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Vertrauen ist wichtig, Kontrolle tut Not

Autor: Max Wagner
  

Fünf gewichtige Gründe, gar nicht erst über einen Kauf nachzudenken

Vertrauen ist wichtig, Kontrolle tut Not
Die Auswahl an Gebrauchtbooten ist zur Zeit riesig. Es lohnt sich also, kritisch zu sein.

Punkt 1: Die Chemie zwischen Verkäufer und Käufer passt nicht

Gebrauchtbootkauf ist Vertrauenssache. Diese Aussage hat durchaus Berechtigung, sollte aber unbedingt differenziert betrachtet werden. Denn das Vertrauen bezieht sich in erster Linie auf den Verkäufer. Unabhängig davon, ob dieser eine Privatperson darstellt, oder ob es sich um einen Gebrauchtboot Händler handelt. Hier ist es gut, sein Bauchgefühl sprechen zu lassen. Denn wenn die sogenannte „Chemie“ nicht stimmt, man sich als Käufer schlecht beraten, nicht ernstgenommen oder übervorteilt fühlt, tut man auf jeden Fall gut daran, auf dem Absatz kehrt zu machen und sein Glück wo anders zu versuchen. Geht es doch auch darum, später auf seinem neuen Gebrauchten ohne bitteren Nachgeschmack seiner maritimen Leidenschaft nachgehen zu können. Zu wissen, dass Preis und Leistung in einem reellen Zusammenhang standen und der Aftersale Service perfekt funktioniert.

Treffen sich Käufer und Verkäufer auf Augenhöhe, die auf Vertrauen und Wertschätzung basiert, dann ist es an der Zeit, den nächsten Schritt in Angriff zu nehmen. Die Besichtigung des „Auserkorenen“. Nun aber bitte ohne darauf zu vertrauen, dass schon alles in einwandfreiem Zustand sein wird. Selbst wenn dies der Verkäufer im guten Glauben propagiert, weil er manchmal ja auch selbst nicht besser weiss. Wenn man nicht selbst Profi ist – was die wenigsten sind – oder einen Fachmann an der Hand hat, empfiehlt es sich, das Gebrauchte Boot anhand einer Checkliste gründlich zu untersuchen, kontrollieren und Probe zu fahren. Checklisten finden Sie: Checkliste für Gebrauchtboote. Denn im Gegensatz zum Kauf eines gebrauchten Autos, bei dem man sich zu einer Überprüfung an den ADAC, ÖAMTC, DECRA oder eine Fachwerkstatt wenden kann und meist auch selbst über ein Gutmass an Fachkompetenz verfügt, befindet man sich beim Bootskauf unbedarft und alleine auf weiter Flur.

Es gibt vermutlich bei jedem Gebrauchtboot Mangelpunkte, über die jeder individuell selbst entscheiden muss, in wie weit er sich damit arrangieren kann. Die eigene Toleranz ist natürlich oftmals mit dem Preis des Bootes eng verknüpft. Stimmt der Preis, kann man sich beispielsweise bei einem Segelboot darauf einlassen, das laufende Gut peu à peu auf eigene Kosten zu erneuern oder die alten Schwimmwesten durch neue zu ersetzten. Ist etwa auf dem Mobo das Dinghi aufgrund dauernder Sonneneinstrahlung in die Jahre gekommen, wird man auch hier mit Kompromisslösungen arbeiten können. Keine Kompromisse erlauben jedoch die nachfolgenden Punkte.

Punkt 2: Wenn es der Nase stinkt, und dunkle Gewässer aus der Bilge grüssen

Gebrauchtboote checkt man am besten in jenem Element, das ihnen zugedacht ist. Im Wasser. Und den besten Einblick in den wahren Zustand des Bootes erhält man, wenn es schon länger im Wasser liegt. Vorzugsweise am Ende einer Saison, wenn das gebrauchte Motor- oder Segelboot schon einige Ausfahrten respektive Törns hinter sich hat. Ist dies der Fall, empfiehlt es sich, in der Kabine bzw. im Cockpit einmal tief durch die Nase einzuatmen und einen Blick in die Bilge und in den Sumpf zu werfen. Riecht es nach Treibstoff (Diesel oder Benzin) und/oder nach Chemikalien, ist schon mal die eigene Warnlampe zu aktivieren. Entweder saut der Bootsmotor oder es gibt undichte Stellen beim Tank oder der Zuleitung. Stinkt es nach WC-Chemie diffundieren die Schläuche und Leitungen, die mit diesem System verbunden sind. Wer nicht gerade vorhat, die nächsten Monate zu restaurieren anstatt das Leben an Bord zu geniessen, darf sich bereits jetzt vom Verkäufer verabschieden. Das gleiche Szenario ist zu empfehlen, wenn aus Bilge und/oder Sumpf tausende „Fettaugen“ grüssen und am versifften Bilgenrand zu erkennen ist, dass die Wasser-Öl-Suppe schon länger dort rumschwappt und vor allem sich auch immer wieder dort sammelt.

Punkt 3: Bläschen und Rinnsale sind des Kunststoff tot

Ist man nach dieser Sinneskontrolle immer noch an Bord und dem Verkäufer wohl gesinnt, wäre es optimal das Boot noch vor der ersten Probefahrt für einige Stunden an Land zu stellen. Warten bis der Rumpf aussen vollkommen abgetrocknet ist und dann darf man gerne auf Spurensuche gehen, ob nicht hier und dort weiterhin ein kleines Rinnsal fliesst. Speziell bei Seglern mit angeschraubtem Kiel oder bei älteren GFK-Konstruktionen, die aus zwei miteinander verbundenen Schalen bestehen (z.B. Ta Chiao), kann über Tage hinweg Wasser aus dem Rumpf fliessen. Das gleiche gilt für Ruderanlagen. Wenn es nach kurzer Zeit nicht aufhört zu rinnen, sagt man ebenfalls getrost „Good Bye“ und freut sich darüber, sich viel Geld und Ärger erspart zu haben. Das gleiche gilt, wenn man bei einem GFK-Boot mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen im Gelcoat entdeckt. In diesem Fall verabschiedet man sich von einem Osmose Dampfer. Bootsrümpfe, die während des Winters an Land stehen, trocknen aus und man kann Osmose-Befall nicht so leicht erkennen. Daher ist es wichtig, dass das Boot einige Zeit im Wasser gelegen hat.

Punkt 4: Was nicht dichthält fliegt von der Auswahlliste

Gebrauchte, die hoch und trocken, gereinigt, leergeräumt und poliert unter einer Plane oder in einer Halle stehen, versprühen oftmals mehr Schein als Sein. Bestehen Sie auf jeden Fall auf eine Wasserung und eine ausgedehnte Probefahrt. Zudem sollten Sie das Boot mit einem Wasserschlauch und starkem Strahl einer ausgedehnten Dusche unterziehen. Scheuen Sie sich dabei nicht, den Schlauch direkt auf Bullaugen, Luken, Mastfuss und andere exponierte Stellen zu richten. Ein wenig warten und danach Bilge, Bullaugen etc, Maststütze, Stauräume und Wandverkleidungen auf feuchte Stellen hin überprüfen. Wasser tritt meist dort zu Tage, wo man es am wenigsten erwartet. Entsprechend schwierig gestaltet sich die Verfolgung nach dem Ursprung. Also gerne mehr Zeit für eine „wasserdichte“ Kontrolle aufwenden. Zeigt sich Nässe, dann ist erneut Rückzug angebracht. Es gibt genug gebrauchte Boote, die dicht halten.

Punkt 5: Kein Erbarmen mit qualmenden Motoren und „Vibratoren“

Bei allen mit einem Einbaumotor ausgestatteten Booten, egal ob Segelboot oder Motorboot, zählt die Antriebseinheit zum unverzichtbaren Herzstück. Zum wichtigsten Bestandteil an Bord. Wenn beim Menschen die „Pumpe“ nicht einwandfrei arbeitet, dann kann es zu (gesundheitlichen) Problemen kommen. Gerade auch in Extremsituationen. Das gleiche gilt für den Motor an Bord. Funktionieren Aggregat, Lichtmaschine oder Getriebeeinheit nicht einwandfrei, sind Stresssituationen vorprogrammiert. Und meistens streikt das Diesel- oder Benzinherz dann, wenn man es am dringendsten braucht. Als Autofahrer weiss man, wie ein Motor anspringen sollte. Die Motortechnik, die heute in den Booten verwendet wird, ist in gleicher Weise modern und sollte genau so funktionieren wie bei einem PKW. Bei älteren Modellen darf sicher etwas Nachsicht gewährt werden. Dennoch sollte der Motor ohne Laier Phase anspringen und nach kurzer Zeit rauchfrei vor sich hin schnurren. Kommt weisser Qualm aus dem Auspuff ist Wasser im Zylinder, was auf einen schadhaften Kühlkreislauf hinweist. In diesem Fall: „Thema erledigt“. Ebenso auf Abstand gehen darf man, wenn dunkler oder blauer Rauch aus dem Auspuff kommt. Beim Ersten weist die Kraftstoffanlage ein Problem auf, beim Zweiten dringt Schmieröl unberechtiger Weise in die Brennkammer. (Ausnahme stellen Außenborder mit Gemischtschmierung im kalten Zustand dar.) Also, Husten, spucken und Qualmen kündigt einen Werkstattbesuch an. Suchen Sie sich besser ein Boot, indem der Motor schnurrt wie ein Kätzchen. „Schalten soll kein Geheimnis sein“. Wenn jedoch das Einlegen von Vor- oder Rückwärtsgang zu sehr auf die Gehörmuschel geht oder die Schraube beim Beschleunigen langsamer dreht, als sie sollte (Schubverlust), dann hat das Getriebe oftmals das Ende seiner Laufzeit erreicht oder gar überschritten. Auch hier gilt: Finger weg, bevor man mit beiden Händen in der Schmiere steckt. Vibrationen können mehrere Ursachen haben. Eine Unwucht im Propeller durch Grundberührung, schadhafte Motorlager, eine ausgeleierte Stopfbuchse oder eine aus dem Lot geratene Antriebswelle. Ein Verkäufer, der diese Mängel vor dem ersten Besichtigungstermin nicht beheben lässt und dem Käufer im guten Glauben lässt, dass dies alles seine Richtigkeit hat, ist nicht ehrlich und hat jede Basis für weitere Verhandlungen verspielt.

Autor

Max Wagner

Geschrieben von

Wassersport-Journalist und Autor.
Betreibt eine Werbeagentur.

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