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Rivamania: Eine Klasse für sich

Autor: Erdmann Braschos
  

Es gibt eine unüberschaubare Flotte verschieden sportlicher, komfortabler oder großer Motorboote. Ständig kommen neue Modelle aller möglichen Stile hinzu, von retro bis modern, mit amorphen oder markanten Formen.

Rivamania: Eine Klasse für sich

Von dieser Flotte hebt sich der aparte Wasserstraßenkreuzer vom Typ Riva ab. Eine klassische Mahagoni-Riva ist die Sophia Loren unter den Motorbooten. Ein elegantes, durch seine bloße Präsenz wirkendes Geschöpf. Seit den Sechziger Jahren das Sommer Accessoire des Jet Set.

Selbst bei den Riva-Einsteigermodellen namens Florida, Junior oder Olympic sind Brigitte Bardot, Anita Ekberg, Ira von Fürstenberg oder Gina Lollobrigida irgendwie an Bord. Ein Klassiker des Wirtschaftswunders, der durch Schauspieler und Lebenskünstler wie Jean-Paul Belmondo, Roger Vadim oder Gunter Sachs berühmt wurde.

Damals war manche Riva im exotischen Zebradekor gepolstert. Auch die erfrischend türkise, nobel cremefarbene oder französisch inspirierte Vermilion Ausstattung, ein Orange-Ocker mit dunkelblauen Nähten war nicht bloß hip. Sie war trés chic.

Ein Gefährt aus maronenbraunem Mahagoni mit Panorama Windschutzscheibe und verführerisch funkelnden Beschlägen. Von der raffiniert geschützten Bugspitze über die seitlich eingelassenen Scheinwerfer, wohlgeformte Luftansauger bis hin zum gepolsterten Cockpit unter dem Kabriolet-artigen Klappverdeck ist die klassische Riva mehr denn je Objekt der Begierde. Sie steht für Erfolg und Stil.

Vom kühn ausgekragten Vorschiff bis zum sogenannten „barrel back“ des oben halbrunden Heck, in dem ein oder zwei Achtzylinder wummern, eine schwimmende Skulptur. Die Vintage-Maschinen gehen auf freier Wasserfläche mit anarchischer Rotzigkeit zur Sache. Dann jagt eine Zweimotorige 40 Knoten über das Wasser.

Die Typbezeichnungen der größerem Modelle wie Aquarama (Seeblick), Ariston (das Beste vom Besten) oder Tritone(Meergott) signalisieren Charme und Flair der fünfziger und sechziger Jahre.

Die an einen BMW erinnernden Nüstern im Aquamara-Bugbeschlag, das Lenkrad auf der linken Fahrerseite, das vertraut instrumentierte Armaturenbrett: Carlo Riva, der Detail versessene Schöpfer der Boote, beherrschte die automobile Fetischisierung seiner Erzeugnisse. Er trieb sie von 1949 bis 70, als er seinen Betrieb verkaufte, auf die Spitze.

Handwerkliche Perfektion und italienische Grandezza unterschied die vom amerikanischen Gar Wood oder Chris Craft Gleiter inspirierte Riva von ihren Vorbildern. Die Qualitätsbesessenheit des lombardischen Bootsbauers kultivierte das Runabout fürs dolce vita und dolce far niente sonnendurchfluteter Nachmittage.

Damals, als die Klimaanlage ein seltener Luxus war, ließ es sich im Sommer eigentlich nur im Fahrtwind ab 20 Knoten auf oberitalienischen Seen, etwa dem zwischen Bergamo und Brescia gelegenen Lago di Iseo aushalten. Dort, in Sarnico, entstanden die legendären Rivas.

Natürlich hatte dieser Genuß seinen Preis. 1956 kostete eine einmotorige Ariston knapp 20, eine zweistrahlige Tritone 36 Tausend Mark. Ein Bentley Continental war damals für 26.500, ein Mercedes 300 SL für 29 Tausend Mark zu haben. Immerhin war der Sprit günstig.

Damals überredet Carlo Riva seinen Kunden Fürst Rainer von Monaco, den Grimaldi-Palast für eine Riva-Vertragswerkstatt mit Bootslager zu unterkellern. Wie guter Wein sollten die Mahagoni-Boote in einem dunklen und kühlen Gewölbe aufbewahrt werden. Der Lack wird sonst welk, das Holz trocknet aus und reißt.

Etwa die Hälfte der mehr als dreitausend einmotorigen und gut tausend zweimotorigen Rivas die damals entstanden, existiert noch. Eine limited editon, die sich anhaltender Wertschätzung erfreut.

So ist eine Riva bis heute schwimmende Sehnsucht für Bellagio, Rapallo, Portofino oder den Ausflug nach San Fruttuoso. Das Accessoire für erfrischende Stunden im Maddalena Archipel, die kesse Runde durch die Baie des Anges und die Spritztour von Saint Tropez zum Strand von Pampelonne.

Und weil es über das Fahren und den Anblick der intarsienartig zusammengefügten Planken hinaus ein Genuss ist, die Fingerkuppen über die abschließend mit Viertausender Körnung polierten 17 Lackschichten gleiten zu lassen, wächst das Interesse an den Booten seit Ende der neunziger Jahre. Es gibt einen süddeutschen Eigner, der teils aus Begeistung, teils aus spektulativem Interesse Rivas sammelt wie andere Straßenoldtimer.

Die kleinen, bis zu 6,80 m langen und 1,4 t schweren Modelle wie die Florida, Junior, Olympic oder Ariston lassen sich problemlos auf dem Anhänger von einem PKW ziehen. Für die großen Modelle, die 8 m lange und 2,7 t schwere Tritone und die etwas größere Aquarama ist entweder ein Spediteur oder ein umgebauter Lastwagen gefragt.

Der Riva-Eigner kann sein Boot überall hin mitnehmen, wo es schön ist und seinen Wasserstraßenkreuzer für unvergeßliche Stunden durch eine Schneise weißer Gischt jagen.

Abschließend eine Warnung: Es sollte nur einsteigen und mal mitfahren, wer sich eine leisten kann. Ein Ritt an Bord einer Riva hinterließe sonst unschön nagende Mangelerscheinungen.

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Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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