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Mit Taucherbrille und Pfannenwender

Autor: Erdmann Braschos

Ganz gleich ob Sie ein Boot chartern, ein gebrauchtes oder neues haben. Früher oder später fällt etwas aus oder ein Manöver geht schief. Wie Sie übliche Mißgeschicke vermeiden.

Mit Taucherbrille und Pfannenwender
© E. Braschos

Das Schöne am Wassersport ist, dass Sie mit der Familie oder Freunden Draußen in der Natur auf sich gestellt sind. Das setzt voraus, das alles einwandfrei funktioniert. Tut es aber nicht. Auch macht jeder Segler mal Mist. Anders als beim Auto können Sie nicht rechts ranfahren und den Pannendienst rufen. Sie müssen sich selbst helfen.

Motor springt nicht an

Nach einem schönen Segeltag tut sich beim Drehen des Zündschlüssels nichts? Kein Grund zur Panik. Meist ist es eine banale Sache wie eine lose Steckverbindung. Dreht der Anlasser, aber die Maschine springt unwillig oder nicht an, ist Luft im Kraftstoffsystem. Auch das lässt sich beheben. Am besten ankern oder die Segelfläche reduzieren und jemand anderen mit Schleichfahrt steuern lassen. An Bord einer Ihnen fremden Charteryacht oder des soeben übernommen Gebrauchtbootes müssen Sie sich erst mal mit dem Motor vertraut machen und gucken wo die Entlüftungsschrauben und die Handpumpe (meist ist es eine versteckte kleine Wippe) sitzen. Bei einer elektrischen Störung lohnt ein Blick hinter das Panel. Es könnte dort ein Stecker abgerutscht sein. Überlegen Sie, wann zuletzt etwas an der Maschine gemacht und geändert wurde. Die meisten Ursachen für eine Störung sind ganz banal.

Nutzen Sie den nächsten Hafen- oder Sturmtag und machen sich mit der Maschine vertraut. Bei der Gelegenheit sehen Sie bei der betagten Maschine, welcher Flachsteckhülse ausgeleiert ist und welche Kabel nicht mehr einwandfrei sitzen. Fachsteckhülsen lassen sich mit der Kombizange zurecht biegen.

Bei routinemäßiger Aufmerksamkeit und etwas Pflege sind Innenborder zuverlässig und langlebig. Lassen Sie sich von einem technisch versierten Nachbarn im Hafen oder einem Mechaniker die üblichen Wartungsarbeiten zeigen. Das geht schneller, als sich die Sachen über die Betriebsanleitung (die unbedingt an Bord gehört), eine Explosionszeichnung des Kraftstoffsystems oder ein Do it yourself Buch selbst anzueignen. Ein Reserve-Impeller für die Kühlung gehört unbedingt an Bord. Fast noch wichtiger ist die Dichtung für den Deckel, die Sie öfter ersetzen als den Impeller selbst. Ein lädiertes (angerissenes) Flügelrad des Impellers und der Motor wird warm. Bei einem abgerissenen Flügelrad wird er schnell heiß und stirbt den plötzlichen Hitzetod. Ein regelmäßiger Blick auf die Motor- und Öltemperatur, besser noch eine Hupe, die bei ausbleibender Kühlwassereinspeisung in den Auspuff (der frühestmögliche Alarm) Signal gibt, verhindert das. Ein Reservekeilriemen gehört ebenfalls an Bord. Überprüfen Sie die Spannung des eingebauten Keilriemens ab und zu. Ein zu fest gespannter Keilriemen geht auf’s Lager der Lichtmaschine. Zu lose rutscht er.

Die Maschine ist so wichtig, dass Sie sie zumindest in Ansätzen kennen und die üblichen Dinge selbst erledigen sollten.

Die Rollanlage

Die meistbeanspruchte, übel malträtierte und gelegentlich versagende Ausrüstung üblicher Tourenboote ist die Rollanlage für das Vor- oder Großsegel. Sie muss das Segel auch bei Starkwind zuverlässig einrollen und das teils aufgewickelte Tuch im Sturm stundenlang gerefft halten.

Das Segel darf weder achtlos noch mit Gewalt eingerollt werden. Damit sich das Tuch gleichmäßig und faltenfrei aufwickelt, ist die Genua gegen leichten Zug seitens der Schot zu bergen. Sonst entstehen Überläufer auf der Bergetrommel und das Segel lässt sich später schlecht oder gar nicht abrollen. Zu großer Zug auf der Schot, wenn die Genua mit Gewalt, beispielsweise per Winsch mit der Bergeleine aufgewickelt wird, ergibt enge Windungen des Segels. Die Holeleine reicht am Ende nicht um das Segel komplett einzuwickeln. Wo rohe Kräfte eh dabei sind und sinnlos walten wird beim Winschen dann meist gleich die Bergeleine von der Refftrommel gerissen.

Nehmen Sie sich für das Aufwickeln des Segels Zeit. Sie brauchen vor der Ansteuerung der Bucht oder des Hafens Platz, um die Genua auf einem Halbwindkurs mit leichten Zug auf der Schot zu bergen. Dann wickelt sich das Segel leicht auf und die Bergeleine bleibt lang genug. Beim geborgenen Segel sollten noch einige Wicklungen auf der Bergetrommel sein.

Sollte die Rollanlage schwergängig sein, untersuchen Sie die Ursache und sehen sich die Lager an. Beim Dauerbetrieb per Winsch stimmt etwas nicht. Leider wird die Sache von selbst nicht besser. Die Rollanlage ist ein exponiertes, Wasser, Salz und Staub (im Mittelmeer auch Sand) ausgesetztes Teil. Das knirscht.

Prüfen Sie beim Charterboot oder der gebrauchten Yacht die Bergeleine. Bei Scheuerstellen oder Hinweisen auf Überlastung auswechseln. Manchmal ist der Mantel (die äußere Hülle der Leine) schon gerissen und bloß die Sehne übrig. Tauschen Sie die Leine im Hafen. In einer Bora auf der Adria oder einem Tramontana vor der ligurischen Küste wollen Sie das unter einem schlagenden Segel nicht reparieren.

Achten Sie darauf, dass die Bergeleine achtern im Cockpit belegt ist. Sonst kann sich das Segel bei Sturm im Hafen abwickeln.

Aufmerksamkeit verlangt auch der Rollmast, wo das Großsegel durch einen Schlitz in der Hinterkante des Mastes um eine rotierende Röhre ein- und ausgewickelt wird. Falsche Zugwinkel, zu loses oder zu strammes Einrollen führt auch hier zu Problemen, die sich nicht ohne weiteres beheben lassen, weil das Segel im Mast unzugänglich gerollt ist. Lästig sind Falten, die das Tuch in der Maströhre blockieren. Niemals mit Gewalt vorgehen. Versuchen Sie stattdessen das Segel weiter in den Mast zu rollen und es dann erneut heraus zu ziehen. Nehmen Sie sich Zeit dafür, idealerweise am Liegeplatz oder ankern Sie und gehen es überlegt an.

Leine im Propeller

Eine versehentlich um den Propeller oder die Schraube des Bugstrahlruders gewickelte Leine ist ein Klassiker. Das kann mit der Mooringleine im Hafen, der eigenen Ankerleine, dem durchs Wasser schleifenden Festmacher, der eigenen Schot oder der Ankerleine einer Fischerboje passieren. Tückisch sind Angelschnüre oder Netze. Sofort auskuppeln und den Motor abstellen. Je länger die Welle dreht, desto größer das Malheur. Das Boot mit zu Nachbarn herübergeworfenen Leinen, per Schlauchboothilfe sichern oder Ankern. Den Schlüssel aus dem Zündschloß nehmen und auf den Kartentisch legen.

Eine Taucherbrille und Flossen gehören zur Grundausstattung jedes Fahrtenbootes. Bei mir an Bord hat die Taucherbrille ihren festen Platz. Ebenso ein überaus praktischer Pfannenwender aus Holz.

Gucken Sie sich den Propeller oder das Bugstrahlruder mit der Taucherbrille an. Mit Glück lässt sich die Leine abwickeln. Ansonsten schneiden Sie sie ab. Nehmen Sie das beste Messer, das die Pantry hergibt. Nehmen Sie sich Zeit dafür. Es braucht mehrere Tauchgänge. Am besten wechseln Sie sich ab. Arbeiten Sie mit Handschuhen. Man verletzt sich an Seepocken oder beim Tauchen mit dem scharfen Messer schnell. Mit Schnittwunden im Salzwasser arbeiten macht keinen Spaß.

Ich habe vor Jahren mal in einem Hafen einen Propeller unter Wasser angebracht und jemand eine Leine vom Propeller gewickelt. Die Sache ist anstrengend und im kaltem Ostseewasser im Frühsommer grenzwertig.

Ganz übel ist Angelschnur, die sich um die Welle zieht, festbackt und den Simmerring zum Saildrive hin beschädigt. Angelschnur muss bis auf den letzten Rest entfernt werden.

In südlichen Revieren und Hochsaison gibt es in praktisch jedem Hafen Taucher, die auf solche Fälle spezialisiert sind – und sich den Tauchgang entsprechend bezahlen lassen. Je beliebter der Hafen, je höher die Saison desto teurer ist es.

Achten Sie bei der Ansteuerung eines Hafens oder beim Ablegen darauf, das weder Festmacher noch Schoten vom Deck rutschen. Beim «rückwärts einparken», wie es im Mittelmeer üblich ist, darf keine Leine am Liegeplatz treiben. Das Bugstrahlruder nur benutzen, wenn es nötig ist. Das Boot lässt sich auch mit den Festmachern achtern und der Mooringleine am Bug gerade an den Liegeplatz ziehen. Beim Ablegen bleibt das Bugstrahlruder aus und die Maschine ausgekuppelt, bis die Mooringleine auf Tiefe geht. Die meisten Manöver gehen schief, weil sie mit unnötiger Hast ausgeführt werden.

Was Sie brauchen

  • Taucherbrille
  • Kotelettwender
  • große Wasserpumpenzange
  • gängige Schraubenschlüssel
  • Stahl- und Gummihammer
  • Holzklotz zum schonenden Losklopfen angebackener Beschläge
  • Winschenfett/WD 40
  • Bootsmannsstuhl
  • Reserveimpeller, Keilriemen

VG Wort Zählmarke

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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