bootsbeschläge retten
Mit einem Fäustel, Schlagschrauber und teils verlängerten Einsätzen erreicht man viel© Erdmann Braschos

Am Rigg sind es meist Popnieten, bei den Fensterrahmen Blechschrauben, wo das Gewinde bei der Montage ins Aluminium geschnitten wurde. In Beschlägen an Deck und im Getriebe sitzen übliche Gewindeschrauben aus Edelstahl oder Stahl im Aluminium – und leider auch unbeweglich fest.

Bei einer Reparatur, beispielsweise für den Austausch der Terminals im Alumast oder eines Fallenkastens sind Popnieten kein Problem. Der Kopf wird ausgebohrt und die Niete mit dem Hammer und einem Durchschlag rausgeklopft. Durchschläge gibt es in verschiedenen Durchmessern in jedem Baumarkt.

Mit etwas Geschick hat man ein Edelstahl-Terminal oder den Fallenkasten in wenigen Minuten in der Hand und kann das Neuteil (mit geeigten Monelnieten im entsprechenden Durchmesser und der erforderlichen Länge) mit einer entsprechenden Nietzange selbst einbauen. Wenn Sie die Nietzange nicht kaufen möchten lassen Sie den Beschlag von einem Takler vor Ort montieren.

Anders sieht es bei Schrauben aus, die im Aluminium sitzen. Blechschrauben, die jahre- oder jahrzehntelang im Alurahmen eines Bootsfensters stecken, lassen sich weder nachziehen noch lösen. Die sitzen leider wie angeschweißt im Alu. Geübte Schrauber versuchen es mit leichten Hammerschlägen auf den Schraubenkopf. Ein Autorestaurator erzählte mir einmal, dass Profis festsitzende Schrauben mit gezieltem Erhitzen und Kühlung lösen. Die Sache läuft nach meiner Erfahrung auf den Neukauf des Fensterrahmens hinaus.

Selbstschneidende Schrauben reißen nach einigen Jahren im Aluminium leider ab Selbstschneidende Schrauben reißen nach einigen Jahren im Aluminium leider ab © Erdmann Braschos

Vor einigen Jahren hatte ich anläßlich des Wechsels der Saildrive-Dichtmanschette ein Problem mit dem Zerlegen des Getriebeoberteils vom -unterteil. Ein Segelfreund ging mit dem Getriebe zu seinem Bruder, der Stecknüsse auf die Schrauben schweißte und die Schrauben letztlich mit einem Druckluft Schlagschrauber aus dem Aluminium holte. Eine anstrengende Aktion und erheblicher Aufwand mit dem Verschleiß mehrerer Steckschlüssel. Die Maßnahme war unter dem Strich günstiger als der Kauf eines kompletten Saildrive. Ein Beispiel dafür, was sich retten läßt, wenn man die Sache rechtzeitig im Herbst angeht. Wenige Wochen vor Saisonbeginn wird das nichts.

Das zerlegte Saildrive Getriebeober- und Unterteil Das zerlegte Saildrive Getriebeober- und Unterteil © Klaus Herrmann

Manche stramm im Beschlag sitzende Schraube läßt sich auch mit einem sogenannten Schlagschrauber retten. Das ist ein Werkzeug, das die festsitzende Schraube beim Schlag mit dem Hammer etwas dreht. Ich nehme dazu einen sogenannten Fäustel, einen 1250 Gramm Hammer. Das gibt einen ordentlichen Schlag. Der Druck von oben sorgt dafür, dass der Biteinsatz im Kopf bleibt und den Schraubenkopf nicht beschädigt. Der Schlitz oder Kreuzschlitz bleibt brauchbar. Auch bei zunächst hoffnungslosen Fällen tut sich wie durch ein Wunder nach mehreren gezielten Schlägen doch etwas. Kriechöl oder WD40 Spray erleichtert die Sache. Für schlecht zugängliche Schrauben ließ ich von einem Segelfreund verlängerte Bit-Einsätze schweißen. Bei Schlitzschrauben ist es wichtig, dass der Schlagschrauber-Einsatz gut zum Schraubenkopf paßt. Einen Schlagschraubereinsatz ließ ich aus einem abgesägten Schraubendreher schweißen.

Ist der Schraubenkopf einmal verhunzt, kann nur noch ausgebohrt werden. Das erfordert großes Geschick und gelingt allenfalls dem versierten Mechaniker. Ich habe das noch nie hingekriegt. Der Bohrer wandert immer vom harten Stahl ins weichere Aluminium und man muß den Beschlag neu kaufen.

Die metrischen Gewinde lassen sich durch Nachschneiden und Drahteinsätze retten Die metrischen Gewinde lassen sich durch Nachschneiden und Drahteinsätze retten © Erdmann Braschos

Neulich mußte ich zur Wartung meines Großschotwagens die Endbeschläge der Travellerschiene abnehmen. Die im Aluminium sitzenden M5 Schrauben ließen sich per Schlagschrauber lösen. Unter dem Block hatte das Material im dauerfeuchten Bereich rings um die Gewinde (Stichwort Elektrolyse) bereits geblüht. Um die Gewinde zu retten und die Schrauben in einigen Jahren problemlos lösen zu können, besorgte ich im Werkzeugfachhandel einen Drahtgewindeeinsatz. Dieser ist unter dem Markennamen Helicoil bekannt. Es gibt solche Sets in gängigen Schraubengrößen. Das Set für 5 mm Gewinde besteht aus einem 5,2 mm Metallbohrer, einem auf den Drahteinsatz abgestimmten Gewindeschneider, einigen Spiralen, einem Werkzeug zum Hereindrehen und einem zum Enfernen des überschüssigen Drahts. Das Set kostete 23 €. Die Sache war in einer Stunde gemacht. Das ist günstiger als der Kauf eines neuen Travellers, dessen Montage an Bord Umbauten, zusätzliche Kosten und weitere Arbeit ergeben hätte. Für solche Kleinigkeiten braucht man keine Werkbank. Das geht mit einer Preßholzplatte als Unterlage auch zuhause am Fensterbrett oder Küchentisch.

Reindrehen des Drahteinsatzes Reindrehen des Drahteinsatzes © Erdmann Braschos

Wichtig ist, dass Sie sich für die beschriebenen Arbeiten Zeit nehmen. Fest gebackene Schrauben lassen sich nur lösen, wenn Sie mit Ruhe an die Sache herangehen. Auch das Aufbohren und Gewindeschneiden (am besten mit Schneidfett) verlangt Gefühl. Bei der Montage von Stahlschrauben in Aluminium streichen Sie das Gewinde mit Lanolin (Apotheke) ein oder einer Kupfer-, Keramikpaste oder Tikal Tef Gel. Gibt es im Baumarkt oder Autozubehör. Dann sollten sich die Schrauben in einigen Jahren problemlos lösen lassen.

Früher gab es bei der Lewmar Zentrale in England einen außerordentlich freundlichen und hilfsbereiten Servicemann names Nigel Pratt. Pratt hat gut erklärt, alte Unterlagen und Ersatzteile selbst zu lange nicht mehr hergestellten Beschlägen zugeschickt. Neben der Qualität ist solcher Service ein Grund, Markenprodukte zu kaufen. Leider wird diese Art Unterstützung und Kundenbindung in der Yachtbranche gerade in vielen Firmen abgeschafft.

Bei alten oder amerikanischen Bootsbeschlägen haben Sie es leider mit zölligen Schrauben zu tun. Das merken Sie, wenn der Inbusschlüssel nicht paßt. Sollten Sie ein gebrauchtes Boot übernehmen, lohnt es sich, diese Kleinigkeit bald zu prüfen. Sie rettet Ihnen gegebenenfalls bei einer dringenden Reparatur den Törn oder den Krantermin. Ich habe schon fluchend im Ankerkasten gehangen bis ich begriff, dass es zöllige Schrauben waren. Ein zölliges Inbus-Schlüssel-Set ist nicht teuer. Bei manchen Booten ist auch unter Deck ein tückischer Mix aus metrischen und zölligen Schrauben verbaut.

Der reparierte Beschlag von unten mit Helicoils und neuer Madenschraube Der reparierte Beschlag von unten mit Helicoils und neuer Madenschraube © Erdmann Braschos

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Erdmann Braschos

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Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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