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Very Wally

Autor: Michael Kunst

Auch Wally-Boss Luca Bassani will sich dem neuen Trend hin zu langen Reisen und expeditionsähnlichen Törns nicht verschließen. Der Karbon-Guru lässt bei Nobiskrug in Kiel eine 83-Meter-Megamotoryacht bauen – aus Stahl!

Very Wally
Eine 83-Meter-Megayacht, speziell für lange Törns in entlegene Gebiete © wally

Man kennt das ja: So manche News zum geplanten Bau von «Megayachten», die hinter den Kulissen ausgebrütet wurden um dann bei großen Events oder noch lieber bei prachtvollen Messen mit viel «Trara» verkündet zu werden, entpuppen sich oft genug als Strohfeuer. Ein kurzes Aufflammen und schon verraucht die vermeintliche Neuigkeit zu einem Nichts – Ideen, Pläne und guter Wille verschwinden dann in imaginären Schubladen, die nie wieder aufgezogen werden.

Wenn jedoch ein Luca Bassani (siehe Luca Bassani: Stilsicher in die Zukunft), legendärer Gründer und Vordenker von «Wally Yachts» während eines Pressemeetings in einem Nebensatz erwähnt, dass er mal was ganz anderes erschaffen und dafür auch seine bisherigen Prinzipien rund um den Bau von Superyachten neu überdenken wolle, dann hat das den Stellenwert einer Prophezeiung. Schließlich ist Bassani bekannt dafür, dass er nie Unüberlegtes ausspricht – und was sich dieser Edelyachten-Guru überlegt, das realisiert er auch.

Größer, um weiter zu kommen

So kam es, dass viele Insider der Megayachten-Szene nicht mehr allzu überrascht waren, als während der letzten Monaco Yacht Show bekannt gegeben wurde, dass die monegassische Edel-Marke «Wally Yachts» in Zukunft auch mega große Stahlyachten für expeditionsähnliche Einsätze bauen wolle.

Moment mal, Wally, die Vorreiter in Sachen «Karbon», die Daysailor- und Edel-Regatta-Boote-Kreativen par excellence werden Yachten aus Stahl bauen? Die dann womöglich in den entlegensten Gegenden unseres Planeten zum Einsatz kommen werden? Ausgerechnet dort, wo sie niemand sieht?

Luca Bassani und sein Wally-Team beantworten solche Fragen gelassen. Ja, man wolle neue Richtungen einschlagen, werde aber weiterhin auf den alten Wegen aktiv bleiben. Und nein, es sei nicht beabsichtigt, das Daysailor - und Regattasegment zu verlassen, doch könne man sich eben neuen Trends nicht verschließen. Im Gegenteil: Man werde sie anheizen.

Hintergrund ist die mittlerweile deutlich spürbare Tendenz hin zu ausgiebigen, langen Reisen auf der eigenen Yacht…nicht nur in der Fahrtensegler-, sondern eben auch in der Mega- und Superyachtszene. Reisen, die eben nicht in die nächste Bucht führen, sondern weiter entfernt die offenbar allgegenwärtige Sehnsucht nach dem Blick hinter den Horizont befriedigen sollen.

Dass die Törns auch gerne Expeditionscharakter annehmen dürfen, ist letztendlich nur eine Frage des Reisebudgets. Und davon haben Megayacht-Besitzer bekanntlich mehr als ausreichend. Also dürfen durchaus Ziele wie die Nordwestpassage, Patagonien, die Südsee oder Asien angepeilt werden. Nur dass man eben dorthin nicht auf Daysailor-Yachten kommt, die sich bei Cote d’Azur-Regatten vielleicht ganz gut schlagen und einen exzellenten Eindruck beim Schönheitswettbewerb am Steg machen.

Einfach, aggressiv, futuristisch

Also entwarf Bassani mit seinem Team eine Mega-Motoryacht, die auf den ersten Blick zwar wie ein Kriegsschiff aussehen mag, beim zweiten Hinschauen jedoch seine Gene nicht verleugnen kann. Über 83 Meter wird sich das Schiff strecken und sein Design den gleichen sportiven und aggressiven Charakter haben, wie man das etwa von der mit 118 Fuß ungleich kürzeren Wally-power «Galeocerdo» gewohnt ist. Einfache, schnörkellose Linien im Rumpf mit vergleichsweise wenigen Aufbauten führen zu einem klaren und futuristisch wirkenden Auftritt dieses neuen Wally-Konzeptes.

Die Galeocerdo – zumindest beim Design ein Vorbild für ihre große Schwester © wally Die Galeocerdo – zumindest beim Design ein Vorbild für ihre große Schwester © wally

Die Yacht soll allerdings nicht nur zu Orten mit hohem Erlebnispotential führen, sondern bereits an Bord für einen hohen Erlebnisfaktor sorgen. So sind auf dem Hauptdeck zwei 20-Meter-Pools vorgesehen. Der Rest des Decks soll nackt, leer und aufgeräumt bleiben, um dort mittlere bis große Freiluft-Diners auszurichten oder sonstigen Verlustierungen, bei denen reichlich Platz benötigt wird, nachzugehen.

Die Eignerkabine wird sich im Oberdeck befinden, selbstredend mit eigener Terrasse, die gen Heck ausgerichtet ist. Die für Yachten dieser Größenklasse obligatorische Tender-Garage ist mit einer lateralen Öffnung im Bugbereich steuerbord vorgesehen. Neben diesen doch eher oberflächlichen Informationen gibt sich «Wally Yachts» jedoch gewohnt bedeckt. Erst wenn tatsächlich mit dem Bau einer Yacht angefangen werde, kommen detaillierte Risse, CAD-Designs und technische Beschreibungen in Umlauf.

Spezialisten für Stahl und Mega «ins Boot» geholt

Wie ernst es Bassani mit seinem Projekt ist, zeigt sich bei der Wahl seiner Partner. Denn erstens gibt es für Megayachten dieser Größenklasse nicht viele Werften, die bereits auf Wally-Niveau ihre Kompetenz und Effizienz unter Beweis gestellt haben und zweitens sind nur wenige Innenraum-Designer für die anspruchsvolle Megayachten-Klientel tatsächlich prädestiniert.

Also sicherte sich der Italiener für seine erste Megayacht aus Stahl (Stichworte «überall hin- und von dort wieder zurückkommen») ganz einfach die Zusammenarbeit der derzeit Besten und gleichzeitig Renommiertesten: Nobiskrug (Privinvest) in Rendsburg am Nord-Ostsee.Kanal. Die Werft gilt seit Jahrzehnten als erste Adresse im Megayachtbau, zuletzt setzte sie das ehrgeizige Projekt «Sailing Yacht A» mit erklärter Bravour in die Realität um. Und die britischen Innenraumgestalter bei «Winch Design» gelten seit 1986 als Kreative, deren Stärke vor allem beim individuell ausgerichteten Interieur von Superyachten auszumachen ist. Ein Top-Trio, das auch im übertragenen Sinne «Großes» verspricht.

Entsprechend positiv gestimmt gibt sich Bassani. In diversen Interviews und in Presseerklärungen lässt er verlauten, dass er dem Konzept «Megayachten für große Reisen, Exkusionen und Expeditionen» eine Menge zutraut. Auch oder gerade im Hinblick auf die Zukunft von Wally Yachts.

Denn schon seit einigen Jahren wird bei den Monegassen eine gewisse Tendenz zum Reisen deutlich. Vor allem bei ihren Superyachten unter Segeln ist der Trend zu «mehr Cruising, weniger Regatta» unübersehbar. So auch der derzeit noch im Bau befindliche 93-Fuß-Perfomance Cruiser, der im Sommer 2018 zu Wasser gelassen werden soll.

Die Wally 93, eine Fahrten-Performance-Yacht aus dem Hause Wally © wally Die Wally 93, eine Fahrten-Performance-Yacht aus dem Hause Wally © wally

Diese «Wally 93», die lediglich 35,5 Tonnen verdrängt, gilt selbst unter den Wally-Designern als besonders gut gelungene Symbiose aus Renn- und Fahrtenyacht. Mal ganz abgesehen von der mit Sicherheit faszinierenden Perfomance des Flushdeckers mit breitem Heck vor allem auf raumen Kursen, zeigt ein Blick auf das stylische Interieur, dass es sich darin auch durchaus gut leben lässt.

Auf der Wally 93 lässt es sich durchaus auch gut leben © wally Auf der Wally 93 lässt es sich durchaus auch gut leben © wally

Very Wally

Luca Bassanis und somit Wallys Debut in der Megayachtszene mit Schiffen über 75 Metern Länge wird von allen Seiten genau beobachtet. Weiß doch jeder, dass bei allem, was der Italiener anpackt, auch immer etwas für die Branche «abfällt». Und sei es «nur», wie im Fall der 83-Meter-Expeditions-Megamotoryacht, ein Weg, der Richtung Horizont und weiter führt. Man brauche sich jedoch keine Sorgen machen, wird Luca Bassani in mehreren Interviews mit der Mega-Yacht-Fachpresse zitiert: «Unsere Yachten werden immer very Wally sein!»

Autor

Michael Kunst

Geschrieben von

Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
In mikus Flotte befinden sich u.a. ein 25 Jahre junger Laser Standard und ein etwas ausgeleierter Mini 6.50 Prototyp (No. 247), mit dem er vor Lorient auf dem Atlantik unterwegs ist.

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