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Goldener Donnervogel

Autor: Erdmann Braschos
  

Man könnte die vielbeachtete „48 m Supersport“ für ein skurriles Showboat halten. Auch ließe sich dieses goldene Geschoß als das nächst-verrückte Bling-Bling für Miami oder Monaco missverstehen. Der zweite Blick verrät ein verblüffendes Megayacht-Konzept, das viel mehr ist als bloß anders: Nämlich ein smartes, spritsparendes, mit cleveren Ideen gespicktes Konzept.

Goldener Donnervogel

Große Pötte mit weit ausgekragtem Bug und mehreren aufeinander gestapelten Decks liegen heute in jeder Marina dieser Welt. Große Motoryachten sehen im Prinzip alle gleich aus. Sie haben weiße, amorphe, rundgelutschte oder eckige Aufbauten mit dunklen Fensterbändern.

Deshalb wird mit immer neuen, verblüffenden Formen und schillernden Farben experimentiert. Bei mancher Kreation gewinnt man den Eindruck, der Designer hätte was geraucht.

Das könnte man angesichts der „48 m Supersport“ der amerikanischen Palmer Johnson Werft auch meinen. Dieser Schlitten in neureich-gold und noch nie gesehener Linienführung verwirrt. Sicher ist zunächst: Er schwimmt. Es handelt sich also nicht um einen Autoscooter vom Jahrmarkt.

Doch ist „Khalilah“, wie die amerikanische Motoryacht heißt, mehr als ein Hingucker in Miami, wo sie ihren Liegeplatz hat. Meist werden große Motoryachten aus Stahl oder Aluminium geschweißt. Dieses Gefährt ist aus Karbon und soll Werftangaben zufolge 40 Prozent leichter sein als vergleichbare Schiffe. Das spart Sprit und entlastet die Umwelt.

Ein weiterer Beitrag zu den Fahrleistungen ist der schlanke, lange Rumpf des Verdrängers. Dieses Konzept kennt man von den einst in den Staaten üblichen Commuter Yachten. Länge läuft. Deshalb die gestreckte Wasserlinie mit dem schnittig schlanken Bug, der in einem markanten Rammsteven endet.

Die ‘Khalilah‘ - ein Gadget für den nächsten James Bond Film? © Palmer Johnson Die ‘Khalilah‘ - ein Gadget für den nächsten James Bond Film? © Palmer Johnson

Die geschickte Anordnung des Vorschiffs-Volumens und die geschwungene, Spritzwasser abweisende Kimmkante soll den Schlitten bei schneller Fahrt im Seegang halbwegs ruhig und trocken laufen lassen.

Leider haben schlanke lange Verdränger den entscheidenden Nachteil, übel zu schaukeln. Sie rollen bei Fahrt in offener See entsetzlich. Leider hört die Schaukelei vor Anker nicht auf. Deshalb erhielt das Boot seitliche Schwimmer zur Stabilisierung. Khalilah sieht auf den ersten Blick aus wie ein Einrümpfer, ist tatsächlich aber ein Dreirümpfer. Von achtern gesehen mutet das Boot wie ein exotischer Mittelmotor-Sportwagen an.

So ist die neue Palmer Johnson 48 m Supersport ein Dreirümpfer im Gewand eines Einrümpfers. Die Ausleger sind dicht den Mittelrumpf entlang geführt und geben dem Boot dort Breite wo es sie braucht: bei den Tendergaragen zum seitlichen Aussetzen der Beiboote, beim Salon und achtern vor dem Kai beim rückwärts einparken.

Natürlich ließe sich so eine komplexe Struktur mit all den Falzen, Fensterausschnitten, Kimmkanten, Rundungen, Wölbungen und Tunneln eventuell auch in Aluminium schweißen und spachteln. Doch wäre das zu aufwändig, zu schwer und in der Serie zu teuer. Die Gewichtsersparnis dank Karbon Bauweise soll bei 20 Tonnen liegen und trägt zum flachen Unterwasserschiff, wenig Tiefgang und widerstandsarm schnittigen Linien bei.

Den Rohbau lieferte die norwegische Brødrene Werft, ein Spezialist für spritsparende Schnellfähren. Ausgedacht hat sich die Supersport der neue Palmer Johnson Inhaber Timur „Tim“ Mohamed. Der berühmte Cricket Spieler und Geschäftsmann übernahm die vor einigen Jahren ins Straucheln geratene Traditionswerft und begann den Neustart mit einer modernen, sportlichen, wiedererkennbaren bis verblüffenden Produktlinie.

Vom Auftritt her läuft dieser goldene Donnervogel gefühlt 70 Knoten. Damit ließe sich der nächste James Bond Film drehen.

Länge 49 m, Breite 11 m, Tiefgang 1,6 m, Gross Tonnage 490, 2 MTU 16 V 2000 M64, Klassifikationen DNV, MCA, LY3, Reisegeschwindigkeit 14 kn bei 140 l/Stunde, Höchstgeschwindigkeit 32 kn bei ca 1.000 l/Stunde. 12 Gäste, 9-köpfige Crew, 7 m Beiboot, 27 qm Achterdeck, Panorama verglaste 67 qm Eignersuite im Vorschiff.

Palmer Johnson begann 1918 mit dem Bau und Reparatur von Fischerbooten in Sturgeon Bay/Wisconsin am Michigan See. Mit Übernahme durch Texas Instruments Gründer Pat Haggerty erfolgte die Spezialisierung auf den Aluminium-Yachtbau. Damals entstanden bei PJ namhafte Regattaboote wie „Kialoa III“, „Ondine VI“, „Scaramouche V“ oder „Tenacious“. 1979 lieferte die Werft die 30 m lange Hochgeschwindigkeits-Motoryacht „Fortuna“ für König Juan Carlos von Spanien.

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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