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Richtige Segelboote

Autor: Erdmann Braschos

Jetzt, wo der Sommer da ist, fehlt eigentlich bloß das segelklare Boot für’s Seglerglück. Natürlich nicht irgendeins, sondern ein richtiges. Je nach Liegeplatz und Budget empfehlen sich schöne Klassiker wie eine O-Jolle, ein Folkeboot oder Drachen. Das sind bewährte, ringsum schöne Boote, an denen man lange Freude hat.

Richtige Segelboote
Traumhafte Segelyacht für das Hochsee-Sabbatical im Mittelmeer

Eine O-Jolle ist die richtige Wahl als Haupt- oder Zweitboot für das Segelrevier vor der Haustür, die kleine Feierabendflucht aufs Wasser oder den perfekten Mittwochnachmittag. Nicht zuletzt tut man mit der 5 m langen, mit 11 ½ qm besegelten Olympia-Jolle was für seine Fitness. Denn bei zunehmendem Wind heißt es ausreiten: hängen, hängen, hängen.

Wer es etwas komfortabler mag, sollte sich die skandinavischen Kielboot-Klassiker Drachen und Folkeboot ansehen. Das sind schon richtige kleine Yachten, für die es einen Kran und dazu gehörige Logistik braucht.

Mit dem Internationalen Dreimann Kielboot drachen segelt man in allen Segelrevieren zwischen Cote d’ Azur bis nach Skandinavien in guter Gesellschaft. Auf namhaften Gewässern hierzulande gibt es substanzielle bis beeindruckend große Flotten. Eckdaten: Circa 9 x 2 m, 1,20 m Tiefgang, 1,7 t, knapp 28 qm am Wind, Spinnaker etwa 24 qm. Ein tolles und wertstabiles Boot, von unseren Revieren nicht wegzudenken. Wer Regatta-Ambitionen hat, kann sich damit bis ins Alter endlos austoben. Die Leistungsdichte ist groß. Einer der schönsten, wenn nicht der schönste Daysailer überhaupt. Ein Evergreen: Kaufen und – noch wichtiger – oft segeln: Mittwochs, Freitag in den Abend hinein, Samstags und oder Sonntags.

Man kann den Drachen auch in den Sommerurlaub mitnehmen und übernachtet mit dem nötigsten Gepäck an Bord. Mit dem Drachen wurden und werden ausgedehnte Törns gesegelt. Die ligurische Küste entlang zur Cote, zur dänischen Südsee, die schwedischen Schären? Kein Thema. Leinen los!

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Ein wunderschönes Drachen Exemplar, in voller Fahrt

Wer es eine Idee komfortabler mag und ein beeindruckend seetüchtiges Schiff möchte, sieht sich das Folkeboot an. Eckdaten 7,64 x 2,20 m. Es hat ebenso wie der Drachen ganze 1,20 m Tiefgang, ist allerdings schwerer. 24 qm mit Groß und Fock. Spinnaker und ähnliche Fisimatenten gibt nicht. Kein Ausbund an Agilität, aber mit dem schönen Sprung über dem geklinkerten Rumpf ein Charmeur. Eignet sich für den Baldeneysee, Berliner Gewässer oder den sommerlichen Seetörn. Für beide Boote gilt: Gute Substanz, viele Werften, lebendige Szene.

Darf es etwas extravaganter sein? Dann ist der 22er Schärenkreuzer interessant. Diesen ursprünglich schwedischen Klassiker gibt es seit mehr als einem Jahrhundert. Neuerdings schwappt die Woge der Begeisterung an die deutsche Ostseeküste, nach Berlin und an den Bodensee. Länge 10 – 13 m, Breite 1,80 – 2,40 m, Gewicht 1,8 – 2,4 t, vermessene Segelfläche 22 qm, real deutlich mehr. Die Klasse organisierte sich vergangenes Jahr in Deutschland und der Schweiz. Zum ersten Europapokal 17. - 19. September werden 29 (!) Boote in Berlin erwartet. Und das ist erst der Anfang. Großer Genuß an der Pinne. Ein federleichter, sensibler und herrlich anzuschauender Renner. Angucken, ausprobieren, den Sommer über kennenlernen und in Berlin zur Regatta melden.

Wem Drachen, Folkeboot und 22er Schärenkreuzer zu wenig Komfort bieten, sollte sich den klassischen Van de Stadt Seekreuzer Typ „Tulla“ ansehen. Der Langkieler ist immerhin 3 m breit und bietet unter dem stufigen Aufbau eine kleine Welt mehr Platz. Eine klassische Fahrtenyacht der Sechziger Jahre mit Charme und Gesicht. Prädikat: besichtigenswert. Dieses Boot kriegt an jedem Liegeplatz ein Lächeln.

Wer eine verständliche Schwäche für gediegene Fahrtenschoner, das nötige Kleingeld dazu hat und auch an Bord gern auf etwas größerem Fuß lebt, wird sich für eines der letzten Exemplares dieses Klassikers begeistern. 38 m lang und 1930 in Dänemark gebaut. Dieser hinreißende Gaffelschoner hat schon manchem Segler die Sicherungen heraus gedreht, Lebenswege auf einen anderen, seewasserhaltigen Kurs geschickt und ist eine Art Geheimtipp. Das Boot segelte lange in der Karibik, wurde aufwändig restauriert und ist segelkar in Cannes zu besichtigen. Ein herrliches Schiff mit dem Komfort eines segelnden Grandhotels. Traumhaft, damit zum Hochsee-Sabbatical im Mittelmeer, zur Karibik oder zu den Inseln der fernen Südsee abzulegen. Der passenden Skipper, der die Yacht auswendig kennt und pflegt, kommt bestimmt gern mit. Und Platz für die eingangs erwähnte O-Jolle gibt es an Deck auch.

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

Cantiere Sangermani

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Die Yachten der ligurischen Sangermani-Werft kennen nur Insider. Das liegt an ihrer unscheinbaren Noblesse und daran, dass sie selten sind. Man erkennt sie an den charakteristischen drei Punkten am Ende der gelben oder mit Blattgold in die Bordwand gravierten Ziergöhl. Die Punkte stehen für das S des internationalen Morsealphabets, für «S», wie Sangermani.

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Der Amerikaner Webb Chiles kennt zwei Lebensweisen. Die Erwartung des richtigen Lebens und das Leben des richtigen Lebens. Für Chiles ist richtig Leben Segeln. Und zwar schön lange Seereisen. Deshalb ist er, von Pausen abgesehen, seit 1974 auf den Weltmeeren unterwegs. Mit gebrauchten, simplen und verblüffend kleinen Booten.

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