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Sieben Tipps für den cleveren Bootskauf

Worauf Sie vor Anschaffung eines Bootes achten sollten

Sieben Tipps für den cleveren Bootskauf
Klar zum Ablegen. Der Schritt vom Steg an Bord ist wunderbar. © photocase.de/ohneski

Das Angebot gebrauchter Boote ist groß, vielfältig und kaum zu überblicken. Vom pflegeleichten Daysailer über charmante Klassiker, moderne Serienerzeugnisse bis hin zum speziellen Einzelbau ist alles zu haben.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 08.07.2014

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • warum ein Boot die perfekte Medizin gegen übliche Landkrankheiten ist
  • konkrete Tipps zur Auswahl des passenden Bootes
  • worauf bei der Ausrüstung und Extras zu achten ist
  • warum es enorm wichtig ist, eine möglichst rationale Entscheidung zu treffen
  • wie das lästige MwSt.-Thema zum Kauf- oder Ausschlußkriterium wird

Der Traum vom eigenen Boot kann nur das auslösende Moment sein. Es ist besser, wenn Sie das Träumen rasch lassen und möglichst sachlich und fachlich werden: Vor dem Bootskauf ist die klare Einschätzung der persönlichen Verhältnisse, dazu ein nüchterner und möglichst technischer Blick auf das Objekt selbst entscheidend für das spätere Glück auf dem Wasser. Am Besten nehmen Sie jemand mit, der sich mit dem Metier auskennt. Das kann der handwerklich versierte Kumpel sein, oder ein Gutachter.

Die Verlockung zum Kauf eines Bootes ist zu Recht groß. Ein Boot bietet die Freiheit nach eigenem Gusto abzulegen und sich nach Lust und Laune auf dem Wasser zu bewegen: von sportlich rasant über komfortabel bis hin zu müßig und kontemplativ. Ganz gleich ob Jolle, Motorboot oder Segelyacht. Man kann brettern, „Meilen fressen“, bummeln oder in einer schönen Bucht ankernd herrlich abhängen.

Es gibt keinen besseren Kniff, den Alltag zu vergessen, als mit dem Schritt an Bord. Der funktioniert immer. Bereits das Eignerglück und das Wohlfühlen an Bord lohnt den erheblichen Aufwand zur Anschaffung und zum Betrieb meistens. Folgende Gesichtspunkte sollten Sie beim Bootskauf beachten:

Macht die Partnerin und Familie mit oder wollen Sie Einhandsegler werden?

Überlegen Sie sich erstens vorher gut, ob ein eigenes Boot zu Ihrer Lebenssituation, den persönlichen Verhältnissen paßt. Die zentrale Frage dabei ist: macht die Lebensgefährtin, Frau und Familie wirklich mit oder duldet sie das Hobby bloß? Wenn die Frau oder Familie nicht mitzieht, lassen Sie die Finger vom eigenen Schiff. Dann fahren Sie halt ab und zu bei Freunden mit oder Chartern. Das ist vergleichweise "Landratten-kompatibel".

Zweitens: Wieviel Zeit lässt Ihnen das Arbeitsleben, lassen andere private Verpflichtungen, weitere Interessen und Hobbies? Denn ein Boot ist eine zeitintensive Geschichte. Machen Sie sich nichts vor: um ein Boot muß man sich kümmern. Es will gepflegt, die Technik gewartet und gegebenenfalls repariert werden. All das braucht stets mehr Zeit, als geplant. Gerade dann, wenn Sie die Arbeiten zum ersten Mal oder selten machen. Nicht zuletzt möchten Sie Ihr Boot mit der Familie oder Partnerin nutzen, viele schöne gemeinsame Stunden an Bord verbringen.

Drittens: Gibt es einen Liegeplatz in einem schönen Revier in der Nähe? Kann man mal eben zum Boot fahren, es also auch tatsächlich genießen? Oder macht das Boot Ihnen und der Familie schon von der Hin- und Rückfahrt her womöglich bloß einen ganz speziellen, subtilen Freizeitstreß?

Welche Nutzung ist realistisch?

Viertens sollten Sie sich klar machen welche Nutzung überhaupt realistisch ist. Viele Käufer suchen ein Boot für die sprichwörtliche „Weltumsegelung“. Eine schöne Vorstellung. Doch wozu solch ein großes, teures und aufwändig ausgestattetes Boot für die ganz große Reise kaufen, deren Verwirklichung wegen beruflicher oder privater Verpflichtungen meist ausgeschlossen ist? Unzählige Beziehungen und Bootsprojekte sind bereits an der unrealistischen Einschätzung dieser Frage gescheitert. Wenn bloß ab und zu Zeit zum Ablegen und schöne Stunden auf dem Wasser zu Verfügung steht - allein schon weil sich herausstellt, dass Sie oder die Partnerin Seekrank werden oder die Angst vor dem großen Schlag einfach zu groß ist, dann versenken Sie eine Menge Geld für ein überausgestattetes Schiff und einen Traum, der Sie wahrscheinlich nicht ausleben. Klingt hart, schon klar. Solche Schicksale sind aber in vielen Bootslagern, Clubs und Marinas zu beobachten. Das wird für alle Beteiligten dann frustrierend - und zum Drama. Es ist nach meiner Beobachtung leider nicht die Ausnahme. Es ist die Regel.

Da ist das kleinere, vielleicht sogar trailerbare Boot, ein sogenannter Daysailer für Tagestouren in küstennahen Gewässern oder der Weekender mit Übernachtungsoption besser. So können Sie sich gemeinsam steigern. Bauen Sie Ihr Hobby - von der gelegentlichen Auszeit zur gemeinsam glückenden nautischen Lebensform. Gelingt es nicht, haben Sie Welten weniger Geld "versenkt".

Finger weg von Schnäppchen

Fünftens kann der Preis allein nur eines mehrerer Kriterien für die Anschaffung eines bestimmten Bootes sein. Wichtiger ist die Frage danach, was am Boot an Zeit und Kosten auf Dauer dranhängt: Wie alt und pflegeintensiv, aus welchem Material ist es? Die charmante Holz- oder Stahlyacht wird aus gutem Grund günstig sein. Welche Arbeiten löst solch ein Boot in Ihrem Besitz aus? Stemmen Sie das?

Gefährlich sind sogenannte "Schnäppchen". Da gibt es dann beispielweise ein tolles großes Schiff für kleines Geld und es soll schnell bezahlt werden. Bleiben Sie cool und finden heraus, wo der Haken ist. Kennen Sie den Haken, können Sie immer noch überlegen, ob Sie mit dem Manko zuecht kommen. Eine Yacht ist kompliziert, besteht aus zahlreichen Systemen und Gewerken (Gfk, Holz, Maschine, sanitären Einrichtungen, Segeltechnik und/oder Maschine). Das sollten Sie alles, gegebenenfalls mit einem Fachmann, anschauen und ausprobieren.

Haben Sie über den Kauf hinaus das nötige Geld, um essenzielle Arbeiten fachmännisch machen zu lassen? Haben Sie die Energie, Zeit und das handwerkliche Geschick um das Schiff selbst herzurichten? Gibt es überhaupt ein zusätzliches Budget zum Kauf von Werkzeug und Material zur Überholung? Auch hier gilt: Nicht schönreden, sondern Realist bleiben. Wie viel selbst machen? Vielleicht erinnern Sie in diesem Zusammenhang Ihren letzten Umzug oder die Wohnungsrenovierung. Man wird stets später fertig, als gedacht. Rechnen Sie beim Boot mit dem Faktor 3 bis 5. Wenn es letztlich nicht ganz so lang dauert, prima.

Denken Sie dabei auch an die Unterhaltskosten Motoryacht oder Unterhaltskosten Segelyacht die Jahr für Jahr anfallen.

Sechstens: Eigner, die ihr Boot lieber nutzen als reparieren halten sich an das bewährte Keep it simple-Prinzip. Je weniger Technik Sie an Bord haben, desto weniger bezahlen, pflegen, warten und reparieren Sie. Beispiel: Fließend warm Wasser wie zuhause ist wunderbar auch an Bord. Aber lieber mit dem praktischen und handlichen no nonsense Boot ablegen als am Traumschiff basteln. Sie können sich ohne weiteres eine stattliche Wartungsagenda aufhalsen.

Siebtens genau gucken, wie das Boot gebaut und ausgestattet ist. Ein Teakdeck beispielsweise ist eine feine Sache, ziert ein Schiff aber nur, wenn es neu und gepflegt ist. Unter südlicher Sonne heizt sich ein Teakdeck derart auf, das man nicht mehr barfuß darauf gehen kann. In regenreichen Revieren verspakt das Holz. Schlampig gebaute Teakdecks lecken. Nach wiederholtem Schliff fallen die Pfropfen heraus. Nach 15 bis 20 Jahren muß es komplett ersetzt werden. Wer kann und macht, wer bezahlt das? Nehmen Sie jemand zu Besichtigung des Bootes mit, der Ihnen da reinen Wein einschenkt. Die Ausgaben für den Profi sind Peanuts um Vergleich zu dem, was schlimmstenfalls bald nach dem Bootskauf auf Sie zukommt.

Ein Beispiel zur Ausstattung: Moderne Edelstahlwinschen sind besser als verchromte Klassiker. Statt teurer Nachverchromungen langt bei der Nirovariante ein Lappen mit etwas Politur, siehe den Beitrag die Winschen nicht vergessen.

Zweites Ausstattungsbeispiel: Boote mit einem Eisenkiel Den Kiel angucken sind ab Werft günstiger als solche mit Bleiballast. Eisen rostet aber im Unterschied zu Blei. Stahl muß alle Jahre neu im Winterlager mit mehreren Arbeitsgängen konserviert werden. Blei ist nachgiebig und pfuffert die Stöße bei Grundberührung ab. Eisen gibt den Schlag 1:1 weiter ins Schiff. Die Konservierung des Eisenkiels ist dann ein weiterer von zahlreichen wiederkehrenden Jobs an Bord.

Gehen Sie nüchtern und sachlich an das Thema heran

Fazit: Als cleverer Bootskäufer suchen Sie sich aus dem breit gefächerten Angebot das zu Ihren Möglichkeiten passende Schiff aus. Und Sie gucken genau hin. Sie verlieben sich keinesfalls gleich in das Schiff Ihrer Träume, sondern machen sich klar, welche System- und Folgekosten Sie sich mit einem bestimmten Bootstyp ans Bein binden. So schwer es auch ist: gehen Sie nüchtern und sachlich an das Thema heran. So bleibt Ihnen nachher als Eigner Zeit zum Genießen der kostbaren Auszeit an Bord, zum Schwärmen und Träumen.

Die Sache mit der Mehrwertsteuer

Ein grundsätzliches Thema beim Gebrauchtbootkauf gleich welcher Art ist die Sache mit der Mehrwertsteuer. Nur wenn es einen Nachweis des ersten Eigners in Gestalt einer Rechnung, wo die MwSt. ausgewiesen ist, oder ein Einfuhrdokument für das Boot mit quittierter/nachvollziehbarer MwSt. Zahlung gibt, müssen Sie beim Kauf des Bootes die Mehrwertsteuer nicht nochmal zahlen. Alles andere ist leider Augenwischerei. Die Klärung dieser Frage ist für den Verkäufer zugegeben lästig, wenn er daran nicht gedacht hat oder das Boot mehrere Voreigner hatte, die original Rechnung verloren wurde oder in irgendeiner Schublade schlummert.
Zwar kann es auch so über Jahre hinweg gutgehen. Sie sollten jedoch wissen, das gerade im Mittelmeer regelmäßig gezielt kontrolliert wird. Auch an der Ostsee geht der Zoll (neuerdings) durch die Häfen. Gibt es also keinen MwSt.-Nachweis, ist das ein echtes Manko des Bootes. Kaufen Sie das Boot dennoch ohne diesen Nachweis, planen Sie die nachträgliche Zahlung am besten gleich ein. 19 bis 25 Prozent des Nettokaufpreises sind je nach Objekt ein Batzen Geld. Diese Zahlung kann Ihnen den Bootskauf nachträglich gründlich vemiesen - oder das Hobby ruinieren.

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VG