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HR 312 MK 2: Für Vernunft-Ehen und Liebesbeziehungen

Autor: Michael Kunst

Hallberg Rassy 312 – eine Fahrtenyacht, mit der man jede Art von Beziehung eingehen kann.

HR 312 MK 2: Für Vernunft-Ehen und Liebesbeziehungen
HR 312 MK 2 am Wind © Hallberg Rassy

Es gibt Yachten, in die verknallt man sich stante pede…und bleibt dabei. Solche Begegnungen werden aufgrund ihrer weitreichenden Tragfähigkeit häufig mit dem Schicksal in Verbindung gebracht und sind oft der Anfang einer wunderbaren Beziehung, vielleicht sogar einer tiefen Liebe zum Objekt. Sehr oft heißt es dann, «man habe sich gefunden» – der Skipper sein Boot, mitunter auch das Boot seinen Skipper.

Ganz wie im «wahren Leben» gibt es in den Beziehungen zwischen Eigner/Skipper und Boot nicht nur die tief empfundene Liebe, sondern auch noch die Vernunftehe. Diese wird beispielsweise von überzeugten Regattasaglern gerne dann mit einer Fahrtenyacht eingegangen, wenn die Familie größer geworden ist (und dieselbe auch noch mit aufs Wasser will) oder wenn gewisse Alterszipperlein einen Abstand zu der Hektik auf den Regattabahnen notwendig machen.

Fahrten-Yachten aus dem Hause Hallberg-Rassy sind schon seit Jahrzehnten bekannt dafür, dass sie und ihre Eigner beide Beziehungsvarianten mit großer Begeisterung leben. Die hervorragende Reputation der Werft in Sachen Verarbeitungsqualität, die hohe Sicherheit der Boote in allen Lebenslagen, bei allen See-Bedingungen und die meist mit «gut bis sehr gut» bewerteten Segeleigenschaften der HR-Yachten prädestinieren sie für langwierige Beziehungskisten. Der hohe Wiederverkaufswert aller Hallberg Rassy Yachten – manche Beziehungen scheitern eben doch oder haben ein natürliches Ende – spricht für sich und verleiht solchen Techtelmechteln einen zusätzlichen Reiz.

Eine der beliebtesten Hallberg-Rassy Fahrtenyachten war und ist die zwischen 1979 und 1993 gebaute «312», von der immerhin 690 Boote die Werft verließen. Bis 1986 hieß die im schwedischen Ellös, auf der Insel Orust gefertigte Baureihe «MK1», danach dann folgerichtig «MK2». Beide Varianten unterscheiden sich durch unterschiedliche Fenster-Ausrichtung (bei MK1 im typisch-HR-blauen Seitenstreifen, bei MK2 in die Aufbauseiten, um hellere Lichtverhältnisse unter Deck zu schaffen). Zudem wurde in der MK2 die zuvor nur optional erhältliche Hundekoje zum Standard und durch eine neue Ausrichtung der Inneneinrichtung hatte man in der MK2 in der Pantry mehr Bewegungsfreiheit. Rumpf und Rigg sind bei beiden Varianten gleich.

ursrpünglicher Plan der MK1 © Hallberg Rassy ursrpünglicher Plan der MK1 © Hallberg Rassy
Plan 2 der «312» © Hallberg Rassy Plan 2 der «312» © Hallberg Rassy

Innen «Fahrten», außen «Segeln»

Für viele Segler sind die schwedischen Hallberg Rassys der Inbegriff des Fahrtensegelns. Das hat interessanterweise viel mit der Inneneinrichtung zu tun – kaum eine andere Werft scheint den Geschmack der Fahrtensegler so gut getroffen zu haben, wie die Schweden mit ihrem schiffigen Interieur.

Die Hallberg Rassy 312 wurde in beiden Varianten in Mahagoni-Holz ausgebaut, die Anordnung der Einrichtung wird wohl am besten mit dem Begriff «zweckmäßig» beschrieben. Wer auf einer 312 erstmals unter Deck blickt, wird überrascht sein von der Heimeligkeit, die einen dort erwartet. Exakt ausgeführte Holzarbeiten, die ihre bootsbauerische Qualität vor allem in langer Haltbarkeit ohne optische Verluste offenbaren und eine von Seglern für Segler angeordnete Einrichtung machen den Aufenthalt «unten» zu einer Wohlfühltour. Besonders nach langen Törns endlich im Hafen oder dann, wenn es draußen etwas ruppig weht.

Die Pantry ist geräumig und standardmäßig mit kardanisch aufgehängtem Gasherd und einem Backofen ausgestattet. Gegenüberliegend der für das letzte Jahrtausend gängige Navigationstisch mit seitlichen Staufächern. An Steuerbord wurde ein L-Sofa eingesetzt, das auch zum Schlafen genutzt werden kann, auf Backbord eine Koje für die Freiwache. Im Vorschiff die gängige V-Koje mit zwei Schlafplätzen, die man getrost mit «geräumig» bezeichnen darf. Eine eher üppig dimensionierte Nasszelle mit Toilette trägt zum gängigen Fahrtenkomfort genauso bei wie drei Klappluken und zahlreiche Lüfter, die für Klimaverbesserung im ganzen Boot sorgen.

Schiffiger Salon in Mahagoni © Hallberg Rassy Schiffiger Salon in Mahagoni © Hallberg Rassy

Starker (Fahrten-)Charakter

Spätestens wenn man die ersten Manöver auf der Hallberg Rassy 312 gefahren ist, wird klar, dass es sich hier um ein echt «rassyges» Fahrtenboot handelt – Platz im Sinne von Geräumigkeit und Sicherheit haben in jeder Hinsicht Priorität. Irgendwelches Strippen-Gedöns, um noch einen halben Knoten mehr Fahrt aus dem Schiff heraus zu kitzeln, wird man auf dem sehr übersichtlich angelegten Decksbereich vergeblich suchen.

Das fängt schon mit dem Vordeck an, wo ein großzügig dimensionierter Ankerkasten mit genügend Platz für langen Kettenvorlauf eingelassen wurde (die Schweden sind bekanntlich Weltmeister im Ankern). Auf dem Vordeck ist ordentlich Platz zum Segelwechseln, wahlweise Sonnenbaden. Relativ breite Seitendecks und eine hohe Seereling machen den Weg nach vorne und achtern auch bei eher kernigen Windverhältnissen sicher. Apropos, das tiefe Cockpit vermittelt – eben echt skandinavisch – ein weiteres Gefühl von Sicherheit.

Im Original verbaute HR einen Traveller, wie das für die damalige Zeit für Fahrtenschiffe sehr en vogue war. Man hatte verstanden, dass effektiver Mast- und Segeltrimm auch auf Fahrtenyachten elementar ist. Doch bei der HR 312 geriet der Traveller ziemlich kurz, wenn nicht sogar zu kurz, so dass seine Effektivität zumindest fragwürdig erscheint. Viele Eigner von HR 312 haben deshalb die meist nur störende Schiene gegen einen leistungsstarken Baumniederholer ausgetauscht, der einen besseren Job leistet als der Traveller.

Obwohl die Hallberg Rassy 312 nicht serienmäßig mit einem Teak-Stabdeck geliefert wurde, entschieden sich die meisten der damaligen Neuboot-Käufer für diese Option. Eine Hallberg Rassy ohne Teakdeck war eben damals keine «echte»… Zudem zeigte sich gerade beim Verlegen des Holzdecks, was die HR-Bootsbauer «drauf» hatten: Es sind jedenfalls keine Fälle bekannt, bei denen am Deck aufgrund von Verarbeitungsfehlern seitens der Werft nachgebessert werden musste. Dennoch ist es auch beim Kauf einer gebrauchten HR 312 ratsam, das Teakdeck intensiv zu überprüfen. Mit dessen Zustand fällt und steigt – wie übrigens bei allen anderen Booten auch – der Wiederverkaufswert. In einigen Foren weisen die Eigner von HR 312 MK1 darauf hin, dass sich auf dem Brückendeck mitunter Wasser sammelt und dort das Teak schneller anfängt zu gammeln.

Unter Jockel

Serienmäßig wurde ein Volvo Penta-Diesel mit einer Leistung von 28 PS in die die Hallberg Rassy 312 eingebaut. Für Hafenmanöver oder eine gemütliche Anfahrt, auch bei viel Wind gegenan, durchaus ausreichend. Wenn auch die Yacht unter Motor aufgrund des Saildrives mitunter etwas schwerfällig reagiert. Seitliche Winde sorgen übrigens immer wieder für «Hafenkino» mit dem eher massigen und fülligen Boot. Nicht nur deshalb haben manche Skipper, vor allem solche, die gerne alleine oder «nur» zu zweit unterwegs sind, ein Bugstrahlruder nachgerüstet.

Gutmütig unter Segeln

Man sollte sich bei den Segelqualitäten nichts vormachen: Die Hallberg Rassy 312 ist ein reines Fahrtenboot. Kein Performance-Cruiser, kein Cruiser-Racer, sondern eine gutmütig reagierende, in jedem Wetter sichere Fahrtenyacht. Gebaut für Menschen, die ohne Hektik und Stress auf dem Wasser sicher von A nach B kommen wollen. Die nicht bei jedem Segel am Horizont in Regattamodus verfallen oder eine persönliche Befriedigung aus zwei Zehntel-Knoten Geschwindigkeitsgewinn aufgrund eines besser getrimmten Vorsegels ziehen. Und dennoch kann man ab ca. drei bis vier Beaufort relativ flott auf dieser Yacht unterwegs sein. Die HR 312 mag kabbelige Wellen, setzt relativ weich in die Dünung ein, fährt gute Höhe und kann bis einschließlich fünf Beaufort ihr Vollzeug am Wind stehen lassen. Die meisten Eigner berichten, dass ihre Yacht vor allem auf raumen Kursen «Klasse zeigt».

Wer sich also auf eine neue/alte Beziehung einlassen will und dafür eine etwas betagtere, aber jung gebliebene und «rassyg» wirkende Fahrtenyacht in Erwägung zieht, sollte sich zu einem Kennenlern-Rendez-Vous oder zumindest auf ein Speed-Dating mit der Hallberg Rassy 312 einlassen. Merke: Auch in Vernunft-Ehen kann es zu wahrer Liebe kommen!

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Autor

Michael Kunst

Geschrieben von

Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
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