65 Tage Atlantik, ein 4,65 Meter kurzes Schlauchboot und ein französischer Arzt, der freiwillig den Schiffbrüchigen spielte: Kaum eine Motorbootmarke kann auf eine ungewöhnlichere Vorgeschichte zurückblicken. Alain Bombards Experiment von 1952 machte das Schlauchboot weltbekannt – sieben Jahre später wurde sein Name zur Bootsmarke.
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Vom Atlantik-Abenteuer zum robusten Freizeitboot
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Alain Bombard wollte Anfang der 1950er-Jahre beweisen, dass Schiffbrüchige auch längere Zeit auf dem offenen Meer überleben können. Der französische Arzt und Biologe brach deshalb 1952 zu einem ziemlich radikalen Selbstversuch auf. Mit dem nur 4,65 Meter langen Schlauchboot L’Hérétique überquerte er von den Kanarischen Inseln aus den Atlantik und erreichte nach 65 Tagen Barbados. Er ernährte sich unter anderem von gefangenem Fisch und Plankton und nutzte Regenwasser sowie Flüssigkeit aus Fischen. Die Geschichte machte Bombard international bekannt und wurde gleichzeitig zu einer kaum zu überbietenden Demonstration dafür, was ein Schlauchboot aushalten kann.
Bombard fuhr noch gar kein Bombard
Eine kleine historische Besonderheit wird dabei gerne übersehen: Alain Bombards L’Hérétique war kein Boot der Marke Bombard, denn die gab es 1952 noch nicht. Das Schlauchboot stammte von Zodiac. Erst 1959 brachte Zodiac das erste Boot mit dem Namen BOMBARD auf den Markt. Der Name des Abenteurers wurde damit zur eigenständigen Marke – und blieb eng mit Robustheit, Sicherheit und unkomplizierten Schlauchbooten verbunden.
Später entwickelte sich Bombard innerhalb der Zodiac-Welt weiter. Heute gehören beide Marken zur französischen Z Nautic Group.
Weniger Lounge, mehr Boot
Der Unterschied zwischen Bombard und seiner Schwestermarke Zodiac ist inzwischen vor allem eine Frage der Positionierung. Während Zodiac sein Programm zunehmend um komfortable und hochwertig ausgestattete RIBs erweiterte, bleibt Bombard stärker auf funktionale Boote konzentriert. Bei Bombard geht es um freie Decksflächen, überschaubares Gewicht, Außenborder und Boote, die sich zum Angeln, Tauchen, Wasserski oder einfach zum Spazierenfahren eignen.
Das kann man spartanisch nennen. Man kann allerdings auch feststellen, dass ein Schlauchboot gelegentlich ganz praktisch ist, wenn noch Platz für etwas anderes als Sitzpolster bleiben soll.
Explorer: der Allrounder
Die Explorer-Reihe bildet den robusten RIB-Zweig von Bombard. Ein fester Rumpf wird mit den charakteristischen seitlichen Luftschläuchen kombiniert. Dadurch entstehen relativ leichte und gleichzeitig stabile Boote mit viel nutzbarer Innenfläche.
Gerade ältere Explorer sind auf dem Gebrauchtmarkt häufig anzutreffen. Konsolen, Sitzbänke und weitere Ausstattung unterscheiden sich teilweise erheblich.
Sunrider: etwas mehr Freizeitkomfort
Etwas komfortorientierter ist die Sunrider-Reihe. Auch hier handelt es sich um Festrumpfschlauchboote, allerdings mit stärker auf Familien- und Freizeitnutzung abgestimmter Ausstattung. Konsolen, Sitzmöglichkeiten und Sonnenflächen rücken stärker in den Vordergrund, ohne dass daraus gleich eine schwimmende Lounge wird. Damit besetzen Sunrider-Modelle ziemlich genau die Mitte zwischen reinem Arbeitsgerät und komfortablem Freizeit-RIB.
Commando: Schlauchboot bleibt Schlauchboot
Bombard hält außerdem an einem Bootstyp fest, der bei vielen Herstellern längst in den Hintergrund gerückt ist: dem vollständig zerlegbaren Schlauchboot. Die Commando-Modelle kommen ohne festen GFK-Rumpf aus und lassen sich dadurch vergleichsweise einfach transportieren und lagern. Das macht sie unter anderem als Beiboot, Angelboot oder für Segelbootskipper interessant, die ihr Boot nicht permanent im Hafen liegen lassen möchten. Hier schließt sich der Kreis zur ursprünglichen Idee des Schlauchbootes: wenig Gewicht, kleines Packmaß und trotzdem ein vollwertiges kleines Motorboot.
Bombard gebraucht kaufen
Bei gebrauchten Bombard verdient zunächst der Zustand der Schläuche Aufmerksamkeit. Scheuerstellen, Reparaturen, Ventile, Verklebungen beziehungsweise Schweißnähte und die Übergänge zum Rumpf sollten sorgfältig kontrolliert werden. Auch starke UV-Belastung und eine jahrelange Lagerung im Freien können Spuren hinterlassen.
Bei RIBs kommen der feste Rumpf, Spiegel und Deck hinzu. Gerade am Heck sollte geprüft werden, ob der Bereich um die Außenborderbefestigung solide und frei von strukturellen Schäden ist. Und natürlich entscheidet der Außenborder wesentlich über Wert und Folgekosten. Betriebsstunden, Wartungsnachweise, Korrosion und ein sauberer Probelauf sind deshalb mindestens ebenso wichtig wie ein hübscher Schlauch.
Ein Name mit Verpflichtung
Alain Bombard ging es 1952 weder um Sonnenliegen noch um möglichst viele Getränkehalter. Sein Schlauchboot sollte ihn am Leben halten. Ganz so existenziell dürfte der Einsatz eines heutigen Bombard nur selten werden. Dass die Marke dennoch stärker auf robuste, unkomplizierte Boote setzt als auf nautischen Luxus, passt ziemlich gut zu dem Mann, dessen Namen sie trägt.