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Do-it-Yourself 7 min Lesezeit

Schöner wohnen

Machen Sie es sich an Bord Ihres Gebrauchtboots gemütlich

Schöner wohnen
Neues Schott, Schandeckelverkleidung, Ablage und aufgemöbelte Wegerung wie anno 1979 © Swedesail

Ist Ihr Schiff dicht, lohnt es sich, den Kajütausbau aufzumöbeln, Polster und Stoffe zu erneuern. Hier eine Anleitung, wie Sie unter Deck Schritt für Schritt zu einem schönen Ergebnis kommen.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 28.12.2022

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • wann die Zeit zum Aufmöbeln des eigenen Bootes gekommen ist
  • warum das Boot vorher unbedingt ringsum dicht sein sollte
  • wie, wann und wo Sie es am besten angehen
  • Tipps zum Material und Beispiele zu den Kosten
  • wie viel Zeit es braucht

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Sie haben ein gebrauchtes Boot übernommen und die ersten wichtigen Jobs zum sicheren Betrieb sind abgehakt? Das Boot ist wirklich, also bei allen Fahrzuständen und nicht nur im Hafen rings um Luken, Fenster, Püttinge, Tankeinfüllstutzen, Handläufe oder Relingsfüße dicht? Es gibt nichts Lästigeres als solche Leckagen, über Jahre in die Kajüte tropfende Nässe. Haben Sie erst mal Salzwasser im Schiff, bleiben Polster, Gardinen und der Holzausbau klamm. Das ist an kühlen und feuchten Tagen unangenehm. Es müffelt und Sie fühlen sich an Bord nicht wohl. Schlimmstenfalls ist Ihre Partnerin mit der empfindlichen Nase nicht mehr dabei.

Ist Ihr Schiff dicht, lohnt es sich, Polster und Stoffe unter Deck zu erneuern und den Kajütausbau gezielt aufzumöbeln. Polster lassen sich theoretisch zu Hause in der Badewanne waschen und an einem sonnigen Platz über Tage trocknen. Besser ist es, wenn Sie gleich neue kaufen und die Bezüge dazu nähen lassen. Die Gardinen näht vielleicht die Partnerin. Beim Ausbau legen Sie selbst Hand an. Arbeit am Interieur braucht Zeit und ist entsprechend teuer. Das machen Sie mit etwas Geschick und Geduld besser selbst.

Nach etwa zwei Jahrzehnten ist ein Boot verwohnt. Viele Yachten der Siebziger- und Achtzigerjahre sind mit ansehnlich schiffigen Wegerungsleisten ausgebaut. Die Bordwandbekleidung hinter der Wegerung ist verstaubt, vielleicht schon heruntergerutscht, weil der Kleber nicht mehr hält, oder es die erwähnten Wasserschäden gibt.

Belohnen Sie sich mit sichtbaren Resultaten an Bord Ihres Bootes

Auch die Schandeckelverkleidung, das ist das Brett vor dem Übergang von der Bordwand zum Deck, ist dann meist fällig. Ebenso der vergilbte, wellige oder fleckige Himmel und die Bekleidung der Bordwand. Die schlechte Nachricht. Es braucht Geduld, einige Vorbereitungen und macht Arbeit. Über-Kopf Jobs unter der Verkleidung des Kajütdachs sind mühsam. Manche Sachen lassen sich nur zu zweit machen. Die gute: Es macht Spaß, weil Sie sich mit sichtbaren Resultaten an Bord Ihres Bootes belohnen.

Die Bordwand ist beklebt. Die ersten Wegerungsleisten sind angebracht
Die Bordwand ist beklebt. Die ersten Wegerungsleisten sind angebracht © Swedesail

Machen Sie es in Etappen, nehmen Sie sich Schritt für Schritt ein Thema vor. Also beispielsweise zunächst den Himmel, dann die Schandeckelverkleidung, dann die Bordwand. Und nehmen Sie sich Zeit dafür. Denn welcher Bootseigner hat Tischlerarbeiten, Innenausbau oder Dekoration gelernt? Wenn man sowas noch nie gemacht hat, dauert es lange.

Die Schandeckelverkleidungen meines Bootes, gemeint sind die Bretter vor dem Winkel zwischen Bordwand und Deck, hatte ich vor Jahren schon erneuert. Hierzu wurde dünnes Bootsbausperrholz zugeschnitten. Ich habe es beidseitig mit Klarlack gestrichen, damit der Dispersionskleber nicht vom unbehandelten Holz aufgesogen wird, die Himmelbespannung Blasen wirft und man gleich wieder von vorn anfängt. Dann wurden die Klebeflächen der lackierten Flächen wiederum angeschliffen, damit der Kleber überhaupt hält. Das lackierte Sperrholzbrett wurde mit dem Dispersionskleber eingestrichen und mit der dünnen weißen Bekleidung eingeschlagen. Eine aufwändige Prozedur und auch eine wahre Übung in Geduld.

Ursprünglich war die Wegerung auf Aluleisten montiert. Keine gute Lösung
Ursprünglich war die Wegerung auf Aluleisten montiert. Keine gute Lösung © Swedesail

Nachdem ich mal bei einer Nobelwerft gesehen hatte, wie den Paneelen mit selbstklebendem Klettband in ihren Booten anbringen, habe ich es nachgemacht. Das Klettband gibt es beispielsweise von 3M. Die Schandeckelverkleidungen sämtlicher Kajüten bleiben auch nach einem deftigen Segeltag an ihren Platz. Man sieht keine einzige Schraube. Also - diese Fummelei hat sich gelohnt. Es blieben die Hölzer darunter, die Bordwandbekleidung und die Wegerung.

Nachdem mein handwerklich begabter Segelfreund Uli und ich im April 2020 das notorisch undichte Schott zwischen Vorderkajüte und Ankerkasten ersetzt hatten und ich nach einigen Wochen Segeln im Frühsommer 20 mit unverkleidetem Vorschiff sicher war, dass es tatsächlich trocken ist, begann ich mit dem Ausbau des Vorschiffs. Die Wegerung und original Bordwandverkleidung von 1979 hatten wir bereits im Herbst beim Herausschneiden des Schotts entfernt. Die Wegerungslatten wurden für die flotte Montage später nummeriert.

Damit es durch die Bordwand aus glasfaserverstärktem Kunststoff tagsüber nicht hindurch schimmert, wurde sie mit neuer Ware beklebt. Das Material und den geeigneten Kleber dazu gibt es im gut sortierten Bootszubehör. Vorbereitend habe ich zunächst mit einem Spachtel die Reste der alten Bekleidung abgeschabt und alles mit Waschbenzin abgerieben. Man kann die Bordwand auch mit einem kleinen Deltaschleifer oder einem Exzenterschleifer zum Kleben vorbereiten. Das angeraute Laminat ist besser zum Kleben. Aber es ist eine üble Arbeit mit extrem ungesundem Glasfaserstaub. Das ist Gefahrenklasse Asbest für die Lunge. Die ekelhafte Arbeit mit Gasmaske und das tagelange Jucken der Glasfasernadeln in der Haut kannte ich noch vom Herbst 19.

Dann schnitt ich die Bordwandbekleidung zu und strich die Bordwand mit dem Kleber ein. Achten Sie auf Temperaturen über 15 Grad beim Verarbeiten des Klebers und darauf, dass die Kajüte gut gelüftet ist. Der Kleber ist ein ungesundes, übelriechendes Zeug. Halten Sie sich nur so lange wie nötig unter Deck auf. Wichtig ist auch, die Verarbeitungszeit genau einzuhalten. Der Fingerkuppentest verrät, wann es Zeit ist, die Bekleidung anzubringen. Überschaubar kleine Flächen können alleine mit der Bekleidung belegt werden, für größere Flächen ist es besser, wenn Sie zu zweit sind. Lassen Sie die Kajüte nach der Aktion mindestens einen Tag ausstinken.

Da die Bekleidung hinter der später angebrachten Wegerung verschwindet, spielen unebene Flächen oder kleine Falten keine Rolle. Man sieht sie später nicht.

Die Wegerung wurde geschliffen und geölt. Es sieht aus, wie frisch aus der Werft
Die Wegerung wurde geschliffen und geölt. Es sieht aus, wie frisch aus der Werft © Swedesail

Ein Thema für sich waren bei meinem Boot, einem schwedischen Werftbau von 1979, die Halterungen für die Wegerung. Sie bestanden aus mit Teakdekor beschichteten Aluminiumleisten. Die Niro-Blechschrauben zur Befestigung der Wegerungslatten saßen infolge Elektrolyse teils wie angeschweißt im Alu. Bei der Demontage rissen einige Schraubenköpfe ab. Ich habe die Aluleisten durch Holzlatten aus Teaksperrholz ersetzt. Das war im Vorschiff mit geraden statt gebogenen Wegerungshalterungen einfach. Die Latten habe ich auf die einlaminierten Stringer (Trägerprofile) der Bordwand geschraubt. Es ist aus naheliegenden Gründen wichtig, an der Bohrmaschine einen Anschlag einzustellen.

Herbst 21: Der Teakrahmen mit der verschlissenen Front ist ausgebaut
Herbst 21: Der Teakrahmen mit der verschlissenen Front ist ausgebaut © Swedesail

Viel Arbeit, aber unter dem Strich ein erfüllender Job war es, die Wegerungslatten aufzumöbeln. Unschöne Flächen schliff ich mit 80er bis 100er-Körnung, weiter ging es mit 120er, 180er bis 320er-Körnung. Da ich dafür keine Maschine habe, erledigte ich den Schliff von überschlägig 70 Metern Teaklatten in Maserrichtung in zwei Nachmittagen von Hand. Danach wurde alles mehrmals eingeölt und zum Ausstinken einige Stunden auf der Bank meines Segelvereins ausgebreitet. Ich habe die Sache im Sommer gemacht. Teaköl verursacht Kopfschmerzen und es ist nicht gesund, die Dämpfe einzuatmen.

Die Füllung aus Bootsbausperrholz wurde ersetzt, der Teakrahmen geschliffen
Die Füllung aus Bootsbausperrholz wurde ersetzt, der Teakrahmen geschliffen © Swedesail

Richten Sie sich an Bord schön ein

Ein befreundeter Bootsbauer empfahl mir sogenanntes Osmo Hartwachsöl aus dem Baumarkt. Danach wird das Teak mit 320er-Papier noch mal abschließend geschliffen. Ich habe das beeindruckende Finish mal auf einem seiner neuen Boote gesehen. Da ich noch altes Teaköl hatte, habe ich es zunächst aufgebraucht. Ich werde das Hartwachsöl bei nächster Gelegenheit ausprobieren.

Im Juni 22 ist der aufgemöbelte Schrank eingebaut
Im Juni 22 ist der aufgemöbelte Schrank eingebaut © Swedesail

Im Sommer 21 zog ich zufrieden in der aufgemöbelten Kajüte ein. Im Herbst baute ich den verwohnten Schrank steuerbord im Vorschiff aus und brachte die Bretter Bootsbauer Johannes Schultze nach Tötensen bei Hamburg. Schultze kennt meine handwerklichen Limits. Er gibt mir aufgemöbelte Altteile und neu zugeschnittene Bretter aus Teaksperrholz so vorbereitet mit, dass ich alles fast wie ein Ikeamöbel mit etwas Geduld und Spucke wieder ins Schiff kriege. Im Juni 22 war alles fertig. Es folgten neue Polster, außerdem 12 und 220 Volt Steckdosen für die jetzt ringsum trockene Kajüte. Schöner wohnen.

Der zeitliche Rahmen

Die Überholung des gesamten Vorschiffs mit entkerntem Boot vom Mastschott bis zum Ankerkasten erfolgte nebenbei im Lauf von drei Jahren. Das ist zugegeben ein langer Zeitraum, aber ich möchte das Boot nutzen, es wie gehabt segeln. Ich habe das Ausschneiden des Schotts im Boot hier beschrieben, die nächsten Schritte hier und die Montage des aufgearbeiteten Interieurs hier erklärt. Man kann das deutlich schneller - und teurer - in einem Zug von einer Werft machen lassen. Das Heraustrennen des vordersten Schotts aus dem Schiff war übel. Spaß hat der hier beschriebene Abschluss mit aufgearbeiteter Wegerung und dem stb. Schrank gemacht. Dafür habe ich mir neben dem Segeln etwa ein Jahr Zeit genommen und immer dann etwas gemacht, wenn ich Gelegenheit und auch Lust dazu hatte.

Kosten:

  • Holz für den aufgearbeiteten stb. Schrank: 182 €
  • Aufmöbeln des alten Rahmens und Zuschneiden neuer Bretter: 120 €
  • Bordwandbekleidung und Kleber für 4 1/2 qm: 74 €
  • Schrauben: 5 €
  • neue 11 cm Polster aus Schaumstoff mit Bezügen: 520 €

VG