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Was kostet ein Motorbootführerschein?

Autor: Erdmann Braschos

Jeder, der zu Freizeitzwecken in Deutschland ein Motorboot mit mehr als 15 PS (11,03 kW) fahren will, braucht dazu einen entsprechenden Führerschein, den sogenannten Sportbootführerschein. Dabei wird unterschieden, ob man auf Binnengewässern oder in küstennahen Gewässern und auf See unterwegs ist. Ausnahmen gelten für den Bodensee, wo mit dem sogenannten Bodenseeschifferpatent ab 6 PS (4,4 kW) ein spezieller Führerschein verlangt wird und auf dem Rhein, wo die Führerscheinfreiheit aufgrund internationaler Gesetze wie früher sonst auch 5 PS (3,68 kW) endet.

Was kostet ein Motorbootführerschein?
Führerschein seit 1. Januar 2018 Scheckkartenformat© gemeinfrei

Wenn Sie in Deutschland nur auf Binnengewässern fahren langt der Sportbootführerschein Binnen. Er berechtigt zum Fahren bis zu 15 Meter langer Boote mit mehr als 15 PS. Der Sportbootführerschein See (SBF-See) ist ein amtlicher und international anerkannter Bootsführerschein. Er berechtigt zum Führen eines Sportbootes mit Motor über 11,03 kW (15 PS) außerhalt der Binnenwasserstraßen. Diese sind genau definiert. Zu diesem Definitionswahnsinn später.

Insgesamt liegen die Kosten für den Bootsführerschein See oder Binnen zwischen 310 und 835 Euro. Das ist eine große Spannweite. Es kommt darauf an, ob, bei wem und wann Sie einen Kurs machen. Es ist interessant zu wissen, dass die Belegung eines Kurses nicht vorgeschrieben ist. Sie können sich den theoretischen Prüfungsstoff auch selbst anhand eines Buches, Büffeln der Prüfungsfragen oder mit einem Onlinekurs aneignen. Das macht die Sache zwar Welten günstiger, setzt aber außer Basiswissen nebst Erfahrung auch Disziplin voraus. Für Einsteiger und alle, die sich nicht ohne weiteres Zuhause nach Feierabend oder am Wochenende eine komplett fremde Materie «trocken», nämlich ohne anschaulichen Vortrag und unterstützt von Gruppen- und Lernzwang aneignen wollen, empfiehlt sich ein Kurs. Das Geld ist angesichts des überschaubaren Zeitraums, in dem Kurs und Prüfung über die Bühne gebracht werden, sinnvoll eingesetzt. Die praktische Prüfung ist mit wenigen Manövern und Knoten keine große Sache.

Wichtig für Ihre eigene Sicherheit, auch die Ihrer Familie und Begleiter ist es, dass Sie keine Pseudo- sprich Schmalspurausbildung absolvieren, die Sie irgendwie die Hürde der Prüfung erklimmen lässt. Auf See, in strömungsreichen Gewässern wie dem Rhein oder bei Schlechtwetter sollten Sie das Handwerk beherrschen. Da sind in heiklen Situationen richtige Entscheidungen zu treffen, sollte jeder Handgriff sitzen.

Betonnung Binnenwasserstraßen Betonnung Binnenwasserstraßen © Wasser- und Schifffahrtsamt Weser-Jade-Nordsee

Der versierte Ausbilder Rolf Dreyer nennt auf seiner Webseite Sportbootführerschein.de für seine Online-Ausbildung «etwa 250 bis 300 €. Neben dem ärztlichen Attest (25) und dem Online-Kurs (39,90) ist dies die Prüfungsgebühr von etwa 110, die praktische Fahrausbildung, die regional unterschiedlich zwischen 50 und 150 € kostet.» Hinzu kommt ein Navigationsbesteck oder auch nur ein gebrauchtes Kursdreieck mit Lineal und Schulzirkel. Der Sportbootführerschein Binnen ist im Online-Kurs enthalten. Wenn Sie auch dafür die Prüfung ablegen wollen, fallen noch einmal etwa 69,- € an. Wer beide Prüfungen bei derselben Prüfstelle ablegt und sich erst nach der zweiten Prüfung den Sportbootführerschein ausstellen lässt, spart etwa 40,- € Prüfungsgebühr».

Sollten Sie die Ausbildung selbst stricken, hier Gebühren des Deutschen Motoryachtverbands für den Sportbootführerschein Binnen im Einzelnen:

Prüfungszulassung: 14,98 €
Theorie Binnen: 29,96 €
Praxis Binnen: 31,03 €
Erteilung Fahrerlaubnis: 24,26 €

Die Gebühren des gleichen Verbands für den Sportbootführerschein See:

Prüfungszulassung: 14,98 €
Theorie See: 36,38 €
Praxis See: 35,31 €
Erteilung Fahrerlaubnis: 24,26 €

Da der Unterschied zwischen dem Geltungsbereich des Binnen- und Seescheins letztlich ein juristischer ist, den Sie wahrscheinlich nach einer Weile vergessen, sind Sie mit beiden Scheinen auf der sicheren Seite.

Als Beispiel für die feinsinnige schifffahrtsrechtliche Definition eines Gewässers nenne ich das beliebte Wassersportrevier der Trave in Norddeutschland. Sie gilt von der Mündung des Elbe-Lübeck-Kanals 71 Meter nordöstlich der Geniner Straßenbrücke bis zu ihrer Mündung in die Ostsee bei Travemünde (Km 26,94) als sogenannte Bundeswasserstraße, wobei sie bis zur Eisenbahnhubbrücke in Lübeck (Km 5,56) eine Binnenwasserstraße der Klasse IV ist, auf welcher die Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung gilt und von da ab eine Binnenwasserstraße der Klasse VIb, auf der die Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung gilt. Alles klar? Außer der deutschen Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung (BinSchStrO) gibt es noch die Moselschifffahrtspolizeiverordnung (MoselSchPV) und noch weitere regionale Sonderregelungen. Da Sie Ihre Freizeit nicht mit dem Gesetzbuch unter dem Arm an Bord verbringen, machen Sie am besten beide Scheine und vermeiden grobe Schnitzer wie Alkohol an Bord, Fahren auf der falschen Seite, Motoren oder Ankern ohne Licht.

Schilder Binnenwasserstraßen Schilder Binnenwasserstraßen © Wasser- und Schifffahrtsamt Weser-Jade-Nordsee

Zur Überlegung, ob man beide Scheine in einem Aufwasch machen sollte, gibt es zwei Voraussetzungen und Meinungen. Wenn Sie eh in der Materie stecken, die Sache lediglich legalisieren möchten und gut auswendig lernen, können Sie sich den umfänglichen Fragenkatalog für beide Scheine auf einmal «reinpfeifen». Dieser Ansatz ist aber, wenn eine Prüfung nicht bestanden wird, hinausgeworfenes Geld – von der eingesetzten Zeit zu schweigen. Besser ist es, zunächst den Sportbootführerschein See zu machen und dann zeitnah den Binnenschein. In dieser Reihenfolge.

Für das Bodenseeschifferpatent der Kategorie A «Motor» nennt die bei Radolfzell am Untersee ansässige Segelschule Iznang 395 € für die Theorie und Praxis einschließlich fünf Fahrstunden nebst Prüfungsfahrt und 310 € nur für den Praxisteil jener Schüler, die sich die Theorie selbst aneignen. Hinzu kommen 55 € für die Zusatzprüfung in Navigation. Dann ist man von der späteren praktischen Prüfung bei der Umschreibung des Bodenseeschifferpatents zum Sportbootsführerschein See befreit.

Sollten Sie bereits den amtlichen Sportbootführerschein haben und ihren nächsten Bootsurlaub am Bodensee planen, lassen Sie sich bei den deutschen Landratsämtern ein sogenanntes «Ferienpatent» ausstellen. Es kostet derzeit 24 € und gilt vier Wochen.

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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