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Der schönste Weg zum Schiff

Autor: Erdmann Braschos

Das Beiboot, in der englisch geprägten Nautikersprache Tender genannt, ist privates Wassertaxi und Ausflugsboot, Anlege-Assistent, Bugsierhilfe, Kurier oder Spielzeug – und natürlich Visitenkarte der Yacht. Es gibt ihn in vielen Varianten, von klassisch, über retro und semimodern bis modern. Die Auswahl und stilistischen Spielarten sind groß.

Der schönste Weg zum Schiff
© fjordyachts.de

Er sollte zum Mutterschiff passen wie das elegante Hacker Mahagoni Runabout zu Aristoteles Onassis 99 m langer „Christina O“. Andere Eigner steuern ihr Schiff gern mit einer edlen Riva an. Diese Boote sind schön, aber leider auch empfindlich. Das Finish verträgt keine Rempler. Zu viel Sonne schadet dem Lack. Solch ein kostbares Tropenholzmöbel sollte mit einer Persenning oder an einem schattigen Ort vor den UV-Strahlen geschützt werden.

Die Mega-Yacht «Christina O» wurde für Aristoteles Onassis gebaut Die Mega-Yacht «Christina O» wurde für Aristoteles Onassis gebaut © George Onassis

Heute öffnen sich hinter den Klappen moderner Yachten Stauräume im Format einer Doppelgarage. Die Kräne zum Verstauen oder Aussetzen der Tender vereinfachen die Unterbringung empfindlicher Vorzeigeobjekte erheblich.

Manchmal kontrastiert das antiquierte Beiboot die Modernität des Mutterschiffs. Meist wird die moderne Yacht aber um ein aktuelles Design a la Wally oder Fjord ergänzt. Über leider unvermeidliche Rempler im Hafen, beim Anlegen, Umsteigen oder Herüberreichen von Gepäck oder Proviant muss man sich beim modernen Tender keine Gedanken machen Er ist mit seiner umlaufenden Scheuerleiste robust wie ein Autoscooter.

Da kann man wie beim großen Schlauchboot mit festem Bootsboden die Fender beim Anlegen vergessen und braucht sich auch sonst wenig um das Zweitboot kümmern. Einsteigen, die Anlassertaste drücken, Leinen lösen, die Begleiter auf einen sicheren Steh- oder Sitzplatz hinweisen, Gang rein und draußen vor dem Hafen die Spritschlünde aufreißen. Bei glattem Wasser beschleunigt der 14 Meter lange, mit sechs- bis achthundert PS motorisierte Wallytender auf gut 40 Knoten. Da gehen die Mundwinkel nach oben und die Fahrt zur Yacht kann nicht lang genug sein.

© wally.com

Natürlich ist es ziemlich abgehoben eine veritable, offene 13,60 m, 6 t Motoryacht dieses Formats als „Tender“ zu bezeichnen. Doch gelten an der italienischen Riviera, im Fürstentum Monaco und an der Côte d’Azur andere Maßstäbe. Die Modekaufleute Valentino Garavani, Stefano Dolce und Domenico Gabbana statteten ihre veritablen 50 b.z.w. 52 m Motoryachten damit aus. Telecom und Pirelli Boss Marco Tronchetti Provera rutscht damit zu seiner Wally Segelyacht namens „Kauris“ ebenso, wie der Cashmere Kaufmann Sergio Loropiana mit einem Wallytender zu seiner Yacht übersetzt.

Ihre vorzüglichen Rauhwasser Eigenschaften verdanken die Wally Motorboote dem bewährten Wavepiercer Konzept, dessen markanter senkrechter Vorsteven ankommende Wellen durchschneidet und das Boot mit dosierter Volumenzunahme deutlich ruhiger laufen läßt, als die herkömmliche Wannenform mit rasant geneigter Bugpartie.

Der Prototyp dieses erfolgreichen und gern kopierten Konzepts ist der 36 Meter lange, 17.000 PS Treibsatz namens „WallyPower 118“. Sie wurde mit der Maßgabe entwickelt, auch bei dreiviertel Gas noch mit 50 Knoten durch eineinhalb Meter hohe Wellen brettern zu können. An diese Funktion und Formensprachen knüpfen auch die Ford Boote von 36 bis 48 Fuß an.

Eine charmante Alternative zum Tender von Wally oder Fjord ist die „Hinckley T 29 C“. Sie verbindet die traditionellen Linien des klassischen Lobsterboots der amerikanischen Ostküste mit den Vorzügen des Wasserstrahlantriebs. Ein 440 PS Yanmar treibt die ins Achterschiff eingebaute Hamilton 292 Düse, deren Schaufeln den 3,6 Tonnen schweren Gleiter auf bis zu 34 Knoten Spitze und 28 Knoten Reisetempo bringen.

Wer vorerst mit einem Ferienhaus im sonnigen Süden vorlieb nimmt, überbrückt mit so einem Boot die Wartezeit bis zum passenden Mutterschiff. Man kann damit von Porto Cervo zur Lieblings Badebucht im Maddalena Archipel brettern, die Porquerolles Inseln vor Hyeres ansteuern. Auch macht man mit so einem Designerstück von Frejus, St. Raphael, Port Grimaud oder St. Tropez kommend am Strand von Pampelonne eine Bella Figura.

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

Ratgeber für den Bootskauf

Ratgeber für den Bootskauf

Es ist clever, ein gebrauchtes Boot zu kaufen: Die Auswahl ist groß, das Objekt der Begierde erschwinglich. Meist ist es komplett ausgerüstet, kostspielige Extras sind bereits vorhanden. Das Boot ist normalerweise sofort einsatzbereit. Man kann es Probe fahren ( Wie man eine Probefahrt durchführt). Im Idealfall befindet es sich in einem schönen Revier. Es ist bewährt. Die üblichen Kinderkrankheiten sind Vergangenheit.

Welches Boot ist  das Richtige?

Welches Boot ist das Richtige?

Das Angebot gebrauchter Boote ist riesig, die Vielfalt der Fabrikate und Bootstypen kaum zu überblicken. Unterschiedlich sind auch die Baumaterialien: vom Sandwichbau über die üblichen glasfaserverstärkten Kunststoffe (GfK) bis hin zu Holz, Stahl oder Aluminium. All das gibt es außerdem in unterschiedlicher Machart und Qualität.

Wo suchen?

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Früher war der Interessent auf Inserate in Zeitschriften, den Aushang im Hafen, im Verein oder Bootslager, auf Hinweise aus dem Bekanntenkreis, Yachtmakler oder «Freund Zufall» angewiesen. Dieser Weg war mühsam und ergab Zufallstreffer.

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