Blog

Welches Segelboot für Anfänger?

Autor: Erdmann Braschos

Neulich verbrachte ich mal ein Segelwochenende mit zwei Anfängern an Bord meiner Swede 55. Die beiden Männer mittleren Alters wollten mal gucken, ob ihnen Segeln gefällt. Wie, mit welchem Boot sie weitermachen können.

Welches Segelboot für Anfänger?
Laser Radial© wikipedia.org/Etnoy

Bei unserem Törn von Fehmarn über die Ostsee nach Neustadt und zurück hatten wir konstanten Wind und kaum Seegang. Ideale Bedingungen, mal ins Metier reinzuschnuppern. Wie es sich für Anfänger gehört, konnten die beiden wenig. Es gab kein Gespür für den Wind, keinen Blick für die Schraffur auf dem Wasser. Sie konnten keinen einzigen Knoten. Aber Jens und Frank hatten Lust auf ein neues Projekt, ein neues Hobby: Segeln. Die beiden hatten sogar schon im Internet nach geeigneten Booten gestöbert. Ein kleines gemütliches Kajütboot sollte es sein, küstentauglich und mit Motor.

Da ich den Segelbazillus gern weitergebe, ganz einfach, weil Segeln für mich die schönste Sache der Welt ist, ließ ich sie meinen 16m Schärenkreuzer möglichst lange steuern. Zufrieden grinsend standen Jens und Frank abwechselnd am Rad und ließen es laufen. Nach einer Weile hatten Sie den Bogen raus: Wann abzufallen ist, eine Idee vom Wind weg zu steuern und wann anzuluven, also näher an den Wind dran. Nach dem 120 Meilen Törn fachsimpelten wir darüber wie es für die beiden weitergehen könnte.

Mein erster Rat war, mit einem Segelkurs zu beginnen und die Basics, die ich den beiden während des Wochenendes gezeigt hatte, zu vertiefen und zu festigen. Der Achtknoten, ein Kopfschlag auf dem Poller und ein Palstek für alle möglichen Anwendungen sollte schon sitzen. Ich würde den Segelkurs da machen, wo ich lebe. Wer in Hannover wohnt, fährt ans beispielsweise ans Steinhuder Meer. Und genau dort würde ich auch weitermachen – mit einer Jolle. Ganz einfach, weil man mit einer Jolle die Basics mit dem geringstmöglichen Aufwand und maximalem Spaß lernt.

Einfacher Achtknoten Einfacher Achtknoten © wikipedia.org/Markus Bärlocher

Die Jolle sollte gebraucht und robust sein, weil sie in der Hand des Anfängers noch ein paar Rempler dazu bekommt. Sie sollte preiswert sein, weil es möglich ist, dass aus dem Segelprojekt auf Dauer nichts wird. Überlegen Sie mal, wie viele Sachen Sie im Lauf Ihres Lebens mit Begeisterung begonnen und wieder aufgegeben haben.

Die Jolle sollte zugunsten einer stabilen Schwimmlage und Kentersicherheit behäbig und breit sein: also eine stäbige Wanderjolle, die Fehler verzeiht. Das Boot sollte aus pflegeleichtem Kunststoff sein. Eine Conger-Jolle beispielsweise oder ein Zugvogel ist eine stabile Plattform zum Ausprobieren. Wenn Sie mit einem bestimmten Bootstyp beim Segelkurs gute Erfahrungen gemacht haben, nehmen Sie einfach den.

Sehr gut ist auch eine Einmannjolle vom Typ Laser. Das ist eine sportliche Angelegenheit und nasses Vergnügen: ein sehr guter Einstieg. Ist gebraucht günstig zu haben, unkaputtbar und macht enorm Spaß. Wenn Sie die Sache zu zweit anfangen, nehmen sie eine Zweimannjolle mit Vor- und Großsegel. Ein Laser lässt sich auf dem Autodach mitnehmen, eine Zweimannjolle auf dem Trailer.

Es kann auch ein offenes Kielboot sein oder ein kleiner Kabinenkreuzer. Viele Segeleinsteiger fangen heute gleich mit einer seetauglichen Yacht an. Das geht zwar, erscheint mir aber nicht ideal, weil man auf einer Jolle den Umgang mit Wind und Wellen, das Handwerk mit Schot und Pinne besser, nämlich bleibend lernt. Man erkennt bei den Hafenmanövern und beim Festmachen von großen Yachten am Steg sofort, wer die Zusammenhänge intus hat und wer nicht. Ohne Sinn für den Wind, seine Richtung und Stärke, bleibt das Seglerleben abenteuerlich und unnötig schwer.

Ich bin viel mit Segeleinsteigern unterwegs. Dabei trennt sich die Spreu vom Weizen schnell. Jollensegler und Surfer sehen die Zusammenhänge sofort. Ich lernte das Segeln auf einer Talsperre in Nordrhein-Westfallen, wo der Wind aus fast jeder Ecke und manchmal sogar von oben kam. Heute manövriere ich mein langes Boot in engen Häfen ohne das übliche Bugstrahlruder. Ich halte an der richtigen Stelle im Hafen an, warte, bis der Wind den Bug in die richtige Richtung geschwenkt hat und fahre in die Box. Mit Jollenfeeling manövriert sich auch ein großes Boot stressfrei.

Wenn Sie und ihr Partner oder die Partnerin nach zwei, drei Segelsommern mit der Jolle richtig «Blut geleckt» haben und eine Vorstellung, welches Boot ihnen gefällt, verkaufen Sie die Jolle und vergrößern sich. Wenn es Ihnen um elementaren spritzigen Segelsport geht, ist ein Strandkatamaran, beispielsweise der populäre Hobie Cat der perfekte Einstieg (Mehr dazu unter: Bunte Kats ziehen magisch an). Einfach mal ausprobieren. An welchem See oder an welchen Strand Sie auch gerade sind. Der nächste Bootsverleih ist nicht weit.

Wenn Sie als Anfänger dennoch mit einem Kajütboot oder einer Segelyacht anfangen wollen, nehmen sie ein gutmütiges und in großer Stückzahl gebautes Serienboot aus Kunststoff, eine gebrauchte Dehler beispielsweise, für die es auch noch Ersatzteile gibt. Gutmütig heißt: In das Boot wurde eine gewisse Luvgierigkeit bei zunehmendem Wind eingebaut. Die zwingt den Einsteiger bei zunehmendem Wind und entsprechender Krängung die Segellfäche zu reduzieren.

VG Wort Zählmarke

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

Webb Chiles: Zufrieden unterwegs

Webb Chiles: Zufrieden unterwegs

Der Amerikaner Webb Chiles kennt zwei Lebensweisen. Die Erwartung des richtigen Lebens und das Leben des richtigen Lebens. Für Chiles ist richtig Leben Segeln. Und zwar schön lange Seereisen. Deshalb ist er, von Pausen abgesehen, seit 1974 auf den Weltmeeren unterwegs. Mit gebrauchten, simplen und verblüffend kleinen Booten.

Welches Segelboot für die Atlantiküberquerung?

Welches Segelboot für die Atlantiküberquerung?

Ein Traum vieler Segler ist es, mal über den sogenannten «großen Teich» zu segeln. Dabei stellt sich die Frage, welches Boot dafür geeignet ist. Nun wurde der Atlantik bereits in verblüffend unterschiedlichen Segelbooten überquert. Keineswegs nur großen, hochseetüchtigen und teuren Yachten.

Die wahre Heldin

Die wahre Heldin

Was Joshua Slocum bei seiner ersten Einhand-Weltumseglung leistete, war phänomenal. Doch war die eigentliche Protagonistin dieses legendären, bis heute gefeierten Abenteuers nicht seine Yacht «Spray»?

Kooperationspartner
YACHTboote
Kundenfeedbacks
Feedbacks“Alle Interessenten haben sich auf ihre Annonce gemeldet, obwohl wir noch einige Anzeigen bei anderen Anbietern aufgegeben hatten!”
Zahlungsmethoden
Visa MasterCard American Express PayPal Rechnung Bankeinzug

Visa, MasterCard, American Express, PayPal, Rechnung oder Bankeinzug

Sicherheitssystem
No Spam

Unser Sicherheitssystem schützt Sie sicher vor Werbe-E-Mails und Onlinebetrügern.

© 2019 boat24.com