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Duoprop: Gequirlt fährt besser

Autor: Erdmann Braschos

Als Volvo Penta Anfang der Achtzigerjahre den sogenannten Duoprop vorstellte, war das ein Meilenstein beim Antrieb von Motorbooten. Der jedem Steuermann leidliche bekannte Radeffekt, das seitliche Vertreiben des Bootes durch den Propeller, war damit im Griff.

Duoprop: Gequirlt fährt besser
Duoprop mit zwie gegenläufigen Propellern© Volvo Penta

Zwei gegenläufige Propeller beschleunigen das Boot spürbar besser. Sie steigern die Endgeschwindigkeit. Im Teillastbetrieb wird gegenüber dem herkömmlichen Antrieb mit einem Propeller angeblich ein Zehntel Sprit gespart. Der Duoprop punktet auch mit größerer Laufruhe.

Interessant ist die Spurtreue im Slalom bei hoher Geschwindigkeit wie beim langsam gefahrenen Kurswechsel. Richtig Charme hat der Duoprop im Rückwärtsgang. Hier ist es beim Einschrauben-Antrieb schwer, Kurs zu halten. Das ist gerade beim rückwärts Einparken in der engen Marina bei Seitenwind eine kniffelige Sache, weil ein Motorboot mit hohem Rumpf und Aufbauten schnell abtreibt.

Auch die nachteilige Kavitation, die Blasenbildung im Wasser, wird durch die beiden gegenläufigen Propeller reduziert. Voraussetzung dazu ist eine spezielle, genau aufeinander abgestimmte Geometrie der Propellerflügel.

Zuvor hatte der schwedische Motorenbauer mit der «Aquamatic» den Z-Trieb beim Motorboot eingeführt, das am Heckspiegel sitzende Getriebe, das sich leicht montieren läßt, sich eine Idee anheben und Berührungen mit Treibgut oder einer Untiefe im Vergleich zur starren Welle glimpflich ausgehen lässt.

Die ausgebaute Welle mit der vorderen Hohlwelle und der inneren Welle und dem Kegelradgetriebe vorn Die ausgebaute Welle mit der vorderen Hohlwelle und der inneren Welle und dem Kegelradgetriebe vorn © Torsten Rust

Natürlich hat der Duoprop auch Nachteile. Zunächst einmal sind die Propeller teurer, weil man mit zwei statt einem, bei einem zweimotorigen Boot mit vier statt zweien unterwegs ist. Zweitens ist ein Duopro-Getriebe sensibler. Der Hamburger Gutachter Torsten Rust hat einige durch unrunden Lauf, Kollision mit Treibgut oder Grundberührungen lädierte Getriebe gesehen. «Mehr noch als bei der Einschrauben-Anlage sollte der Eigner eines Duoprop-Getriebes auf Unwucht infolge beschädigter Propeller achten. Das liegt an der Bauweise des unteren Getriebeteils, wo der vordere Propeller auf einer Hohlwelle läuft und der hintere gegenläufig auf der Innenwelle dreht. Die Schmierung eines Duoprop-Getriebes ist empfindlicher. Bereits bei einer kleinen Beschädigung und Unwucht sollte der Eigner aufpassen. Ist das Lager mit den Simmerringen beschädigt, kommt der Kollaps durch eingedrungenes Seewasser im Getriebeöl rasch.» Nach seiner Beobachtung muss aber keineswegs jedes Getriebeunterteil immer komplett ersetzt werden, wie es die Werkstätten empfehlen. Oft reicht auch die Überholung des Innenlebens.

Die zerlegte Welle mit Korrosion infolge defekter Simmerringe/Seewasserkontakt Die zerlegte Welle mit Korrosion infolge defekter Simmerringe/Seewasserkontakt © Torsten Rust

Aquamatic-Getriebe leiden generell, wenn der Skipper den Motor mit angehobenem Z-Trieb warmlaufen lässt und bei erhöhter Tourenzahl der Maschine einkuppelt, sei es aus Gedankenlosigkeit, sei es, um jemand am Steg spaßeshalber naß zu machen.

Korrosion an der Kardanwelle im oberen Getriebeteil infolge eines vernachlässigten Faltenbalgs Korrosion an der Kardanwelle im oberen Getriebeteil infolge eines vernachlässigten Faltenbalgs © Torsten Rust

Irritierend ist die Erfahrung von Profis, wonach sich die Lebensdauer von Duoprop-Anlagen, es gibt sie von Volvo Penta und von Mercruiser, auf ganze tausend Betriebsstunden belaufen soll, weshalb die Berufsschifffahrt, die auf Dauerbetrieb angewiesen ist, von vornherein andere Fabrikate kauft.

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Erdmann Braschos

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Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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