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Broadblue 385: Entspannt cruisen

Autor: Michael Kunst
  

Wassersportler, darunter vor allem Segler, nehmen die fein gestylten Hochglanzbroschüren großer Werften und edler Bootsbauer gerne beim Wort. Das kann zu herben Enttäuschungen führen, da die werblichen Versprechungen bekanntlich mitunter etwas von der Realität abweichen. Bei den Broadblue-Katamaranen, insbesondere beim Modell 385, ist das aber offensichtlich nicht der Fall.

Broadblue 385: Entspannt cruisen
Broadblue 385

Zwar wirbt auch die britische Werft nicht gerade mit Understatement-Tönen. So gehören Schlagwörter wie „edel, perfektes Reisen, exklusiv, Nonplusultra, Luxus und eleganter Reisegenuss“ seit Jahren zum PR-Repertoire bei Broadblue. Aber im Unterschied zu so manchem Mitbewerber erscheinen sie sie meist gerechtfertigt. Zumindest wird dies in Blauwasserforen und nach zahlreichen Tests behauptet.

Doch fangen wir von vorne an. Ein wenig verdankt Broadblue, unter dessen Label heute Performance-Zweirumpfer wie die Rapier-Modelle 550 und 400 sowie Luxus-Fahrtenkatamarane wie die Broadblue 345 und 385 verkauft werden, seinen Erfolg dem Niedergang einer anderen Werft.

Als die Werft der legendären Prout-Brüder, die als Reise-Katamaran-Pioniere Geschichte geschrieben hatten, im Jahre 2002 zum zweiten und endgültigen Male Pleite ging, wechselte der damalige Managing-Director zu den gerade neu gegründeten Broadblue-Machern.

Und, man lese und staune, wie durch ein Wunder glich die kurz darauf im Jahre 2005 vom Stapel gelaufene Broadblue 385 in Form und Segelverhalten der überall gelobten Prout 38, dem letzten Modell aus dem Hause „Prout“.

Erfolgreichstes Modell der Werft

Die Anleihen bei Design und Konzeption sollten sich bewähren, denn seither ist der Broadblue 385-Katamaran das erfolgreichste Modell in der Broadblue-Range; wenn auch einige Konzessionen an technische Entwicklungen im Laufe der letzten Jahre gemacht wurden.

Um nochmals darauf zurückzukommen, dass man bei Broadblue „hält, was versprochen wird“, haben wir in Internet-Foren, Reiseblogs und bei internationalen Tests ein wenig recherchiert. Hier die wichtigsten Aussagen:

  • Dieser Katamaran ist tatsächlich für Langdistanz-Cruising konzipiert: Schot- und Fallführung ins Cockpit, auf langen Etappen unter schwierigen Wetterbedingungen bewährter Autopilot, ausgewogene Beseglung, kein Regattaschnickschnack, robustes und langlebiges Equipment;
  • aufgrund eines großzügigen Raumangebotes und einer smarten Raumaufteilung kann man als (kleine) Familie oder als Paar hervorragend darauf leben, auch auf wirklich langen Törns;
  • das Boot ist leicht zu segeln und vollständig auf Einhand- bzw. Shorthand-Betrieb ausgerichtet. In seiner Heimat Großbritannien gilt der Broadblue 385-Katamaran als das „ideale Fahrtenboot für „Sie und Ihn“;
  • die Yacht segelt sicher, ist dafür aber (für moderne Katamaran-Verhältnisse) nicht gerade berauschend schnell (bis zu 12 Knoten) da relativ schwer;
  • die Broadblue 385 kann in Sachen Seegang und Schwerwetter einiges vertragen, wurde sie doch ursprünglich für die Solent-Gewässer, für den kabbeligen Ärmelkanal und den nördlichen Atlantik entwickelt;
  • die Yacht segelt eher „trocken“, auch in rauerer See, die Sicht vom Steuerstand aus ist bestens;
  • Motor, Elektrik und unterer Mastbereich sind gut zugänglich;
  • insgesamt ist das Boot für sein hervorragendes, „entspanntes“ Segelverhalten, seine Haltbarkeit, Robustheit und vor allem hervorragende Verarbeitung bekannt.

Nur wenig Kritik

Dagegen liest sich die Liste kritischer Punkte relativ schnell. Eigner haben berichtet, dass

  • das relativ hohe Gewicht mitunter auf langen Schlägen für Katamaran-Fans, die auf Geschwindigkeit aus sind, nervtötend sein kann;
  • es nur sehr wenig Stauraum im Cockpitbereich gibt;
  • die Verkabelung zur Ankerwinde offenbar anfällig ist.

Außerdem wird darauf hingewiesen, dass manche Gebrauchtschiffe auf dem Markt im Inneren stark verwohnt seien.

Drei Versionen der 385 wurden mittlerweile auf den Markt gebracht, die offenbar alle die o.g. Vorteile mitbringen. Wie in diesem Preissegment üblich, wird die Broadblue 385 nach Kundenwünschen ausgebaut, wenn es auch Standard-Versionen gibt.

Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt, so dass beim Kauf eines Gebrauchtschiffes darauf geachtet werden sollte, dass man sich zunächst nach dem „Innenausbau-Plan“ des angepeilten Broadblue 385 erkundigt, bevor man sich in den „Rest“ des Katamarans verliebt.

Aber die Chance, wirklich Enttäuschendes im Inneren des Broadblue-Katamarans zu erleben, ist außerordentlich gering. Vor allem die sehr schiffigen Holzausbauten, und das handwerkliche Finish des Interieurs werden immer wieder gelobt.

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Ausbau ist Geschmackssache

Es ist eben alles Geschmackssache. So soll es Eigner geben, die den vorderen Bereich eines Rumpfes zu einer „Tauchstation“ mit Sicht unter Wasser umbauen ließen. Eine Option, die sicherlich Sinn macht, wenn man eine Weltumseglung oder zumindest längere Aufenthalte in der Karibik, im Mittelmeer oder der Südsee plant.

Alles in allem steht der Broadblue 385-Katamaran für sicheres Cruising auf den vielzitierten Sieben Meeren. Wer also längere Blauwasser-Törns plant und dafür einen entspannt zu segelnden Katamaran sucht, der auch gebraucht meistens das hält, was in den Hochglanzbroschüren versprochen wird, der ist mit dem „very british“ Broadblue 385 gut beraten.

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Technische Daten Broadblue Katamaran 385

Länge ü.a. : 11,78 Meter
Breite: 5,98 Meter
Verdrängung: 7,71 Tonnen
Tiefgang: 1,05 Meter
Dieseltanks: 2 x 235 Liter
Wasserkapazität: 475 Liter
Großsegel: 28 Quadratmeter
Genua: 49,5 Quadratmeter
Motoren: 2 x 30 PS Diesel, Saildrive

Autor

Michael Kunst

Geschrieben von

Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
In mikus Flotte befinden sich u.a. ein 25 Jahre junger Laser Standard und ein etwas ausgeleierter Mini 6.50 Prototyp (No. 247), mit dem er vor Lorient auf dem Atlantik unterwegs ist.

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