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Winterlager: S’isch cool, man!

Autor: Michael Kunst

Überwintern im Wasser oder an Land? Eine Frage, die Europas Bootsbesitzer spaltet – auf Flüssen, an Binnenseen und entlang der Küsten. Dabei sind bis auf wenige Ausnahmen beide Varianten durchaus empfehlenswert, denn der Winter nagt im Wasser deutlich weniger an den Booten als der Zahn der Zeit. Plus Checkliste fürs „fachgerechte“ Einwintern.

Winterlager: S’isch cool, man!
© badahos / Fotolia

Für immer mehr Wassersportler, ganz egal ob Segler oder Motorbootfahrer, stellt sich jeden Herbst die gleiche Frage: Soll das „Schätzchen“ über den Winter im Wasser bleiben oder doch lieber wieder raus auf den Bock? Ob die Boote nun im Salz- oder Süßwasser die Saison verbracht haben, ist dabei zweitrangig; eher spielt das Nord-Südgefälle eine gewisse Rolle. Denn der größte Feind der winterlichen Wasserlieger ist längst ausgemacht – Väterchen Frost mit seinen Eisschollen will den armen Booten den Garaus machen.

Aber will er unseren Booten wirklich an den Kragen? Oder ist das nur so ein Mythos aus Zeiten, in denen Bootsbesitzern für die dunklen Winterabende nichts Besseres einfiel, als harte Arbeit in zugigen Hallen an ihrem Sommerspielzeug?

Sind wir ehrlich: Bei den meisten Landliegeplatz-Verfechtern läuft der immergleiche Film ab, wenn die Rede auf das Thema „Boot im Wasser während der kalten Jahreszeit“ kommt. Dann tauchen Sequenzen vor dem Seemannsauge auf, die eher an ein Überwintern im arktischen Packeis erinnern, kalbende Gletscher zum Thema haben und gegen Ende im Packeis zerdrückte Bootsrümpfe zeigen.

Dabei sieht die Realität ganz anders aus. Denn sollte es wirklich einmal in Europäischen Gefilden zu einem relativ harten Winter kommen und große Seeflächen sowie Küstenabschnitte frieren zu, heißt das noch lange nicht, dass die im Wasser zurück gebliebenen und nun vom Eis umschlossenen Boote tatsächlich Schaden erleiden.

Denn was früher eine Faustregel war, hat bei aktuellen Bootsrümpfen aus modernen Materialien kaum noch Gewicht. Oder anders formuliert: 80-85% Prozent aller Skipper großer Seefahrernationen wie die Niederländer, Schweden, Finnen oder Norweger lassen ihre Boote im Winter auf dem Wasser.

Und schicken zudem Stoßgebete zum Himmel, dass der Winter ein besonders harter werden möge. Damit die Kanäle, Seen und Meersbuchten um die Boote herum endlich wieder vollständig zufrieren, um anständig Eissegeln und Schlittschuhlaufen zu können. Aber das ist eine andere Geschichte…

Tatsächlich nehmen die Rümpfe moderner Yachten während einer Wintersaison im Wasser nachweislich keinen Schaden, selbst wenn sie denn - was bekanntlich in unseren Gefilden eher selten ist - einmal von Eis eingeschlossen werden. Denn die Eisschicht bildet sich um das Boot herum und übt keineswegs Druck auf den Bootsrumpf aus – vorausgesetzt das Schiff liegt an einem geschützten Ort im buchstäblich ruhigen Wasser.

Sobald jedoch Tide und entsprechende Strömungen (auch auf kleineren Flüssen) ins Spiel kommen, kann es zu schwierigen und sogar bedrohlichen Situationen für den Rumpf kommen: Wenn nämlich ab- oder auflaufende Wasser kleine oder große Eisschollen gegen den Rumpf drücken und daran entlang schrammen, kann es zu Lackschäden an der Bordwand und im schlimmsten, aber seltenen Fall tatsächlich zu Schäden am Rumpf kommen.

Liegt das Boot jedoch geschützt in einem Küstenhafen ohne Tide und Strömung und sowieso auf einem Binnensee, ist gegen eine Überwinterung im Wasser grundsätzlich nichts einzuwenden; auch nicht, wenn das Gewässer mitunter zufriert. Das gilt für Stahl, Alu, GFK, Karbon und prinzipiell sogar für Holz als Rumpfmaterial – wenn auch der restaurierte und aufpolierte Holz-Klassiker mit Sicherheit besser in einer Halle überwintert, als dem trüben Winterwetter ausgesetzt. Nicht zuletzt, weil es an diesen edlen Gefährten sowieso immer was zu Basteln gibt…

Womit wir beim wohl wichtigsten Argument wären, das gegen eine Überwinterung Ihrer Yacht im Wasser sprechen könnte: Anfallende Arbeiten. Ganz egal, ob es sich dabei um die Ausbesserung des Teakdecks, um ein Refit der Inneneinrichtung oder sowieso eine Ausbesserung am Unterwasserschiff handelt. Dann sollte das Schiff raus an Land, am besten in eine Halle.

Doch schon beim leisesten Zweifel, ob die eine oder andere Arbeit tatsächlich nötig sein wird… gönnen Sie ihrem Boot (und gewissermaßen sich selbst) doch einmal das Abenteuer „Winter im Wasser“. Sie werden erstaunt sein, wie viel Zeit plötzlich für die Lieben daheim bleibt! Und wie viele gemeinsame Restaurant-Essen durch die gesparten Kran- und Landliegeplatzgebühren „rausspringen“.

Fit für den Winter im Wasser
Die meisten Maßnahmen empfehlen sich grundsätzlich vor dem Winter, egal wo das Boot die kalte Jahreszeit überstehen soll.

  • Unterwasseranstrich/Antifouling in Ordnung? Wurde das Unterwasserschiff (etwa bei Grundberührung) vielleicht leicht beschädigt, ohne dass sich dies bisher bemerkbar machte? Bei Zweifeln Boot kurz an den Kran hängen und kontrollieren.
  • Gegebenenfalls Opferanoden erneuern.
  • Wasserliegeplatz sollte frei von Strömung und Gezeiteneinfluss sein.
  • Klären Sie mit dem Hafenmeister, ob auch im Winter regelmäßige Kontrollen durchgeführt werden. Sonst selbst öfters vorbei schauen oder Bekannte in der Nähe darum bitten.
  • Boot grundsätzlich mit doppelten Festmacherleinen sichern.
  • Viele Skandinavier sichern ihr Boot gegen treibende Eisschollen mit einem alten Feuerwehrschlauch, der um die Yacht herum zu Wasser gelassen wird.
  • Luft- und Motorölfilter wechseln.
  • Frostschutzmittel: Motor warmlaufen, Seeventil schließen, Motor abstellen. Frostschutzmittel in Seewasserfilter. Motor anlassen. Eimer unter Auspuff. Sobald gefärbtes Wasser aus dem Auspuff kommt, ist das Frostschutzmittel überall verteilt.
  • Impeller kontrollieren/ersetzen.
  • Propeller kontrollieren, ggbf. von Bewuchs befreien.
  • Volltanken! Je weniger Luft im Tank, desto weniger Kondenswasser bildet sich. Motorraum wenn möglich gut lüften.
  • Außenborder anwinkeln und Propeller aus dem Wasser. Wenn möglich, AB im trockenen aufbewahren.
  • Z-Antrieb Propeller anwinkeln
  • Wassertank entleeren, Wassersystem mit speziellem, NICHT TOXISCHEN Frostschutzmittel auffüllen.
  • Bordtoilette entleeren, reinigen und Frostschutzmittel zugeben. So lange pumpen, bis farbige Flüssigkeit aufsteigt. Frostschutzmittel soll unbedingt bis in das Pumpsystem gelangen!
  • Bilge lenzen! Falls nötig, dieselbe in regelmäßigen Abständen „trockenlegen“.
  • Ankerkasten und Ankerkette und gegebenenfalls Winde von Salzrückständen reinigen.
  • Batterien möglichst am Landstrom angeschlossen lassen, alle anderen Systeme an Bord ausschalten. Sofern dies nicht möglich ist, Batterien voll aufladen.
  • Segelboote: Unbedingt Tauwerk gut schützen (Schottaschen) oder gegebenenfalls ganz abbauen. Segel sowieso abschlagen und trocken lagern.
  • Innenausstattung ausräumen und transportable Elektronik trocken einlagern.
  • Innenraum NICHT hermetisch abriegeln, für Durchlüftung sorgen. Gegebenenfalls Luftentfeuchter gegen Schimmel einsetzen.
  • Gasflasche abklemmen und zuhause lagern.

Zum Abschluss noch ein origineller Tipp, der im Clubhaus eines holländischen Segelvereins aushängt: „Achtung, im Winter unbedingt Badeleiter einziehen. Eine Leiter im Eis betrachten Schlittschuhläufer als Einladung, an Bord zu kommen. Ihr solltet mal sehen, wie danach Euer Teakdeck aussieht!“

Autor

Michael Kunst

Geschrieben von

Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
In mikus Flotte befinden sich u.a. ein 25 Jahre junger Laser Standard und ein etwas ausgeleierter Mini 6.50 Prototyp (No. 247), mit dem er vor Lorient auf dem Atlantik unterwegs ist.

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