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Die beste Zeit zum Bootskauf

Welche Jahreszeit zur Übernahme eines Gebrauchtbootes ideal ist

Die beste Zeit zum Bootskauf
Schwankend wie ein Steg ist der Gebrauchtbootpreis im Frühjahr oder Herbst

Neben dem günstigen Preis in der ausklingenden Saison gibt es weitere Gesichtspunkte zur Frage, wann man sich ein Gebrauchtboot zulegen sollte. Was spricht für den Herbst und was für das Frühjahr?

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 17.09.2021

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • die Vorteile der Bootskaufs zum Saisonende
  • was für das Frühjahr und den Frühsommer spricht
  • warum Zeit für Informationen vorab entscheidend ist
  • Tipps zum Bootskauf in Corona Zeiten

Die beste Jahreszeit zum Kauf eines gebrauchten Bootes ist der Spätsommer und Herbst

Als Interessent haben Sie am Saisonende Gelegenheit, das Boot zu fahren, seine Eigenschaften in freiem Wasser und die Manövrierfähigkeit im Hafen zu testen. Kommt das Boot wie in Mitteleuropa üblich danach an Land ins Winterlager, schauen Sie sich das Unterwasserschiff an. An dieser Prüfung führt kein Weg vorbei. Da das Boot für das Winterhalbjahr ohnehin rausgehoben wird, entstehen dazu keine zusätzlichen Kosten.

Der clevere Gebrauchtbootkäufer guckt im Spätsommer

Gibt es am Kiel und Ruder, am Propeller, dem Z-Trieb oder Saildrive, an der Welle und dem Wellenbock Hinweise auf eine Grundberührung? Das lässt sich zwar mit einigen Tauchgängen vor Anker bei gutem Sonnenlicht erkennen. Besser, weil mit mehr Ruhe als mit angehaltener Luft in vielleicht 2 Metern Tiefe, klappt es an Land. Bei der Gelegenheit lassen Sie das Getrieböl beim Saildive der Segelyacht ab. Ist es milchig, sind die Simmerringe auch der Propellerwelle zu versetzen. Das ist keine große Sache. Aber es ist praktisch, wenn Sie es rechtzeitig wissen.

Beim Kunststoffboot stellt sich natürlich die Osmosefrage. Etwaige Blasen sind nach dem Abkärchern des Rumpfes als dunkle Stellen eine Weile im Antifouling sichtbar. Bei Unsicherheiten scannen Sie den Rumpf mit einem Gerät zur Feuchtigkeitsmessung. Ziemlich auf der sicheren Seite sind Sie, wenn diese Frage von einem Bootsbauer beziehungsweise Gutachter geklärt wird. Sie möchten das Boot möglichst ohne Fragezeichen, oder?

Im Herbst möchte der Verkäufer sein Boot los werden

Der Verkäufer möchte sein Boot möglichst im Herbst los werden. So spart er Arbeit und Ausgaben für das Winterlager sparen. Entsprechend groß ist seine Bereitschaft zu Zugeständnissen an Sie als Käufer, um das Thema abzuschließen. Nach Übernahme des Bootes im Herbst bleibt Ihnen als neuem Eigner während der Wintermonate Gelegenheit, sich um die Themen an Bord zu kümmern, die Ihnen bei der Besichtigung, Probefahrt und Übernahme des Bootes aufgefallen sind. Neue Polster beispielsweise bestellt man im Herbst. Auch das neue Klappverdeck wird zur nächsten Saison fertig, wenn man es im Oktober statt April in Auftrag gibt. Ab März steppt beim Bootssattler nämlich der Bär.

Die Wintermonate sind auch eine gute Gelegenheit, sich mit den Unterlagen zum Boot vertraut zu machen. Gibt es Bedienungsanleitungen und Ersatzteillisten, vielleicht sogar Wartungspläne zur ganzen Technik an Bord, zu Pumpen, zum Warmwasserboiler, dem Batterieladegerät, der Maschine oder dem Bugstrahlruder etcetera? So steuern Sie die nächste Saison mit dem Gebrauchtboot gut vorbereitet an. Ganz nebenbei macht es Spaß, sich mit dem neuen Spielzeug von zuhause aus zu beschäftigten.

Was für den Wonnemonat Mai spricht

Gebrauchtbootskauf am Saisonende

All das spricht beim Gebrauchtbootskauf für das Saisonende, in unseren Gewässern die Monate August bis Oktober. Gegen den Herbst spricht, dass Sie mit dem soeben übernommenen Boot erst mal eher Arbeit und Kosten als Freude haben. Auch macht es Welten mehr Spaß, ein Boot im Wonnemonat Mai zu übernehmen, wo die Tage länger werden, es sonnig, warm und ringsum hell ist. Im Frühling und Frühsommer haben Sie auch eher Muße, sich mit dem Boot vertraut zu machen. Wer ein Gebrauchtboot übernimmt, räumt es erst einmal auf, guckt, was alles in den Stauräumen liegt und wischt sämtliche Schapps aus. Natürlich können Sie das alles auch ein halbes Jahr nach Übernahme machen.

Im Frühjahr wird es teurer

Im Frühjahr ist das gleiche Boot teurer, weil zum Saisonbeginn mehr Leute nach Booten gucken. Nach der langen Durststrecke des Winters möchte man wieder raus auf's Wasser, mit der Familie oder Freunden eine schöne Zeit an Bord verbringen. Die Gefahr ist groß, das der vereinbarte Termin zur Besichtigung und Probefahrt abgesagt wird, weil ein anderer Interessent schneller oder geschickter war. Vielleicht war er dem Verkäufer sympathischer und hat mehr oder minder den aufgerufenen Preis bezahlt. Im Frühjahr und Frühsommer sucht sich der Verkäufer den Käufer seines Bootes aus. Im Herbst ist das im Prinzip umgekehrt.

Beschäftigen Sie sich mit dem angepeilten Bootstyp

Abgesehen von saisonalen Gesichtspunkten, Überlegungen zum Preis, Besichtigung und Probefahrt sollten Sie frühestens dann ein bestimmtes Boot besichtigen, wenn Sie sich schon ein wenig auskennen. Haben Sie sich Prospekte und Bootstests besorgt, im Internet nach brauchbaren Informationen gestöbert? Haben Sie mal mit anderen Eignern des Bootstyps gesprochen und es idealerweise für einige Tage gechartert? So steigen Sie vorbereitet in das Thema ein. Falls Sie zu den organisierten Leuten gehören, die auch ein Projekt wie den Gebauchtbootkauf überlegt anpacken, wäre das Ihr frühestmöglicher Zeitpunkt. Das wiederum heißt, dass Sie sich einige Monate, vielleicht ein Jahr oder länger vor dem ersten Kontakt mit einem Verkäufer mit dem angepeilten Bootstyp beschäftigt haben. Dann wissen Sie genau, worum es geht.

Bootskauf in Corona-Zeiten

Corona-bedingt sind die Preise für gebrauchte Boote im Inland gestiegen. Das spricht momentan gegen die Übernahme eines secondhand Schiffes. Wenn Sie bereits ein bestimmtes Boot in Visier haben, sollten Sie nicht lange fackeln. Viele Verkäufer konnten sich in den vergangenen beiden Jahren aussuchen, an wen Sie verkaufen.

Anders sieht es in südlichen Revieren aus, die durch die Pandemie nicht oder nur schwer erreichbar waren. Dort lagen die Boote monatelang ungenutzt und den Eignern ohne den Gegenwert der Nutzung auf der Tasche. Das erzwingt oder erleichtert die Entscheidung zum Verkauf deutlich.

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VG