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Fast perfekt

Autor: Michael Kunst
  

Es gibt keine perfekte, gebrauchte Fahrtenyacht! So, das war die schlechte Nachricht. Doch da das Leben bekanntlich gerade im Wassersport ein Auf und Ab ist, folgt sogleich die gute Nachricht: Es gibt den fast perfekten, gebrauchten Cruiser! Sein Name: Sun Odyssey 45.2.

Fast perfekt

Wahre Schönheit lässt sich nun mal nicht mit x-fachen Lackschichten, blütenweißen Segeln und Kratzer-freiem Interieur definieren. Wahre Schönheit liegt in Formen und Linien begründet und begeistert über Generationen hinweg durch eine gewisse Augengefälligkeit, eine gute Portion Funktionalität und vor allem artgerechte Segeleigenschaften. Auch dann, wenn noch Gebrauchsspuren vorhanden sind oder das Interieur nicht mehr werftneu duftet.

Die Sun Odyssey 45.2 ist so ein Schiff. Nahe an der Perfektion für Cruiseryachten gebaut, begeistert sie heute noch Hunderte Eigner und verführt so manchen kaufwilligen Skipper zum Träumen.

Eine Yacht, die mit „Glück“ beworben wurde

Selbstverständlich ist jede Werft von ihrem Produkt voll und ganz überzeugt. So warb auch Jeanneau noch kurz vor der Jahrtausendwende mit Begriffen wie „Emotionen, Glück und Perfektion“ für ihr Erfolgsmodell, bevor dessen Bau 2003 eingestellt wurde. Doch damals hatte die Werft bereits zehn Jahre Erfahrung mit ihrer Sun Odyssey 45.2 und auf dem Salon Nautique im Jahre 2001 wurde das Jeanneau-Management mit den Worten zitiert: „Wenn ich nur ein Boot aus unserer gesamten Angebotspalette der letzten Jahre empfehlen dürfte, dann wäre dies sicherlich die einzigartige Sun Odyssey 45.2

Doch was macht diesen Cruiser so besonders? Fangen wir mit dem ersten Eindruck an und nölen gleich ein wenig herum: Zwar sind die Formen gefällig und durchaus ansprechend, nur… einzigartig wohl kaum. Zumindest aus heutiger Sicht. Im Zeitgeist der Neunzigerjahre gebaut, ist die 45 Fuß lange Yacht kein echte Hingucker, sondern eher mit konventionellen Proportionen ausgestattet. Die haben aber eben das Zeug dazu, ein Klassiker zu werden.

Der zweite Blick offenbart, dass mit 4,5 Metern max. Breite zu Beginn des hinteren Drittels durchaus außergewöhnliche Maße zum Tragen kommen. Doch die sind wohl eher dem Innenleben der Yacht geschuldet, als dass sie einen besonderen Effekt auf den Look und die Segeleigenschaften hätten.

Apropos segeln. Ganz egal ob man sich zum ersten Mal mit einer Sun Odyssey 45.2 auf den oder die See begibt oder ob man als gestandener Skipper in wenigen Worten die Segeleigenschaften der Yacht beschreiben soll, kommen unterm Strich immer wieder die gleichen Eindrücke zum Tragen. Die Sun Odyssey 45.2 ist eher einfach zu segeln, liegt (wenn korrekt getrimmt) hervorragend mit angenehm leichter Luvgierigkeit auf dem Ruder und macht einen robusten, mitunter etwas allzu stäbigen Eindruck in der Welle.

Mit ihr können auch kleine Crews relativ schnell cruisen; worauf übrigens auch die gesamte Schot- und Fallführung ausgerichtet ist. Alles läuft bis in den hinteren Bereich des Cockpits, auf der Ostsee und im Mittelmeer sind zudem einige Sun Odyssey 45.2 bekannt, die konsequent einhand gesegelt werden. Rigg, Kiel und Ruder sind einfach konzipiert und brauchen nur die übliche Wartung. Manche Eigner haben später zwar „umgerüstet“, doch fährt nahezu die gesamte Sun Odyssey-45.2-„Flotte“ mit Rollgroß.

Für eine Cruiser-Yacht dieser Größe sind sehr gute Segeleigenschaften am Wind zu verzeichnen – vor dem Wind bringt die Yacht je nach Segelbekleidung und somit möglicher Spi-Wahl ebenfalls gute bis exzellente Speedwerte auf die „Uhr“.

Ist Speed beim Cruisen von Belang?

Doch das ist eigentlich eher sekundär wichtig. Denn wer sich für eine Sun Odyssey 45.2 begeistert, will keine Geschwindigkeitsrekorde brechen, aber eben auch nicht flügellahm als Letzter in die Häfen kommen. Nein, diese Yacht bietet wie alle wahren Schönheiten neben Äußerem auch reichlich „innere Werte“.

Zwei Modellvarianten wurden seinerzeit von Jeanneau angeboten. Die Eigner-Version mit einer Eignerkajüte vorne und zwei Doppelkajüten im Heckbereich. Die Charter-Version wurde mit zwei Doppelkabinen im Bug ausgestattet.

Aus der Breite von 4,5 Metern ließ sich natürlich einiges an Platzangebot im Cockpit wie auch im Inneren „zaubern“ . So wurde ein Salonkonzept mit Längspantry ohne die ansonsten oft notwendigen „Tricks“ (wie etwa eine verschiebbare Sitzbank o.ä.) französisch-lässig verwirklicht. Das Interieur ist rein optisch – wie bei nahezu allen Fahrtenyachten – stark davon abhängig, wie sehr das „Mobiliar“ gelitten hat.

Schlaue Verkäufer spendieren deshalb ihrem Schiff eine neue Holzlackierung für die inneren Bereiche und/oder neue Polster. Ein Aspekt, der beim Kauf im Preisgefüge übrigens durchaus zu berücksichtigen ist. Die Sun Odyssey 45.2 von Jeanneau schaffte es so zu einer der erfolgreichsten Yachten in Europa – ganz egal, ob sie als Charter- oder als Eigneryacht genutzt wurde.

Reichlich Platz

Sechs bis acht Personen können auf dieser Yacht längere Törns unternehmen – luxuriös wird es, wenn beispielsweise eine vierköpfige Familie darauf unterwegs ist. Jedes Kind mit eigenem „Reich“ achtern und Mama und Papa vorne in der großen Eignerkabine… was soll da noch beim Familientörn schief gehen?

Die Fachwelt ist sich einig: Wer zwischen 90 und 150.000 Euro für eine gebrauchte Fahrtensegelyacht ausgeben will, ist mit der Sun Odyssey 45.2 bestens bedient. Klassische Problemstellen, die immer wieder Kummer bereiten, sind der Szene bei diesem Cruiser jedenfalls nicht bekannt.
Und wie gesagt: Die perfekte, gebrauchte Fahrtenyacht gibt es wohl nicht. Aber „nahe der Perfektion“ ist auch schon eine einzigartige Reputation.

  • Länge: 14,5 m
  • Breite: 4,48 m
  • Tiefgang: Flossenkiel-Version 2,0 m – Kurzkiel 1, 60 m
  • Gewicht: ca. 10 Tonnen (je nach Ausbau)
  • Motor: 59 – 65 PS
  • Tank: 200 Liter
  • Frischwassertank: 400 oder 600 Liter
  • Großsegel: 35 qm // Rollgroß
  • Genua: 60 qm
  • Spinnaker: 130 qm

Autor

Michael Kunst

Geschrieben von

Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
In mikus Flotte befinden sich u.a. ein 25 Jahre junger Laser Standard und ein etwas ausgeleierter Mini 6.50 Prototyp (No. 247), mit dem er vor Lorient auf dem Atlantik unterwegs ist.

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