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Maxi Segelyachten: Herr Nutzwert

Autor: Erdmann Braschos

Pelle Petterson wurde als Regattasegler im Starboot und mit seinem America’s Cupper «Sverige» berühmt. Geld verdiente er mit praktischen Serienbooten vom Typ Maxi, die in den Siebzigerjahren mit einem unkonventionellen Design und viel Platz unter Deck beeindruckten. Damals war seine Werft der weltweit größte Serienbootsbauer von Segelyachten.

Maxi Segelyachten: Herr Nutzwert
Pelle Petterson am Rad© P. Petterson Archiv

Abgesehen vom Waffeleisen und der Kaffeemaschine hat der vielseitige Schwede Pelle Petterson allerhand Form gebracht. Den Volvo-Sportwagen P 1800, Dachboxen, Mopeds, Motorsägen, den Aquadrive, Sandanker, Bojen, Poller, Profilstagen, vor allem aber Boote hat er entworfen. Außerordentlich beliebte wie den Bestseller Maxi, den er variantenreich zeichnete und der es bislang auf geschätzt 14.000 Exemplare brachte. Hinzu kommen seine erfolgreichen Sechser, der beliebte Daysailor 806, die Swedish Match 40. Auch eine Armbanduhr hat er mal marinisiert oder sogar eine spezielle Toilette für die Schären.

Seine Regattaboote wie der Sechser «Irene» oder der Zwölfer «Sverige» hängen als Halbmodelle im GKSS, dem Königlichen Yachtclub in Langedrag bei Göteborg. Seine Serienboote sind in vielen Häfen zu sehen, allen voran die etwa 3900 Mal gebaute Maxi 77, ein vergleichsweise leichter Backdecker, mit dem Petterson 1972 auf Anhieb großen Erfolg hatte. Optisch brach es mit dem vertrauten Anblick vergleichsweise flachbordig-schwerer Fahrtenboote und schmalem Aufbau zwischen seitlichen Decks. Pettersons Entwurf gewann mit dem angehobenen Deck Volumen. Zwar war der sogenannte Backdecker damals nichts Neues. Damit hatten schon mehrere Bootsbauer experimentiert. Aber Petterson interpretierte ihn neu und fertigte ihn in großer Serie in GfK. Der dunkle Streifen auf den Seiten kaschiert geschickt die zusätzliche Höhe des auf dem umlaufenden Falz sitzenden «Decksdeckels». Die außen angebrachten Fenster waren flott montiert. Wie beim Autoscooter auf dem Jahrmarkt verzieh die Scheuerleiste manchen Rempler, der beim Anlegen zwischen den Pfählen vorkommt.

Petterson ist Herr «Funkisbåt», wie die Schweden das funktional nutzwertige Freizeitboot nennen. Seine Tourenboote passten als schwimmende Wochenendhäuser perfekt in die Siebzigerjahre, als Segelboote gekauft wurden wie warme Semmeln, besonders gerne dann, wenn sie bezahlbar waren. 1976 folgte mit der Maxi 95 ein 9,50 m langes Mittelplichtboot mit Achterkajüte, Toilettenraum an der breitesten Stelle steuerbord neben dem Niedergang. Direkt hinter dem Mast war mit günstigem Schwerpunkt im Salon die Maschine untergebracht. Das 3,20 m breite Boot mit etwa 1 ½ m Tiefgang wurde bis 1983 etwa 1.600 Mal gebaut. Eine gemütliche Bleibe, mit ihrem Platzangebot und der separaten Achterkajüte ideal für Familien. Bald folgten mit der Maxi 87 und 68 die nächsten Modelle im gleichen Stil. Sage und schreibe 1.295 Maxi 68 wurden gebaut. Ähnlich erfolgreich war die Maxi 84 mit 1.350 Einheiten. In den Achtzigerjahren passte Petterson das Design seiner Maxis an den Zeitgeist an. 26 verschiedene Maxi-Modelle hat er im Lauf der Jahrzehnte entworfen.

Als ich Petterson in seinem schönen Haus in Kullavik mit Blick auf die Schären besuchte, berichtete er: «Ich habe für die Maxi damals richtig Prügel gekriegt. Das liegt daran, dass ich das Boot nicht von außen nach innen konstruiert habe, sondern von innen nach außen und wieder zurück. Außerdem habe ich an die Handhabung der offenen Schale in der Werft und das Einbringen der Einrichtung gedacht“ erinnert der versierte Industriedesigner. «Das war damals neu. Die Maxi war eine Milchkuh. Sie sollte Geld verdienen» fasst Petterson das Kapitel zusammen. «Unsere Rivalen waren in Schweden Albin, in Deutschland Dehler und in Frankreich Dufour.»

Rendering Maxi 95 Rendering Maxi 95 © P. Petterson Archiv

1955 hatte der 23-jährige am Pratt Institute in New York Industriedesign studiert und natürlich auch ab und zu gesegelt. Anlässlich der Überführung eines Zwölfers machte er Bekanntschaft mit dem Platzhirsch der Regattabahnen und der späteren America’s Cup Klasse. «Das war die Saat für den Zwölfer «Sverige» von 1977 und ‘80,» erinnert Petterson. Ende der Fünfzigerjahre jobbte er beim Autostylisten Pietro Frua in Turin und bei NSU in Neckarsulm, wo er sich an einem neuen «Prinz» versuchte und Bergrennen fuhr. Als damals in Göteborg über einen neuen Sportwagen nachgedacht wurde, brachte sein Vater Helmer Petterson den Entwurf seines Sohns bei Volvo unter. Leicht überarbeitet machte der Petterson Entwurf als legendärer Volvo P 1800 das Rennen. «Mein Vater kümmerte sich um das Chassis und die Motorisierung, ich um das Design innen und außen» erinnert Petterson. Bekannt wurde das Coupe durch die Fernsehserie «Simon Templar» mit Roger Moore. Daraus wurde mit dem sogenannten «Schneewittchensarg» von Volvo der Prototyp späterer Lifestylekombis.

Als Industriedesigner gestaltete Petterson Motorsägen, Rasenmäher und Mopeds. Der Segler besorgte sich Zeichnungen verschiedener Starboote. Er vergrößerte sie und analysierte die Linien. Petterson erkannte, dass es mit geschickter Abrundung des Knickspanters, einer nach hinten gerückten Kielflosse und einer achtern tiefer hängenden Ballastbombe besser läuft. «Ich nutzte die Toleranzen im Zenti- und Millimeterbereich und konstruierte um die Messpunkte, beispielsweise des Kiels, herum» erinnert Petterson bei einem gemeinsamen Blick auf die Zeichnungen im Dachgeschoß seines Hauses. Der Erfolg stellte sich 1963 ein. Im Jahr darauf segelte Petterson bei der Olympiade in Japan eines der schnellsten Starboote und gewann Bronze. Später entwarf Petterson den sogenannten «Euro Star» zur Serienfertigung in GfK, dachte sich einen gescheiten Baumniederholer aus und ließ in einer Göteborger Kellerwerkstatt die ersten europäischen Edelstahlterminals walzen. Wie man leichte und belastbare Endbeschläge auf den Draht kriegt, hatte sein Vorschoter und späterer Kompagnon Stellan Westerdahl im Flugzeugbau der Staaten gesehen.

Seitenansicht/Zeichnung Maxi 77 Seitenansicht/Zeichnung Maxi 77 © P. Petterson Archiv

«Damals war Segeln ein weißer Sport. Sponsoring gab es nicht. Man hatte einen Beruf, eine Familie und ging in seiner Freizeit segeln» erinnert Petterson. Seine vom traditionellen Bootsbau freie Perspektive des Industriedesigners und Pettersons nüchterner Blick auf den Nutzwert eines Freizeitbootes war sein Erfolgsrezept. Sie begann bei Maxi mit kleinen Motor- und Segelbooten wie dem beliebten 606er und führt bald zum Bestseller Maxi 77. Mit dem Verkauf seiner «Milchkuh» an den Göteborger Mölnlyke Konzern versilberte er die Maxi-Erfolgsgeschichte. Insgesamt 29 verschiedene Maxi-Typen hat er gezeichnet. Lange segelte er seine Maxi 140 mit doppelten Niedergängen.

Nach EM Titeln im Star und der Weltmeisterschaft 1969 in San Diego, der Silbermedaille 1972 flog Petterson mit Zeit und Geld nach Newport, wo er im September 1974 die Regatten zwischen «Courageous» und der australischen „Southern Cross“ beobachtete. «Ich dachte mir, wenn ich die Conners und Blackallers in ihrem eigenen Revier im Star hinter mir lasse, müsste das auch im Zwölfer klappen.» Petterson brachte «Columbia», die Sparkman & Stephens Konstruktion von 1967, mit nach Göteborg, übte Zwölfersegeln, trommelte die Schwedische Wirtschaft für ein Syndikat zusammen und entwarf mit «Sverige» einen Cupper, der 1977 beinahe die Ausscheidungsregatten gegen «Australia» gewann. Der Clou waren die Fahrradantriebe für die Schotwinschen, die sein Vater Helmer entwickelt hatte. «Damit holten wir die Genua beim Wendeduell etwas schneller dicht» erinnert Petterson. «Unser Handicap waren der Mast und die Segel. Damals musste alles im Land des Herausforderers hergestellt sein und unser Tuch kam nicht an die gute Ware der Konkurrenz heran.» Dennoch wurde das America’s Cup Debüt vor Newport ein Erfolg. Es war gut organisiert und der faire, stets bescheidene Segelsportler Petterson war ein sympathischer Botschafter seines Landes. Es lohnte sich auch für Volvo und Volvo Penta in den Staaten. «Sverige» war das erste, im großen Stil von Sponsoren getragenen America’s Cup Engagement. Es wurde zum Pilotprojekt schwedischen Grand Prix Segelns, für verschiedene schwedisch-skandinavische Whitbread Teilnahmen bis hin zum Volvo Ocean Race.

Heute entwirft Tochter Cecilia mit «Pelle Petterson Yachting» Outdoor- und Segelkleidung aus Gore Tex. Im Unterschied zur Funktionskleidung anderer Hersteller ist sie farblich zurückhaltend in weiß, beige, dunkelblau gehalten. Das passt zur gelassenen schwedischen Segellegende.

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Erdmann Braschos

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Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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Obwohl die Reste der herausgeschnitten Laminatwinkel beim Ausbau des alten Interieurs zuvor bis zur Bordwand entfernt wurden, wird die Bordwand mit dem Exzenterschleifer an den Flächen, wo laminiert wird, nochmals angeschliffen. Der Schliff mit grober Körnung (24er, 36er oder 40er Klettscheiben) stellt die gute Verbindung des neuen Laminats mit der Bordwand sicher. Mit einem Exzenterschleifer und vernünftiger Absaugung ist das in wenigen Minuten gemacht und geht halbwegs sauber über die Bühne. Danach wird das gesamte Vorschiff gründlich staubgesaugt und bis in die Ecken hinein mit einem feuchten Lappen ausgewischt.

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