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Das aufblasbare Segel

Der Erfinder des Gleitschirms will auch den Segelsport revolutionieren. Dafür adaptiert er Schweizer Laurent de Kalbermatten das Profilsegel und setzt es mithilfe einer Luftpumpe.

Das aufblasbare Segel
Das Profilsegel im geborgenen Zustand © IWS

Flügelprofile halten nicht nur Flugzeuge am besten in der Luft, sie stellen auch den effektivsten Vortrieb für ein Segelboot dar. Für diese Erkenntnis hat die Aerodynamik-Forschung eigentlich schon Jahrhundertelange Vorarbeit geliefert.

Aber erst der America's Cup 2010 belegte die Theorie eindrucksvoll: Flugzeug-Tragflächen, die senkrecht in den Himmel zeigen, erzeugen in der Tat den besten Vortrieb für ein Segelboot.

Es gab schon früher Profilsegel, die allerdings sehr schwer und unhandlich waren. Die neuen neuen leichten Kohlefaser-Technologien machen den Unterschied. 2010 schöpfte der US-Milliardär Larry Ellison in vollem Umfang die neuen Möglichkeiten aus. Er setzte sie für seinen Angriff auf den Schweizer Bertarelli und dessen Alinghi-Team ein, bestätigte die Fähigkeiten der festen Flächen für das Segeln und ließ eindrucksvoll die Limits erforschen.

Der 55 Meter hohe Flügel im Vergleich zu den größten Flugzeugen © BMW Oracle Der 55 Meter hohe Flügel im Vergleich zu den größten Flugzeugen © BMW Oracle

Das Oracle Team baute schließlich einen 90 Fuß Trimaran bestückte ihn mit einer 1,270 Quadratmeter großen und 55 Meter hohen Tragfläche, größer als der Flügel einer Boing 747, und segelte den mit klassischem Tuch angetriebenen gegnerischen Katamaran in Grund und Boden.

Die Überlegenheit des Profilsegels war eindrucksvoll bewiesen und setzte sich bei den nächsten beiden America’s Cups auf auf den kleineren Katamaranen fort. Sie sorgten in Verbindung mit den Tragflächen unter Wasser insbesondere im High-Speed-Bereich für eine extreme Effektivität.

Das Problem dieser Technik: Das "Segel" muss umständlich per Kran "gesetzt" werden. Und damit ist diese Art des Antriebs für den Normalsegler nicht praktikabel. Wer baut sich schon einen Kran an den Liegeplatz?

Aber der Schweizer Laurent de Kalbermatten wollte sich mit diesem Fakt nicht zufrieden geben. Er tüftelte an einem Flügelsegel, das die Vorteile des starren Profils nutzt, sich aber auch auch setzen und bergen lässt.

Ausgerechnet der Mann, den man „Vater des Gleitschirmfliegens“ nennt, seit er 1985 den ersten Flug-Schirm entwickelte und erfolgreich auf den Markt brachte, zeichnet für dieses Design verantwortlich. Gemeinsam mit dem professionellen Segler Edouard Kessi, der schon die legendäre Langstreckenregatta Bol d’Or auf dem Genfer See gewonnen hat, entwickelte Kalbermatten ein Profil, das nun großes Aufsehen in der Seglerschaft hervorruft: Ein aufblasbares Flügelsegel.

Es klingt unglaublich, aber das Segel wird tatsächlich mit Pressluft gesetzt. Da bekommt der Begriff “Druck im Segel” noch einen ganz anderen Sinn. Beim Aufpumpen wird auch der Teleskopmast elektrisch nach oben ausgefahren, und dann wird das Profil im gesetzten Zustand durch zwei kleinen Turbinen gleichmäßig unter Druck gehalten.

Raumschots mit dem Wing Sail © IWS Raumschots mit dem Wing Sail © IWS

Zwei Jahre hat die Testphase gedauert und nun erfüllt das lamellenartige „Segel“ auch noch einen gewissen Anspruch an die Ästhetik. Auf dem 5.5er Testboot sieht das Inflated Wing Sail (IWS) jedenfalls einigermaßen ansprechend aus, was man sonst von alternativen Rigg-Konzepten selten sagen kann.

Allerdings muss es sich noch zeigen, ob der Speed-Zuwachs tatsächlich signifikant im Vergleich zur traditionellen Besegelung ausfällt. Schließlich wird das Profil seitlich nicht von Wanten in Position gehalten. Und ein seitliches Wegfedern erhöht nicht gerade den Wirkungsgrad eines Segels.

Aber der Vorteil des einfachen Handlings ist nicht zu unterschätzen. Schließlich wird für das um 360 Grad frei drehbare Profil nur eine Großschot benötigt. Und bei der Halse dreht die Baumnock über den Bug, statt gefährlich über das Heck zu schwingen.

Das aufblasbare Segel auf einem 5.5er © IWS Das aufblasbare Segel auf einem 5.5er © IWS

Einem Aerodynamik-Pionier wie Kalbermatten ist es zuzutrauen, dass er eine weitere Technik-Revolution auslöst. Werden klassische Tuchsegel bald zum alten Eisen gehören? Die Tüftler sind sich nach den ersten Testfahrten auf dem Genfer See jedenfalls überzeugt, dass sie an etwas ganz Großem dran sind. In den nächsten Phasen soll das Prinzip auch bei Megayachten oder kleineren Handelsschiffen zum Einsatz kommen.

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