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Rasant reisen – auf Tragflächen

Autor: Michael Kunst
  

Es musste ja so kommen. Nachdem Foils unter spektakulären Regattabooten wie Moth, A-Cat und natürlich bei den AC72 des America’s Cups eine wahre Revolution einläuteten, sollen sie nun auch den Markt der Performance Cruiser erobern. Die nordamerikanische Werft „Gunboat“ wird mit ihrem nagelneuen Modell „G4“ zur Miami-Boashow erstmals einen Fahrtenkatamaran vorstellen, der auf Foils über dem Wasser schweben kann. Beginn einer neuen Ära?

Rasant reisen – auf Tragflächen
„Oh. My. God.“ So äußert sich Peter Johnstone zur Fertigstellung des ersten „G4“-Prototypen.

Gunboats hoben sich bisher schon rein optisch von den Mitbewerbern ab. Herausragende Segelleistungen und exquisiten Komfort packen die Gunboat-Designer unter der Leitung von Werftchef Peter Johnstone in gefällig-schnittige Formen, die sich wohltuend vom eher voluminös-plumpen Design manch anderer Fahrtenkatamarane unterscheiden. Auf den bisherigen Modellen Gunboat 55 und 60 rauscht der segelnde Jetset entlang der amerikanischen Küsten, durch die Wasser der Karibik oder von Bucht zu Bucht im Mittelmeer.

„Doch mit dem G4 wollen wir nun auch im buchstäblichen Sinne abheben,“ erklärt Johnstone kürzlich: „Wir werden mit Geschwindigkeiten, die wir auf Fahrtenkatamarane niemals für möglich gehalten hätten, sicher und entspannt über den Wassern schweben!“

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Sieht ziemlich rassig aus: „G4“ von Gunboats soll eine neue Ära im Fahrtensegeln einläuten.

Leicht bedienbare Technik

Die Designer und Konstrukteure bei Gunboat setzen dafür auf C-förmige Tragflächen, die im Gegensatz zu den L-Foils aus dem America’s Cup, eher unkompliziert zu handhaben sind. Ihr Anstellwinkel soll mechanisch um bis zu sieben Grad verändert werden, was wiederum „Flugleistungen“ bei unterschiedlichsten Bedingungen ermöglicht.

Der 12,14 Meter lange (39,82 Fuß) und 6,78 Meter breite „G4“ -Katamaran wird von einem 73- Quadratmeter-Groß, einer selbstwendenden 32 Quadratmeter-Fock und 55 bzw. 115 Quadratmeter großen, asymmetrischen Spinnakern angetrieben. Der Clou: Die zwei T-Ruderblätter und die C-Foils heben das immerhin 2,7 bis 4,3 Tonnen verdrängende Boot schon bei 12 Knoten Wind über die Wasseroberfläche – die G4 wird dann 18 Knoten schnell sein.

Wenn’s richtig kachelt, sollen Spitzengeschwindigkeiten von 40 Knoten möglich werden. Ziemlich rasant für einen Cruiser, der ja auch von einer normalen Familiencrew zu beherrschen sein soll. Die wird auf „G4“ nicht über die Maßen gefordert. Das Boot soll auch ohne muskelbepackte Grinder an den „Kaffeemühlen“ zu segeln sein. Dafür sorgen technische Features wie die hydraulische per Fußpedal zu bedienende Großschot, aber auch eine voll ausgestattete Kombüse oder Kojen mit Queensize-Betten. Eben Abheben im First-Class-Modus.

Foilen und Fahrtensegeln – passt das?

Liest sich utopisch, zumindest aber futuristisch? Mag sein, ist aber mittlerweile längst schön anzuschauende Realität. Der G4-Prototyp liegt bereits „im Lack“ in der Werft, nur am Innenausbau werden noch letzte Details verschraubt.

„Es mag pathetisch klingen,“ erklärt Gunboat-Gründer Johnstone, „aber ich habe noch nie so viel Herzblut in ein Boot vergossen, wie in das „G4“. Johnstone ist sich darüber im Klaren, dass sein Konzept polarisiert. Fahrtensegeln und Foilen – ist das wirklich zu vereinbaren?

Er verweist auf den für ihn wichtigsten „G4“-Aspekt: die Sicherheit.
„Es muss nicht unbedingt gefoilt werden. Das Boot kann so getrimmt werden, dass es im Wasser bleibt und nur konventionell auf zwei Beinen segelt. Aber um es auf den Punkt zu bringen: Die G 4 wird sich sicherer und besser auf Foils segeln lassen, als bei dauerhaftem Wasserkontakt!“

Erstmals werden also nicht nur Bootsbauer, Regattaspezialisten oder Technikfreaks auf die ersten Flugversuche eines foilendes Bootes ungeduldig warten, sondern auch die Fahrtensegler. Günstig wird der Spaß nicht sein. Ein konventionelles Gunboat in der 55 Fuß Version kostet schon ab 1,8 Millionen Dollar. Aber wenn das Tragflächen-Segeln funktioniert, bricht ohne Frage ein neues Cruising-Zeitalter an.

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Beeindruckender Größenvergleich: Peter Johnstone in den C-Foils seines G4-Katamarans.

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Segeln

Autor

Michael Kunst

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Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
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