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Immer schön sauber bleiben

Autor: Michael Kunst

Es gibt keinen Grund Hygieneregeln, die man im trauten Heim selbstverständlich einhält, nicht auch auf See und den Binnenmeeren anzuwenden.

Immer schön sauber bleiben
Allpa Johnson Bord-Toilette© Johnson

«Schwarzwasser, Grauwasser… einfach ab ins Wasser» Es ist noch gar nicht so lange her, da zählten solche Sprüche (und die entsprechenden Handlungen) noch als eine Art «rauer Seemanns-Charme»: Haha, so sind sie eben, die Seeleute – irgendwie ungehobelt, aber herzlich. Heute wissen alle Wassersportler, die mit Yachten und Booten auf Seen und der See unterwegs sind, dass strikte Hygiene-Regeln eingehalten werden müssen, die EU-weit gelten und in einigen Ländern sogar noch verschärft wurden (z.B. Schweden).

Die Binnenseen, Meere und Küsten sind so rein wie möglich zu halten. Was für den umweltbewussten Yachtie mittlerweile eine Selbstverständlichkeit ist, wird dennoch von erstaunlich vielen Seglern und Motorbootfahrern vor allem beim Ferientörn geflissentlich ignoriert. Man hat ja Urlaub, und da will man sich nur ungern mit hochtrabenden Themen wie dem ökologischen Gleichgewicht der Ankerbucht oder der Plastikvermüllung der Meere abgeben.

Tatsächlich kann immer wieder beobachtet werden, wie Segler und Motorbootler für sich eine Sonderregelung in Anspruch nehmen – werden sie dabei von den Behörden erwischt, kann das übrigens ziemlich teuer werden.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass schlicht das Verständnis für die Problematik fehlt. Denn was kann schon so ein kleiner Eimer Kinderkacka in der großen Bucht bewirken? Eben!

Schwarzwasser – ist doch alles biologisch abbaubar?

Auf einer Yacht mit vier Personen an Bord werden im Durchschnitt 10 bis 13 Liter Schwarzwasser pro Tag produziert. Unter Schwarzwasser versteht man menschliche Fäkalien und Urin, vermischt mit Toilettenwasser – also den Inhalt des Bord-WCs.

Diese Stoffe sind tatsächlich biologisch abbaubar: Würde man sie direkt ins Meer leiten und nicht in Schwarzwassertanks sammeln, wären sie im Prinzip kaum eine Belastung der Umwelt. Sie sind jedoch eine bakteriologische Gefahr für die Menschen in direkter Umgebung, also an den Stränden der Ankerbuchten etc. Schwarzwasser im Meer oder in einem Binnensee können also die Entwicklung von Bakterien wie Staphylokokken, Salmonellen und Kolibakterien fördern, Viren beinhalten, Parasitenwachstum beschleunigen und sogar Medikamentenrückstände in
Badegewässern oder im küstennahen Trinkwasser nach sich ziehen.

Ferner wachsen manche Algenarten mit dem «Dünger» des Schwarzwasser schneller, als von der Natur vorgesehen und gefährden so intakte Ökosysteme.

Deshalb gilt: Schwarzwasser in dem dafür vorgesehenen Tanks sammeln und in den Häfen an den dafür vorgesehenen Stellen entsorgen respektive abpumpen.

PortaPotti – chemische Toilette für Yachten PortaPotti – chemische Toilette für Yachten © Porta Potti

Grauwasser – das verteilt sich doch in homöopathischen Dosen?

Alles Wasser, das zum Spülen und Waschen (auch des Bootes) an Bord genutzt wurde, nennt man Grauwasser. Es enthält per se chemische Stoffe, da Waschen und Spülen ohne chemische Hilfsmittel heutzutage undenkbar geworden ist. Es sei denn, man achtet strikt auf biologische Abbaubarkeit der verwendeten Produkte (siehe weiter unten) Grundsätzlich, also auch unter Verwendung von «biologischen» Mitteln gilt, dass Grauwasser, so sauber es einem auch vorkommen mag, ebenfalls an Bord gesammelt werden sollte. Denn selbst kleinste Mengen chemischer respektive giftiger Stoffe können in den Seen und Meeren das ökologische Gleichgewicht empfindlich stören und gelten für Fauna und Flora als gefährlich. Auch dann, wenn sich optisch «eigentlich alles auflöste», was man gerade eben ins Wasser schüttete.

Einfach über Bord schütten? Machen Sie das zuhause auch?

Für Boote und Yachten, die nach dem 1.1.2008 gebaut wurden, schreiben EU-Richtlinien vor, dass jede auf einem Schiff installierte Toilette nur an ein Wasserrückhalte- oder Behandlungssystem angeschlossen werden darf, das den aktuellen, europaweiten Normen entspricht. Das angesammelte graue und schwarze Wasser darf in Häfen nicht über Bord geschüttet, sondern muss zwingend in den dafür vorgesehenen Schwarz- und Grauwassertanks entsorgt werden. Das gilt auf See auch für die 3-Seemeilen-Zone. Sollte die Bordtoilette jedoch mit einem Häcksel- und Desinfizierungssystem ausgestattet sein, ist es möglich, das behandelte Wasser außerhalb der Drei-Meilen-Zone bei einer Fahrtgeschwindigkeit von vier Knoten direkt im Meer zu entsorgen.

Außerhalb der 12-Seemeilen-Zone darf allerdings Schwarz- und Grauwasser «unbehandelt» direkt ins Meer eingeleitet werden.

Unabhängig von den genannten Ausnahmen wird dennoch empfohlen, Schwarz- und Grauwasser auch auf See grundsätzlich zu sammeln und im nächsten Hafen in den dafür vorgesehenen Tanks abzupumpen. Dies gilt insbesondere auf Binnenseen: Dort ist in der Regel schon das geringste «Mal-eben-schnell-das-Schwarzwasser-ablassen» unter Strafe gestellt.

Keine Kompromisse gibt es bei der Entsorgung von Chemie- und Trocken-Toiletten-Inhalten: Die sollten zwingend an Land in den dafür vorgesehenen Müllbehältern entsorgt werden.

Biologisch abbaubares Grauwasser

Geht man die Supermarkt-Reihen für Waschmittel, Hygieneprodukte und Reinigungsmittel entlang, ist neben der schier unendlich Auswahl besonders auffallend, dass 99 Prozent der angebotenen Mittel biologisch immer noch nicht abbaubar sind.

Die meisten dieser Produkte enthalten nach wie vor hochchemische Tenside und andere chemische Inhaltsstoffe, die Seen und Meere verschmutzen und Flora und Fauna in den Gewässern in hohem Maße schaden.

Mit biologisch abbaubaren Mitteln, die zwar in der Regel etwas teurer sind als «herkömmliche» Produkte, kann man als umweltbewusster Wassersportler tatsächlich das Grauwasser relativ «sauber» halten. Achten Sie auf entsprechende ECO-Label oder besorgen Sie sich im Marine-Fachhandel entsprechende meeresfreundliche Produkte. In jedem Fall gilt: Sparsam einsetzen!

Warum Abfälle sammeln?

Neulich traute ich meinen Augen kaum: Eine Familie segelt in ihrem Cruiser aus einer Ankerbucht heraus, wo sie wohl gerade zu Mittag gegessen hatten. Etwas weiter draußen auf See schmissen sie dann die «säuberlich» gesammelten Müll wie Essenreste, Servietten, Plastikverpackungen, Plastikbecher und sogar -geschirr einfach über Bord. Nach dem Motto: Das Meer wird’s schon irgendwie richten.

Es muss an dieser Stelle nun wirklich nicht mehr erwähnt werden, dass Plastik der wohl größte Feind des Ökosystems «See» oder «Seen» ist – die Verrottungszeit mancher Stoffe beträgt Tausende von Jahren (siehe u.a. Artikel «One Minute Boat»). Deshalb gilt immer: Müll sammeln und dann später an Land trennen und in entsprechenden Müllcontainern entsorgen. Überhaupt gilt es, sich von einer typischen Urlaubsfaulheit zu verabschieden: Untersuchungen haben ergeben, dass die meisten Urlauber mit ihren Regeln, die sie zuhause gerne einhalten, nichts mehr zu tun haben wollen. So speisen ansonsten umweltbewusst denkende Wassersportler ausgerechnet beim Ferientörn «auch mal» aus Plastikgeschirr (weil der Abwasch doch so lästig ist) oder kaufen Nahrungsmittel ein, die sich in unzähligen Verpackungsschichten verstecken.

Als Teil des Ganzen betrachten

Grundsätzlich gilt: Unsere Freizeit auf dem Wasser – ganz egal ob motorisiert oder unter Segeln – sollte so hygienisch und umweltverträglich wie nur irgend möglich ablaufen. Jeder muss sich darüber im Klaren sein, dass wir mit unseren Yachten und Booten, ganz egal, auf welchem Gewässer wir unterwegs sind, immer ein sensibles Ökosystem befahren. Ein System, das im direkten Zusammenhang mit anderen Lebensräumen steht, in denen wiederum Menschen leben, die vielleicht mit Wassersport nichts «am Hut» haben, aber doch von gewissen Schandtaten auf und in den Wassern betroffen sein könnten.

Autor

Michael Kunst

Geschrieben von

Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
In mikus Flotte befinden sich u.a. ein 25 Jahre junger Laser Standard und ein etwas ausgeleierter Mini 6.50 Prototyp (No. 247), mit dem er vor Lorient auf dem Atlantik unterwegs ist.

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