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Für und Wider Strahlantriebe

Autor: Erdmann Braschos

Der Jet-Antrieb punktet mit beeindruckenden Vorteilen, hat gegenüber dem herkömmlichen Antrieb mit außenbords drehender Schraube aber auch einige Nachteile. Hier eine Gegenüberstellung der zentralen Gesichtspunkte.

Für und Wider Strahlantriebe
Waterjet© Wikipedia/Doclecter

Der Wasserstrahlantrieb ist ein dolles Ding. Er bringt die Motorleistung ohne den Reibungsverlust eines Getriebes ins Wasser, Eine Welle, Z-Trieb oder Propeller und Ruder gibt es auch nicht. Das spart etwa zehn Prozent des Wasserwiderstands und vor allem die Gefahr, damit blöd aufzusetzen. Die Reparatur infolge einer Grundberührung ist teuer. Mit dem strahlgetriebenen Boot fährt man dagegen unbesorgt durch flaches Wasser bis zum Strand. Um den Propeller gewickelte Mooringleinen, mitgerissene Bojen sind Geschichte. Ein strahlgetriebenes Boot lässt sich jederzeit aus voller Fahrt aufstoppen. Diese Gesichtspunkte machen ihn für Arbeits-, Patrouillen- oder Lotsenboote und für private Motorboote gerade im Flachwasserrevier interessant.

Ich hatte Gelegenheit, ein strahlgetriebenes Boot an der amerikanischen Ostküste zu fahren. Der Impeller einer Hamilton-Pumpe zerrt das Wasser durch einen vergitterten AIuminiumschlund ins Pumpengehäuse, beschleunigt ihn und pustet den Strahl durch die außen am Spiegel sitzende Verengung des Düsenrings hinaus. Am Ende des Rohrs sitzt ein seitwärts schwenkbarer Rüssel. Ein hydraulisch bewegtes Schubgestänge neigt den Wasserstrahl nach back- oder steuerbord und bestimmt so den Kurs. Über dem Lenkrüssel sitzt ein Visier. Direkt hinter der Düse in den Wasserstrahl geschwenkt sorgt es für eine prompte Umsteuerung des Wasserstrahls. Gut die Hälfte des verfügbaren Vorwärtsschubs stoppt das Boot auf. Das Manöver kann jederzeit, auch aus voller Fahrt eingeleitet werden. Der Impeller läuft mit unveränderter Drehzahl weiter.

Strahlantrieb Hamilton Strahlantrieb Hamilton © E. Braschos

Bruce King, der Konstrukteur des 36 Fuß Picnic-Bootes der Hinckley Werft erklärte damals: «Damit der Impeller bei großer Geschwindigkeit keine Luftblasen ansaugt, wurden sämtliche Seeventile oder Finnen aus dem Bereich anströmenden Wassers genommen.» Zu berücksichtigen waren auch einige Vorgaben des neuseeländischen Herstellers. Hamilton empfiehlt einen parallelen Verlauf von Knickspant und Kiel im gleitrelevanten hinteren Bereich des Unterwasserschiffs. Zwecks wendiger Manövereigenschaften erhielt das Picnic Boot eine reduzierte Aufkimmung, was die Rauhwassertauglichkeit limitiert. Es gibt bei der einmotorigen und damit einstrahligen Variante also eine konstruktive Einschränkung für den Jet-Antrieb. Auch verlangt der Jet-Antrieb grundsätzlich einen um 5 Grad aus der Senkrechten geneigten Heckspiegel.

Jan Böhm von der Hamburger Lütje Weft, die auf zahlreiche konventionell angetriebene Motorboote und ein Dutzend strahlgetriebener Boote zurückblickt, weiß aus eigener Erfahrung: «Ein Boot mit Jetantrieb ist leider nicht so kursstabil, weil der Z-Trieb oder das Ruder fehlt. Man kann diesen Nachteil mit kleinen zusätzlich unter dem Rumpf angebrachten Finnen etwas ausgleichen. Aber wenn Du mit einem strahlgetriebenen Boot eine Kurve fährst, driftet das Heck weg. Daran muss man sich gewöhnen. Es fehlt die Lateralfläche eines Ruderblatts oder Z-Triebs. Anders als bisher ist auch das Manövrieren eines zweistrahligen Bootes im Hafen. Man muss das komplett neu lernen.»

Es wurden bereits mehrere strahlgetriebene Boote der Classic Coaster Range auf Z-Trieb umgebaut, weil die Eigner die beschriebenen Vorteile des Strahlantriebs auf Dauer nicht genutzt haben. Ein Vorteil des strahlgetriebenen Bootes gegenüber dem Z-Trieb ist, dass die Maschine weiter vorne sitzt. Dies kommt dem Gewichtstrimm zugute. «Leider brauchen strahlgetriebene Boote deutlich mehr Leistung und damit Sprit für die gleiche Geschwindigkeit, als moderne Duo-Prop Anlagen», berichtet Böhm. Bei diesem Antrieb des Herstellers Volvo Penta, es gibt ähnliche Antriebe von Mercury oder Yamaha, bewegen zwei hintereinander angeordnete, gegenläufige Schrauben das Boot.

Unter dem Strich zahlt der Eigner eines strahlgetriebenen Bootes für den besonders sicheren und reaktionsschnellen Antrieb einen gewissen Preis. Das erklärt, weshalb sich der Strahlantrieb letztlich nicht so durchgesetzt hat, wie in den Neunzigerjahren zunächst schien.

Strahlantrieb Hamilton Strahlantrieb Hamilton © E. Braschos

Geschichte des Strahlantriebs
Der erste Wasserstrahlantrieb soll bereits 1866 an einem englischen Kriegsschiff installiert wurden sein. 1895 wurde das System am Kettendampfer Gustav Zeuner genutzt. In den Fünfzigerjahren gelingt dem Neuseeländer William Hamilton nach langjähriger Verbesserung der ursprünglich amerikanischen Idee die Entwicklung und Serienreife leistungsfähiger Wasserstrahlantriebe. In den Sechziger- und Siebzigerjahren liefert Hamilton Strahlantriebe für große Boote und kommerzielle Anwendungen. 1991 folgt eine Anlage für 50 bis 65 Knoten schnelle Boote mit bis zu 1.600 kW (2.100 PS). Mitte der Neunziger folgt der Turboimpeller für Luftblasenhaltiges Wasser. Der intuitiven Steuerung per Maus 2006 folgt 2015 die Möglichkeit, ein Jetgetriebenes Boot präzise auf einer bestimmten Position zu halten.

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Erdmann Braschos

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Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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