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Mit der Sonne um die Welt

Autor: Michael Kunst

Es war eines der ehrgeizigsten Bootsbauprojekte der Neuzeit mit einem kühnen Unterfangen als Ziel. Vier Jahre nach seiner Fertigstellung in Kiel hat das größte nur von der Kraft der Sonne angetriebene Boot der Welt bereits die Welt umrundet und danach zweimal den Atlantik überquert – und das ganz und gar ohne den Einsatz fossiler Brennstoffe, also kohlendioxidneutral. Derzeit liegt der 31 Meter lange und 15 breite Katamaran „TÛRANOR PlanetSolar“ im französischen Lorient. In 2014 sind weitere Expeditionen durch Mittelmeer, nach Westafrika und in den Südatlantik geplant. Als schwimmender Botschafter für regenerative Energien ist das außergewöhnliche Schiff meist im Dienste der Wissenschaft unterwegs. In einer Kooperation mit der Universität Genf wurde voriges Jahr eine Meeresforschung in den Tiefen des Golfstroms betrieben.

Mit der Sonne um die Welt
Schwimmender Botschafter für Solarenergie

Die Atomreaktorkatastrophe von Fukushima war noch gar nicht passiert, als der Schweizer Raphaël Domjan der Welt vor Augen führen wollte, dass es bereits funktionierende Alternativen zu den immer knapper werdenden Ressourcen der Erde gibt. Während andere mit einer Tankfüllung um den Globus reisen wollen, hegte er den Traum von einer zwar motorisierten, aber vollkommen sauberen Reise auf den Spuren von Jules Vernes. Die Realisierung gelang seinerzeit nur dank des Darmstädter Unternehmers und Investors Immo Ströher, selbst Pionier der Solar-Branche. Er ließ das hochtechnische Boot von der Knierim-Werft bauen, bei der 2006 auch die erste deutsche Americas Cup-Yacht vom Stapel gelaufen war.

„TÛRANOR PlanetSolar“ ist ein Design des neuseeländischen Konstrukteurs Craig Loomes und wurde vollständig in Kohlefaser-Komposit-Technologie gebaut. 68.000 Mannstunden steckte die Werft in den innovativen Hightech-Schiffbau der Zukunft. Da der mittlere Hauptrumpf über der Wasseroberfläche liegt und das 6,30 Meter hohe Boot nur auf seinen zwei seitlichen Rümpfen schwimmt, die Wellenberge unter Fahrt durchschneiden (Wave-Piercer), gilt es als Katamaran.
Mit 512 Quadratmeter Fläche sind die 825 Solarpaneele an Bord fast so groß wie zwei Tennisfelder, denn der Kat hat seitlich ausfahrbare Flügel, die ihn bis zu 23 Meter breit machen, und zusätzlich eine vier Meter lange Heckflosse. 38.000 einzelne Photovoltaikzellen speisen die Energie in hocheffiziente, wartungsfreie Lithium-Ionen-Akkus ein – sechs Blöcke mit jeweils zwölf Batterien, insgesamt 648 Zellen. Jeder der sechs Stränge ist knapp zwei Tonnen leicht – herkömmliche Bleibatterien mit gleicher Kapazität hätten das Siebenfache gewogen. Diese Technologie soll auch auf nicht-nuklearen U-Booten eingesetzt werden.

Angetrieben wird der 86 Tonnen schwere Solar-Katamaran durch zwei gegenläufig drehende Karbon-Propeller. Der Durchmesser beträgt zwei Meter und ist damit doppelt so groß wie sonst für diese Schiffsgröße üblich, weil effizienter. Gleichzeitig wird das Drehmoment zum Steuern genutzt, denn die Naben befinden sich in Höhe der Wasserlinie. Über die zudem in der Steigung einzeln verstellbaren Schrauben wird der Solar-Kat bei normalen Bedingungen ohne Ruder gesteuert. Vier Elektromotoren – je zwei pro Antriebswelle – leisten auch bei bewölktem Himmel bis zu 120 Kilowatt. Das reicht für eine Höchstgeschwindigkeit von 14 Knoten (26 km/h). Das durchschnittliche Reisetempo in Marschfahrt beträgt knapp die Hälfte.

So erwies sich der ursprüngliche Plan, die Welt in 160 Tagen zu umrunden, als bei weitem zu ambitioniert. Allerdings kamen auch Routenänderungen und verschiedene Hafenaufenthalte hinzu, die zunächst nicht geplant waren. Am Ende waren es 585 Tage, und mehr als 60.000 Kilometer lagen im Kielwasser. Weltweit hat das Projekt auf den Etappenstopps von Miami über Cancun (während des damaligen Welt-Klimagipfels) durch den Panama-Kanal nach Australien, Hongkong, Shanghai, Singapur, Abu Dhabi und einige andere mehr zurück durch den Suez-Kanal für großes Aufsehen gesorgt.

Die meist vierköpfige Crew navigiert mit einer speziellen Software, die vor allem die zu erwartenden Sonnenstunden, aber auch Wasserströmungen und andere meteorologische Faktoren vorausberechnet. So wird vermieden, dass das Schiff mit leeren Akkus unter bedecktem Himmel manövrierunfähig umhertreibt. Insgesamt bietet das Schiff auf Tagestouren bis zu 60 Personen Platz, auf Expeditionen können zahlreiche Wissenschaftler mitfahren. „TÛRANOR PlanetSolar“ macht seinem Name aus der Saga „Herr der Ringe“ alle Ehre. Denn der bedeutet so viel wie „Die Kraft der Sonne“.

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Michael Kunst

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Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
In mikus Flotte befinden sich u.a. ein 25 Jahre junger Laser Standard und ein etwas ausgeleierter Mini 6.50 Prototyp (No. 247), mit dem er vor Lorient auf dem Atlantik unterwegs ist.

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