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Männertörn

Die ultimative Auszeit mit einer wackeligen Proa auf der Ostsee

Männertörn
Janusz Ostrowski achtern am Steuerpaddel, Matrose Brehm an der Schot © Reto Brehm

Der bayrische Segler und Musiker Reto Brehm schwört auf die ursprünglich mikronesische Proa. Damit macht er die alpennahen Seen, die Adria oder Ostsee unsicher und erzählt auf köstlich ulkige Weise davon.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 24.02.2021

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • die Geschichte des bayrischen Proaseglers Reto Brehm
  • Bericht von einem 140 Meilen Törn entlang der polnischen Küste
  • wie man an eine Proa kommt

„Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ - nach diesem abgenudelten Angebermotto werden Boote meist gesehen. Je größer desto besser, so heißt es. Nach meiner Beobachtung ist das schlimm langweilig und genau umgekehrt: Den zufriedensten Böötlern begegne ich selten auf dicken Pötten. Glücklich sind die mit dem kleinen schwimmenden Untersatz. Hier geht es weniger um's Haben und Herzeigen als um‘s Segeln und Erleben, ab vier Windstärken und circa 3/4 m Welle auch um's Überleben. Wenn es zu lange dauert, brenzlig wird, oder alle naß und hungrig sind, geht es zum nächsten Strand.

Kurzer Weg zur Piste
Kurzer Weg zur Piste © Reto Brehm

Das klappt mit einem flachbordigen Auslegerboot aus dem Pazifik, für das es im Internet frei zugängliche Selbstbaupläne gibt. So ein Gefährt hat sich Reto Brehm vor einigen Jahren aus Sperrholz preiswert selbst gebaut. „Es ist eine P5 von Othmar Karschulins Multihull-Webseite“ berichtet Brehm. „Das Rigg, mit pazifischem Delta-, oft auch Krebsscherensegel genannt, habe ich mit Versuch und Irrtum soweit austariert, dass ich meistens nach der reinen polynesischen Lehre, ohne Rudereinsatz segeln kann. Für mich ist das Ganze ein hydro- und aerodynamisches und auch völkerkundliches Forschungsprojekt, das mir unendlich viel Freude bereitet.“

Selfie von der Piste
Selfie von der Piste © Reto Brehm

Seine Begeisterung führte ihn wiederholt nach Polen, wo es eine lebendige Proa-Szene gibt. Zwar ist das Wasser dort nicht so warm wie in Mikronesien. Für die flachen Gewässer mit herrlich langen Stränden ist der handliche Zweirümpfer ohne nennenswerten Tiefgang aber perfekt. Außerdem baut Segelfreund Janusz Ostrowski dort Proas. Das Gefährt ist so seetüchtig, dass Brehm damit schon in Kroatien rund Cres-Losinj oder zum polnischen Proa-Treffen die Ostseeküste entlang gerutscht ist. Da Brehm in seiner Freizeit neben Proabasteln und Segeln musiziert, erzählt er am liebsten singend mit einer köstlichen Prise Ironie von seinen Ausflügen.

Diesmal berichtet der Proa-Fan mit einem zünftig vorgetragenen Shanty © Reto Brehm

Vor einigen Jahren hockte Brehm sich in seiner „ganz normalen Winter-Bergsteiger-Ausrüstung, also Filzhut, Lodenjanker, Lodenhose, Filzstiefel statt diesem modernen Plastikzeugs" in eine Höhle, griff zur Ukulele und begleitete Freundin Erika als Hauptdarstellerin für einen schrullig-liebenswerten Youtube-Clip.

Übernachtet wurde am Strand
Übernachtet wurde am Strand © Reto Brehm

Bootsdaten zur Puch Pjoa

Entwurf Janusz Ostrowski
Länge 6 m
Breite 3,6 m
Gewicht segelfertig 125 kg
Hauptrumpf 55 kg
zweiter Rumpf 15 kg
Plattform 40 kg
Crew 2 - 4 Personen (max 400 kg)
reffbares Krebsscherensegel 12 qm
Transportmaße 600 x 140 x 95 cm

Webseiten

multihull.de
pjoa.eu

Video

VG