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Welche Jollen es gibt

Autor: Erdmann Braschos

Die schönste Zeit auf dem Wasser, nämlich Segeln pur, erlebt man mit der Jolle. Man ist nah dran und fliegt auch mal rein. Eine Jolle ist handlich, praktisch, bezahlbar. Hier einige Jollentypen mit Hinweisen zu Vor- und Nachteilen.

Welche Jollen es gibt
Mit der Einmann-Trapezjolle Contender im Rausch der Geschwindigkeit© Wikipedia

Es gibt unzählige und ganz unterschiedliche Jollen: vom Optimisten mit den Proportionen eines Blumenkübels über kippelige Jüngsten- und athletisch beherrschbare Einmannboote. Den bewährten Klassiker, die sichere Familienkutsche, die grundsolide Segelschul- und Wanderjolle bis zum Geschoss, das im Tiefflug auf Tragflächen über das Wasser fegt. Es gibt die Jolle von verblüffend simpel bis saukompliziert. Strikte Einheitsklassen wie der über 210.000 Mal gebaute Laser (siehe Laser - Für immer cool) bieten unbeschwertes Seglerglück und mit identischen Booten faire Regatten. Für Einsteiger (Welches Segelboot für Anfänger?) und Gelegenheitssegler, die mal eben flott zur Sache kommen wollen, ist der Laser eine gute Wahl. Passt aufs Autodach, lässt sich in die Garage hängen oder man legt ihn umgedreht in den Garten. Sollte das Leben vorübergehend andere Prioritäten vorsehen, lässt sich der Gfk-Boot auch mal eine Weile vergessen. Plastik und Alu machen eine Menge mit. Minuspunkte der olympischen Bootsklasse sind die knieschindende Ausreitposition und der Preis für ein neues Boot.

In Jollen-Konstruktionsklassen ab Moth aufwärts toben sich Tüftler mit immer neuen Gadgets aus. Es gibt Schmuckstücke aus Mahagoni mit dem Charme von Omas Edelholzkommode und pflegeleichte, offene Vollplastikwannen, aus denen das Wasser schnell abfließt. Klassische Holzjollen werden von Jung und Alt über Jahre, manchmal Jahrzehnte hinweg gepflegt und gesegelt.

Im Idealfall beginnt das Seglerleben in einem Jüngstenboot wie dem Optimisten. Diese 2,30 x 1,13 m große Kiste ist von 3,5 m2 besegelt, wiegt ganze 45 Kilo und wurde 1947 in Amerika als Selbstbauboot entwickelt. Als moderne Alternative bietet sich der Laser Bug an: 2,60 x 1,36, 46 kg, besegelt mit 3,8 oder 5,3 m2. Weiter geht es beispielsweise einem Laser mit 4,7 m2 Jugendbesegelung, oder der beliebten und segeltechnisch interessanten Europe mit Traveller, unterwegs verstellbarem Baumniederholer und weiteren Finessen.

Vielseitig und praktisch, die Einmannjolle Laser Vielseitig und praktisch, die Einmannjolle Laser © Johann-Nikolaus Andreas

Früher wurde dann mit zunehmendem Alter, Gewicht und Begeisterung in der 8,25 m2 OK-Jolle, den legendären Finn mit 10 m2 oder die 11,5 m2 O-Jolle umgestiegen. Die Europe war von 1992 – 2004 olympisches Frauen-Sportgerät. Ein tolles, ausgereiftes Boot.

Diese Einmannjollen sind bei auffrischendem Wind eine echte Aufgabe, wo man die meiste Zeit außenbords hängend mit dem sogenannten Ausreiten verbringt. Das ist für die Oberschenkel und Bauchmuskulatur gut, was sich zunächst mit höllischem Muskelkater, dann mit definierten Muckis bemerkbar macht. Intensiv genossene Stunden sind so sicher wie blaue Flecken, die man aber erst später beim Duschen an Land bemerkt. Der Däne Poul Elvström brachte die Beherrschung dieses 4 ½ m langen, 1 ½ m breiten Bootes mit 10 m2 Segelfläche mit gnadenlosem Training zur Perfektion. 1952 bis 2020 Olympiaklasse. Ein tolles, konsequent weiterentwickeltes Boot, das einen großen Fanclub hat und auch von älteren Seglern begeistert gesegelt wird.

Schnelle Reaktion, akrobatische Bootsbeherrschung und reichlich Übung verlangt die Einmann-Trapezjolle Contender, ein Segelsportgerät für Fortgeschrittene und ebenfalls ein Evergreen. 1967 entworfen, rasant, mehr als 2.500 Mal gebaut, aktive Regattaszene für Jung und Alt.

Der Vorteil des Solosegelns ist die unbedingte Konzentration auf Wind und Wellen, dosiert angesteuerte Böen, hängen, schuften, schnaufen – ganz großes Segelkino. Der Nachteil ist, dass man allein unterwegs ist. Deshalb empfehlen sich für gesellige Naturen moderne Zweimann-Rennjollen oder die früher beliebten 420er, 470er oder Korsar. Anspruchsvoll, faszinierend und große Könnerschaft fordert der 6 m lange Flying Dutchman. Der FD geht mit knapp 19 m2 an den Wind und kommt dabei sogar ins Gleiten. Dieses Geschoß bei frischem Wind zu beherrschen, es mit Genua und Spinnaker ungekentert über die Bahn bringen, ist das Salz in der Suppe des Jollensegelns. Der seglerisch reizvolle Schlitten war 1960 bis 1992 Olympiaklasse.

Ein vielseitiges und beliebtes 5 m Boot ist die 190 Kilo schwere Ixylon, 1969 in der früheren DDR entwickelt. Pfiffig und einmalig ist die Doppelschwert-Ausführung, dessen seitliche Schwerter den ansonsten mittschiffs üblichen, beim Übernachten störenden Schwertkasten ersetzen. Beim Ixylon passt die Isomatte in die Mitte. Interessant sind auch die verschiedenen Ausstattungsstufen, sodass das Boot dem seglerischen Können mit Trapez und Spinnaker anzupassen ist. Dank großer Formstabilität ist das Boot einigermaßen kippsicher. Deshalb ist die Ixylon bei Segelschulen, Familien und Tourenseglern beliebt.

Die Ixylon bietet zwischen den Schwertkästen Platz zum Übernachten an Bord Die Ixylon bietet zwischen den Schwertkästen Platz zum Übernachten an Bord © Ralf Roletschek

Ein wahrer Allrounder ist der 1960 entworfene Zugvogel, der wie das beliebte Jugendboot Pirat von 1938 eine knickspantige, aus Holzbrettern zu einem bemerkenswert ansehnlichen Rumpf zusammengefügte Form hat. Der Zugvogel wurde bislang rund 4000 Mal gebaut. Ein gutmutiges, sicheres Boot, mit dem man Touren machen kann. Interessant ist, dass es den Zugvogel auch mit einem 40 Kilo Kiel gibt. Spinnaker und Trapez sind nicht zugelassen. Längst wird das Boot aus pflegeleichten GfK gebaut. Aktiv gesegeltes Regattaboot.

Beliebt, regatta- und tourentauglich: der Zugvogel Beliebt, regatta- und tourentauglich: der Zugvogel © Johann-Nikolaus Andreas

Auch der an sich betagte aber hübsche Pirat ist mit 6 Tausend gebauten Exemplare nach wie vor beliebt. Dank seiner schnittig schlanken Linien macht der Pirat am Wind großen Spaß und raumschots mit dem 10 m2 Spinnaker auch. Er wird schon lange aus Kunststoff gebaut. Ebenso interessant sind die liebevoll erhaltenen Exemplare aus Holz.

Sehr schön ist die bereits 1921 entwickelte H-Jolle. Es gibt sie mit der etwas umständlichen Gaffeltakelage oder der heute üblichen Hochtakelung, wo das Großsegel nicht trapezförmig, sondern dreieckig ist. Ein tolles Boot, das Spaß macht, mit Trapez und beeindruckend großem Spinnaker zu segeln ist und in das man sich vergucken kann. Leider sind die alten Exemplare mit 300 bis 450 Kilo recht schwer und als Holzboote pflegeintensiv.

Für Einsteiger empfehlenswert sind die beliebten Jollentypen Gipsy, Gipsy Star, Gruben 17, Gruben Sprint, Jeton oder Trainer. Alles pflegeleichte Kunststoffjollen zwischen knapp vier und gut fünf Metern.

Der Nachteil traditioneller Jollen ist ihr hohes Gewicht, mühsames Aufrichten nach einer Kenterung und zähes Lenzen des vollgelaufenen Bootes. Hier punkten moderne Plastikjollen mit großen Auftriebskörpern, die Teil des Bootes sind. Aus einer modernen Jolle mit angehobenem Fußraum und offenen Heck wie der X0 oder X1 fließt das Wasser sofort ab. Bei dieser ganze 75 Kilo schweren, 4,90 x 1,70 messenden Zweimannjolle wird die Besegelung mit einem kürzeren oder längeren Mast pfiffig an das Crewgewicht angepasst. Ein Beispiel für den Ideenreichtum, den segelbegeisterte Tüftler wie gehabt in diesen Bootstyp stecken. Die Idee, das Boot anhand seiner Besegelung an das Gewicht des Seglers anzupassen, wird beim Laser schon lange mit 4,7 und 5,7 statt 7,1 m2 (Standard), praktiziert. Es gibt für den Laser sogar ein 8,1 m2 Segel.

Für Gelegenheitssegler und Familien, die gerne ein vielseitiges Spaßboot in den Urlaub mitnehmen, empfehlen sich moderne, offene und skiffartige Jollen wie die RS Vison, der Laser Bahia, die preiswerte Trapezjolle Laser Vago oder der Laser Pico, letztere eine Freizeit-, Segelschul- und Urlaubsjolle für 1-2 Erwachsene oder bis zu 3 Kinder. Leichte Boote lassen auf dem Dachgepäckträger mitnehmen. Hinweise zu zulässigen Dachlasten stehen in der Auto-Bedienungsanleitung, nicht im Fahrzeugschein. Üblich sind 75 bis 100 kg. Je leichter, pflegeleichter und vielseitiger die Jolle, desto eher wird sie huckepack mitgenommen und desto größer der Spaß auf dem Wasser.

Segeltechnischer Trendsetter ist die Einmannjollen Konstruktionsklasse der «International Moth», die seit etwa zwei Jahrzehnten auf Tragflügeln mit bis zu 35 Knoten im Tiefflug über das Wasser fegt. Mehrere Spezialisten bauen die ultraleichten Flugboote in Serie, was die High-Tech-Erzeugnisse für den Preis eines Kleinwagens erschwinglich macht (siehe Foils - Die Zukunft hat begonnen).

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Erdmann Braschos

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Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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