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Cantiere Sangermani

Autor: Erdmann Braschos

Die Yachten der ligurischen Sangermani-Werft kennen nur Insider. Das liegt an ihrer unscheinbaren Noblesse und daran, dass sie selten sind. Man erkennt sie an den charakteristischen drei Punkten am Ende der gelben oder mit Blattgold in die Bordwand gravierten Ziergöhl. Die Punkte stehen für das S des internationalen Morsealphabets, für «S», wie Sangermani.

Cantiere Sangermani
Pegasus© Cantiere Sangermani

Sangermani ist eine namhafte Adresse italienischen Holzbootsbaues, vergleichbar in Deutschland mit Burmester, Abeking & Rasmussen, Lürssen oder Camper & Nicholson in England. Da viele Unterlagen im Krieg verloren gingen, ist unbekannt, wie viele Boote in der 1896 gegründeten Werft insgesamt entstanden.

Alles begann mit einem Gozzo, dem offenen Fischer– und Arbeitsboot der Region mit charakteristischem Kanuheck. Bootsbauer Ettore Sangermani schenkte seinen Söhnen zwei Jollen. Er wollte seine Jungen auf dem Wasser, sie segeln und Regatten gewinnen sehen. Er baute die Boote so gut, dass sie Anno 1906 anlässlich der «Esposizione d’igiene, balneologia e alimentazione», einer Ausstellung für «Hygiene, Baden und Ernährung» – so nannten sich Bootsmessen damals – ausgezeichnet wurden. Die Urkunde hängt im holzgetäfelten Werftbüro an der Via dei Devoto.

© Cantiere Sangermani

Fünf Meilen östlich des romantischen Kaps von Portofino und 30 Kilometer von Genua mündet die Entrella, ein kleiner Fluß aus dem Apennin in die levantinische Riviera. So heißt die ligurische Küste zwischen der berühmten Cinque Terre und Genua. Die Entrella trennt die ligurischen Badeorte Chiavari und Lavagna. Zwei Erzeugnisse haben die beiden Hafenstädte berühmt gemacht: Aus Chiavari kommt der schlichte Campanino, eine weltliche Variante des hölzernen Kirchenstuhls mit gedrechselten Beinen. Aus Lavanga die sogenannten «Stradivaris der See», wie Liebhaber die Sangermani Holzyachten nennen. Das zweitausend Jahre alte Pflaster der Via Aurelia, die Eisenbahnlinie von Rom nach Genua und die Riviera Autobahn A 12 führen hier entlang.

Gleich an der Entrellamündung stehen acht ziegelrote Backsteinhallen. Hier wurden seit dem Zweiten Weltkrieg etwa 250 Jollen, Motorboote und gediegen große und elegante Yachten aus dem Schatten ans Meer geschoben – in herkömmlich geplankter Bauweise natürlich. Vermögende Italiener wie beispielsweise Gianni Lancia oder der Industrielle Giorgio Falk ließen nach Plänen seinerzeit führender Konstrukteure wie Laurent Giles, John Illingworth, Angus Primrose, Knud Reimers, Carlo Sciarelli, Johan Anker, Philip Rhodes, Anselm Boretti, German Frers oder Alan Gilbert und Bill Langan von Sparkman & Stephens bauen. Mancher Eigner gönnte sich im Lauf seines Seglerlebens immer wieder mal eine neue Sangermani und die nummerierte zunehmend größeren Boote durch, wie etwa die «Santa Maria» Serie von Tourenyachten für das Mittelmeer.

© Cantiere Sangermani

Viele Entwürfe stammen auch von den Sangermanis selbst. Der bekannteste ist die 84 Fuß Yawl «Gitana IV» der seit Generationen segelnden Familie de Rothschild. Sie lief 1962 vom Stapel und segelte beim Fastnet Race ’65 einen Rekord. Eine Konstruktion von Cesare Sangermani senior, dem Vater. Der Junior begann 1970 Yachten zu zeichnen. Später, in den Neunzigern war es dem Werftchef lieber, wenn der Auftraggeber mit den Plänen eines namhaften Konstrukteurs kam. «Ein Schiff» meinte der temperamentvolle Ligurier mit den dunklen Augen, «braucht einen Vater und eine Mutter, einen cleveren Konstrukteur und eine gute Werft.»

In den Achtzigern leitete er den Generationswechsel von der traditionell geplankten Bauweise zur formverleimten Methode ein. Hier ergeben dünne Furniere in verschiedenen Maserrichtungen eine wasserdichte Rumpfschale. Als einzelne Furnierschichten durch zugfestere Kevlargelege ersetzt wurden, war anlässlich der ersten Wally der Schritt zum Hightech Yachtbau gegangen.

© Cantiere Sangermani

Mit diesem damals entwickelten Verfahren und dem vielbeachteten Boot begann die Wally Revolution. 1991 schob Sangermani die 25 lange Luca Brenta Konstruktion namens «Wallygator» (später «Mr. Gecko» heute «Wally One» genannt) aus der Halle. Das Boot war wie die nächsten Wallys, die Bassani dann in rascher Folge bei anderen Werften bauen ließ, mittelgrün und ist seit einigen Jahren hellblaumetallic lackiert. Der Schritt zum modernen Bootsbau aus Faserverbundwerkstoffen über einem Schaumkern haben die Holzbootsbauer in Lavagna spät vollzogen. Entsprechend ruhig ist es um den traditionsreichen Betrieb geworden.

© Cantiere Sangermani

Cesare Sangermani, den ich bei einem Besuch der Werft als leidenschaftlichen Bootsbauer und Segler kennenlernte, starb im März 18 im Alter von 71 Jahren. Er redete über seine Boote wie Kinder. Besonders am Herzen lag im die 6 mR Yacht «Valentina». Ich entdeckte die markante Form des Sechsers im Schatten einer Werfthalle – sie lehnt wie eine kubistische Statue im Halbdunkel. «Ach», sagte Sangermani beiläufig: «Das ist Valentina. Die habe ich vor ein paar Jahren zurückgekauft.» Wie bitte, zurückgekauft? Ich dachte Sie bauen Schiffe, um sie zu verkaufen. «Ja schon", meinte der Ligurier. «Aber so bei einer internationalen 6 Meter Rennyacht mit 80 Prozent Ballast, da muss man wissen, wann es Zeit ist, das Groß aufzumachen.» Ihr voriger Eigner wusste das bei einer Regatta auf dem Genfer See offenbar nicht. "Valentina" krängte und krängte, bis der See von oben in das schachtähnliche Cockpit reinschoss. Glücklicher–weise schwamm die Crew geistesgegenwärtig von ihrem sinkenden Untersatz weg. Der 6er fand eine neue Heimat: In 240 Metern Tiefe auf dem Grund des Genfer Sees. Irgendwann entdeckte der Eigner sein Wrack wieder und ließ es heben. Wie die meisten Sangermani-Eigner brachte er es nach Lavagna. Auch die Bootsbauer wunderten sich über den hervor–ragenden Zustand ihres Erzeugnisses. «Da unten gibt es hervorragende Bedingungen für ein Holzschiff» berichtete Sangermani feixend. "Keinen Sauerstoff, kein Licht, keine Fäulnis und schön kühles Wasser». Die Arbeiter stellten das Schiff erst mal zum Trocknen auf die Seite. Irgendwann, als der temperamentvoller Ligurier wieder mal durch seine Hallen schritt und die Rennmaschine von Gary Mulls Reißbrett sah, hielt er es nicht mehr aus. Er ging in sein holzgetäfeltes Kontor rief den Eigner an und schnackte ihm sein Segelspielzeug ab.

Sangermani Yachten sind sehenswerte Boote aus einer anderen Ära. Mit einem Vintage Exemplar eine Auszeit unter Segeln nehmen – eine schöne Vorstellung. Einige interessante Gelegenheiten gibt es bei boat24.com.

Die 6 Meter Rennyacht Valentina mit 80 Prozent Ballast Die 6 Meter Rennyacht Valentina mit 80 Prozent Ballast © Cantiere Sangermani

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Erdmann Braschos

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Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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