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Umjubelte Jubelyacht

Autor: Carsten Kemmling
  

Die beste, schönste, größte… die Superyacht «Jubilée» hat kaum die ersten Seemeilen auf der Logge, und schon wird sie mit Auszeichnungen und Superlativen überhäuft. Mit Recht?

Umjubelte Jubelyacht
Die «Jubilee» gilt als eine der formschönsten Megayachten der Welt © burgess

Ist sie ein Trendsetter im Yachtdesign? Oder ein kaum erfüllbarer Traum, den angeblich viele Wassersportler heimlich hegen und pflegen? Ein faszinierendes technisches Meisterwerk, eine ästhetische Tour de Force oder einfach nur ein, zugegeben: ziemlich langes Stück Dekadenz?
Man kann von Super- und Megayachten halten was man will – sie faszinieren allemal. Superreiche, Liebhaber schöner Formen, Ästheten, Neider, Schaulustige, Technikfreaks… für alle sind sie im gewissen Sinne ein Objekt der Begierde.

Wie etwa die «Jubilee»: Die größte, jemals in den Niederlanden gebaute Megayacht, wurde bei der Nobelwerft «Oceanco» in Alblasserdam gebaut und bereits im Sommer dem Eigner und seinem Team übergeben. Ihre Jungfernfahrt führte die «Jubilee» direkt an die mondänen Küsten des Mittelmeers, wo die Megayacht kürzlich bei der Monaco Boat Show Furore machte. Ihre Formen und Linien wurden als zukunftsweisend gepriesen, ihre Technik als Meisterstück präsentiert. Und ganz nebenbei heimste die vor Anker an der Cote d’Azur stolz vor sich hin brillierende «Jubilee» prestigeträchtige Preise ein: «Yacht des Jahres» (Kategorie über 82 Meter) bei den «World Yacht Trophies» und beste Yacht des Jahres als höchste Auszeichnung der Monaco Boat Show. Was sozusagen einem Ritterschlag sofort nach der Geburt gleichkommt.

Die bei Oceancos in den Niederlanden hergestellte «Jubilee» ist die größte Megayacht, die jemals in den Niederlanden aufn Kiel Gelegt wurde © oceancos Die bei Oceancos in den Niederlanden hergestellte «Jubilee» ist die größte Megayacht, die jemals in den Niederlanden aufn Kiel Gelegt wurde © oceancos

Zurück zu klassischen Linien

Einhundertzehn Meter ist die Yacht lang; doch ist es nicht die schiere Größe, die an ihr fasziniert. Vor allem die Ästhetik des Lobanov-Design-Meisterwerks lässt die Kenner der Szene jubilieren: Weg vom harten, ausschließlich auf innere Werte ausgerichteten Kasten- und Kistendesign älterer Megayachten, hin zu geschwungenen Linien einer an sich etwa im früheren Kreuzfahrtschiffbau nicht neuen, aber für die Megayachten-Szene nach Jahren der «harten Formen» nun revolutionären Ästhetik.

Denn ging etwa Philippe Starck bei den Motor- und Sailing Yachten des «A»-Typs völlig eigene, ihm gestalterisch vertraute Wege, findet Lobanov wieder zu klassischen Linien zurück, setzt ihnen dabei aber das gewisse Etwas als Bonbon obendrauf.

Über sechs Decks ragen die Aufbauten der Megayacht gen Himmel. Von vorne betrachtet in blau-grünlich schimmernden, fließenden und mitunter asymmetrischen Linien, von achtern und aus Möwenperspektive besehen in strikt zurück genommenen Formen Deck für Deck weiter Richtung Heck strebend. Aus manchen Blickwinkeln wirken die Aufbauten der Yacht wie eine optische Täuschung, eine Art Trompe-l’œil, das durch Formen und Linien besticht. Andere bezeichnen das als «falsche Decks», mit denen man die Höhe der Aufbauten rein optisch niedrig und somit schnittig halten will.

Die Geschwungenen Linien der «falschen» Decks © burgess Die Geschwungenen Linien der «falschen» Decks © burgess

Mischung aus Prunk, Pomp und Zurückhaltung

Die Innenarchitektur der «Jubilee» wurde von Sorgiovanni Designs konzipiert. Eine Mischung aus eher mediterranen Designelementen kommt in den Passagierkabinen- und Eigner-Räumlichkeiten zum Tragen, während in gemeinschaftlichen Räumen durchaus im Prunk und offen zur Schau gestelltem Luxus geschwelgt werden darf. So führen etwa gleich zwei geschwungene Treppen seitlich auf einen großen Speise- und Konferenztisch zu.

Zurückhaltendes Design, zumindest hier im Kabinenbereich © burgess Zurückhaltendes Design, zumindest hier im Kabinenbereich © burgess

Dreißig Personen respektive Passagiere kann die Jubilee in 15 Kabinen aufnehmen. Und die gleichgroße Crew hat zusätzlich ihre Räumlichkeiten im Unterdeck. Der oder die Eigner verfügen selbstredend über ein eigenes Deck – schließlich will man zwischendurch auch mal «Ruhe haben».

Der Hubschrauber hat auf Dem Vordeck seinen Platz gefunden © burgess Der Hubschrauber hat auf Dem Vordeck seinen Platz gefunden © burgess

4.500 Tonnen verdrängt die «Jubilee», wobei Tenderboote, die durchaus Yachtausmaße einnehmen und seitlich in die Yacht aufgenommen werden können sowie ein Helikopter, der auf dem Vordeck seinen Landeplatz hat, noch nicht einberechnet sind. Im Heckbereich dann der obligatorische Pool (mit integriertem Aquarium) auf dem Hauptdeck, ferner Fitnessräume, Beach-Club mit Spa-Bereich, Konferenzsäle, Küchen und Speiseräume, in denen vierzig bis fünfzig Personen angemessen dinieren können… Der Motorenraum erstreckt sich über zwei Etagen – steht man neben den 2 x 4.828 PS starken Maschinen, überkommt einen unwillkürlich ein Gefühl der Ehrfurcht.

Poolbereich Mit angehängtem Aquarium © burgess Poolbereich Mit angehängtem Aquarium © burgess

Alles drin!

Stellt sich nur noch die Frage: Wer kann und will sich so etwas leisten? Denn noch ist kein endgültiger Eigner für die Yacht gefunden – als Auftraggeber bei der Werft fungierte Burgess, der weltweit größte Broker und Schiffshändler für Megayachten, die die «Jubilee» schon seit geraumer Zeit zum Kauf anbieten. Dort will man selbstverständlich eine gewisse Gewinnspanne beim Verkauf der «Jubilee» herausschlagen. Entsprechend verlockend müsse das «Spielzeug» für die zukünftigen Eigner sein, denn auch im Handel mit Super- und Megayachten werden Entscheidungen oft spontan geschlossen. Burgess hat deshalb mit «Jubilee» einen weiteren Rekord gebrochen: Sie ist die erste, im wahrsten Sinne des Wortes schlüsselfertige Yacht in dieser Größenklasse, die jemals ausgeliefert wurde. Wer diese Yacht kauft, brauche nur noch Bekleidung und Zahnbürste mitbringen, ist zu vernehmen. Wenn das mal kein Kaufanreiz ist!

Eine Yacht, mit der alten Formen Gekonnt wieder zu neuem Einsatz kommen © burgess Eine Yacht, mit der alten Formen Gekonnt wieder zu neuem Einsatz kommen © burgess

JUBILEE

Werft: Oceanco, Niederlande
Länge: 110,1 m
Breite: 16,4 m
Motor: 2 x 4828 PS MTU
Reichweite: ca. 5.000 Seemeilen
Verdrängung: 4523 t
Rumpf: Stahl
Aufbauten: Aluminium
Deck: Teak
Reisegeschwindigkeit: 14 kn
Höchstgeschwindigkeit: 18,5 kn

Autor

Carsten Kemmling

Geschrieben von

Segel-Journalist (segelreporter.com), Reporter, Match-Racer, Fahrtensegler.

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