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Bootstransport: Wenn das Boot umzieht

Autor: Erdmann Braschos

Normalerweise wechseln Yachten auf eigenem Kiel das Revier. Dazu sind sie gemacht. Wenn der Kurs jedoch lang, Aufwand und Risiko der Reise groß sind, die Zeit dazu fehlt, wird der professionelle Transport interessant.

Bootstransport: Wenn das Boot umzieht
© Int. Yachttransporte H. Köhler

Dass Yachten «auf Achse gehen», ist an Autobahnen und Rastplätzen ein gewohnter Anblick. Oft begegnet man werftneuen Booten unterwegs zu ihrem Revier, meist ans Mittelmeer. Bavaria fertigt in Bayern. Da beginnt die Reise automatisch auf der Straße.

Auch langjährige Bootseigner verschicken ihre Schätze huckepack kreuz und quer durch Europa, berichtet Hartmut Köhler. Gemeinsam mit seiner Frau Claudia transportiert er seit Anfang der Achtzigerjahre Boote aller Art. Dass Motoryachteigner ihr Schiff aus Nordrhein-Westfalen in den sonnigen Süden bringen und es später wieder abholen lassen, ist Köhler zufolge üblich. Die Transportkosten eines 50 Fuß Brummers liegen mit 10–15.000€ unter dem Chartertarif für ein vergleichbares Boot in der Hochsaison. Und es ist angenehmer die schönsten Wochen des Jahres an Bord seines vertrauten Gefährts zu verbringen.

Auch Segelyachten wechseln aus diesem Grund das Revier. Die Verschickung von Rostock zur Adria zum slowenischen Portorož beispielsweise bis 3m Breite (ohne Begleitfahrzeug) kostet 3-5.000€, bei größerer Breite, wo Begleitung vorgeschrieben ist, 7–8.000€. Grundsätzlich lassen sich bis zu 6m breite Boote über die Straße transportieren. Von der Länge her gehen bis zu 65 oder 70 Fuß. Köhler nimmt bis 25t schwere Yachten problemlos mit.

Neben der Breite ist die Höhe wichtig. Bis 4,40m Höhe kann über Salzburg südwärts gefahren werden, bei 4,50m Höhe geht es via Wien. Die Tunnel durch die Alpen sind das Nadelöhr.

Eigner empfindlicher Holzboote sollten sich nach der Federung des Anhängers erkundigen. Torsten Glogau von der gleichnamigen Yachtspedition dazu: «Wir transportieren schonend mit luftgefederten Fahrzeugen».

© Int. Yachttransporte H. Köhler

Vorsicht mit Italien

Ein Thema für sich ist Italien, weshalb es viele Yachtspediteure ablehnen, von dort ein Boot zu holen oder es zu diesem wunderbaren Mittelmeerziel mit herrlichen Küsten zu bringen. Der bürokratische Aufwand ist groß und bereits kleine Formfehler in den Dokumenten reichen der dortigen Polizei für Strafen und Stilllegung des Transports. Da genügt bereits eine Abweichung von einem Zentimeter. Die Vorschriften werden schikanös und kostentreibend ausgelegt.

Deshalb haben die Köhlers Dauergenehmigungen für Italien und einen in Bozen ansässigen Agenten, der bei Problemen mit Autobahngesellschaften, Behörden, Kommunen, der Polizei oder zuständigen Provinzen in Landessprache auf dem kürzest möglichen Dienstweg die Strippen zieht. Das kostet Zeit, Geld und Nerven, weshalb auch die Köhlers die Fahrt nur wenn unvermeidlich durch Italien planen. Yachtspediteur Glogau fährt mit seinen Tiefladern alle europäischen Mittelmeerhäfen außer Italien an. Die Fahrt durch Österreich, Frankreich oder Spanien ist dagegen problemlos. Die französische oder spanische Küste bietet mit ihren zahlreichen Marinas und Travelliften viele Möglichkeiten. Ein großes Minus südfranzösischer Häfen ist die Arroganz der dortigen Hafenmeister.

Die Transporthöhe lässt sich bei vielen Motoryachten mit abnehmbarem Hardtop, demontierter Flybridge, Windschutzscheiben, Geräteträger und Klappverdeck verringern. Abgesehen von kippsicher gestauten Sachen sind Köhler zufolge vom Bootseigner keine besonderen Vorkehrungen zu treffen. «Wir brauchen einen Auftrag und eine schriftliche Zugangsgenehmigung zum Boot für die Marina, wo wir das Boot abholen, mehr nicht. Wir kümmern uns um alles».

Die Anpassung an die Länge erfolgt mit einem teleskopisch auseinander gezogenen Sattelaufleger Die Anpassung an die Länge erfolgt mit einem teleskopisch auseinander gezogenen Sattelaufleger © Int. Yachttransporte H. Köhler

Große Motoryachten werden rückwärts transportiert. Daher das Cockpit, Steuerstand und Niedergang vor Fahrtwind und Regen schützen. Das ist in der nassen Jahreszeit mit dreckigen Straßen wichtig. Werftneue Boote werden in Plastikfolie eingeschweißt gefahren. Da kommt das Schiff wie aus dem Ei gepellt in der Marina an. Bei der Wahl des Hafens zum Ab- und Aufladen des Bootes sind die schmalen Straßen in den Marinas (beispielsweise im südfranzösischen Hyeres) zu berücksichtigen, durch deren enge Kurven in der Marina das lange Gespann schlecht kommt.

Anhand eigener Erfahrung rate ich, beim Auswassern von Booten, wo mit achtlos platzierten Krangurten die Welle, Wellenbock, der Propeller oder Saildrive beschädigt wird, selbst dabei zu sein. Der Schaden, den eine verbogene Welle oder in den Maschinenraum gedrückter Saildrive anrichtet, ist groß. Der hintere Gurt hebt meist auch die Maschine aus dem Motorfundament. Das Boot liegt dann für Wochen, wenn nicht Monate still. Hinzu kommt die Beschäftigung mit Gutachtern, die Regulierung des Schadens und die Reparatur selbst. Die Saison ist gelaufen. Sollten Sie nicht vor Ort sein können, beauftragen Sie jemand, der aufpasst, hilft und dem Kranfahrer zeigt, wo die Gurte am Rumpf hingehören. Markierungen an der Bordwand für die richtige Position sind praktisch soweit sie vom Hafenpersonal beachtet werden. Bei der Abholung des Bootes im Süden ist zu beachten, dass der Spediteur einen oder mehrere Tage später als vereinbart kommen kann, wenn sich die Hinfahrt in den Süden verzögerte. Auf einem transportfertigen Boot im Hafen warten macht keinen Spaß.

Eine Alternative für den Straßentransport sind alle zwei Monate zwischen Nord und Süd pendelnde Schiffe, die mehrere Yachten als Decksfracht mitnehmen (siehe Ein Taxi für die Yacht). Das empfiehlt sich für große Schiffe und Eigner, die den Aufwand zum Abtakeln und Mastlegen scheuen. Die Sache ist deutlich teurer. Der Transport eines 30 Fuß Bootes kostet zwischen Kiel oder Bremerhaven und Split etwa 16.000€. Die etwa zehntägige, gegenüber dem Straßentransport etwa sechs Tage längere Reise wird durch die gesparte Zeit zum Ab- und Abtakeln wettgemacht. Schonender als über die Straße ist der Transport allemal.

Das Verschicken der Yacht kostet Geld und macht Arbeit, steht aber in keinem Verhältnis zu dem Aufwand, der den Eigner bei der Überführung außen um Europa herum von Nord nach Süd oder umgekehrt mit der Passage von Nordsee, Ärmelkanal, Biskaya und der spanischen und portugiesischen Küste erwartet. Wetteränderungen, Strömung, Nebel und Schiffsverkehr sind über den Wach-Rhythmus hinaus anstrengend und mischen die Karten täglich neu. Hinzu kommen technischen Probleme, die das Überführungsabenteuer bei mehrtägigen Törns erschweren und Hafentage erzwingen: weiche Batterie, durchgenudelte Lichtmaschine, Überraschung mit dem Sprit nach langer Liegezeit oder fehlende Ersatzteile. Gerade wenn das Boot lange gelegen hat oder die eingebaute Technik unbekannt ist, gibt es Überraschungen.

Da sich die Strecke außen um Europa herum im Lauf eines Urlaubs nicht absolvieren lässt, entstehen neben der Liegegebühr in Südengland, Frankreich oder Portugal Kosten für Flüge vom und wieder zum Boot. Bei der Reise vom Mittelmeer nordwärts ist der kräftige Nordwind entlang der portugiesischen Küste zu bedenken, der entweder mit einem langen Schlag in den Atlantik hinein zu umsegeln ist. Oder es wird küstennah kernig aufgekreuzt. Berufstätige haben begrenzt Zeit, worauf Wind und Wetter bekanntlich keine Rücksicht nehmen. Erholsam wird die Überführung mangels Zeit daher leider nicht.

Mehrfach unterlegter und abgestützter Mast – so sollte es mindestens sein Mehrfach unterlegter und abgestützter Mast – so sollte es mindestens sein © Int. Yachttransporte H. Köhler

Unumgänglich ist der Huckepack Bootstransport bei einem günstig gekauften Gebrauchtboot, wenn es zunächst in der Nähe in Ordnung gebracht wird. Kurze Wege von Zuhause am Wochenende oder nach Feierabend vom Arbeitsplatz zur Bootsbaustelle erleichtern und beschleunigen die Sache sehr. Klar denkende Leute träumen sich ihren Bootskauf nicht schön, sondern kalkulieren von vornherein das absehbare Gesamtbudget für ein nach ihren Vorstellungen durchgesehenes und überholtes Boot: Reisekosten zum Objekt + Kaufpreis + Transport + Hallenplatz + Bootsüberholung + Transport ans Wasser. Um die Summe dieser sechs Positionen geht es unter dem Strich. Da lässt sich ein erträgliches Budget in ein tolles Boot verwandeln.

Abschließend bin ich der Ansicht, dass ein angemessenes Trinkgeld für den Fahrer, der das Boot havariefrei quer durch Europa transportiert hat, selbstverständlich sein sollte.

© Int. Yachttransporte H. Köhler

VORAB KLÄREN

  • den reibungslosen Bootstransport und Grenzübergänge mit gültigen Bootspapieren einschließlich geklärter MwSt-Frage (Nachweis) ermöglichen
  • fehlende Papiere ggf. mit mindestens zweimonatigem Vorlauf beschaffen
  • Versicherungsschutz klären: ist Kranen und Transport eingeschlossen? Im Vertrag nachschauen, ggf. Versicherung fragen und schriftlich bestätigen lassen
  • bei langen oder breiten Booten klären oder es auf dem Hänger verladen überhaupt aus dem Hafen kommt und umgekehrt
  • bei schweren Booten auf das tatsächliche Bootsgewicht achten: falls unbekannt Prospektangaben aufrunden
  • tatsächliche Breite prüfen (gibt es nachträglich angebrachte Scheuerleisten)?
  • tatsächliche Länge prüfen: Nicht die Länge über Deck laut Prospekt, sondern die Länge über Alles einschließlich Vorbauten wie Klüverbaum, Bugspriet, Code Zero-Nase, Bugkorb, Ankerrolle; achtern einschließlich Trimmklappe, Badeplattform, Badeleiter, Außenborder zählt. Oft wurde nachträglich etwas angebaut.
  • Höhe Kielunterkante bis Oberkante Reling oder Aufbauten? Dieses Maß lässt sich von der Seitenansicht des Bootes im Prospekt abnehmen und leicht umrechnen. Entscheidend für Route und Kosten
  • bei Segelyachten die Mastlänge nennen, ggf nachmessen
  • aus Kostengründen die kürzestmögliche Route nehmen. Das Boot an der Adria bis Slowenien statt Kroatien bringen lassen
  • hören Sie sich um, mit welchem Spediteur gute Erfahrungen gemacht wurden

DEN TRANSPORT SELBST VORBEREITEN

  • Liegeplatz, Travellift oder Kran reservieren. Bei Segelbooten: gibt es einen Mastenkran? Diesen ggf. buchen
  • schwere Ausrüstungsgegenstände wie Gangway, Außenborder, Beiboot, Großbaum verpacken und so stauen, dass sie nicht kaputt gehen oder das Interieur beschädigen
  • Vorsicht mit Benzin im Außenborder und mobilen Stromerzeuger
  • Vorsicht mit Benzinkanistern, Spiritus und Petroleum: kippsicher Lagern
  • Gashahn an der Flasche zudrehen
  • Batteriehauptschalter aus
  • bei Holzmasten, langen und empfindlichen Riggs auf eine mehrfach abgestützte Lagerung achten, damit sie nicht durchhängen und tagelang wippend durch die Gegend gefahren werden
  • die Masten von Mittelmeerbooten werden Jahre oder Jahrzehntelang nicht gelegt. Daher für das Abtakeln des gebraucht übernommen Bootes im Mittelmeer Zeit für festgebackene Schrauben, Geräteträger, unzugängliche Rollanlagen, widerspenstige Splinte und korrodierte Wantenspanner einplanen.
  • Vorher nachgucken was eingebaut ist. Oft werden Sprays, Spezialwerkzeuge wie Durchschläge und Schlüssel für zöllige Schrauben gebraucht. Da sind handwerkliches Geschick, Improvisationsgabe, Geduld und Glück beim Leihen von Werkzeug, im Hafen gefragt.
  • Salinge und das gesamte stehende Gut wie Wanten, Vor- und Achterstagen sind zu demontieren. Am Top Antennen, Windmessanlage, Blitzschutz und empfindliche Laternen abbauen.
  • Top und Mastfuss mit Folie einschlagen

VG Wort Zählmarke

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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Obwohl die Reste der herausgeschnitten Laminatwinkel beim Ausbau des alten Interieurs zuvor bis zur Bordwand entfernt wurden, wird die Bordwand mit dem Exzenterschleifer an den Flächen, wo laminiert wird, nochmals angeschliffen. Der Schliff mit grober Körnung (24er, 36er oder 40er Klettscheiben) stellt die gute Verbindung des neuen Laminats mit der Bordwand sicher. Mit einem Exzenterschleifer und vernünftiger Absaugung ist das in wenigen Minuten gemacht und geht halbwegs sauber über die Bühne. Danach wird das gesamte Vorschiff gründlich staubgesaugt und bis in die Ecken hinein mit einem feuchten Lappen ausgewischt.

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