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BootsProfis.tv2 min Lesezeit

Bruce Roberts 43 – Wie gut ist dieser Zufallsfund?

Ein Langfahrtdampfer für Alex

Bruce Roberts 43 – Wie gut ist dieser Zufallsfund?
Ein echtes "Dickschiff"

Wie viel Risiko steckt in einem fast 40 Jahre alten Blauwasserboot – und wie viel Chance? Die Bootsprofis nehmen einen 43-Fuß-Langfahrtklassiker unter die Lupe, dessen gute Substanz erst einmal gegen eine stetig wachsende Mängelliste bestehen muss.

veröffentlicht am 05.06.2026

Manchmal beginnt die große Reise mit einem Boot, das nichtmal auf der Wunschliste stand. Alex, Mitte 30, suchte eine Yacht für die Langfahrt, möglichst weltumsegelungstauglich, solide und bezahlbar. Budget: 75.000 Euro. Was zunächst nach älteren Serienyachten um 35 bis 38 Fuß aussieht, endet schließlich bei einem „ausgewachsenen“ 43-Fuß-Blauwasserboot – einer Bruce Roberts 43.

Dass Alex auf dieses Schiff stieß, ist eine jener Geschichten, die sich vermutlich nur in der dann doch wieder kleinen Welt des Segelns abspielen. Die BootsProfis kennen die australischen Vor-Eigner bereits aus Montenegro, treffen sie später zufällig in Italien wieder – und plötzlich steht da ein potenzielles Langfahrtschiff zum Verkauf. Für 75.000 Euro wechselt die Bruce Roberts schließlich den Besitzer.

Qualitäten dort, wo sie sein sollen

Viel Boot fürs Geld? Zweifellos. 13,18 Meter Länge, knapp vier Meter Breite, Langkiel, Mittelcockpit, drei Kabinen, massig Stauraum und ein 80-PS-Perkins: Das Schiff ist eher schwimmendes Zuhause als Wochenendsegler. Ein schwerer, klassischer Langfahrt“dampfer“, der nicht bei jedem Hafenmanöver elegant um die eigene Achse tänzelt, dafür aber draußen auf See seine Qualitäten ausspielen soll.

Doch bei einem fast 40 Jahre alten Einzelbau gilt eben: Der Kaufpreis ist nur der Eintrittspreis. Beim Gutachten wächst die To-Do-Liste entsprechend schnell. Das Unterwasserschiff ist trocken und zeigt keine Hinweise auf Osmose, benötigt aber eine gründliche Überarbeitung. Alte Navigationselektronik trifft auf eigenwillige Verkabelung, die Batterieladung ist verbesserungswürdig, der Ankerkasten entwässert ungünstig in die Bilge, eine Bugstrahlruderbatterie ist nicht ausreichend befestigt und die Gasanlage entspricht nicht heutigen Sicherheitsvorstellungen. Hinzu kommen kleinere Leckagen, ein offenbar zu großer Propeller und manches Detail, bei dem man merkt: Dieses Boot wurde über Jahrzehnte von verschiedenen Eignern verändert, verbessert – und gelegentlich wohl auch einfach zum Funktionieren gebracht.

Ein Boot, das sich erst schrittweise erschließt

Genau darin liegt allerdings auch der Reiz dieser Folge. Die BootsProfis begutachten hier keinen klinisch sauberen Serienbau aus zweiter Hand, sondern ein Schiff mit Biografie. Eines, dessen Konstruktion und Ausbau Fragen aufwerfen, dessen frühere Eigner ihre eigenen Vorstellungen hinterlassen haben und das sich seinem neuen Besitzer erst nach und nach erschließen dürfte.

Bei der Probefahrt gibt es dann gleich das passende Wetter dazu. Bis über 30 Knoten Wind, Wasser übers Deck, erste Undichtigkeiten – und die Erkenntnis, dass die alte Dame selbst unter stark verkleinerter Genua erstaunlich ruhig durch die Welle läuft. Nicht alles funktioniert perfekt, manches funktioniert überhaupt nicht so, wie es für einhandtaugliches Langfahrtsegeln funktionieren sollte. Doch die Substanz stimmt.

Alex hat damit ziemlich genau das bekommen, wonach er ursprünglich gar nicht gesucht hatte: deutlich mehr Boot, deutlich mehr Arbeit und auch ein echtes Zuhause für die nächsten Jahre. Inzwischen ist er seit mehr als einem Jahr mit seiner „Scudy“ unterwegs.

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