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Nautor Swan - Der gekonnte Spagat

Autor: Erdmann Braschos

Mit sportlicheren Modellen und der neuen Club Swan Range werden Swan Yachten wieder interessant.

Nautor Swan - Der gekonnte Spagat
CS 36© nautorswan.com

Segler brauchen zwei Boote: eines, mit dem man Spaß auf der Regattabahn hat und das zweite für verbummelte Wochenenden. Mit dem sogenannten Cruiser-Racer versuchen Konstrukteure und Werften beide Wünsche in Einklang zu bringen. Ein anspruchsvoller Spagat, den die Branche seit Jahrzehnten mit immer neuen Modellen versucht. Mal gelingt er und mal nicht.

Die finnische Nobelwerft Nautor ist mit ihren Booten da schon länger im Thema - seit der 1968 vorgestellten Swan 36. Deren Baunummer 3 namens «Casse Tete» sorgte damals im Solent, dem Mekka des Segelsports, für Furore. Sage und schreibe 90 Boote entstanden in drei Jahren. Die Swan 36 ist bis heute eines der erfolgreichsten Nautor Modelle. Und sie war damals mit £ 8.500, $ 24.000 oder DM 79.500 (ohne MwSt) nicht billig.

Der Clou des S&S Design Nr. 1710 war, das es damals sowohl in der RORC Klasse II, als auch als Eintonner starten konnte. Und man konnte damit auf Törn gehen, weil sich der V-förmige Rumpf für’s Seesegeln eignet.

Die Konstruktionen der angesehenen New Yorker Yachtarchitekten Sparkman & Stephens, die gnadenlosen Inspektionen des S&S Außendienstlers Rod Stephens, der zügig angehobene handwerkliche Standard in Finnland, Dokumentation und Service schufen den besonderen Nimbus. Die Swan 48 oder die Swan 65 mit keilförmig angehobenem Deck - in meinen Augen außerordentlich gelungene Serienyachten - machten die Erzeugnisse dann zur Marke. Als der mexikanische Waschmaschinenfabrikant Ramon Carlin gemeinsam mit einer Crew von Amateuren 1974 das Whitbread Round the World Race (das heutige Volvo Ocean Race) gewann, genoß Nautor’s Swan Weltruf. Beim nächsten Hochsee Maraton 1977/78 waren gleich drei Swan 65 dabei.

Doch gab es mit einem bald eingestellten Motorsegler-Experiment, später behäbigen Deckssalon Booten oder einer Abteilung für Sonderanfertigungen auch Irritationen. Mit allzu konservativen Booten und solchen, die netto auf der Regattabahn funktionierten, brutto (ausgebaut) beim Fahrtensegeln aber kaum, verspielte Nautor (wie andere Werften leider auch) Glaubwürdigkeit. Zwar war die Werft dank der gediegenen Ausstattung und exzellenten Holzausbauten der Swan Yachten stets eine gute Adresse. Doch der Spagat zwischen Segelleistung und Törntauglichkeit gelang nicht mehr. Grand Prix Regatten wurden und werden in kostspieligen und leeren Sonderanfertigungen ausgetragen. Konkurrenten wie Baltic Yachts, eine Gründung ehemaliger Nautor Mitarbeiter, die mit der konservativen, schweren und gedankenlosen Bauweise massiver Laminate schon bei der Swan 65 nicht einverstanden waren, überzeugen seit den Siebzigern mit ihrem Komposit Knowhow und deutlich leichteren Booten anspruchsvolle Kunden auf der Suche nach der seglerischen High Fidelity. Es gibt eine beeindruckende Flotte von Baltic Yachten deutscher und schweizer Eigner. Im Süden griff die monegassische Marke Wally in den Neunzigerjahren mit konzeptionell starken, auf- und abgeräumten Cruiser-Racern an. Seit Jahren starten Wallys vor Portofino, Porto Cervo oder Saint Tropez in ihrer eigenen Klasse.

Ende der Neunzigerjahre brauchte die Nautor Werft Geld und eine unbeirrt verfolgte Strategie. Beides brachte der versierte Segler und Geschäftsmann Leonardo Ferragamo von der florentiner Schuh- und Modemarke Salvatore Ferragamo mit.

Zunächst schien es fraglich ob ein Modekaufmann eine Werft führen kann, ob Italiener und Finnen zusammenarbeiten können. Ob mediterraner Lifestyle und der berechtigte Stolz der Handwerker in Jakobstad/Pietarsaari, die seit Jahrzehnten die besten Serienyachten der Welt bauen, harmonieren. Es knirschte. Die Finnen stöhnten und für das italienische Management war der Aufenthalt im finsteren und klirrend kalten Norden eine Strafe.

Die Modelle wurden modernisiert, die Decks entrümpelt, wie der langjährige Wally-Konstrukteur German Frers es von seinen Entwürfen für Monaco kannte. Die Vorsteven wurden steiler, die Heckpartien breiter. Modisch, wohlfeil, gestalterisch brutal oder experimentell wurden die Nautor Yachten dennoch nie. Die Steven blieben lange geneigt. Gemeinsam mit Hauskonstrukteur Frers kultivierte Nautor die Noblesse unaufgeregten, gediegenen Yachtbaues. Man braucht ein Auge, um die feinen Retuschen zu erkennen.

Ein Beispiel ist die Swan 601, ein fortschrittlich leicht gebauter Cruiser Racer mit herausnehmbaren Einrichtungs-Modulen. Er wurde 2004 bis 2007 leider nur sechs Mal gebaut. In meinen Augen ein Traumschiff – angesichts geringer Stückzahl aber leider ein Flop. Erfolgreicher waren die Club Swan 45, die 2001 bis 2010 in 51 Exemplaren entstand und die 57 mal gebaute Club Swan 42. Letztere wurde als Einheitsklasse des New York Yacht Club eingeführt. Mit diesen Booten faßte Nautor wieder auf den Regattabahnen Fuß und wurde für sportliche und jüngere Eigner interessant. Aber es war - typisch Nautor - ein konventionelles Design.

Neulich schlug Nautor mit der verblüffenden bis irritierenden Club Swan 50 ein interessantes Kapitel auf. Der 2016 vorgestellte 50-Füßer ist ein agiles, seglerisch faszinierendes Boot. Die Segeltragzahl von 6, ein von abgefahrenen Regattabooten bekannter Wert, faßt es zusammen. Die Segeltragzahl verrechnet die Verdrängung mit der Segelfläche. Üblich sind Wert von 4 – 5, allenfalls über 5.

Club Swan 50 - Maskulines Design mit Rammsteven Club Swan 50 - Maskulines Design mit Rammsteven © nautorswan.com

Ein maskulines Design mit negativem Deckssprung, Rammsteven und dem Schwertfischlook des Klüverbaums für den 279m2 Gennaker. Die Club Swan an 50 gleitet bereits bei 2.500 U/min der Maschine mit 9,5kn. Mit Teakdeck, einer gediegenen Ausstattung zum Wochenend-Bummelsegeln und der Option für den Sommertörn. Ein kühner Wurf des von Volvo Ocean Regattabahnen bekannten Konstrukteurs Juan Kouyoumdjian. Mit den herkömmlichen Nautor Yachten hat er den Swan typischen Zierstreifen mit dem Pfeil am Bug gemeinsam und den gepfefferten, der yachtbaulichen Qualität jedoch angemessenen Preis von gut einer Million Euro. Endlich wieder ein Trendsetter aus Finnland. Sauteuer, sauschnell – ein Musthave für Segler, für die Regattabahn und verbummelte Stunden zwischendurch. Das ist ein Segelspielzeug zum Schwach werden.

Der florentiner Markenfuchs Leonardo Ferragamo macht den heute unmöglichen Spagat Cruiser Racer anders: Er baut Cruiser und Racer. Ferragamo hält mit schnellen, sportlicher wirkenden Tourenbooten vom argentinischen Ästheten German Frers Kurs. Das geht auch ohne unpassend voluminöse Deckshäuser.

Mit der Club Swan Range aus dem Rechner von Juan Kouyoumdjian zieht er die zweite Linie hoch. Die Regattaserie namens Nations Trophy veranstaltet er gleich selbst.

CS 125 CS 125 © nautorswan.com

Im Sommer wurde ein 36-Füßer vorgestellt. 2019 soll mit der Club Swan 125 allen Ernstes ein 38 Meter Serienboot folgen. Man wird damit Grand Prix Regatten segeln können und hat im Sommerurlaub bestimmt genug Platz für die Familie und Freunde.

CS 125 CS 125 © nautorswan.com

Wer lieber demnächst eine gediegene Swan segelt statt von einer unerschwinglichen neuen Nautor Yacht zu träumen, dem empfehle ich ein altes Sparkman& Stephens Modell wie die 48er oder 65er. Letztere gibt es selten auch als Slup. Es sind leider schwere, mit unhandlich großen Vorsegeln konzeptionell veraltete Schiffe. Aber sie sind schön, unverwechselbar, gediegen und zum schwach werden.

Thema

Segeln

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Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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