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Verschiedenes13 min Lesezeit

Oh wie schön ist Dänemark

Tipps zum Ausbüxen in dänische Gewässer

Oh wie schön ist Dänemark
Unterwegs zwischen den Inseln Falster und Møn © Swedesail

Dänemark ist aus guten Gründen Traumziel vieler Wassersportler. Es liegt vor der Tür und ist dank Plotternavigation und moderner Wetterprognosen ein bequemes, sicheres und für Einsteiger geeignetes Revier. In der Ferienzeit sind einige, jedoch nicht alle Häfen überlaufen. Größe und Tiefgang des Bootes entscheiden über die Möglichkeiten.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 24.12.2022

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • wie Sie mit dem Boot unterwegs in Dänemark glücklich werden
  • warum sich das Revier für Einsteiger so gut eignet
  • warum Einsteiger/Charterer Svendborg besser auslassen
  • wie Sie mit überlaufenen Häfen und Schiffermützenträgern umgehen
  • warum Sie mit einem handlichen Boot und wenig Tiefgang am besten fahren
  • Tipps zum Ankern und zur Plotternavigation
  • die Sache mit dem Wetter

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Deutschland hat bei 2.400 km Küste knapp 84 Millionen Einwohner. Dänemark bei 5.300 km keine 6 Millionen Einwohner. Das erklärt die wunderbar entspannte Lebensweise der Dänen. Hinzu kommen der selbstverständliche Umgang mit Booten und die endlosen Sommerabende.

Im Sommer 22 gondelte ich wieder mal durch das sogenannte Dansk Sydhav. So nennen die Einheimischen das überwiegend geschützte Gewässer des "dänischen Südmeeres" südlich des Kleinen und Großen Belts. Es ist eigentlich eine sachliche, geografische Bezeichnung. Doch schwingt bei einer Südsee mehr, die Sehnsucht nach dem Paradies mit. Es gibt hier so viele Inseln, Buchten und Häfen und so große Erwartungen, dass da jeder Motorbootfahrer und Segler hin möchte. Von vielen Häfen Norddeutschlands braucht man gerade mal einen halben oder einen Tag dorthin. Das ist Vor- und Nachteil zugleich.

Es ist erstaunlich, wie einfach man in Dänemark Ruhe finden kann

Nachmittags im Grønsund zwischen den Inseln Falster und Møn
Nachmittags im Grønsund zwischen den Inseln Falster und Møn © Swedesail

Obwohl die Südsee morgens ihrem Namen mit reichlich Sonne und wenig Wind alle Ehre machte, segelten wir gegen Mittag das schmale Fahrwasser von Marstal bei einem köstlichen am Wind Kurs Richtung Drejø. Diese Route ist die beliebteste Möglichkeit vom Süden Richtung Kleiner Belt, Faaborg oder Ærøskøbing zu kommen. Entsprechend viel war los. Glattes Wasser, der Wind kein Grad zu westlich. All die Bojen, Sandbänke und Inseln entlang zu rauschen war ein unvergessliches Segelfest. Wir konnten die ganze Strecke anliegen und kamen schon am frühen Nachmittag in Ærøskøbing an. Jeder Dänemarkurlauber mit Boot kennt diesen Hafen mit den wellig gepflasterten Straßen zwischen windschiefen, puppenstubengroßen Fachwerkhäusern. Ich vermeide hier das abgegriffene Wort mit 5 Buchstaben, darunter ein "y" und zwei "g".

Ærøskøbing ist das klassische Dänemarkziel jedes Bootsurlaubers
Ærøskøbing ist das klassische Dänemarkziel jedes Bootsurlaubers © Swedesail

Prima dachte ich. 15 Uhr. So früh war ich noch nie in einem Hafen. Da wird es schon einen Platz geben. Pustekuchen! Jeder Steg, jede Box war bereits belegt. Die Boote stapelten sich bereits an der Hafeneinfahrt im Päckchen. Die Ankommenden tuckerten Boxengasse für Boxengasse ab. Meine Bitte, irgendwo längsseits gehen zu dürfen, wurde mit den üblichen Antworten (ungern, ich lege morgen ganz früh ab, bitte nicht meine Reling anfassen) eindeutig beantwortet. Schließlich fand sich ein Platz mit dem gestreckten Bug zum flachen Ufer hin.

Liegeplatzsuche in Ærøskøbing
Liegeplatzsuche in Ærøskøbing © Swedesail

Der allsommerliche Andrang auf Avernakø, Lyø, Drejø, in Marstal, Fåborg, Svendborg oder Troense ist groß. So legen viele Bootsurlauber früh ab, um im nächsten Hafen einen brauchbaren Liegeplatz zu bekommen. Mancher motort auch gleich die ganze Strecke, damit er schnell da ist. Irgendwie eine komische Art, die kostbare Zeit auf dem Wasser zu verbringen und ganz sicher nicht meine. Es erinnert an den Pauschalurlauber, der morgens vor dem Frühstück sein Handtuch auf der besten Liege des Hotels am Pool auslegt.

Irgendein Platz findet sich meistens: Zur Not mit dem Bug über dem flachen Ufer an Land
Irgendein Platz findet sich meistens: Zur Not mit dem Bug über dem flachen Ufer an Land © Swedesail


Auch segele ich zu gerne, um die schönsten Stunden draußen unter Segeln statt im randvollen Hafen zu verbringen. Die perfekte Zeit auf dem Wasser ist für mich der späte Nachmittag und Abend. Da gibt's oft den besten, konstanten Wind. Alle sind schon im Hafen und die Wasserfläche ist schön leer. Vor allem das Licht ist traumhaft, wird mit endlos sinkendem Sonnenstand weich. Es gibt nichts Schöneres, als bei einer stetigen Brise im glatten Wasser ein vom Abendlicht beschienenes Ufer mit wogendem Schilf entlangzusegeln. Die Natur mit all ihrem Zauber liegt mir mehr als der überbelegte Hafen, dessen Charme sich kaum vom Campingplatz unterscheidet. Was also tun?

Draußen auf 3 m Wasser bei Ommel/Ærø: Natur und Ruhe statt Rummel
Draußen auf 3 m Wasser bei Ommel/Ærø: Natur und Ruhe statt Rummel © Swedesail

  • Ankern. Es erspart Ihnen die übliche Hafenrally mit der Jagd um den besten oder letzten freien Liegeplatz. Der Nachteil ist, dass Sie nicht an Land kommen oder der Weg per Beiboot mühsamer ist. Sie können sich nicht versorgen. Die Tanks sollten voll sein. Der Vorteil ist die wunderbare Ruhe. Wenn Sie noch wenig Erfahrung mit dem Ankern haben, probieren Sie es aus. Viel Leine oder Kette geben (Wassertiefe mindestens x 3, eher 5). Was kann bei üblichem Wetter im Schutz eines Ufers auf 3-4 m Wasser schiefgehen? Das Schöne am Ankern ist, dass man draußen bleibt, Wind und Wellen ganz anders erlebt. Eine deutlich bessere Atmosphäre als im Hafen, wo Boot an Boot eingepfercht wie die Ölsardinen liegt. Traumhaft ist es beispielsweise hinter der nördlichen Landzunge von Lyø zu ankern. Nach dem herrlichen Sonnenuntergang hinter grasenden Kühen genießen Sie im August einen phantastischen Sternenhimmel und haben morgens beim Frühstück an Deck dann wieder das Gefühl, mit dem Boot in der Nähe einer Alm zu liegen. Ein Platz zum Bleiben und bei üblichem Westwind ringsum sicher. Der Verband der dänischen Fahrtensegler hat gelbe, mit DT bezeichnete Bojen für seine Mitglieder ausgelegt. Kommt man spät abends an und eine der Bojen ist noch frei, kann man das Boot auch dort anbinden.

Draußen bleiben, inne halten, die Natur genießen

Mit Glück findet man abends eine freie Boje der Dansk Tursejler

  • Pfeifen Sie auf den besten Liegeplatz. Segeln Sie einfach, wann und so lange es Ihnen passt. Es gibt immer, auch in Marstal oder Svendborg noch einen Platz irgendwo außen im Päckchen. Manchmal starte ich erst nachmittags, segele in den Abend hinein und packe das Boot irgendwo außen drauf. Ich diskutiere schon lange nicht mehr, ob ich irgendwo längsseits gehen darf. Sollte es die einzige Möglichkeit sein, wird vorsichtig längsseits gegangen und fertig. Ist der Innenlieger unangenehm oder absehbar laut, wird das Boot vorher gedreht und mit dem Vorschiff neben seinem Heck angebunden. Wer in der Hochsaison in einem vollen Hafen niemand längsseits gehen lässt, obwohl es möglich ist, sollte es vielleicht mal mit einem Schrebergarten probieren. Meist erweisen sich muffelige Landsleute (Deutsche), die keinen Außenlieger haben möchten, dann doch als nett und sogar hilfsbereit.

Ankeridyll hinter der Landzunge von Lyø
Ankeridyll hinter der Landzunge von Lyø © Swedesail

  • Ein Nachteil der beliebten und an üblichen Routen liegenden dänischen Häfen ist der große Anteil deutscher Skipper. Der prototypisch deutsche Skipper neigt leider dazu, ungefragt zu belehren. Nun stirbt der germanische Schiffermützenträger, der überall erklärt, wie es zu laufen und wie man sein Schiff anzubinden hat, langsam aus. Ich bekomme es seit vier Jahrzehnten erklärt. Und wenn dann doch wieder so ein Prachtexemplar mit weißer Mütze oder blauem Elbsegler am Steg steht, hole ich tief Luft und lassen ihn so, wie er ist. Je weiter nördlich Sie in Dänemark unterwegs sind, desto seltener ist diese Spezies anzutreffen: Ausnahme: Ballen auf Samsø und Anholt.

Sonnenaufgang über Langeland

  • Meiden Sie die gefragten Häfen in der Hochsaison und steuern diese stattdessen in der Vor-, Zwischen- oder Nachsaison an. Im September ist es in Fåborg, einem Hafen, der in den vergangenen Jahren toll hergerichtet wurde, im ansonsten vollen Drejø oder Ærøskøbing wunderbar.

  • Boote mit wenig Tiefgang wie Jollen- oder Kleinkreuzer, die kleine bis mittelgroße Motoryacht, mit einem Tiefgang um einen bis 1,50 Meter bieten im Flachwasserevier Dänemark ganz andere Möglichkeiten. Damit liegen Sie beispielsweise im idyllischen Drejø Gammelhavn statt im vollen Haupt- und Fährhafen von Drejø. Es ist Welten schöner und gut möglich, dass Sie drei Tage statt eine Nacht bleiben. Mit wenig Tiefgang sind flache, ringsum geschützte Buchten erreichbar, durch die Sie zum Spaziergang an Land waten. Wunderschön ist die Bucht von Albuen im Westen Lollands, wo Sie mitten in der Natur ringsum geschützt am Großen Belt mit Long Island oder Sylt-Feeling liegen. Hier verbringen Sie mit wenig Tiefgang herrliche Tage und Nächte weitgehend allein. Mit Tiefgang um die 2 m liegen Sie vor dem meistens geschützten Nordoststrand und setzen mit dem Beiboot über. Häfen wie Birkholm, Hjortø oder Skarø sind allein mit Booten deutlich unter 2 m Tiefgang möglich. Wenn Sie also die nächsten Jahre aufgrund Ihrer familiären oder beruflichen Verhältnisse (schulpflichtige Kinder oder wenig Zeit für den Sommertörn) in Dänemark Bootsurlaub machen, suchen Sie gezielt ein Boot mit möglichst wenig Tiefgang. Es ist natürlich ein Kompromiss zulasten der Am Wind Segeleigenschaften, aber einer, der sich lohnt. Was ist Ihnen und Ihrer Familie wichtig? Passt das Boot wirklich zum Revier? Meine Swede 55 mit 2,15 m Tiefgang im Grunde nicht. Es gibt zu viele schöne Häfen und Liegeplätze, die für mich mit diesem Boot unerreichbar sind.

Hestehovedet bei Nakskov auf Lolland
Hestehovedet bei Nakskov auf Lolland © Swedesail

Dänemark ist mit Boot + Zeit wunderbar

  • Weichen Sie aus. Bereits ein oder zwei Tagestörns weiter nördlich und Sie haben im dänischen Hafen nicht mehr den Eindruck, in einer deutschen Marina gelandet zu sein. Das Sydfynske Ohav, das Gewässer im Süden der Insel Fünen zwischen Langeland, Ærø, rings um die Insel Tasinge und dem Kleinen Belt ist in der Hochsaison immer überlaufen. Wie wäre es stattdessen mit dem Smålandsfahrwasser im Süden der Insel Seeland? Hier sind die Distanzen und offenen Wasserflächen größer, was sich bei viel Wind aus West bemerkbar macht. Ab 5 Windstärken und entsprechendem Seegang wird es mit dem Kleinkreuzer mühsam und mit der Motoryacht schwabbelig. Da sollte man sich das Wetter ein, zwei Tage vorher genau angucken.

  • Der Guldborgsund trennt Lolland von Falster, ist landschaftlich wunderschön und ideal für Motorboote und Segelyachten mit wenig Tiefgang.

  • Dank genauer Standortbestimmung und Darstellung der Verhältnisse auf dem Plotter ist die Navigation auf der weiten Wasserfläche des Smålandsfahrwasser mit zahlreichen Untiefen mittendrin einfach. Karrebæksminde oder Skælskør auf Seeland sind tolle Ziele. Die Ansteuerung von Skælskør durch das gewundene enge Fahrwasser mit Kühen am Ufer ist ein Idyll. Bei meinem letzten Besuch war ich einer von vier Deutschen - zwischen Dutzenden dänischer, meist unbewohnter Boote. Und es war kein Schiffermützenträger dabei. Keiner, der meckerte, dass das Heck hinten zu weit durch die Pfähle ragt. Urlaub ohne Erläuterungen zu guter Seemannschaft - oh wie schön ist Dänemark!

  • Seien Sie gerade im kräftig durchströmten Großen Belt vorsichtig mit den Wassertiefen. Vor Albuen im Westen Lollands ist es deutlich flacher, als auf den Karten und dem Plotter dargestellt, ebenso nordöstlich von Omø. Umfahren Sie diese Untiefen im weiten Bogen. Setzen Sie hier bei schönem Wetter auf, kommen Sie mit dem Schrecken davon. Bei Seegang knackt es im Gebälk. Behalten Sie im Hinterkopf, dass moderne kurzkielige Yachten bei harter Grundberührung kaputtgehen.

Nehmen Sie sich Zeit für Dänemark - und sich

Lassen Sie als Einsteiger und Gelegenheitsnautiker (Charterer) den Stadthafen von Svendborg aus. Je nach Windverhältnissen ist der Hafen leicht bis kräftig durchströmt. Hier gibt nur bestimmte Liegeplätze mit dem Bug oder Heck in Strömungsrichtung (annähernd Nord-Süd), wo man problemlos an- und auch wieder wegkommt. In Svendborg gehen An- und Ablegemanöver regelmäßig schief. An manchen Tagen geht es im Svendborgsund zu wie auf dem Rhein. Sollten Sie dennoch nach Svendborg wollen, lassen Sie das Boot in Troense und nehmen für den Stadtbummel den historischen Dampfer.

Sind Sie selten auf dem Wasser oder haben nach langer Auszeit eine Yacht gechartert, achten Sie bei der Auswahl des Hafens auf den Wind und Platz im Hafenbecken. Enge, zugleich auflandigem Wind ausgesetzte Häfen bedeuten ab 5 Windstärken Streß. Bei ablandigem Wind ist das Manövrieren im Schutz der Häuser oder Bäume Welten einfacher und manchmal überhaupt erst machbar. Moderne U-Spantige Boote treiben schneller als was einem lieb ist, quer. Diesen Schlamassel kann man sich ersparen. Ich halte es mit meinem unhandlich langen Boot ohne Bugstrahlruder genau so. Bei problematischen Windverhältnissen lasse ich bestimmte Boxengassen aus. Ich weiß auch, dass bestimmte Liegeplätze mit dem Boot nicht gehen.

Rødvig auf Seeland ist bei Bootsurlaubern unterwegs zum oder vom Öresund beliebt und im Sommer entsprechend voll
Rødvig auf Seeland ist bei Bootsurlaubern unterwegs zum oder vom Öresund beliebt und im Sommer entsprechend voll © Swedesail

  • Nehmen Sie sich Zeit für Dänemark und sich. Üblicherweise planen Wassersportler auch im Urlaub ordentlich Strecke. Meist geht es Rund Fünen oder Rund Seeland. Dann folgen Sie dem Treck, legen automatisch in üblichen Häfen entlang der Strecke wie beispielsweise Bagenkop, Spodsbjerg, Lohals oder Kerteminde an. Am nächsten Morgen müssen sie schon weiter, weil Sie halt eine feste Route innerhalb einer gegebenen Zeit abfahren. Auch wenn es unterwegs herrlich auch dem Wasser ist. Wie viel sehen Sie dabei von Dänemark?

Wie schön ist es stattdessen, die herrliche Bucht von Korshavn an der Nordspitze Fünens mal zwei Tage zu genießen. Zum Spazierengehen, Dösen, Baden, Lesen, einfach an Bord rumlungern. Urlaub ohne Agenda.

Korshavn bietet Schutz, einen Liegeplatz in Windrichtung, dazu Wasser und Strom
Korshavn bietet Schutz, einen Liegeplatz in Windrichtung, dazu Wasser und Strom © Swedesail

Die Sache mit dem Wetter
Das dritte große Thema beim Dänemark-Urlaub an Bord ist natürlich das Wetter. Hier haben Sie entweder einfach Glück oder Zeit. Am besten beides. Auch wenn die letzten Segelsommer in Dänemark nach meiner Beobachtung wunderbar waren: Wer Pech hat, dem verhagelt unsicheres Wetter mit grauem Himmel, Regen und Starkwind den Urlaub. Vor Jahren steuerte ich während eines solchen durchwachsenen Segelsommers mal eine kleine Halbinsel namens Kalvø an der Ostküste Jütlands an. Sie liegt eine Bucht weiter nördlich von Apenrade. Ein dickes Tief mit viel Regen und reichlich Westwind war angekündigt. Wir fanden einen geschützten Platz mit dem Bug in Windrichtung und blieben zwei Tage bei tropischen Regengüssen. Als es aufriss, belebten sich die Nachbarboote mit einheimischen Seglern zur Mittwochsregatta. Später trafen sich die Oldtimerfans mit ihren schicken Wagen auf dem Parkplatz gegenüber. Die Dänen haben ihre Art, mit dem Wetter umzugehen. Sie nehmen es einfach so, wie es ist und genießen die Stunden zwischen den Güssen.

Eine Entdeckung war der Besuch des Museums im ehemaligen Herrenhaus. Denn auf Kalvø verwirklichte ein Schiffbauer seine Idee, an der ringsum tiefen Genner Bucht Rahsegler mit allem Drum und Dran auf Kiel zu legen, vom Stapel zu lassen und aufzutakeln. Ein kurioses, leider nur kurzes Kapitel dänischen Schiffbaues und kühnen Unternehmertums. So eine verrückte Geschichte entdeckt, wer sich beim Urlaub Zeit nimmt. Ich hatte Jahre zuvor schon mal für eine Nacht an einem der Außenstege gelegen, mich über das große weiße Haus gewundert, aber nichts von der Insel und seiner Geschichte mitbekommen. Sehr schön ist in Kalvø auch der Spaziergang um die Halbinsel zwischen Schilf und Weiden und der Weg in die Hügel Jütlands über der Insel.

Kalvø an der Ostküste Jütlands
Kalvø an der Ostküste Jütlands © Swedesail

So sind nicht unbedingt Ballen, Bagenkop, Gedser, Klintholm, Rødvig oder Spodsbjerg mit all den durchreisenden Deutschen, Holländern, Dänen oder Schweden meine Lieblingshäfen. Es sind eher Häfen, in denen nichts los ist. Häfen mit krummen Dalben oder rostigen Pfosten, betagten Segel- oder Motorbooten, die lange keine Politur gesehen haben und zufriedenen Eignern, die ab und zu mal an Bord kommen, freundlich nicken und jeden so lassen, wie er ist. Da denke ich jedes Mal ans Auswandern. Für mich ein Zeichen, dass ich erholt und beinahe so entspannt unterwegs bin, wie die Dänen vermutlich 365 Tage im Jahr.

Vor einer Weile kam ich abends mal vor Fejø an. Das ist eine der südlichen Inseln im Smålandsfahrwasser. Der Hafen von Dybvig war so voll, dass ich mit dem schmalen langen Boot rückwärts langsam in die Sackgasse tuckerte und fast am Ende neben einem Vierpäckchen zum Stehen kam. Ein freundliches Nicken. Gibt mal deine Leine. Jemand nahm uns das Stromkabel ab, damit wir nicht über sämtliche Boote klettern und die Steckdose suchen. Abends gab's auf den Bänken gegenüber eine Supersause. Toll, dachte ich, wie die hier ihre Familienfeiern abhalten. Dabei hatten sich die Einheimischen noch nie gesehen und bloß an den Tischen zusammen einen schönen Abend verbracht. Während der zwei Tage, die wir in Dybvig blieben, wurden mehrere Boote aus dem hinteren Winkel heraus bugsiert, um unser Heck gefingert und Richtung Ausfahrt geschubst. Es dauerte. Alle hatten Zeit. Und - ob Sie es glauben oder nicht: Es war wirklich keiner da, der erklärte, wie es geht. Wieder so ein Moment, wo ich an Auswandern dachte.

Viererpäckchen in Dybvig auf Fejø
Viererpäckchen in Dybvig auf Fejø © Swedesail

Hatte ich schon erwähnt, dass sich die Insel Fejø mit seinen alten Gehöften und Obstplantagen wunderbar zu Fuß erkunden lässt und ich zwei Tage dort so kurz fand, dass ich da irgendwann mal wieder hin muss? Tja, und dann gibt es ja noch den langen und geschützten Roskilde Fjord und die Gewässer rings um Aarhus. Kenne ich noch nicht. Muss ich mal auf eigenem Kiel hin. Natürlich mit ordentlich Zeit in der Backskiste.

Richten Sie Ihr Boot zum Ankern her

  • Mit einem gescheiten Ankergeschirr, idealerweise aus zwei handlichen Ankern bestehend, liegen Sie auch bei Wind ruhig und sicher. Das Boot schwojt (pendelt) nicht so weit. Sollte mal ein Anker rutschen, hält der Zweite. Ich habe mittlerweile den Kettenvorlauf abgeschäkelt und ankere nur noch mit Leine. Das erleichtert die Handhabung. Eine Ankerwinsch brauche ich bei 16 kg Anker nicht. Siehe dazu auch Keep it simple.
  • Besorgen Sie sich eine große Bordnetzbatterie (ausgelegt auf den größten Verbraucher, die Kühlbox). LEDs statt Glühbirnen sparen Strom. Es kann, muss nicht gleich die teure, aufwändig einzubauende und hässliche Solaranlage sein. Zur Not lassen sich Bier oder Wein auch in der außenbords hängenden Pütz kühlen. Es gibt keinen besseren Weinkühler als die Ostsee. Die Trinktemperatur stellen Sie über die Wassertiefe ein (viel Leine = kalt, wenig Leine leicht abgekühlt). Lag die Flasche vorher in der Bilge, hat die Flasche zum Abendessen die richtige Temperatur.
  • Wenn Sie gerne und oft ankern, brauchen Sie ein Beiboot, das sich bequem aussetzen lässt und für die Nacht oder zum Segeln flott verstauen (Schlauchboot, Faltlösung a la Bananaboat oder starres Beiboot).

VG