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Welches Motorboot für Küstengewässer?

Autor: Erdmann Braschos

Der Bootsausflug im Küstengewässer stellt andere Anforderungen an ein Motorboot, als die Spritztour auf Flüssen oder Seen.

Welches Motorboot für Küstengewässer?
Seetüchtiges Motorboot für rauhe Gewässer© unsplash.com/jeremybishop

Mit glattem Wasser zwischen ringsum schützenden Ufern kommt praktisch jeder schwimmende Untersatz zurecht. Da langt in der Regel auch die flachbordige Nussschale oder ein Gleiter mit flachem Bootsboden. Sollte es mal ruppig werden, ist man flott am rettenden Ufer.

Ganz anders sieht es an der Küste aus, wo Boot und Besatzung mit Seegang fertig werden müssen, mit Schaukeln, Schlagen und langen Passagen bei ruppigen Bedingungen. Wellen machen den Ritt ungemütlich. Schnell mit flotter Fahrt ans nächste Ufer brettern geht nicht. Diese Idee kann in flachem Wasser bei Brandung sogar gefährlich sein. Bei auflandigem Wind sind Untiefen weiträumig zu umfahren. In Tidengewässern wie der Nordsee schaffen Wind- gegen Strömung Bedingungen anspruchsvolle bis gefährliche Verhältnisse: steile, dicht aufeinander folgende, an den Kämmen brechende Wellen, die irgendwann nicht mehr quer zu nehmen, sondern mit langsamer Fahrt vierkant anzusteuern sind. Oft ist man weit draußen in ausreichend tiefem Wasser mit berechenbarem Seegang besser aufgehoben als im flachen. Auf dem Meer gelten andere Gesetze.

Dazu braucht es ein seetüchtiges Boot mit ausgeprägter Aufkimmung, also einem V-förmigen statt flachen Bootsboden. Das V durchschneidet Wellen besser, gleitet dafür entsprechend später oder überhaupt nicht. Das entscheidet die Form und die Motorisierung. Je ausgeprägter das V, desto rauhwassertauglicher das Boot, desto mehr PS und Sprit benötigt es aber auch.

Der vergleichsweise langsame Verdränger eignet sich für Küstengewässer eher als ein Gleiter. Bei längeren Bootsausflügen oder dem Sommertörn ist das Bordleben wichtiger als Fahrspaß und Geschwindigkeit. Man möchte Platz, etwas Komfort und Stauraum. Das und die Zuladung führt zu einem schweren Boot. Da entscheidet man sich lieber gleich für einen Verdränger. Seegang bremst jedes Motorboot, auch den Rauhwasser-tauglichen Gleiter, aus.

Früher waren rundspantige Rümpfe üblich. Der abgerundete statt kantige Übergang von der seitlichen Bordwand zum Bootsboden lässt den Rundspanter entsetzlich rollen. Die Schaukelei kann so weit gehen, dass empfindlichen Naturen sofort schlecht wird und bestimmte Kurse im offenen Wasser unmöglich sind. Die moderne Rumpfform stabilisiert die Schwimmlage und dämpft die unangenehme Schaukelei.

Achten Sie auch auf die Kursstabilität, die beim Verdränger durch einen Kielstummel unterstützt wird, der zugleich die Propellerwelle und Schraube bei Grundberührungen schützt. Je rauher und exponierter das Revier, desto mehr sollte sich das Design an den dortigen Arbeits-, den Fischerbooten orientieren.

Ein breites Heck bietet eine sichere Schwimmlage und beim Ankern (siehe auch: Ankern: Hält er oder hält er nicht?) in der Badebucht Platz zum Chillen. Denn es gibt nicht schöneres, als am Wochenende oder zwischendurch mal spontan in die nächste Bucht zu brettern, eine Runde ums Boot zu schwimmen und die Sonne zu zweit, mit der Familie oder Freunden untergehen zu lassen. Diese Naturnähe ist das Schönste. In meinen Augen ist diese Freiheit der entscheidende Grund, ein Boot zu haben.

Achten Sie auf eine gute Entwässerung der seitlichen Decks und des Achterdecks. Sollte mal eine Woge an Bord gelangen, muss das Wasser zügig außenbords ablaufen. Dann können die Speigatten und Drainagen rings um die Poller nicht groß genug sein. Der Eingang zur Kajüte sollte sich mit einer stabilen Tür schließen lassen.

Ein Sicherheitsaspekt ist die Motorisierung. Ein zweimotoriges Boot hat für den Fall, dass eine Maschine aussetzt, noch die zweite. Nachteile des zweimotorigen Antriebs sind größere Kosten beim Kauf, bei der Wartung und auch der höhere Spritverbrauch. In vielen Häfen sind Boote mit Außenborder zu sehen, die noch einen kleineren Hilfsquirl am Spiegel hängen haben.

Wichtig bei der Motorisierung ist, dass sie zum tatsächlichen, nicht dem angenommenen Nettogewicht des Bootes einschließlich Sprit, Frischwasser, Vorräten, Urlaubsgepäck und Besatzung passt. Das Boot sollte über Stunden mit der optimalen, sprich wirtschaftlichen Drehzahl mit Reisegeschwindigkeit mit erträglicher Geräuschkulisse und akzeptablen Vibrationen laufen. Hinweise dazu gibt es im Handbuch zur Maschine. In jedem Fall sollten Sie es ausprobieren. Unverzichtbar sind Filter im Seewasserzulauf für die Zweikreiskühlung, damit Algen, Sand und Seegras aussortiert werden und die Maschine nicht plötzlich warm wird. Parallel angeordnete Spritfilter, die sich auf See mit wenigen Handgriffen umschalten lassen, sind praktisch.

Planen Sie längere Strecken an der Küste, sollte das Boot ein angehobenes Vorschiff und einen geschützten Steuerstand haben. Damit lässt sich ein Unwetter mit Böen und Gischt mit langsamer Fahrt gegenan kommod aushalten. Wichtiger als eine windschnittig-coole Verglasung ist die ungehinderte Sicht in Fahrtrichtung. Das ist sicherer und auch für Ihre Begleitung angenehm. Nur wer im Seegang sieht, wo die Reise hingeht, den Horizont im Auge behält und im Sturm die Wogen sieht, fühlt sich sicher und bleibt länger von der Seekrankheit verschont.

Achten Sie auch auf ein gescheites, zum Bootsgewicht und der großen Windangriffsfläche hochbordiger Motorboote passendes, im Zweifel eher eine Nummer größeres Achtergeschirr mit zumindest einigen Metern Kettenvorlauf. Damit bleiben Sie bei einem technischen Problem oder stürmischen Bedingungen ziemlich sicher an Ort und Stelle. Auch ist es beim Übernachten in der Traumbucht ein gutes Gefühl, nicht am falschen Ende gespart zu haben. Wenige Kilo mehr entscheiden darüber, ob der Anker hält (siehe auch: Wer aufsteht, macht das Licht aus).

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Erdmann Braschos

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Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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Obwohl die Reste der herausgeschnitten Laminatwinkel beim Ausbau des alten Interieurs zuvor bis zur Bordwand entfernt wurden, wird die Bordwand mit dem Exzenterschleifer an den Flächen, wo laminiert wird, nochmals angeschliffen. Der Schliff mit grober Körnung (24er, 36er oder 40er Klettscheiben) stellt die gute Verbindung des neuen Laminats mit der Bordwand sicher. Mit einem Exzenterschleifer und vernünftiger Absaugung ist das in wenigen Minuten gemacht und geht halbwegs sauber über die Bühne. Danach wird das gesamte Vorschiff gründlich staubgesaugt und bis in die Ecken hinein mit einem feuchten Lappen ausgewischt.

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