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Günstiger Fahren

Wie Sie mit der Motoryacht finanziell über Wasser bleiben

Günstiger Fahren
Unerreichbar kostspielig oder auf Dauer bezahlbar? Full Service Marina in Kroatien

In welchem Revier, mit welchem Bootstyp, welcher Maschine und Fahrweise die laufenden Kosten einer Motoryacht im Rahmen bleiben.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 14.10.2021

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • Tipps zum preiswerten Betrieb einer Motoryacht
  • welche Folgen der Bootstyp und seine Motorisierung für die laufenden Kosten haben
  • Überlegungen zur Wahl eines bestimmten Bootsmodells
  • weitere, meist übersehene Gesichtspunkte
  • wo sich die Bootswartung der Motoryacht in Eigenregie rechnet

Der Beitrag Unterhaltskosten Motoryacht zeigt am Beispiel eines beliebten 11 m Flybridge-Gleiters, wie teuer der Spaß auf Dauer ist. Je nach Revier, Betriebsstunden und Fahrweise liegen die jährlichen Ausgaben für eine "Jeanneau 36 Prestige" mit 10.400 € bei der Hälfte der üblichen 10-Prozent Formel. Sie können mit 27 Tausend € aber auch weit über den 10 Prozent des Bootsneuwertes liegen. Als ich die Kosten nach der Recherche in verschiedenen Revieren und Marinas abschließend zusammenstellte, war ich baff. Hier nochmal zur Erinnerung die Übersicht:

Zehn- bis 27 Tausend Euro jährliche Kosten
Zehn- bis 27 Tausend Euro jährliche Kosten

Angesichts dieser verblüffend hohen Kosten, die Jahr für Jahr für das Boot entstehen, stellt sich die Frage, ob es auf Dauer so teuer sein muß. Nun, an einigen Positionen, etwa den Ausgaben zur Versicherung oder Wartung, lässt sich wenig machen. Dennoch gibt es Bereiche im Bootsetat, die variabel sind.

Wo gibt es Spielräume?

Unterschiedlich aufwändig beim Motoryachtbetrieb sind

  • der revierabhängige Liegeplatz
  • der Bootstyp und die Motorisierung
  • die jeweilige Fahrweise und jährlichen Betriebsstunden (Spritkosten)
  • unter Umständen die Motorenwartung
  • der Aufwand zur Bootspflege

Es lohnt sich, diese Positionen einmal genauer anzuschauen.

Revier und Liegeplatz

Der schönste Liegeplatz für die Motoryacht ist zweifellos das Mittelmeer mit seinen vielen Sonnenstunden, wunderbaren Küsten, nicht zuletzt klarem Wasser in türkisgrünen Buchten. Da wird das Meer zur privaten Badeanstalt rings ums Boot. Und das schönste ist: man hat alles dabei, genießt die Natur in vollen Zügen. Man kann einfach mal drei, vier Tage irgendwo bleiben. Ist das nicht herrlich?

Hinzu kommt die weitgehende Wettergarantie von der Vor- bis weit in die Nachsaison hinein. Während in Nord- und Mitteleuropa die ersten dicken Tiefs kommen, hat man im Mittelmeer überwiegend stabile Wetterverhältnisse. Von Bora-, Tramontana- oder Mistralwetterlagen abgesehen. Diese Wettersicherheit ist ein nicht zu unterschätzender Gesichtspunkt in der zeitlich begrenzten Aus- und Urlaubszeit an Bord.

Die mediterrante Gastronomie lockt, das Bordleben ist kurzweilig. Man pendelt zwischen reizvollen Inseln, hübschen Häfen, tollen Buchten und paradiesischen Stränden. Die Alga Bucht im Westen von Espalmador beispielsweise ist unglaublich schön, fast nicht mehr von dieser Welt. Dieses Pardadies im Süden von Ibiza ist mit der Motoryacht flott erreicht. Kürzer noch als von Ibiza ist der Kurs zu den Traumstränden nur von der Marina von Formentera.

die Liegegebühr ist der größte Posten

Wer kann, legt sein Boot dorthin und erlebt unvergessliche Tage. Der Reiz des Gewässers hat sich jedoch herumgesprochen und führt zu astronomischen Liegegebühren, soweit man auf den Balearen überhaupt noch einen Liegeplatz bekommt. Wie im Beitrag Unterhaltskosten Motoryacht an mehreren Beispielen gezeigt, macht die dortige Liegegebühr den Löwenanteil der jährlichen Ausgaben für die Motoryacht aus. Wer kann, gönnt sich vielleicht vorübergehend mal die erstklassige Marina im gefragten Revier. Währenddessen erkundigt man sich nach Alternativen am spanischen Festland, in Italien oder Griechenland. Im Gespräch mit anderen Skippern orientiert man sich dann aktuell, wo es gut und preiswert ist.

Wie weit ist es zur nächsten Bucht?

Motoryachten werden meist nur kurze Strecken zwischen dem Liegeplatz und der nächstgelegenen Bucht bewegt. Das klassische Beispiel dafür ist der Golf von Saint Tropez mit den Marinas von Sainte-Maxime im Norden, Port Grimaud im Westen und Saint Tropez im Süden. Von hier ist es nicht weit zum beliebten Strand von Pampelonne.

Die Distanz zwischen Hafen und Ankerplatz für den Nachmittag entscheidet auf Dauer über die Betriebsstunden. Ein abwechslungsreiches Revier mit zahlreichen Buchten und schwellfreien Ankerplätzen für die Nacht hält die Spritkosten in Grenzen. Das vielseitige und sichere Motoryachtrevier bietet so ringsum unproblematisches Bordleben - und Erholung pur. Das gefällt der Frau und Familie oder begeistert Freunde.

Große Unterschiede bei der Liegegebühr
Große Unterschiede bei der Liegegebühr

In einer ganz anderen Welt bewegt sich der Motoryachteigner in einem bezahlbaren Revier wie der Ostsee, auf heimischen Flüssen oder Seen. Dort ist es kühler, regnet mehr und schräger. Allerdings ist es auch bloß halb so fesch. Die Kosten, und um die geht es ja hier in erster Linie, sprechen dabei für sich. Überlegen Sie sich also vorab gut, wo das Boot liegen soll.

Es ist kein Geheimnis, dass Motoryachten überwiegend stationär genutzt, sprich im Hafen liegend bewohnt werden. Das dämpft die Spritkosten. Entsprechend wichtig ist der Liegeplatz. Ein Beispiel ist Grömitz an der Lübecker Bucht. Dort hat man aus dem angehobenen Deckshaus oder vor der Flybridge einen Panoramablick auf's Wasser. Ein Grund, warum die dort zahlreich vertäuten mittelgroßen bis stattlichen Pötte kaum bewegt werden.

Auf Dauer fährt und liegt man in einem erreichbaren und bezahlbaren Revier heimischer Gewässer besser, als irgendwo im fernen Süden. Denn hinzu kommen die Kosten der An- und Abreise zum und vom Boot. Wer sein Schiff mehrmals im Jahr mit der Familie im Mittelmeer nutzt, zahlt zusätzlich zu den Betriebskosten des Schiffs Flüge, Parkhaus und Taxi - mit schulpflichtigen Kindern zu den Tarifen der Hochsaison in den Sommerferien, den Oster- und Herbstferien. Zwar zählen diese Ausgaben nicht direkt zum Bootsbudget. Sie ergeben sich aber aus dem Betrieb des Bootes im fernen Revier. Es lohnt sich, diese Kosten überschlägig zu kennen.

Hubraum kostet

Bootstyp und Motorisierung

Gleiter wie die mittelgroße 36 Fuß Flybridge Yacht sind cool, schnell und machen was her. Kräftig motorisiert machen sie im 20 - 30 Knoten Bereich Spaß. Damit das 8 1/2 t Boot den Bauch auf's Wasser kriegt, braucht es aber ordentlich Wumms unter den Bodenbrettern, sprich große Maschinen. Speed und Fahrspaß aber kosten. Überlegen Sie sich vor Anschaffung einer Motoryacht, ob Sie auf Dauer so viel Geld ausgeben wollen. Es ist nicht allein der Durst in Gestalt des Hubraums der Maschinen, der ins Geld geht. Auch die Wartungskosten der Motoren mit jährlichem Ölwechsel und weiterem Verbrauchsmaterial sind eine echte Ansage. Selbst wenn Sie selten ablegen und zahm fahren zahlen Sie für die PS, die Ihnen zur Verfügung stehen. Die Ölwechselintervalle sind auch bei langen Standzeiten der Maschinen weitgehend einzuhalten.

An der Motorenwartung kann nicht gespart werden. Mit einem deutlich langsameren Verdränger fahren Sie Welten günstiger. Er hat eine kleinere Maschine und größere Reichweite. Hinzu kommt, dass sich an der kleineren Maschine die laufenden Arbeiten eher selbst machen lassen.

Wenn Sie auf's Geld achten: Finger weg vom Gleiter. Am besten machen Sie sich von den Spritkosten an Bord einer gecharterten Motoryacht während eines Urlaubs selbst ein Bild. Mit der Entscheidung für einen bestimmten Bootstyp erfolgt die Weichenstellung für hohe oder niedrigere Sprit- und Wartungskosten.

Fahrweise und jährliche Betriebsstunden

Maßgeblich sind die Ausgaben für den Sprit, wenn Sie einen schnellen Gleiter haben und gerne zügig, ab und zu auch mal Vollgas fahren. Der Gleiter mit 2 x 370 PS verfeuert bei 30 Knoten 130 l Diesel die Stunde. Bei Reisetempo die Hälfte. Bei einem Spritpreis von 1,30 €/l geben Sie jährlich für 600 Seemeilen 3.300 € an der Tankstelle aus. Bei 1,60 €/l werden es deutlich mehr. Zum Vergleich: Die Spritkosten eines Verdrängers liegen bei einem Drittel.

übliche Wartungsarbeiten

Laufende Arbeiten am Motor und Getriebe nebst Einwintern der Maschine schafft ein handwerklich geschickter Eigner bei der 11 m Motoryacht theoretisch selbst. Ich habe allerdings noch nie den Skipper einer technisch aufwändigen Motoryacht gesehen, der sich die Hände schmutzig macht. Ich sehe in den Häfen und im Winterlager nur Techniker und deren Werkstattwagen. Für den Öl- und Anodenwechsel würde der DIY-Eigner der "Jeanneau 36 Prestige" in Eigenregie überschlägig 600 € jährlich sparen. Wenn Sie technisch versiert sind und bereit sind, sich in das Thema zu vertiefen, schon das die Bordkasse deutlich. Nach meiner Erfahrung von der Wartung eines kleinen 3-Zylinder Bootsdiesels muß man sich die nötigen Handgriffe lediglich einmal aneignen und das Verbrauchsmaterial kennen. Dann wird das rasch zur Routine. Es hat auch den Vorteil, dass man seine Maschine kennt und eventuelle Störungen selbst behebt. Ein nicht zu unterschätzender Gewinn an Sicherheit.

Bootspflege

Liegt das Boot im sonnigen Süden und Sie legen Wert auf glänzendes Gelcoat, lassen Sie die 11 m Flybridge Yacht jährlich für circa 1.750 € vom einem Fachmann polieren. Liegt das Schiff in der Nähe, übernehmen Sie das mit etwas Geschick und Fleiß im Frühjahr an einem Wochenende im Winterlager für kleines Geld selbst. Mit einer gescheiten Poliermaschine, Pflegemitteln und Polierschwämmen erzielt man gute Ergebnisse. Man muß es bloß ein- oder zweimal gemacht haben. Dann geht es flott von der Hand.

Die Frage ob man es jährlich machen läßt, oder beim gebraucht gekauften Boot nach der einmaligen professionellen Grundreinigung gelegentlich selbst Hand anlegt, hängt von den eigenen Ansprüchen, Geschick und Fleiß ab. Wie in südlichen Revieren, in England oder Skandinavien zu sehen, machen viele Eigner über Jahre hinweg wenig bis nichts. Das spart Geld und Zeit.

Auf die Transportmaße achten

Weitreichende Folgen haben übrigens auch Höhe und Breite der Motoryacht. Wenn Sie mit Ihrem Schiff viel vorhaben, weite Reisen planen und das Boot vom Yachtspediteur per Bootstransport (siehe auch: Bootstransport: Wenn das Boot umzieht) huckepack ans Mittelmeer bringen und später wieder abholen lassen, werden Überbreite und hohe Aufbauten teuer. Für große Breiten braucht es ein Begleitfahrzeug. Hohe Aufbauten, die Flybridge und starre Geräteträger erzwingen Sondergenehmingungen und kostspielige Umwege. Die Passage der Alpen mit ihren zahlreichen Tunneln süd- und nordwärts ist das Nadelöhr.

Weiterführende Links

VG