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Decksalon: Es werde Licht in der Kajüte

Autor: Carsten Kemmling

Was sind eigentlich Decksalon-Yachten? Über Vor- und Nachteile scheiden sich die Geister.

Decksalon: Es werde Licht in der Kajüte
Hohes Deckshaus bei Moody© Hanse Yachts

Eigentlich möchte man beim Fahrtensegeln den Wind im Gesicht spüren, die Sonne genießen und am Ruder mit freiem Blick nach vorne die Wellen aussteuern. So definieren viele Skipper die Faszination ihrer exklusiven Freizeitbeschäftigung.

Da scheint es kontraproduktiv, wenn Werften, ihren Kunden sogenannte Decksalon-Yachten anbieten, auf denen die Sicht nach vorne beeinträchtigt ist. Die Bauart zeichnet sich meist dadurch aus, dass der Steuerstand durch ein hoch gezogenes Deckshaus geschützt ist. Der Aufbau ist wuchtiger und die Crew wird weniger den Unbilden der Natur ausgesetzt.

Die gesamte Kajüte wird höher gelegt, der Boden angehoben. Damit verbunden ist ein erhöhtes Deck mit großen Fenstern. Der Vorteil: Man fühlt sich auf dem Boot nicht so sehr im dunklen Keller, sondern kann problemlos aus der Kajüte aufs Wasser sehen. Es fällt mehr Licht in den Wohnbereich ein.

In der Fahrtensegelszene streiten sich die Geister, ob diese Art des Bootsbaus sinnvoll ist. Schließlich bietet das hochbordige Schiff dem Wind eine größere Angriffsfläche. Und durch den erhöhten Widerstand verschlechtern sich die Segeleigenschaften. Unter anderem wird die Abdrift verstärkt. Außerdem erfordert der erhöhte Schwerpunkt oft ein größeres Gegengewicht im Kiel.

Sun Odysse 42 DS. Höher gelegte Kajüte Sun Odysse 42 DS. Höher gelegte Kajüte © Jeanneau

Aber viele halten allein schon die voluminöse Optik der Decksalon-Yachten für äußerst gewöhnungsbedürftig. Sie sehen in diesen Yachten eher schwimmende Ferienhäuser. Nicht das Segeln stehe im Vordergrund, sondern das Wohnen. Aber diese Ansicht scheint mehr und mehr den Ansprüchen des Marktes zu entsprechen.

Das liegt auch daran, dass die Übergänge heutzutage fließender werden. Erste Versionen von Yachten mit höherem Deckshaus kamen oft klobig daher. Inzwischen sind die Aufbauten geschickt in das Gesamtkonzept integriert. Man kann sich damit sehen lassen.

Das spiegelt sich in den Verkaufszahlen wider. Die sogenannten DS-Yachten sind beliebt. Und das hat insbesondere mit dem Revier zu tun, für das diese Schiffe gekauft werden. So verbessert sich die Lebensqualität an Bord enorm, wenn man bei schlechtem Wetter häufig unter Deck gezwungen wird. Die Bauart macht also besonders für nördliche Gefilde Sinn. Viele Eigner halten sie für eine Saison verlängernde Maßnahme.

Bootsverkäufer sagen auch, dass der Decksalon-Yachten besonders bei der weiblichen Kundschaft Eindruck macht. Sie scheint dem geschützten Rundumblick aus der Kajüte und dem helleren Ambiente eine besondere Wertschätzung entgegenzubringen. Der Lebensraum auf dem Schiff ist vergrößert. Die Schiffe erzeugen unter Deck eine vergleichsweise helle, freundliche Atmosphäre und großzügiges Raumgefühl.

Foto Sun Odysse 42 DS. Höher gelegte Kajüte © Jeanneau . Große Fenster und erhöhte Kajüte]

Bei Fans der DS-Version ist auch zu lesen, dass sie im Hafen am Liegeplatz den erhöhten Rundum-Blick schätzen. Das «Hafenkino» sei einfach besser zu genießen. Es fallen auch Vergleiche zum Auto. Das Fahrgefühl auf dem Boot sei dem auf einem SUV ähnlich.

Es gibt auch Stimmen, die in die DS-Bauweise eine geringere Anfälligkeit für Seekrankheit hinein interpretieren, da man auch von innen einen freien Blick auf den Horizont hat. Andererseits sind die Bewegungen durch den angehobenen Boden auch etwas weiter von dem tiefer liegenden Schwerpunkt entfernt. Durch die erhöhte Sitzposition wird die Anfälligkeit für Rollbewegungen größer.

Sicher ist, dass die Konstruktionsidee erst ab Schiffen etwa ab 40 Fuß funktioniert. Bei dieser Größe sind die Linien gestreckt genug, dass die Optik nicht zu sehr in Mitleidenschaft gezogen wird.

Autor

Carsten Kemmling

Geschrieben von

Segel-Journalist (segelreporter.com), Reporter, Match-Racer, Fahrtensegler.

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