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Alles dicht?

Tipps zur zügigen Beschaffung wichtiger O-Ringe an Bord

Alles dicht?
Ersatzteilseit mit O-Ringen zu einem üblichen Airmar Loggengeber © Swedesail

Wie Sie sich als Bootseigner mit geschickter Beschaffung spezieller O-Ringe auf Überraschungen an Bord vorbereiten und Probleme, Telefonate und Lauferei ersparen.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 28.07.2023, aktualisiert am 15.09.2023

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • Tipps zu urlaubsentscheidenden Ersatzteilen bei fünf üblichen Anwendungen
  • O-Ringe für Skylightgriffe
  • Dichtung für den Abflußstopfen der Bordtoilette
  • O-Ringe für den Loggengeber und Blindstopfen
  • O-Ring für den Tankdeckel
  • wie Sie die Ersatzteile in einem Aufwasch beim Industriebedarf statt Bootsausrüster bekommen
  • Infos zum Material und Werkzeug

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Es gibt an Bord moderner Boote und solchen mit erneuerten Skylights und üblichen Drehgriffen, ebenso bei der Bordtoilette, dem im Rumpf steckenden Loggengeber und unter den Tankdeckeln O-Ringe in verschiedenen Ausführungen. Kleine, große, dicke, dünne. Die lernen Sie kennen, wenn es von oben rein regnet oder von unten tropft. Dann ist es schön, wenn Sie die Teile schon mal gesehen, passenden Ersatz und auch das nötige Werkzeug zum Wechsel parat haben.

Zwar geht man deshalb mit seinem Boot nicht gleich unter, doch sind kleine Lecks lästig, wenn es auf Polster und Klamotten tropft. Die unscheinbaren Gummiringe sind Verschleißteile. Sie sitzen unter den Drehgriffen des Skylights und sind bald hin, wenn der Griff mit der Schraube (meist in Torx-Ausführung) von unten zu stark angezogen wurde. Oder wenn im sonnigen Süden Salz oder Sand das Gummi zerreibt.

Skylightgriff mit einem verschlissenen, einem neuen O-Ring und dem passenden Torx TX 20 Schraubenzieher
Skylightgriff mit einem verschlissenen, einem neuen O-Ring und dem passenden Torx TX 20 Schraubenzieher © Swedesail

Dichtring für den Abflußstopfen der Bordtoilette

Neulich entdeckte ich einen gerissenen O-Ring an der Drainage zum Trockenlegen meiner Jabsco Bordtoilette zum alljährlichen Einwintern des Bootes. Der Stopfen wurde einige Mal im Herbst raus- und im Frühjahr wieder reingedreht. Deshalb war die Dichtung hin.

Nun sollte der Stopfen dicht sein, weil er sich unter der Wasserlinie des Bootes befindet. Da mir die Suche im Internet zu zeitraubend war, erkundigte ich mich beim nächstgelegenen Bootsausrüster nach dem O-Ring, der ihn nicht vorrätig hatte. Angesichts des anstehenden Krantermins musste die Dichtung ohne großes Federlesen her. Der Bootsausrüster war so nett, mich auf einen Spezialisten in der Nähe hinzuweisen. Es war einige Fahrerei für ein Ersatzteil, wie diesen unverzichtbaren Gummiring. So ist es, wenn man ein Boot hat. Man telefoniert, läuft und fährt unglaublichem Kleinzeug hinterher.

O-Ring für den Abflußstopfen zum Entwässern/Einwintern der Bordtoilette
O-Ring für den Abflußstopfen zum Entwässern/Einwintern der Bordtoilette © Swedesail

Dichtringe für den Loggengeber und Blindstopfen

Moderne Loggen laufen mit einem durch die Borddurchführung gesteckten Impeller. Auch hier stellen O-Ringe sicher, das alles dicht bleibt. Einer sitzt unten am Impeller, der zweite oben unter der Überwurfmutter. Da ich ungern regelmäßig Seepocken aus dem Geber puhle, ersetze ich ihn am Wochenende nach dem Segeln oder bei langer Abwesenheit durch einen Blindstopfen. Auch der hat O-Ringe, die beim regelmäßigem Wechsel verschleißen. Bei ungeschickter Handhabung des Loggengebers oder des Blindstopfens reißen sie bald.

Der Blindstopfen für die Logge hat zwei O-Ringe, hier die gerissene unter der Überwurfmutter
Der Blindstopfen für die Logge hat zwei O-Ringe, hier die gerissene unter der Überwurfmutter © Swedesail

Wer den Loggengeber und Blindstopfen wechselt, meint es mit stramm angezogener Sicherungsmutter besonders gut, was O-Ringe nicht mögen. Wer hier mit der Rohrzange arbeitet, hat schon verloren. Denn die Borddurchführung ist aus Plastik. Rohe Gewalt ist schlecht. Man wird hektisch, wenn beim Wechsel ein Strahl Wasser entgegenkommt. Dann werden mit dem hastig reingestopften Geber oder Blindstopfen die O-Ringe beschädigt. So habe ich vor Jahren mal bei Busse Yachtshop das abgebildete Ersatzteilset mit einem Reserveimpeller, der Achse und den entsprechenden O-Ringen gekauft. Bei älteren Fabrikaten, die nicht mehr hergestellt werden, ist es schwierig, die passenden Dichtungen zu bekommen. Das Ersatzteilsortiment für Boote riesig und die Händler haben nicht alles vorrätig.

Auch der Tankdeckel für Diesel hat einen O-Ring
Auch der Tankdeckel für Diesel hat einen O-Ring © Swedesail

O-Ring unter dem Tankdeckel

Dieseltanks werden über Drehverschlüsse im Cockpitboden oder seitlich an Deck befüllt. Im Plichtboden sammelt sich Sand und Schmutz, der die Dichtung beim Öffen oder Zudrehen des Deckels zerreibt. Ist der O-Ring unter dem Deckel hin, gelangt Wasser in den Sprit. Leider reicht bereits etwas Wasser im Sprit und es geht klammheimlich mit der gefürchteten Dieselpest los. Verschleimter Diesel legt Ihnen schlimmstenfalls die Maschine still und macht viel Arbeit. Es lohnt sich also, den Tankdeckel und den unscheinbaren O-Ring ab und zu beim Tanken anzuschauen, ihn sauber zu halten und passenden Ersatz an Bord zu haben.

Der O-Ring lässt Schmutz und Wasser draußen
Der O-Ring lässt Schmutz und Wasser draußen © Swedesail

Wie Sie flott an die Kleinteile kommen

Doppelt hält besser. O-Ringe für den Airmar Geber und Blindstopfen der Logge
Doppelt hält besser. O-Ringe für den Airmar Geber und Blindstopfen der Logge © Swedesail

Die Beschaffung ist zeitraubend. Wenn Sie ein neues Skylight, ein neues Bord-WC oder neue Geber für Ihr Boot kaufen, bestellen Sie daher die passenden O-Ringe am besten gleich mit. Für die Bord-Toilette gibt es Sets mit üblichen Verschleißteilen. Beim Skylight wird es schon schwieriger. Da führt der Weg meist über den Hersteller zum Fachhandel. Mit einigen hoffentlich rasch beantworteten E-Mails sind Sie am Ziel. Sie sollten für die zügige Beschaffung das eingebaute Fabrikat und Modell, idealerweise die Seriennummer oder das ungefähre Baujahr kennen. Diese Angaben beschleunigen die Sache. Falls Sie Ihre kostbare Freizeit ungern mit solchen Fisimatenten verbringen, lohnt es sich, das Thema einmal wie folgt anzuschauen und zu erledigen.

Der untere O-Ring des Loggen-Blindstopfens
Der untere O-Ring des Loggen-Blindstopfens © Swedesail

Tricksen Sie Murphy aus

Ganz gleich, ob Sie ein werftneues oder gebrauchtes Boot übernehmen, gucken Sie nach, welche O-Ringe es an Bord gibt. Bauen Sie den O-Ring aus und messen den Innendurchmesser im entspannten Zustand und die Materialstärke mit der Schieblehre. Wenden sich an einen Spezialisten. Ich wurde neulich bei der Suche nach dem erwähnten O-Ring für die Bordtoilette auf die Firma Ewald Kongsbak in Lübeck aufmerksam. Kongsbak hat ein großes Sortiment und die Mitarbeiter holen Centartikel passend aus dem Lager. Solche Spezialisten für Industriebedarf gibt es in vielen Städten.

Das Material nennt sich NFL 70. Es handelt es sich um einen Industriestandard für viele Anwendungen im üblichen, an Bord ausreichenden Temperaturbereich. Die Materialstärke des O-Rings bezeichnet der Fachhandel als Schnurstärke.

O-Ringe ausprobieren und in beschriftete Tütchen packen

Am besten bestellen Sie gleich mehrere O-Ringe. Denn das teuerste an der Aktion ist neben Ihrer Zeit der Versand. Montieren Sie die O-Ringe probehalber. So sehen Sie, ob Sie richtig gemessen haben und die Verschleißteile eines Tages auch passen. Und damit Sie irgendwann irgendwo unterwegs die vor einer Weile mal besorgten Dichtungen in der passenden Ausführung an Bord finden, beschriften Sie die Tütchen. Dann ist der Wechsel flott gemacht. Nach Murphy's Law halten bekanntlich die Verschleißteile lange, die Sie an Bord vorrätig haben. Wichtig ist auch passendes Werkzeug. Die Griffe der gängigen Skylight namens Moonlight des dänischen Hersteller BSI beispielsweise sind mit 20er Torxschrauben montiert.

Der Beitrag macht deutlich, warum Sie dem unbedingt zu beherzigenden Kis-Prinzip folgen sollten. Denn bereits die fünf Beispiele stammen von meinen zweckmäßig ausgestatteten Boot. Was glauben Sie, wievielen Ersatzteilen Sie für eine aufwändig ausgerüstete Yacht hinterher laufen? Da kommen Sie gar nicht mehr aufs Wasser.

Hinweis: Alle erwähnten Produkte wurden vom Autor regulär gekauft.

Fazit: Ähnlich wie Motoröl, der Reservekeilriemen oder der Impeller zur Kühlung der Maschine, wie Reserveklappen und eine Gummimembrane für die Bilgenpumpe sollten Reserve-Dichtringe an Bord sein. Dann nutzen Sie Ihr Boot unbesorgt, telefonieren oder laufen im Urlaub solchen Kleinteilen nicht hinterher.

VG