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Je schneller, desto sparsamer (Advanced Aerodynamic Vessel)

Autor: Michael Kunst
  

Wer heute Motorboote bauen und verkaufen will, kann längst nicht mehr nur auf kraftvolle Pferdestärken setzen. Vielmehr spielen Treibstoffverbrauch sowie Hydro- und Aerodynamik entscheidende Rollen. Eine französische Start-Up-Werft baut derzeit einen spannenden HighSpeed-Katamaran in Kleinserie, der im Wellengang 45 Knoten Geschwindigkeit fährt – und dabei immer weniger Treibstoff verbraucht!

Je schneller, desto sparsamer (Advanced Aerodynamic Vessel)

Designer und Bootsbauer träumen schon seit Langem davon, konnten aber das Prinzip «Energie sparen durch konsequente Aerodynamik» noch nie zuvor so erfolgreich umsetzen. Die Werft A2V (Advanced Aerodynamic Vessels) in La Rochelle/Frankreich ist gerade dabei, eine echte Revolution im Bootsbau einzuläuten: Sie nutzt den Fahrtwind eines Motorkatamarans, um das Boot anzuheben, also «leichter» zu machen und somit Sprit bei der reduzierten Verdrängung zu sparen.

Im Aufschwung

Was sich hier etwas verwirrend liest, ist in der Theorie und am Computer schon x-mal erdacht, berechnet und geprüft, jedoch noch nie so ausgiebig in der Praxis getestet worden.

Seit mehr als 18 Monaten rasen die A2V-Ingenieure und Designer nun schon mit ihrem Katamaran-Prototypen entlang der französischen Atlantikküsten und zeigen in nahezu jeder Wetterlage, dass ihnen mit dem futuristisch anmutenden Motorboot ein ganz großer Wurf gelungen ist.

Doch schön der Reihe nach. Das vollständig aus Karbon gebaute Boot ist 10,5 Meter lang und 7,5 Meter breit. Die etwas wulstige, fast schon aufgeplusterte Form ist der Aerodynamik (oben, außen wie unten, zwischen den Rümpfen) und einem gewissen Komfort für Skipper und seine Passagiere geschuldet.

Der Katamaran wird von zwei 200 PS starken Außenbordern auf Touren gebracht und entwickelt dank seiner speziellen Form schon bei relativ niedrigen Geschwindigkeiten – die A2V-Ingenieure sprechen von 8-10 Knoten – ein deutlich spürbares, «anhebendes Moment».

Das wiederum ist durch einen Stau des Fahrtwindes möglich, der zwischen den beiden Rümpfen respektive Schwimmern weht. Ungefähr in der Mitte des Bootes wird durch diesen (verlangsamt abfließenden) Luftstau ein Auftrieb erzeugt (siehe Zeichnung), der den fahrenden Katamaran tatsächlich anhebt.

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Mit zunehmender Geschwindigkeit Sprit sparen

So wird nicht nur die Verdrängung des Bootes reduziert, sondern auch der Ritt über die Wellen «geschmeidiger». Der Hauptnutzen dieses Auftriebeffektes liegt beim deutlich reduzierten Treibstoffverbrauch: Den A2V-Ingenieuren ist das Kunststück gelungen, ausgerechnet bei zunehmender Geschwindigkeit… Sprit zu sparen! Anders formuliert: Je schneller der A2V-Katamaran unterwegs ist, desto weniger Treibstoff verbrennt er.

In Zeiten, da Foils und Tragflächen sowieso schon für Revolutionen im Bootsbau sorgen (siehe:Die Zukunft hat begonnen), ist der A2V-Katamaran mit einer Ignoranz des Prinzips «auf Foils über die Wasser schweben» eine ziemlich freche Erscheinung.

Worauf zumindest einige Unternehmen ganz offensichtlich gewartet haben. Denn derzeit entstehen in der kleinen Start-Up-Werft in La Rochelle zwei Auftragskatamarane, von der sich A2V erhofft, dass sie der Beginn einer Serie sind. Das größere Modell, ein 15,5 Meter langer A2V-Katamaran, wird für das Öl-Logistik-Unternehmen Peschaud gebaut, das den Kat für den Zubringer-Service zu Ölplattformen vor der Westafrikanischen Küste einsetzen will.

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Das Boot wird 25 Passagieren und einer fünfköpfigen Besatzung Platz bieten und bei einer Autonomie von 600 Kilometern Spitzengeschwindigkeiten von 50 Knoten und Langfahrt-Durchschnittsgeschwindigkeiten von 40 Knoten erreichen. Peschaud will mit dem Katamaran die verhältnismäßig teuren Helikopterflüge zu den Ölplattformen drastisch reduzieren und später sogar ganz einstellen. Der relativ geringe Zeitverlust auf den schnellen Kats stehe in keinem Verhältnis zu den gesparten Kosten, ist seitens Peschaud zu vernehmen.

Die Szene horcht auf

Der zweite, derzeit im Bau befindliche A2V-Katamaran wird 11,5 Meter lang und auf dem Genfer See verkehren. Von seinem Heimathafen Evian aus soll dieses «Luxus-Shuttle» mit 50 Knoten Speed bis zu 12 Passagiere zum Flughafen, zum Golfplatz oder gleich zum Hotelsteg bringen. Geht’s noch mondäner und exklusiver?

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Die französische Motorsportbranche spricht laut von einem revolutionären Ansatz und attestiert dem Prinzip des «Auftriebs durch Fahrtwind» eine große Zukunft. Auch die Wassersportszene hat bereits aufgehorcht, es ist von seriösen Gesprächen mit Benéteau die Rede.

Gleiten wir also schon bald nur noch mit Fahrtwind-Auftrieb über die Wasser? Wer weiß? Doch eines ist sicher: Mit dem Blick auf die brandneuen A2V-Katamarane sind wir Zeuge einer zukunftsträchtigen Innovation geworden.

Wenn Sie nicht bis zur Serienreife der A2V-Katamarane warten wollen: Ein Großteil unserer Motorboote auf boat24.com sind mit ausreichend PS bestückt, um in voller Gleitfahrt über die Meere und Seen zu rauschen. Wenn auch hierbei der anhebende Effekt durch den Fahrtwind eher unerwünscht sein dürfte.

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Autor

Michael Kunst

Geschrieben von

Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
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