Ratgeber für den Bootsverkauf8 min Lesezeit
Wann ist die beste Zeit zum Bootsverkauf?
Überlegungen zum richtigen Zeitpunkt für das Inserieren Ihres Bootes

Warum beim anstehenden Verkauf eines Bootes rasch zu handeln ist, sofern er finanziell, gesundheitlich, alters halber oder sonst wie persönlich veranlasst ist. Wie der Verkauf clever angebahnt wird und warum das Frühjahr die ideale Jahreszeit ist.
Von Erdmann Braschos
Das erwartet Sie in diesem Artikel
- übliche Gründe für den Verkauf
- fünf Antworten zur Frage
- persönliche und finanzielle Erwägungen
- Thema Scheidung
- saisonale Gesichtspunkte
- wie Sie sich in den Käufer hinein versetzen
- abschließende Tipps für ein erfolgreiches Inserat
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Boot verkaufen
Wenn Sie erstmals an den Verkauf Ihres Bootes gedacht haben, inserieren Sie es besser gleich. Für dieses vielleicht noch vage, seltsame, womöglich auch vorerst unpassend erscheinende Gefühl, sich vom Schiff zu trennen, kann es verschiedene Gründe geben. Das Boot ist beispielsweise zu klein. Sie möchten sich verändern, verbessern oder vergrößern.
Bieten Sie Ihr Boot an, sobald Sie daran gedacht haben
Vielleicht passt der Wassersport auch vorübergehend oder absehbar nicht mehr zu den persönlichen, beruflichen oder finanziellen Verhältnissen. Ein finanzieller Engpass beispielsweise, eine neue berufliche Herausforderung woanders oder eine Ehescheidung steht im Raum? Vielleicht möchten Sie mal einen anderen Schwerpunkt in Ihrem Leben setzen. Oft gibt es gesundheitliche Gründe oder das fortgeschrittene Alter veranlasst den Schritt.
All das sind Gründe, nicht mit dem Verkauf zu warten. Denn von der Entscheidung über das Inserat, die Kontakte und Verhandlungen mit den Interessenten bis zur Transaktion kann und wird es dauern. Im Idealfall geht der Verkauf rasch, vielleicht binnen zwei Wochen über die Bühne. Die Sache kann sich aber auch über Monate hinziehen. Dann ist es besser, wenn Sie vorab, vom Gedanken bis zum Inserat, keine Zeit vertrödelt haben. Hinzu kommt, dass der Verkauf eines Bootes keine schöne Sache ist. Wie in anderen Lebensbereichen auch - etwa einem Zahnarztbesuch - ist es am besten, unangenehme Themen bald anzupacken. Manche Dinge werden durch bloßes Abwarten nicht besser.
Boote sind wie Sportwagen Luxusgüter. Sie lassen sich nicht, wenn überhaupt, dann zu schlechten Konditionen beleihen. Bei finanziellen Schwierigkeiten interessiert sich die Bank nicht fürs Boot. Zeichnet sich also solch eine Phase ab, handeln Sie besser gleich. Müssen Sie verkaufen, spürt der Käufer das bei den Verhandlungen. Der clevere Käufer tastet meist schon im ersten Gespräch ab, warum das Boot angeboten wird. Müssen Sie verkaufen und haben zu lange gewartet, ist Ihre Verhandlungsposition weich. So unschön die Sache ist: Schaffen Sie sich als Verkäufer mit der zügigen Anbahnung des Verkaufs Spielraum.
Nehmen Sie mit dem Verkauf des Bootes ein emotionsbeladenes Thema aus der Scheidung
Bei einer Scheidung gibt es die teure Variante der kostenpflichtigen Bewertung durch einen Gutachter. Die eine Partei hofft auf einen möglichst hohen Zeitwert, die andere wünscht sich einen niedrigen. Es ist kein Geheimnis, dass Gutachter ihren Auftraggebern das liefern, was diese lesen wollen. Die Einschätzung des Zeitwertes kann und wird möglicherweise angezweifelt. Schlimmstenfalls kommt es zu zwei Gutachten und einem Streit um den Bootswert. Papier, so heißt es, ist geduldig. Das Büttenpapier von Rechtsanwälten und Gutachtern ist besonders geduldig. Brauchen Sie diesen Nebenkriegsschauplatz, die sich daraus ergebende Korrespondenz und die Kosten?
Die Kosten der Bootsbewertung und etwaige Fragezeichen entfallen, wenn Sie das Boot rechtzeitig inserieren und es gelingt, es während der Klärung der Scheidungsmodalitäten zu verkaufen. Beim Verkauf ist der erzielte Erlös der Marktwert. An dem gibt es wenig zu wackeln, sofern der Verkauf abgesprochen und der Erlös realistisch und nachvollziehbar ist. Entlasten Sie diese für beide Seiten emotional schwierige Lebensphase mit einer zügigen und transparenten Klärung dieses Thema per Verkauf des Bootes. Wenn Sie einen ordentlichen Preis für das Boot erzielen wollen, erwähnen Sie keinesfalls beim Gespräch mit Interessenten Ihre aktuellen persönlichen Verhältnisse. Wurde das Boot rechtzeitig inseriert, haben Sie im Idealfall bei der abschließenden Beurkundung der Scheidung alle Fragen vom Tisch.
Ein Boot ist immer mehr als ein Boot
Sie haben an Bord des Bootes gemeinsam mit Ihrem Expartner oder Ihrer Expartnerin schöne Wochenenden, Urlaube, wertvolle Quality-Time erlebt. Das Boot ist also jenseits des „Sachwerts“ emotionsbeladen. Das spricht dafür, zunächst einmal einen Strich zu ziehen und – wer weiß – vielleicht später mit einem anderen Boot abzulegen, nach dem Motto: neues Boot, neues Glück.
Erwägen Sie den Verkauf des Bootes, hat das Interesse am Schiff nachgelassen. Die Begeisterung für die Auszeit an Bord ist weg. Die Freude, es zu nutzen und zu pflegen, ist nicht mehr da. Sind Sie nur noch selten oder gar nicht mehr an Bord, bleiben Sie ohne Gegenwert auf den laufenden Kosten für die Motoryacht oder den Unterhaltskosten für die Segelyacht sitzen.
Die Beispiele machen deutlich: Zögern Sie nicht, nehmen Sie das Heft in die Hand.
Inserieren Sie Ihr Boot im Frühjahr
Jenseits dieser Überlegungen gibt es saisonale Gesichtspunkte. Die beste Jahreszeit zum Verkauf des Bootes ist das Frühjahr. Dann wollen alle wieder raus aufs Wasser. Liegt das Boot im Mittelmeer und dort ganzjährig im Wasser, kommt der Interessent bereits im März oder rings um die Osterfeiertage. Was gibt es Schöneres, als in den ersten wärmenden Sonnenstrahlen das Boot seiner Träume im Süden zu besichtigen? Solch ein Kurztrip mit Frau oder Familie zum schönen Anlass macht in jedem Fall Spaß.
In Mitteleuropa, an den Seen und Flüssen Österreichs oder der Schweiz, an den Gewässern Hollands oder Deutschlands, kribbelt es bei jedem Wassersportler ab April und Mai. Die meisten sind ab März schon unruhig und schauen in den Portalen.
Das Wetter ist entscheidend
Ein paar sonnig-warme Tage, in denen die Cabrios ausgemottet, die Fahr- oder Motorräder herausgeholt werden, und die Interessenten drehen sprichwörtlich durch. Der Bootskauf ist eine wahrlich wetterabhängige, emotionale Entscheidung. Ich habe im Frühjahr 20 langjährigen Schweizer Segelfreunden beim Verkauf ihres Bootes geholfen.
Wir haben gemeinsam den Tag, an dem das Schiff bei Boat24 inseriert wurde, mit Blick auf die Wetter-App anhand des absehbar schönen, sonnigen Wetters mit warmen Tagen am Bodensee festgelegt. Mein Freunde war ungeduldig und wollten es vorher inserieren. Ich habe gesagt: Wartet, denkt Euch in den Interessenten hinein, überlegt, wann er Zeit hat und nach Booten guckt. Inseriert auf den Punkt. So wurde es gemacht.
Es gab verblüffend viele Interessenten und der Verkauf war mit dem einen richtigen Interessenten zügig abgewickelt. Und das, obwohl es sich um einen ziemlichen Exoten handelte, für den sich nur eingefleischte Segler interessieren. Ich war selbst überrascht, wie es ging. Ich bin heute heute noch mit dem Ehepaar in Kontakt und erfahre regelmäßig, wie es „ihrem Boot“ auf dem Zürichsee geht. Manche Boote werden geliebt und erinnert wie Haustiere.
Mancher Käufer schaut gezielt nach einem bestimmten Typ, seinem Traumschiff. Ist die Gelegenheit da, wird nicht gezaudert, sondern ein Termin gemacht, das Boot angeschaut und gekauft. Das klappt flott, wenn die Chemie zwischen Verkäufer und Käufer stimmt. Die Sache war binnen zwei Stunden über die Bühne.
Inserieren Sie, wenn der Interessent nach Booten schaut
Es gibt natürlich noch weitere Gesichtspunkte: Aus eigener Erfahrung und Erzählungen von Freunden weiß ich: Angefressene, Bootsnerds und alle mit dem schönsten Dachschaden der Welt gucken dann nach Booten, wenn sie Zeit haben und die schönen Stunden an Bord noch unvorstellbar weit weg sind. Wann ist das, na? In der Flaute zwischen Weihnachten und Neujahr. Eine gute Zeit sind auch die Feiertage im Frühjahr.
Da wird dann geklickt, gescrollt, geschaut und geträumt, was es Schönes gibt. Es ist übrigens nicht schwer, sich in die Interessenten und Käufer Ihres Bootes hineinzuversetzen, ihre Impulse und Gefühle zu verstehen. Sie gehören als Bootseigner schließlich selbst zur Klientel.
Wie Sie einen emotionalen Anker für Ihr Boot setzen
Wenn Sie in der finsteren und klirrend kalten Jahreszeit inserieren, setzen Sie schon mal den emotionalen Anker für Ihr Boot. Entscheidend für diesen Anker sind gute, antörnende Bilder. Einzelheiten dazu im Infokasten am Schluss des Artikels. Steht das Boot in einem bequem erreichbaren Winterlager, kommt es zur baldigen Besichtigung. Ich halte es für ungünstig, ein Boot im Winterlager zu zeigen, weil es dort dunkel, kalt, nass, eng und schmutzig ist.
Das gilt aber nicht für alle Käufer. Für den Interessenten, der weiß, was er will, sind Dämmerung, Staub und Kälte Nebensächlichkeiten. Er lässt sich nicht davon beirren. Er versteht die Qualität des Bootes und sieht zugleich den Zustand des Unterwasserschiffs. Er guckt sich mit der Taschenlampe Kiel und Ruder, Propeller, Welle, Wellenbock oder den Z-Trieb an.
Bereiten Sie die Präsentation des Bootes bereits im September vor
Zeichnet sich also der Verkauf des Bootes im Herbst ab, dann nehmen Sie Ihr Schiff etwas früher aus dem Wasser und erledigen schon mal all die üblichen Arbeiten, die Sie sonst im Frühjahr machen. Putzen Sie es gründlich, polieren Bordwand und Aufbauten, schleifen das Unterwasserschiff und malen schon mal das Antifouling. Für das Herrichten des Bootes im Herbst spricht generell, dass Sie dann von der Saison noch gut im Thema sind und Ihnen die Arbeiten leichter von der Hand gehen, als nach der langen Winterpause im Frühjahr.
Nun ist das Boot im Frühjahr beinahe so präsentabel wie ein neues Schiff auf dem Messestand. Das weckt Begehrlichkeiten und steigert das Interesse. Mit dieser Vorgehensweise erzielen Sie den besten Preis. Ein frisch geputztes und aufwendig poliertes Boot macht Ihnen die Trennung vermutlich schwer, ist jedoch clever eingesetzte Mühe. Und wer weiß, vielleicht ist er die Anzahlung für das nächste Schiff. Das kaufen Sie natürlich dreckig im Herbst, weil es dann günstiger ist.
Vier abschließende Tipps zum Inserieren
- Aktuelle und gute Fotos sind das A und O. Es zählt der erste Eindruck. Wenige Sekunden entscheiden, ob weitergeklickt und gescrollt wird oder geguckt und sogar mehrmals gelesen wird. Gute Fotos wollen erst mal herausgesucht werden. Lesetipp: Im Fokus – bessere Fotos für bessere Anzeigen.
- Nehmen Sie sich zum Zusammenstellen der Bootsdaten Zeit. Vielleicht ist Ihnen nicht mehr jedes Detail geläufig. Schreiben Sie vorab einen Entwurf und lassen Sie ihn ein paar Stunden liegen. Oft wird erst mit etwas Abstand deutlich, ob die Bootsbeschreibung gut aufgesetzt wurde und auf den Punkt ist. Schlafen Sie eine Nacht drüber. Meist fällt Ihnen am nächsten Tag wie Schuppen von den Augen, ob der Entwurf gut ist. Eine unklare, schwammige, nicht schlüssige oder lückenhafte Beschreibung macht keinen guten Eindruck.
- Vier Augen sehen mehr. Zeigen Sie die Beschreibung Ihrem Partner oder Freunden und gehen Sie den Text und die zusammengestellten Eckdaten gemeinsam durch. Lesen Sie das Inserat auf dem Handy. Schreiben Sie kurz und knackig, keine Romane.
- Falls Sie alters halber im Umgang mit dem Internet unsicher sind, holen Sie sich Hilfe. Es gibt bestimmt jemanden in der Familie oder im Freundeskreis, der Ihnen beim Erstellen des Inserats und Eingeben der Daten in die Maske hilft. Für Kinder oder Enkel ist das ein Klacks. Wenn Sie dann alle Daten und Fotos parat haben, geht es schnell.
