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Mit welchem Boot um die Welt?

Autor: Erdmann Braschos
  

Der Traum von der großen Auszeit auf dem Wasser, symbolisiert durch die Weltumsegelung, ist untrennbar mit dem Bootskauf verbunden. Mit dem Besitz einer seegehenden Segelyacht hat man den ersten Schritt getan.

Mit welchem Boot um die Welt?
"Bestevaer 2" die perfekte Langfahrtyacht vom Konstrukteur Gerhard Dykstra. © Gerard Dykstra

Über die Frage, welches Boot sich idealerweise für die Weltumsegelung eignet, wurde und wird endlos gefachsimpelt. Vorweg: es gibt keine pauschale Antwort. Auch der Blick auf die Flotte der Weltumseglerboote ergibt keine eindeutige Peilung. Denn die Boote, mit denen die Welt umsegelt wurde, sind so unterschiedlich wie Wilfried Erdmanns erste „Kathena“ oder Jost Stollmanns 40 m Megayacht „Alithia“.

Erstere war ein vergammeltes und entsprechend günstiges 7 ½ m Holzboot, das sich der handwerklich geschickte Eigner 1967 in Alicante zu recht gemacht hatte. Als er ein Jahr später damit in Helgoland anlegte, glaubte ihm zunächst niemand, dass er damit die Welt umsegelt hatte.

Stollmanns Yacht dagegen war eine teure Sonderanfertigung aus Aluminium mit einigen Finessen. Gebaut hatte sie die weltberühmte Abeking & Rasmussen Werft in Lemwerder 2001.

Stollmanns Luxus Yacht Alithia© ALITHIA Stollmanns Luxus Yacht Alithia© ALITHIA

Nach ersten Hochseereisen mit verblüffend kleinen Booten segelte Rollo Gebhard mit dem 7,60 m Gfk-Serienboot Typ Condor 7 zwei Mal einhand um die Welt. Dieser schwimmende Untersatz eignet sich nach landläufiger Meinung eher als schwimmendes Wochenendhaus für’s Binnenrevier. Später segelte Gebhard zusammen mit seiner Lebensgefährtin an Bord einer stäbigen Hallberg Rassy 42 erneut um die Welt. Bobby Schenk begann mit einem kleinen Gfk Serienboot. Es folgte ein 15 m Stahlschliff und ein Kunststoff-Katamaran.

Die Beispiele zeigen, dass die Boote so verschieden sind wie die Eigner und ihr Budget. Hinzu kommt: mit dem Alter wachsen die Ansprüche. Man wird bequemer, möchte mehr Platz. Dennoch gibt es Kriterien zur Auswahl eines Weltumsegler-Bootes.

1. Die ideale Blauwasseryacht ist zunächst einmal so zweckmäßig und zuverlässig ausgestattet, dass man überhaupt zum Segeln kommt. Moderne Technik macht das Bordleben im Prospekt oder bei Verkaufsgesprächen auf der Bootsmesse einfach. Tatsächlich ist es aber kompliziert. Unterwegs wird man angesichts endloser Wartungsarbeiten, Nachbesserungen und Reparaturen fluchen. Also lieber das altbewährte Schnell- und Bindereff für das Großsegel nehmen, als einen teuren Rollmast oder –baum, der endlos Scherereien macht.

Der einfache Bootsmotor kaufen einer gängigen Marke lässt sich in fast jedem Hafen der Welt vom handwerklich geschickten Eigner oder einem Mechaniker warten. Ein Diesel mit komplexer Elektronik und Diagnosestecker nicht. Lieber eine manuelle und bewährte Bordtoilette mit üblichen Ersatzteilen als eine stinkende Dauerbaustelle. Ein Windex zeigt die Windrichtung genau genug an und kostet den Bruchteil einer Windmessanlage. Logge, Lot und GPS reichen. Keine vernetzten Systeme! Die Liste lässt sich endlos fortsetzen. Also Regel Nummer 1 für alle, die Segeln statt basteln und endlos Techniker bezahlen wollen: Keep it simple.

2. Baumaterial: Man kann mit jedem Boot um die Welt segeln, solange es dicht ist und in den entscheidenden Bereichen wie Mastunterbau oder Aufhängung des Riggs gesund ist, Kiel und Ruder stabil montiert sind. Es kann aus Holz, Gfk, Stahl oder Aluminium sein. Ein Kunststoffboot macht auf Dauer die wenigste Arbeit. Kein Schleifen, Spachteln, lackieren oder Rost klopfen.

Dennoch haben sich Langfahrtsegler wie Wilfried Erdmann mit seiner „Kathena Nui“ Baujahr 1984 für ein unkaputtbares Boot aus unbehandeltem Aluminium, das Ehepaar Heide und Erich Wilts mit ihren „Freydis“ für Stahlschiffe vom Typ Reinke entschieden. Metallboote können Grundberührungen oder Kollisionen mit Treibgut (Baumstämme, Palletten oder Container) oder auch Brände besser ab als Holz- oder Kunststoffboote. Hinzu kommt bei extremen Törns in entlegene Gewässer das Bedürfnis nach gefühlter Sicherheit.

3. Thema Tiefgang: Die ideale Langfahrtyacht hat möglichst wenig Tiefgang weil nur damit idyllische (und preiswerte) Häfen, geschützte und schöne Buchten oder Lagunen überhaupt zugänglich sind. Das spricht für Mehrrümpfer, Kielschwerter oder (trotz KIS-Prinzip) Boote mit Hubkiel. Letztere bringen am Wind Segelleistung mit passablem Tiefgang in Einklang.

4. Thema Größe: Interessanter als schiere Größe und an die Länge gekoppelte Grund- sprich Rumpfgeschwindigkeit ist die einfache Handhabung. Ein großes oder schweres Boot ist nicht nur beim Kauf teurer. Da sich die Betriebskosten aus der Verdrängung ergeben (teurere Segel, größere Winschen, kostspieligere Liegeplätze und Krantarife) ist man im Zweifel mit einem kleineren Boot gut beraten. Gerade dann, wenn das Kosten eine Rolle spielen. Lieber mit einem kleinen Boot ablegen als nie. Siehe die tollen Reisen von Wilfried Erdmann oder Rollo Gebhard.

5. Thema Bordleben: Bei der Blauwasseryacht ist der Bordleben-Komfort wichtiger als die Segeleigenschaften. Weil man die meiste Zeit seiner Weltumseglung in schönen Buchten vor Anker oder in Häfen liegend verbringt. Auf See lebt es sich hinter oder in einem ringsum schützenden Deckshaus angenehmer als in einem Kellerschiff ohne Blickkontakt nach draußen.

Das ideale Weltumseglerboot muss nicht neu erfunden werden. Das gibt es bereits: es liegt irgendwo in einem Hafen oder steht als erschwingliches Objekt in einem Bootslager aufgepallt. Die essenziellen Sachen anschauen und das Boot technisch von den Bordwanddurchführungen an aufwärts gründlich angucken und Schritt für Schritt in Ordnung bringen. Ventile, Schläuche, Pumpen, Elektrik. Bei der Gelegenheit alles Entbehrliche ausbauen: Keep it simple.

Wer in der glücklichen Lage ist, viel Geld für eine Sonderanfertigung aus Aluminium auszugeben, schaut sich die Bestavær 53 ST von Gerard Dykstra oder eines der Schwesterschiffe an. Die gibt es übrigens auch gebraucht, sprich ausprobiert. Vor allem aber in brauchbarer = einfacher Ausstattung: Mit Bindereff, Windex und ohne Sperenzchen, die uns letztlich im Hafen und vom Segeln abhalten. Leinen Los und ab auf’s Meer!

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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