Blog

Das Appartementschiff

Autor: Michael Kunst

Exklusive Hausgemeinschaft zur See: Die «World», ein Luxusliner mit 165 Eigentums- und Mietwohnungen, wird als «größte Privatyacht» und «exklusivster Cruiser» der Welt bezeichnet.

Das Appartementschiff
Schwimmbad© aboardtheworld.com

Andere nennen das 196 Meter lange und 12 Decks hohe Appartementschiff einen «Kahn für Millionäre» oder «Ausflugsdampfer für die Reichen und Schönen». Wie auch immer, wer es sich leisten kann, wird auf der «World» einen völlig anderen Eindruck vom «Leben auf dem Wasser» bekommen. Ganz egal ob in der Ägäis, der Südsee, der Arktis, in Marseille, Sydney, New York oder vor Grönland.

Natürlich wird an Bord der «World» nur in Nebensätzen über Geld gesprochen. Das hat man eben und gut is’ . Und dennoch hält sich hartnäckig das Gerücht, dass man schon für den Kauf eines eher kleineren Studios, von Unbedarften mitunter auch Kabine genannt, auf dem Luxusliner einen Vermögensnachweis in Höhe von 10.000.000 $ erbringen muss. Flüssig, sozusagen als Kaution, versteht sich.

Denn mit dem Erwerb eines Appartements an Bord der «World» (je nach Größe zwischen $ 700.000.- und $ 7.000.000.-) geht man im gewissen Sinne als Miteigentümer des Schiffs auch Unterhaltsverpflichtungen ein. Fast genau so, als wäre man Miteigner einer 28-Fuß-Fahrtenyacht, die ja schließlich auch Liegeplatzgebühren, Winterlager, Diesel…aber lassen wir das.

Wohnzimmer von einer der 165 Luxussuiten Wohnzimmer von einer der 165 Luxussuiten © aboardtheworld.com

Wer jedoch für Studios (27 -78 m2), Studio-Appartements (54 – 94 m2) und Appartements (63 bis 360 m2) auf dem exklusiven «Pott» das nötige Kleingeld besitzt, der dürfte über jährliche Unterhaltskosten, allerdings inklusive Verpflegung, in Höhe von bis zu $ 500.000.- pro Appartement nur milde lächeln. Wie gesagt, entweder man hat’s oder man hat es nicht!

Schlafzimmer von einer der 165 Luxussuiten Schlafzimmer von einer der 165 Luxussuiten © aboardtheworld.com

Man ist und bleibt unter sich

Vor 15 Jahren lief die «World» in Schweden vom Stapel und zwei Jahre später wurde sie fertig ausgebaut und eingerichtet als das übernommen, was sie bis heute verkörpert: Für die Einen die luxuriöseste und faszinierendste Form des Reisens auf den Sieben Weltmeeren, für die Anderen eine besonders dekadente Art, den Pinguinen in der Antarktis oder den Ureinwohnern auf Papua-Neuguinea einen Besuch abzustatten.

Unter dem Motto «Wir bringen Ihr Appartement zu den schönsten Küsten der Welt» schippert seitdem die «World» von einem exklusiven Tourismus- pardon: Expeditionsziel zum nächsten.

Kaum eine vermeintlich exotische Küste, an der nicht schon die Beiboote des 43.5000 BRT verdrängenden Schiffes angelandet wären; kaum eine Hafenmetropole, in der die handverlesenen Passagiere nicht schon die jeweils angesagtesten und edelsten Örtlichkeiten besucht hätten.
Das mit dem «handverlesen» ist übrigens wörtlich zu nehmen. Denn mehr als 150 Passagiere verlustieren sich selten auf der «World». Dem stehen etwa 250 Crew-Mitglieder und Service-Angestellte gegenüber, die selbstredend nur als «Personal» in Erscheinung treten und ansonsten sozusagen in einem anderen «Viertel» des Wohnblocks leben.

Man ist und bleibt als Miteigentümer der «World» also unter sich, ist zu keinen typischen Kreuzfahrt-Aktivitäten a la Captain’s-Dinner verpflichtet, muss nicht in aller Herrgottsfrühe die Liegestühle auf dem Sonnendeck mit Handtüchern und Strandtaschen kennzeichnen oder abends mit dem unliebsamen, zugeteilten Tischnachbarn das Tanzbein schwingen.

Vielmehr sind Fitness-Studios, der Golfplatz, Swimming Pool und Restaurants an Bord alles andere als «überlaufen». Und da man ja sowieso gerne «im kleineren Kreise» unter seinesgleichen Hof hält, versteht es sich von selbst, dass kulinarisch und kulturell nur vom Feinsten geboten wird.

Apropos Kultur. In erster Linie bestimmen die Appartement-Eigentümer, wohin die nächste «Rare Expedition» auf der «World» gehen soll. Ob auf Shackleton’s Spuren zum antarktischen Kontinent, mit Zwischenstopp in Südgeorgien und auf den Falklands, ob auf eine transatlantische und (wie derzeit) mediterrane Rundreise oder doch lieber auf eine Grönland-Expedition

Immer zählen die Törns mit ihren Zwischenstopps und Etappenzielen zum Allerfeinsten, was der gehobene Kultur- und sogenannte Expeditions-Tourismus auf unserem Blauen Planeten zu bieten hat.

Allerdings liegt die «World» auch relativ lange Zeiträume in den Hafenmetropolen. Es hat eben was für sich, wenn das Appartement mit Seeblick mal für ein paar Wochen auf dem Hudson River vor dem Big Apple «liegt». Oder man von Marseille aus in Tages-Ausflügen die Provence erkundet bzw. mit dem Hubschrauber einen Abstecher nach Paris fliegt.

1 und 2 Zimmer Suite 1 und 2 Zimmer Suite © aboardtheworld.com

Mit Pinguinen und Eisbären

Nach gewissen Anfangsschwierigkeiten sind seit 2014 offenbar alle Appartements auf dem 300-Millionen-Dollar-Cruiser verkauft und das Schiff hat sozusagen den Amortisierungs-, wenn nicht sogar Gewinn-Kurs eingeschlagen. Das zu Beginn mit einer gewissen Skepsis aufgenommene Modell gilt unter den «besser Betuchten» mittlerweile als ideale Lebensform mit hohem Erlebnisfaktor.

Einige Teileigentümer der schwimmenden Immobilie haben sich sogar mehrere Appartements gekauft, damit für Freunde und Gäste immer «eine Koje» frei ist. Was sind schon ein paar Millionen mehr oder weniger, wenn man tagsüber mit Kumpeln und Pinguinen einen Eisberg hinunterrutschen und sich abends vom Schiffskoch in der eigenen Appartement-Küche ein Diner für den engsten Freundeskreis bereiten lassen kann? Eben – es geht nicht aufregender!

Und wer einfach mal nur antesten» möchte, wie es sich auf so einem schwimmenden Appartement-Komplex leben lässt: Einige Wohnungen sind während Kurzreisen auch zu mieten.

Preise für Veranda-Studios für 2 Personen ab $ 1.300.- pro Tag. Preise für Veranda-Apartments (4 Personen) ab $ 2.500.- pro Tag

Veranda Veranda © aboardtheworld.com

Schiffsdaten

Flagge: Bahamas[1]
Schiffstyp: Kreuzfahrtschiff
Rufzeichen: C6RW4[1]
Heimathafen: Nassau (Bahamas)
Reederei: ResidenSea Corporate Offices, Miami, USA
Bauwerft: Bruces Shipyard, Landskrona (Schweden) Fosen Mek. Verksteder A/S, Rissa (Norwegen)
Baunummer: 247
Kiellegung: 18. September 2000
Stapellauf: 28. Februar 2001
Übernahme: Oktober 2003

Schiffsmaße und Besatzung
Länge: 196,35 m (Lüa)
Breite: 29,80 m
Tiefgang max.: 6,70 m
Vermessung: 43.188 BRZ, 15.444 NRZ
Besatzung: ca. 250

Maschine
Maschinenleistung: 11.880 kW (16.152 PS)
Höchstgeschwindigkeit: 18,5 kn (34 km/h)
Energieversorgung: 3 W8L32 Wärtsilä 4000 kW
Generatorleistung: 12.000 kW (16.315 PS)
Propeller 2 Verstellpropeller, 2 vordere, 1 achternes Strahlruder

Transportkapazitäten
Tragfähigkeit: 4558 tdw
Zugelassene Passagierzahl: 200

Autor

Michael Kunst

Geschrieben von

Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
In mikus Flotte befinden sich u.a. ein 25 Jahre junger Laser Standard und ein etwas ausgeleierter Mini 6.50 Prototyp (No. 247), mit dem er vor Lorient auf dem Atlantik unterwegs ist.

Maxi Segelyachten: Herr Nutzwert

Maxi Segelyachten: Herr Nutzwert

Pelle Petterson wurde als Regattasegler im Starboot und mit seinem America’s Cupper «Sverige» berühmt. Geld verdiente er mit praktischen Serienbooten vom Typ Maxi, die in den Siebzigerjahren mit einem unkonventionellen Design und viel Platz unter Deck beeindruckten. Damals war seine Werft der weltweit größte Serienbootsbauer von Segelyachten.

Nautiker-Wissen zum Nachgucken

Nautiker-Wissen zum Nachgucken

Sie begegnen unterwegs einer Boje mit geheimnisvollen Toppzeichen, hören einen dicken Pott ein-, zwei- oder dreimal tuten. Sie rätseln über bunte Signalflaggen, geheimnisvolle Zeichen an Schleusen und Klappbrücken. Sie sehen nachts bunt beleuchtete Schiffe. Was war noch mal ein Kopfschlag, Jockeybaum oder Wellenbock?

Bootstransport: Wenn das Boot umzieht

Bootstransport: Wenn das Boot umzieht

Normalerweise wechseln Yachten auf eigenem Kiel das Revier. Dazu sind sie gemacht. Wenn der Kurs jedoch lang, Aufwand und Risiko der Reise groß sind, die Zeit dazu fehlt, wird der professionelle Transport interessant.

Kooperationspartner
ADACYACHTboote
Kundenfeedbacks
Feedbacks“Bin sehr zufrieden, hatte viele gute Anfragen. Grosser Vorteil zu boatshop24, auf boat24 können mehr Bilder gezeigt werden, was ein grosser Vorteil ist. Vielen Dank.”
Zahlungsmethoden
Visa MasterCard American Express PayPal Rechnung Bankeinzug

Visa, MasterCard, American Express, PayPal, Rechnung oder Bankeinzug

Sicherheitssystem
No Spam

Unser Sicherheitssystem schützt Sie sicher vor Werbe-E-Mails und Onlinebetrügern.

© 2020 boat24.com