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Buchtipp: GewitterSegeln

  

Welche Gefahren drohen wirklich? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit eines Blitzeinschlags? Was passiert, wenn der Blitz einschlägt? Tatsächlich zeigt sich, dass im Gewitter ganz andere Faktoren als Blitze gefährlicher sind. Durch die schonungslos authentischen Erfahrungsberichte liefert GewitterSegeln eine glaubwürdige Folie, vor der sich jeder Skipper prüfen kann: «Was hätte ich getan?»

Buchtipp: GewitterSegeln

Wasserhose vor Istrien

Nico Schachinger

Ich fahre immer gerne außerhalb der Saison nach Kroatien, da dann die Windwahrscheinlichkeit höher und es nicht so überlaufen ist. Also hatten wir uns diesen Törn für den Herbst und für die Region um Pula, also Istrien, mit ihren spürbar mehr Wind als im südlicheren Dalmatien entschieden.

Ich hatte eine ältere Bavaria 49 gechartert in der Marina Veruda Pula. Wir waren zu siebt auf dem Segelboot und hatten den ersten Tag mit einräumen, ankommen und der Einweisung in die Funktion des Schiffes und die allgemeine Sicherheit zu tun. Meine Crew war größtenteils schon etwas erfahren, für zwei Freunde war ein Segelboot aber komplettes Neuland.

Als wir am Sonntag wach wurden, waren alle ungeduldig, endlich abzulegen und zu segeln. In der Bucht herrschte komplette Windstille, aber alle Wettervorhersagen stimmten ausnahmsweise überein: Bewölkt mit Schauermöglichkeit und Wind aus NO um die 4 Beaufort, Welle mit ca. 1,5 Meter Höhe. Gewitter sind möglich. Alle hatten vorsorglich das Ölzeug angezogen und die Lifebelts angeschnallt. Natürlich war das Boot klar Schiff gemacht worden.

Wir konnten noch in der Buchtausfahrt die Segel setzten, beide im zweiten Reff. Es funktionierte wunderbar auf das erste Mal und wir nahmen auch gleich gute Fahrt auf. Da uns direkt nach der Bucht Seegang erwartete, war das erste Crewmitglied auch gleich nach kurzer Zeit seekrank. Das Wetter war eigentlich stabil, doch wir entschlossen uns trotzdem, nicht bis zu unserem geplanten Tagesziel Porec zu fahren, sondern wegen des seekranken Crewmitglieds lieber den Tag in Rovinje zu verbringen und ihm damit etwas Ruhe zu gönnen.

Also änderten wir unseren Kurs und wir nahmen Fahrt Richtung Rovinje auf. Das Wetter war nach wie vor unverändert. In Böen lag der Wind bei bis zu 5 Beaufort, ansonsten im Durchschnitt bei 3 bis 4 Beaufort.

Irgendwann bemerkte ich in ein paar Seemeilen Entfernung auf der Backbordseite einen Wirbel aus Wasser in der Luft. Und schon war auch ein rüsselförmiges Gebilde zu erkennen, das sich vom Himmel aus immer weiter zum Wasser herabsenkte und dieses schließlich berührte. Eine Wasserhose! Wie sollte ich als Skipper darauf reagieren? Wasserhosen waren in meiner Ausbildung nicht vorgekommen. Ich hatte mir darüber auch noch nie Gedanken gemacht.

Nun war dieses Ding da und bewegte sich parallel zu unserer Fahrtrichtung. Da der Trichter weit weg war, entschied ich, erst mal nichts zu unternehmen, außer vorsichtshalber die Segel zu bergen und unter Motor weiterzufahren und das Schauspiel genau zu beobachten. Mir war klar, dass die Wasserhose jederzeit einen Haken schlagen und direkt auf uns zu kommen konnte.

Wie groß sind die Kräfte die auf eine Yacht einwirken, wenn sie durch eine Wasserhose fährt? Wären wir an Bord noch sicher? Könnte dieser Trichter aus Wasser unser Segelboot umwerfen? Ich hatte keine Ahnung – nur die Hoffnung, dass uns schon nicht allzu viel passieren würde, wenn wir da hineingeraten würden. Es würde vielleicht ein bisschen schaukeln und Gegenstände, die nicht fest gebunden waren, könnten eventuell davonfliegen. So lautete meine erste Einschätzung. Dann bemerkte ich, dass sich der Winkel zuspitzte, den die Wasserhose zu uns hatte. Sie drehte immer weiter auf uns zu. Ich beobachtete das Ganze mit wachsender Skepsis. In meinem Kopf wechselten sich Kommandos ab wie: «Alle unter Deck!» und «Das Steckschott schließen!»

Am Vernünftigsten erschien mir die Alternative, sich unter Deck zu verkriechen und zu warten, bis sich die Luft wieder beruhigt hätte, sollte die Wasserhose wirklich direkt über uns hinwegrauschen.

Der Wasserrüssel kam immer näher und nun lag auch Rovinje schon kurz vor uns. Sollte ich nicht besser versuchen, noch schnell anzulegen? Oder lieber wieder raus aufs Meer fahren? Ich konnte mich erinnern, dass vor Jahren in Vodice eine Wasserhose Boote aus dem Hafenbecken an Land gehoben hatte. Also war es wohl eher unvorteilhaft, anzulegen. Vor allem, wenn der Wind uns während des Anlegemanövers erwischen würde. Zumindest ein Teil der Crew wäre dann an Deck, um beim Anlegen zu helfen, das könnte nicht nur ziemlich stressig, sondern gefährlich werden. Somit war klar: Wir drehten wieder ab und richteten den Bug raus aufs Meer. Als ob sie unsere Entscheidung abzudrehen mitbekommen hätte, änderte die Wasserhose schlagartig ihre Richtung und kam noch schneller auf uns zu. Jetzt wurde ich richtig nervös. An Bord sprach keiner mehr.

Der wirbelnde Trichter aus Wasser und Luft hatte uns jetzt fast erreicht. Das Ufer war weit genug entfernt. Ich entschied, jetzt den Motor auf neutral zu stellen und das Kommando «Unter Deck!» zu geben.

Gerade als ich mich ebenfalls unter Deck in Sicherheit bringen wollte, sah ich, dass der Rüssel plötzlich dünner wurde und begann, sich langsam aufzulösen. Das Wasser spritzte noch ein paar Minuten auf, dann lag das Meer ruhig vor uns, als wäre nichts gewesen.

Meine Manöverkritik

Als ich zu Hause war, sah ich mir Videos an und erfuhr so, dass Wasserhosen gerade vor der istrischen Küste relativ häufig vorkommen. Inwieweit sie einer Yacht gefährlich werden können, konnte ich nicht herausfinden. Ich fand niemanden, der in die Situation geraten war, hindurch segeln zu müssen.

Mein Fazit: Auf jeden Fall würde ich wieder genauso reagieren. «Weg vom Land und genau beobachten, was passiert.»

Alles festzurren, was nicht niet- und nagelfest ist und sich selbst unter Deck in Sicherheit bringen. Im schlimmsten Fall wird ein Boot mit mehreren Tonnen Gewicht in einer Wasserhose zur Waschmaschine. Das gilt insbesondere auch für den Salon. Hier vor allem harte Gegenstände und Glas sichern.

Ruhig bleiben, das Boot vorbereiten und vor allem: Das Naturschauspiel aus sicherer Distanz betrachten und nicht vor lauter Panik seine Schönheit übersehen.

Was der Meteorologe sagt

Sebastian Wache

Vor allem für die Mittelmeerregion ist die Bildung von Wasserhosen nicht ganz untypisch. Im Mittelmeerraum treffen kalte Luftmassen, teils polaren Ursprungs, aus dem Norden auf warme Luftmassen aus dem Süden (etwa aus der Sahara). In Kombination mit warmem Wasser ergibt das eine explosive Mischung.

Mit dem Zusammentreffen unterschiedlich temperierter Luftmassen und der damit verbundenen Energieentladung reicht schon eine kleine Änderung der Windrichtung mit der Höhe aus, um eine Rotation der Luft entstehen zu lassen.

Wasserhosen zeigen sich meist durch kleine Rüssel, die sich aus der Wolke heraus nach unten erstrecken. Hat der Rüssel erst einmal die Wasseroberfläche berührt, bleibt er eine Zeit lang stabil. Wie lang Wasserhosen existieren und wann sie sich wieder auflösen, ist bisher unerforscht und lässt sich nur ganz schwer vorhersagen.

Grundsätzlich verlagert sich eine Wasserhose zusammen mit einer Gewitterzelle. Sie kann innerhalb der Zelle aber auch in alle anderen Richtungen ziehen. Hier sollte man unbedingt ihre Zugrichtung beobachten und Abstand halten bzw. sich im 90-Grad-Winkel davon entfernen.

Wasserhosen sind nicht mit Tornados an Land gleichzusetzen. Die Wirkung einer Wasserhose auf die Umgebung ist oft nicht so stark und weitreichend. Im Inneren allerdings sind Windgeschindigkeiten bis zu 200 km/h möglich, variieren aber sehr stark.

Wasserhosen treten nicht nur im Mittelmeer auf, sondern auch in Nord- und Ostsee, auf den Binnenseen und in den Subtropen.

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